Als Hamburger Stadtderby werden die Fußballspiele zwischen den beiden erfolgreichsten Fußballvereinen Hamburgs, dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli, bezeichnet. Es stellt mit 113 Pflichtspielen seit 1919 eines der am häufigsten ausgetragenen Fußballderbys in Deutschland dar.

Beschreibung Der HSV und FC St. Pauli sind die einzigen Hamburger Vereine, die in einer der bundesweiten Profiligen (Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga) spielten. Der HSV trägt seine Heimspiele im Volksparkstadion im Stadtteil Bahrenfeld aus, das Stadion des FC St. Pauli ist das Millerntor-Stadion am Heiligengeistfeld und liegt im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Beide Stadien sind rund 6 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Das Duell ist eines von sieben Stadtderbys (zwei in Berlin, Bochum, Köln, Stuttgart und München), die in der Bundesligageschichte ausgetragen wurden.

Spätestens seit den 1980er Jahren besteht die Brisanz des Derbys nicht nur in der lokalen Rivalität um die Nummer eins in Hamburg, sondern umfasst auch sozioökonomische Faktoren. Medial wird dabei das Bild stilisiert, wonach der dank zahlreicher nationaler und einigen internationalen Titeln erfolgreichere HSV eher Fans aus der Hamburger Mittel- und Oberschicht anzieht und seine Hochburgen eher am Stadtrand und im Umland hat. Den FC St. Pauli umgibt hingegen das Image des finanziell häufig klammen Underdogs – der Verein hatte in der Vergangenheit mit mehreren drohenden Insolvenzen zu kämpfen –, der sich deshalb nicht nur innerhalb Hamburgs einer großen Beliebtheit im links-alternativen Milieu erfreut.

Vor allem in den 1980er Jahren hatte das Derby zudem eine politische Komponente. Während signifikante Teile der HSV-Fankurve seit Ende der 1970er Jahre zunehmend von rechtsextremen Fangruppen – am bekanntesten die Hamburger Löwen – vereinnahmt wurde, begann gleichzeitig die Entwicklung der Fan-Szene des FC St. Pauli zu einer linkspolitischen Ausrichtung – wiederum geprägt von HSV-Fans aus der Punkszene, welche die rechten Tendenzen im Volkspark missbilligten und so nach St. Pauli „auswichen“. Diese politische Brisanz hat im Laufe der Jahre allerdings deutlich abgenommen, da Gruppen wie die Löwen auch unter HSV-Fans mittlerweile nicht mehr respektiert werden, in der Fanszene keine Rolle mehr spielen und sich der HSV zunehmend gegen Rassismus und für Toleranz positioniert.

Geschichte + Spielzeiten in derselben Liga Saison Liga Plätze 1919/20 Hamburger Meisterschaft 2. 20px|alt= / ?. 20px|alt= 1921/22 Alsterkreis-Liga 3. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 1922/23 1. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 1923/24 1. 20px|alt= / 7. 20px|alt= 1924/25 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1925/26 1. 20px|alt= / 8. 20px|alt= 1927/28 1. 20px|alt= / 7. 20px|alt= 1930/31 Oberliga Hamburg 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1931/32 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1932/33 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1934/35 Gauliga Nordmark 2. 20px|alt= / 10. 20px|alt= 1936/37 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1937/38 1. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 1938/39 1. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 1939/40 Hamburger Kriegsmeisterschaft ? 1939/40 Bereichsliga Nordmark 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1942/43 Gauklasse Hamburg 2. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1943/44 2. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 1944/45 1. 20px|alt= / 3. 20px|alt= 1945/46 Stadtliga Hamburg 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1946/47 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1947/48 Oberliga Nord 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1948/49 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1949/50 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1950/51 1. 20px|alt= / 2. 20px|alt= 1951/52 1. 20px|alt= / 3. 20px|alt= 1952/53 1. 20px|alt= / 9. 20px|alt= 1953/54 2. 20px|alt= / 11. 20px|alt= 1954/55 1. 20px|alt= / 7. 20px|alt= 1955/56 1. 20px|alt= / 13. 20px|alt= 1956/57 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1957/58 1. 20px|alt= / 9. 20px|alt= 1958/59 1. 20px|alt= / 7. 20px|alt= 1959/60 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1960/61 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1961/62 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 1962/63 1. 20px|alt= / 6. 20px|alt= 1977/78 Bundesliga 10. 20px|alt= / 18. 20px|alt= 1988/89 4. 20px|alt= / 10. 20px|alt= 1989/90 11. 20px|alt= / 13. 20px|alt= 1990/91 5. 20px|alt= / 16. 20px|alt= 1995/96 5. 20px|alt= / 15. 20px|alt= 1996/97 13. 20px|alt= / 18. 20px|alt= 2001/02 11. 20px|alt= / 18. 20px|alt= 2010/11 8. 20px|alt= / 18. 20px|alt= 2018/19 2. Bundesliga 4. 20px|alt= / 9. 20px|alt= 2019/20 4. 20px|alt= / 14. 20px|alt= 2020/21 4. 20px|alt= / 10. 20px|alt= 2021/22 3. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 2022/23 3. 20px|alt= / 5. 20px|alt= 2023/24 1. 20px|alt= / 4. 20px|alt= 2025/26 Bundesliga 13. 20px|alt= / 18. 20px|alt=

350px|mini|Name, Geschichte, Tradition, Erfolge. Hamburg war, ist und bleibt auf ewig Schwarz-Weiss-Blau – Choreo der HSV-Fans beim 99. Stadtderby (2011) Obwohl der HSV als Gründungsjahr 1887 angibt, wurde er tatsächlich im Jahr 1919 gegründet, als sich die Hamburger Vereine SC Germania von 1887 (auf dessen Gründungsjahr sich der Verein bezieht), Hamburger FC 1888 und der FC Falke 1906 zum Hamburger SV zusammenschlossen. Der FC St. Pauli ist im Jahr 1924 im Zuge der Reinlichen Scheidung aus dem 1862 gegründeten Hamburg St. Pauli Turnverein hervorgegangen. Das im Vereinsnamen angegebene Gründungsjahr 1910 bezieht sich auf die Gründung einer Ballsportabteilung im Turnverein in jenem Jahr.

In der Saison 1919/20 der Hamburger Meisterschaft fand am 7. Dezember 1919 am Rothenbaum-Sportplatz das erste Pflichtspiel zwischen dem neugegründeten HSV und St. Pauli TV statt. Die St. Paulianer traten zunächst mit 8 Spielern an, ehe 5 Minuten nach dem Anstoß der neunte Mann erschien. Da dieser keine Vereinstracht dabei hatte, bekam er vom HSV ein Hemd aus Germania-Zeiten. Der HSV gewann 9:0; Tull Harder erzielte dabei 6 Tore.Aufgalopp zum 100. Derby, In: HSVLive, S. 32 ff., abrufbar als PDF (16 MB).

Das erste Spiel nach der Abspaltung der Fußballabteilung des St. Pauli TV in den FC St. Pauli wurde am 19. Oktober 1924 in der Alsterkreis-Liga ausgetragen, das der HSV mit 3:1 gewann; das Rückspiel endete mit einem 9:0-Sieg des Hamburger SV. Den ersten Sieg des FC St. Pauli gegen den HSV gab es am 19. Oktober 1930, als die Kiezkicker das erste Spiel zwischen den beiden Clubs in der Oberliga Hamburg mit 1:0 gewannen. Der HSV stieg nach seiner Gründung 1919 nach und nach zum größten Klub der Stadt Hamburg auf und beendete die meisten gemeinsamen Spielzeiten mit dem St. Pauli TV und dem FC St. Pauli in verschiedenen Ligen als Meister. In der Nachkriegszeit blieb der HSV weiterhin der dominierende Club in der Hansestadt, allerdings stieg der FC St. Pauli nun zum größten Konkurrenten des Hamburger SV auf – vorher war der Eimsbütteler TV der größte Konkurrent – und konnte 1947 vor dem HSV Stadtmeister von Hamburg werden. In der Oberliga Nord waren die Rothosen das Nonplusultra, bis auf die Spielzeit 1953/54, als St. Pauli auf dem 2. Platz vor dem Stadtrivalen landete, beendete der HSV jede Saison die Staffel als Meister.

Der HSV wurde 1963 in die Bundesliga aufgenommen und gehörte dieser nun höchsten Spielklasse bis 2018 ohne Unterbrechung an, während der FC St. Pauli bis 1977 in der Regionalliga Nord und in der 2. Bundesliga spielte. 1977 stieg auch St. Pauli in die Bundesliga auf, womit es zum ersten Mal seit 1963 zu einem Punktspiel zwischen den beiden Hamburger Vereinen kam: Das Hinspiel am 3. September 1977 gewann der als Außenseiter ins Spiel gegangene FC St. Pauli, damals laut dem Sportmagazin „kicker“ ohne „eigene Fankultur“,Artikel im Sportmagazin „kicker“, abgerufen am 28. Juni 2024 im Volksparkstadion mit 2:0; zuvor hatte der favorisierte HSV, der unter anderem mit Kevin Keegan – der englische Nationalspieler wurde vom FC Liverpool verpflichtet – antrat, den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Aufgrund der Wut über die Leistung der eigenen Mannschaft wurden die HSV-Fans zum „Überläufer“ und wechselten die Seiten, indem sie „St. Pauli“ riefen. Das ebenfalls im Volksparkstadion ausgetragene Rückspiel – bis 2002 trug der FC St. Pauli die Heimspiele gegen den HSV im Volkspark aus – entschied der Hamburger SV mit 3:2 für sich. Am Ende der Saison 1977/78 stieg der FC St. Pauli wieder in die 2. Bundesliga ab. Erst in der Saison 1986/87 trafen beide Vereine ein weiteres Mal aufeinander, als der HSV im DFB-Pokal vor 58.000 Zuschauern im Volksparkstadion mit 6:0 gewann.

Von 1988 bis 1991 sowie von 1995 bis 1997 und in der Spielzeit 2001/02 trafen beide Clubs erneut in der Bundesliga aufeinander, doch der Stadtteilverein vermochte keine der insgesamt 12 Partien für sich zu entscheiden. Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2002 wurde er ein Jahr später in die Regionalliga Nord durchgereicht und musste dort gegen die zweite Mannschaft des HSV antreten, ehe 2007 die Rückkehr in die 2. Bundesliga und 2010 in die Bundesliga gelang. Am 19. Oktober 2010 fand erstmals seit 1962 wieder ein Ligaspiel zwischen den beiden Vereinen im Millerntor-Stadion statt, das 1:1 endete. Das Rückspiel am 16. Februar 2011 (21. Spieltag) im Volksparkstadion entschied der FC St. Pauli durch ein Tor von Gerald Asamoah mit 1:0 für sich und gewann zum ersten Mal seit 1977 ein Stadtderby. Trotz dieses Sieges stieg der Stadtteilverein zum Saisonende wieder in die 2. Bundesliga ab. Der Hamburger SV, der 2009 und 2010 im Halbfinale des UEFA-Pokals respektive der Europa League stand, verpasste mit dem achten Platz – genau wie im Jahr zuvor – die Teilnahme am internationalen Geschäft.

Da 2018 auch der HSV aus der Bundesliga abstieg, kam es seit der Saison 2018/19 zu regelmäßigen Aufeinandertreffen in der 2. Bundesliga. Nachdem das 100. Stadtderby mit einem torlosen Unentschieden endete, gewann der HSV das Rückspiel am 25. Spieltag mit 4:0, was den ersten Sieg am Millerntor seit 1962 bedeutete. Anschließend gewann St. Pauli – bei einem Unentschieden – vier der nächsten fünf Stadtderbys. Vor dem 107. Stadtderby in der Rückrunde der Saison 2021/22 war der FCSP Tabellenführer und hatte 6 Punkte Vorsprung auf den HSV. In den Medien wurde daher – nicht erst vor diesem Spiel – die Frage nach einer „Wachablösung“ gestellt.St. Pauli gegen HSV: Wachablösung ante portas?, sport.sky.de, 13. August 2021, abgerufen am 22. Januar 2022.St. Pauli und der HSV im Check: Wachablösung in Hamburg?, 11. Oktober 2021, abgerufen am 22. Januar 2022.: Verlieren verboten: Der Druck im Derby gegen den FC St. Pauli liegt beim HSV, shz.de, 19. Januar 2022, abgerufen am 22. Januar 2022. Der HSV entschied das Stadtderby im Volkspark vor 2.000 Zuschauern – aufgrund der COVID-19-Pandemie fanden die Spiele seit Oktober 2020 mit geringer Auslastung oder als Geisterspiel (Nr. 105) statt – nach fast drei Jahren wieder für sich.Jattas satter Abschluss: HSV gewinnt das Stadtderby gegen St. Pauli, kicker.de, 21. Januar 2022, abgerufen am 22. Januar 2022. Dieser HSV-Sieg war auch der erste Heimsieg der Rothosen in einem Stadtderby seit der Saison 2001/02, als sowohl der 4:3- als auch der 4:0-Sieg im Volksparkstadion stattfanden. Der FC St. Pauli verpasste als Fünfter schließlich den Aufstieg in die Bundesliga, der HSV wurde Dritter und musste somit in die Relegation, in der man an Hertha BSC scheiterte.

2024 stieg der FC St. Pauli als Meister in die Bundesliga auf, während der HSV in der 2. Bundesliga verblieb. Damit schlossen die St. Paulianer erstmals seit 1954 eine Spielzeit vor dem HSV ab und spielten in der Saison 2024/25 das erste Mal eine Spielklasse über dem Stadtrivalen. Im Vorfeld des Rückspiels am drittletzten Spieltag (Nr. 111) – der HSV gewann im Volksparkstadion mit 1:0 und verhinderte hierbei eine vorzeitige Aufstiegsfeier des Stadtrivalen im eigenen Stadion – war im Kicker von einer „Zeitenwende in Hamburg“ die Rede. 2025 stieg auch der HSV wieder in die Bundesliga auf, womit das Hamburger Stadtderby zum ersten Mal seit der Saison 2010/11 wieder in der höchsten deutschen Spielklasse stattfand. Der Hamburger SV hatte mit Platz 13 den Klassenerhalt schaffen können, der FC St. Pauli stieg als Tabellenletzter wieder in die 2. Bundesliga ab.

Wissenswertes und Anekdoten