Der Deutsche Städtetag (DST) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten in Deutschland und ein kommunaler Spitzenverband.

Er vertritt gemeinsame Interessen seiner Mitglieder gegenüber Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat, Europäischer Union und zahlreichen Organisationen.

Der DST arbeitet in der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände mit dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund zusammen. Diese nehmen gemeinsam zu übergreifenden kommunalpolitischen Themen Stellung.

Er berät seine Mitgliedsstädte, informiert sie über bedeutsame Vorgänge und Entwicklungen und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen ihnen. Die Hauptgeschäftsstelle verteilt sich auf die Standorte Köln und Berlin. Für jedes Bundesland gibt es einen Landesverband des DST. Der Deutsche Städtetag hat ein Europabüro in Brüssel.

Der DST wählte das Lübecker Holstentor als Logo.

Vergleichbare Institutionen sind der Österreichische Städtebund der Schweizerische Städteverbandstaedteverband.ch der Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE), eine europaweite Organisation der kommunalen und regionalen Gebietskörperschaften. Im RGRE sind 60 Verbände aus 38 Ländern zusammengeschlossen.www.rgre.de

Geschichte Der Deutsche Städtetag konstituierte sich am 27. November 1905 auf einer ersten Sitzung in Berlin, auf der Vertreter von 131 Städten und 7 regionalen Städteverbänden anwesend waren, als ständige Einrichtung. Initiiert wurde er – zuerst als einmalige Veranstaltung – anlässlich einer im September 1903 in Dresden ausgerichteten Deutschen Städteausstellung vom Dresdner Oberbürgermeister Otto Beutler. Sitz und Geschäftsstelle waren die des 1896 gegründeten Allgemeinen Preußischen Städtetags in Berlin. Im Juli 1908 fand die zweite Sitzung statt. Ab 1913 hatte der DST mit Hans Luther einen ersten hauptamtlichen Geschäftsführer. Während des Ersten Weltkriegs regte der Deutsche Städtetag die Hindenburg-Spende zur Beschaffung von Wollwaren und Pelzen für die an der Ostfront kämpfenden deutschen Soldaten an.

Hauptamtlicher (geschäftsführender) Präsident des Deutschen Städtetages war seit März 1926 Oskar Mulert, bis dahin hoher Ministerialbeamter (Leiter der Kommunalabteilung im Preußischen Innenministerium). Er hatte den Vorsitz in den Fachausschüssen und das Vertretungsrecht nach außen. Der Engere Vorstand gewann ab 1926 an Bedeutung. Das Gremium umfasste zusammen (Preußischer und Deutscher Städtetag) etwa 12 Personen und wurde als eines der vielleicht verwaltungspolitisch bedeutendsten Gremien der Weimarer Zeit eingeschätzt. Der Gesamtvorstand hatte rund 40 Mitglieder. Mitglied des Vorstandes und des Engeren Vorstandes waren u. a. der Mannheimer OB Hermann Heimerich sowie Robert Görlinger, SPD-Stadtverordneter in Köln. Der Sitz befand sich im Städtehaus am Rande des Berliner Tiergartens unweit des Reichstagsgebäudes.

In den 1920er Jahren engagierte sich Carl Friedrich Goerdeler im Deutschen Städtetag.

Nachfolgeorganisation des DST wurde 1933 der Deutsche Gemeindetag, ein auf Anregung von Robert Ley im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ihrer Gleichschaltungspolitik im Mai 1933 erzwungener Einheitsverband. Mulert wurde unter dem Vorwurf der Veruntreuung beurlaubt.

Die Deutsche Gemeindeordnung (DGO) vom 30. Januar 1935 schaffte das bisher föderalistisch strukturierte Gemeindeverfassungsrecht der deutschen Länder zugunsten einer zentralistischen Regelung ab. Gleichzeitig bedeutete die DGO das Ende der kommunalen Selbstverwaltung, die viele für eines der bedeutendsten Elemente der deutschen Bürokratie überhaupt hielten.Vgl. zum Beispiel: Ines Reich: Carl Friedrich Goerdeler. Ein Oberbürgermeister gegen den NS-Staat. Böhlau-Verlag, Köln 1997, S. 218. Die DGO beseitigte die unmittelbare oder mittelbare Mitwirkung der Bevölkerung an innergemeindlicher Willensbildung und übertrug weite Teile der städtischen Aufgaben an den Staat oder an die NSDAP. Die verbliebenen Aufgaben der Gemeinde gingen nach dem „Führerprinzip“ auf die Person des Bürgermeisters über.

Der Deutsche Gemeindetag wurde als nationalsozialistische Organisation nach Beendigung der Zeit des Nationalsozialismus am 10. Oktober 1945 durch den Alliierten Kontrollrat mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 aufgelöst.

Auf Initiative des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer begann in den westlichen Besatzungszonen der Prozess der Wiederbegründung des DST. Erster Nachkriegspräsident wurde Adenauers Nachfolger Hermann Pünder, die Geschäftsführung mit der des nordrhein-westfälischen Landesverbandes (Städtetag Nordrhein-Westfalen) zusammengelegt. 1952 gründete sich die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, dieser gehören an: der Deutsche Städtetag der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag.

1960 stand die Hauptversammlung des DST unter dem Motto „Erneuerung der Städte“ – erstmals wurden auch Grundsatzfragen diskutiert; 1973 wurde das Deutsche Institut für Urbanistik gegründet.

Am 13. Juni 1990 – ein halbes Jahr nach dem Fall der Mauer und vier Monate vor der Wiedervereinigung – wurde im Ernst-Reuter-Haus in Berlin (Straße des 17. Juni), dem in den 1950er Jahren an den DST übertragenen und wiederaufgebauten vormaligen Haus der deutschen Gemeinden, der erste gesamtdeutsche Städtetag abgehalten.

Seit 2009 wirkt der Deutsche Städtetag an der Organisation des zentralen Deutsch-Belgischen Partnerstädtetages mit.

Organe Verein Die Organisation ist ein nicht eingetragener Verein. An der Spitze steht ein Präsident, der den Vorsitz im dreimal jährlich tagenden Hauptausschuss des DST sowie dem fünfmal jährlich tagenden Präsidium hat. Gewählt wird er durch die alle zwei Jahre tagende Hauptversammlung.

In den beiden Hauptgeschäftsstellen werden durch den Hauptgeschäftsführer, einen Beigeordneten im Amt des Ständigen Stellvertreters des Hauptgeschäftsführers, fünf weitere hauptamtliche Beigeordnete und einen Pressesprecher insgesamt sieben Dezernate mit 35 Referenten und insgesamt rund 125 Mitarbeitern betreut. Dezernat I: Hauptgeschäftsführer, Europa und Internationales, Kommunikation und Medien, Verwaltung Dezernat II: Finanzen Dezernat III: Bildung, Integration, Kultur, Sport und Gleichstellung Dezernat IV: Arbeit, Jugend, Gesundheit und Soziales Dezernat V: Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr Dezernat VI: Klima, Umwelt, Wirtschaft, Brand- und Katastrophenschutz Dezernat VII: Recht und Verwaltung

Daneben gibt es weitere durch Mitarbeiter der Mitgliedsstädte betreute Gremien, die die fachliche Arbeit der Kommunen koordinieren. Dies sind vor allem die Fachausschüsse: Ausschuss für mittlere Städte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Finanzen Kultur Sport Frauen und Gleichstellungsangelegenheiten Schule und Bildung Soziales, Jugend und Familie Gesundheit Bau und Verkehr Klima und Umwelt Wirtschaft und Europäischer Binnenmarkt Recht und Verfassung Personal und Organisation Katastrophenschutz, Brandschutz und Rettungswesen

Unterhalb dieser Fachausschüsse existieren weitere Arbeitskreise, Arbeitsgemeinschaften und Fachkommissionen zu spezifischen Themenfeldern.

Präsidenten mini|rechts|Frisch gewählter Präsident Markus Lewe (3. v. l.) und neu gewählter Vizepräsident Burkhard Jung (2. v. l.) – gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy und seiner Ständigen Stellvertreterin Verena Göppert auf der Hauptversammlung in Erfurt, Nov. 2021 1945–1948: Hermann Pünder, Oberbürgermeister von Köln 1948–1949: Louise Schroeder, Stellvertretende Oberbürgermeisterin von Berlin 1949–1953: Ernst Reuter, Regierender Bürgermeister von West-Berlin 1953–1955: Ernst Schwering (1), Oberbürgermeister von Köln 1955–1957: Otto Suhr, Regierender Bürgermeister von West-Berlin 1957–1958: Ernst Schwering (2), (ehemaliger) Oberbürgermeister von Köln 1958–1963: Willy Brandt, Regierender Bürgermeister von West-Berlin 1963–1965: Arnulf Klett, Oberbürgermeister von Stuttgart 1965–1967: Alfred Dregger (1), Oberbürgermeister von Fulda 1967–1970: Willi Brundert, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main 1970: Alfred Dregger (2), Oberbürgermeister von Fulda 1970–1971: Hans-Jochen Vogel, Oberbürgermeister von München 1971–1977: Hans Koschnick, Bürgermeister von Bremen 1977–1979: Manfred Rommel (1), Oberbürgermeister von Stuttgart 1979–1980: Günther Bantzer, Oberbürgermeister von Kiel 1981–1983: Manfred Rommel (2), Oberbürgermeister von Stuttgart 1983–1985: Günter Samtlebe, Oberbürgermeister von Dortmund 1985–1986: Walter Wallmann, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main 1986–1989: Herbert Schmalstieg, Oberbürgermeister von Hannover 1989–1993: Manfred Rommel (3), Oberbürgermeister von Stuttgart 1993–1995: Norbert Burger, Oberbürgermeister von Köln 1995–1997: Gerhard Seiler, Oberbürgermeister von Karlsruhe 1997–1999: Petra Roth (1), Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main 1999–2002: Hajo Hoffmann, Oberbürgermeister von Saarbrücken 2002–2005: Petra Roth (2), Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main 2005–2009: Christian Ude (1), Oberbürgermeister von München 2009–2011: Petra Roth (3), Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main 2011–2013: Christian Ude (2), Oberbürgermeister von München 2013–2015: Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg 2015–2017: Eva Lohse, Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen am Rheinstaedtetag.de, 11. Juni 2015: Hauptversammlung in der Landeshauptstadt Dresden: Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse zur neuen Präsidentin des Deutschen Städtetages gewählt, abgerufen am 2. Februar 2019. 2018–2019: Markus Lewe (1), Oberbürgermeister von Münster 2019–2021: Burkhard Jung (1), Oberbürgermeister von Leipzig 2021–2023: Markus Lewe (2), Oberbürgermeister von Münster 2023–2025: Markus Lewe (3), Oberbürgermeister von Münster seit 2025: Burkhard Jung (2), Oberbürgermeister von Leipzig

Hauptgeschäftsführer 1906–1913: Reinhold Schalhorn 1913–1918: Hans Luther 1918–1919: Heinrich Sahm 1919–1926: Paul Mitzlaff 1926–1933: Oskar Mulert 1945–1951: Peter van Aubel 1951–1963: Otto Ziebill 1964–1968: Werner Bockelmann 1968–1986: Bruno Weinberger 1986–1990: Ernst Pappermann 1990–1999: Jochen Dieckmann 1999–2016: Stephan Articus 2016–2025: Helmut DedyDt. Städtetag (Hrsg.): 100 Jahre Deutscher Städtetag. Nomos Verlag, Baden-Baden, 2005, S. 92 ff. seit 2025: Christian Schuchardt

Themen und Orte der Hauptversammlungen mini|rechts|41. Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in Erfurt, Nov. 2021 Unvollständige Aufzählung der letzten HauptversammlungenDt. Städtetag – Homepage online abgerufen am 21. November 2021 | 13:44 Uhr – Über uns – Geschichte des Dt. Städtetags

1902: Berlin – einmaliges Treffen 1903: Dresden „Deutsche Städte-Ausstellung“ 1905: Berlin – Konstituierender „Erster Deutscher Städtetag“ 1908: München „Finanz- und Kreditwesen der Städte“ 1921: Dresden/Wiesbaden 1948: Frankfurt am Main – Paulskirche (erstes Treffen nach dem Zweiten Weltkrieg) 1960: Augsburg „Erneuerung unserer Städte“ 1968: Bonn „In letzter Stunde“ – Außerordentliche Versammlung 1971: München „Rettet unsere Städte jetzt!“ 1985: Berlin „Stadt: Heimat ihrer Bürger“ 1987: Köln „Städte für eine bessere Umwelt“ 1989: Bonn „Ohne Städte keine Zukunft“ 1990: Berlin „Für eine starke kommunale Selbstverwaltung in Deutschland“ (erste gesamtdeutsche Hauptversammlung) 1993: Bonn „Städte in Not“ – Außerordentliche Versammlung 1995: Magdeburg „Die Stadt als Chance – Neue Wege in die Zukunft“staedtetag.de, 24. Mai 2008: , abgerufen am 25. April 2020.Die Stadt als Chance – Neue Wege in die Zukunft: Dokumentation der Hauptversammpung 1995 in Magdeburg, Heft 69; Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz – Verlagsort Köln: Verlag W. Kohlhammer GmbH, 1995, ISBN 3-17-014109-0, S. 7. 2001: Leipzig „Zukunft der Stadt – Stadt der Zukunft“baulinks.de, 11. Mai 2001: Deutscher Städtetag: Hauptversammlung „Zukunft der Stadt – Stadt der Zukunft“ in Leipzig, abgerufen am 4. Mai 2020. 2003: Mannheim „Städte sind Zukunft“