Ulrich Karl Traugott Schulz, meist Ulrich K. T. Schulz (* 15. Dezember 1897 in Berlin; † 18. November 1983 in Potsdam) war ein Zoologe und Naturfilmer. Er war mit etwa 200 Kurzfilmen der produktivste deutsche Dokumentarfilmer.

Leben Jugend und zoologische Tätigkeiten Sein Vater Paul F. F. Schulz war Hauptlehrer und hielt auch Fortbildungskurse über Botanik im Berliner Lehrerverein, wobei ihm sein Sohn half, Diapositive herzustellen, die Mutter war Margarete Schulz.Ulrich K. T. Schulz Deutsches Filmarchiv, mit detaillierten biographischen Angaben Ulrich Schulz studierte Biologie an der Universität in Berlin und promovierte dort 1919, danach wurde er Assistent am Zoologischen Institut der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin.

Naturfilme bei der UFA Seit 1920 leitete Dr. Ulrich K. T. Schulz die Abteilung Biologie der Kulturfilmabteilung der UFA. Sein erster Film Der Hirschkäfer (1921) war auch der erste biologische deutsche Kulturfilm. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Kurzfilme über die Pflanzen- und Tierwelt in den unterschiedlichsten Naturräumen. Dazu entwickelte er auch technische Neuerungen wie ein spezielles Teleobjektiv, Mikrokameras für mikroskopische Aufnahmen und nutzte die Zeitraffer-Technik. Er reiste ans Mittelmeer bei Neapel, filmte im Mündungsgebiet der Donau in das Schwarze Meer und 1928 den ersten Ausbruch des Vulkans Ätna in Sizilien seit 30 Jahren. 1927 kam sein Langfilm Natur und Liebe über die Entwicklung des Lebens von der Entstehung bis zur Gegenwart in die Kinos und wurde sein größter Erfolg.

Gläserne Wundertiere von 1929 war der erste deutsche Tonfilm mit gesprochenen Worten, Bunte Tierwelt von 1931 der erste deutsche Farbfilm.

Schulz widmete sich auch der Weiterentwicklung der Technik für den Unterwasserfilm. Er konstruierte dazu Stative, Guckkästen und Unterwasserspiegel, und platzierte schließlich seinen Kameramann mit einem Tauchanzug und der Kamera selbst auf den Meeresgrund. Sein Film Meerestiere in der Adria von 1933 gilt als der erste deutsche Unterwasserfilm.

Einige seiner Filme seit 1933, wie Der Ameisenstaat und Der Bienenstaat, waren stark biologistisch ausgerichtet, sie stellten explizit eine strenge Ordnung mit klar verteilten Aufgaben als sinnvolle Organisationsstrukturen dar und implizierten dieses indirekt auch für die menschliche Gesellschaft.Ramón Reichert, Tierfilme im 'Dritten Reich, in Carsten Würmann, Ansgar Warner (Hrsg.), Im Pausenraum des 'Dritten Reiches'. Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland, Lang, Bern 2008, S. 53f., ausführlich zu mehreren FilmenDoreen Malli, Der Facettenblick . Indekten, vor der Kamera, in Maren Möhring et al. (Hrsg.), Tiere im Film, Böhlau, Köln 2009, S. 182, zu Ameisenstaat und Bienenstaat

Ulrich K. T. Schulz äußerte sich öffentlich nur selten zu gesellschaftspolitischen Themen, die auch in seinen Filmen nie direkt angesprochen wurden. 1945 schrieb er aber in der Zeitung Der Angriff einen Dank an den Propagandaminister Goebbels für dessen Glückwünsche zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum und verglich in martialischen Formulierungen die Kamera mit einer Waffe, die sich ihren Opfern nähert.Der Angriff vom 11. Januar 1945; zitiert bei Reichert, 2008, S. 57; Malli, 2009, S. 183

Tätigkeiten ab 1945 Ab 1945 war Ulrich K. T. Schulz zwei Jahre lang als Gartenarbeiter tätig. Ab 1948 drehte er einige Industriewerbefilme für Insektenbekämpfungsmittel Kurzfilme in Hamburg, die sich gegen Schädlinge, wie Fliegen und anderes Ungeziefer richteten, die es auszumerzen galt.Malli, 2009, S. 183, betonte dieses besonders, in Zusammenhang mit einer bestimmten Weltanschauung Danach drehte er einige Tierfilme in eigener Produktion, die nun direkt sozialdarwinistische Titel und Inhalte hatten, die vom Überleben des Stärkeren handelten.Reichert, 2008, S. 58

1957 wurde Schulz Leiter der aufzubauenden biologischen Abteilung des neuen DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme in Potsdam-Babelsberg.Reichert, 2008, S. 58; Malli, 2009, S. 184 1963 zog er sich von der aktiven Filmarbeit zurück.

Im Jahre 1972 verlieh ihm die Kinotechnische Gesellschaft die Oskar-Messter-Medaille.

Filmografie (Auswahl) Von Ulrich K. T. Schulz sind knapp 200 Kurzdokumentarfilme zu biologischen Themen bekannt, sowie ein Langfilm (Natur und Liebe, 1927)., mit 194 Filmen (für die angebliche Zahl von 400 Filmen gibt es keine konkreten Listen)

1921: Der Hirschkäfer 1923: Raubritter des Meeres 1923: In den Tiergärten des Meeres 1925: Die Wunderwelt des blauen Golfes 1927: Im Vogelschutzgebiet auf Langeoog 1927: Natur und Liebe 1929: Gläserne Wundertiere 1933: Wasser hat Balken 1933: Aus der Heimat des Elchs Tierbilder aus den finnischen Wäldern 1933: Vom Amselfeld zum Ochridasee Bilder vom Volkstum in Südserbien 1934: Meerestiere in der Adria 1934: Stimmen im Schilf 1935: Der Ameisenstaat 1937: Der Bienenstaat 1937: Mysterium des Lebens 1938: Hochzeiter im Tierreich 1938: Die Kleinsten aus dem Golf von Neapel 1940: Der Neusiedler See 1941: Friedliche Jagd mit der Farbenkamera 1942: Ostpreußens Wüste am Meer 1943: Buntes Leben in der Tiefe 1944: Die Rominter Heide 1945: Unser täglich Brot 1950: Böse Gäste 1952: Früchte des Meeres 1953: Kleines, emsiges Volk 1955: Welt der Wasserjungfer

Veröffentlichungen (Auswahl) Eine wichtige Etappe des biologischen Films. In: Film-Kurier, 18. Januar 1944 Mit der Kamera in der Unterwasserwelt. In: Film-Kurier, 4. Juni 1944 Filmen am Meeresgrund. Foto-Kino-Technik Nr. 7/1948, S. 180–182 Die Unterwasser-Kinematographie. In: Das Film-Technikum. Heft 2, Februar 1953, 4. Jahrgang, S. 25–31 Die Entwicklung der Unterwasserkinematographie. In: Bild und Ton, Heft 7/1960, 13. Jahrgang, S. 208–211 Wie filmt man Meerestiere? Poseidon (1965) 2, S. 20–23; 3, S. 17–19 Schwimmtauchen als wissenschaftliche Methode. Poseidon (1967) 63, S. 116–119 Vom Wasserguckkasten zu den ersten UW-Aufnahmen. In: Neptun, Stuttgart, April 1967. S. 103–106

Literatur Ramón Reichert: Der Tierfilm im 'Dritten Reich. In: Carsten Würmann, Ansgar Warner (Hrsg.): Im Pausenraum des 'Dritten Reiches'. Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland, Lang, Bern 2008, S. 45–60, hier S. 52–58, mit detaillierten Angaben zu Ulrich K. T. Schulz

Klaus Kreimeier, Antje Ehmann, Jeanpaul Goergen (Hrsg.): Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Teil 2. Weimarer Republik 1918–1932. Reclam, Stuttgart 2005. S. 638–665 (Filmografien), 671 (Personenindex) (PDF), mit vielen Informationen über seine Filme

Peter Zimmermann, Kay Hoffmann (Hrsg.): Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Teil 3. Drittes Reich 1933–1945. Reclam, Stuttgart 2005. S. 763–793 (Filmografien), S. 825 (Personenindex) (PDF) Gabriele Teutloff: Sternstunden des Tierfilms. Steinfurt 2000, ISBN 3-924044-87-2 Hans-Michael Bock, Michael Töteberg: Das Ufa-Buch. Berlin 1992, mit filmografischen Angaben zu allen Ufa-Filmen

Weblinks Ulrich K.T. Schulz Deutsches Filminstitut, mit Biographie

Ulrich K. T. Schulz Dokumentarfilmgeschichte

Einzelnachweise

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