mini|Thomas Henning (2017)

Thomas K. Henning (* 9. April 1956 in Jena) ist ein deutscher Astrophysiker. Von 2001 bis 2024 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Er ist Experte auf dem Gebiet der Stern- und Planetenentstehung.

Biografie Henning studierte Physik und Mathematik mit Schwerpunkt Plasmaphysik an der Universität Greifswald und anschließend Astronomie und Astrophysik an der Universität Jena, wo er 1984 promoviert wurde. Hennings Doktorvater war Karl-Heinz Schmidt. Im Anschluss an einen Aufenthalt als Postdoc an der Karls-Universität Prag (1984–1985) kehrte Henning nach Jena zurück, wo er von 1986 bis 1988 Assistent an der Universitäts-Sternwarte war und sich 1989 habilitierte. Anschließend (1989–1990) wurde er Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Gastdozent an der Universität zu Köln (1991). Im gleichen Jahr kehrte Henning an die Universität Jena zurück, wo er bis 1996 als Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe „Staub in Sternentstehungsgebieten“ fungierte und 1992 auch Professor wurde.Biografische Informationen auf den Seiten der Max-Planck-Gesellschaft (zuletzt angesehen am 28. Januar 2025)

Im Jahre 1999 erhielt Henning an der Universität Jena einen Lehrstuhl für Astrophysik, den er bis 2002 innehaben sollte, und wurde Direktor des Astrophysikalischen Instituts und der Universitäts-Sternwarte. Er nahm Gastprofessuren an der Universität Amsterdam, an der Europäischen Südsternwarte in Chile, an der Universität Hokkaido in Sapporo, an der Universität Kopenhagen, am Earth-Life Science Institute in Tokio sowie am Konkoly-Observatorium in Budapest wahr. Von 2000 bis 2007 war er Co-Sprecher der DFG-Forschergruppe „Laboratory Astrophysics“ in Chemnitz und Jena. Von 2001 bis 2024 war Henning Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie, wo er die Abteilung „Planeten- und Sternentstehung“ leitete. Mit seiner Emeritierung leitet er eigene Forschungsgruppe und ist somit wissenschaftliches Mitglied am MPIA. Henning ist weiterhin Professor in Jena und seit 2003 außerdem Honorarprofessor an der Universität Heidelberg.

Wissenschaftliche Arbeit Hennings Arbeitsgebiet ist die Stern- und Planetenentstehung. Ein Schwerpunkt ist dabei die Beobachtung und Modellierung protoplanetarer Scheiben um junge Sterne – einem Frühstadium in der Entwicklung von Planetensystemen. In diesem Zusammenhang erforscht Henning auch die Eigenschaften interstellaren Staubs und, allgemeiner, die Physik und die Chemie des interstellaren Mediums, und zwar sowohl theoretisch als auch mit den Mitteln der Laborastrophysik und der beobachtenden Astronomie. Seine Beobachtungsschwerpunkte liegen dabei bei der Infrarot- und Submillimeterastronomie.

Henning war und ist an einer Reihe größerer Forschungsprojekte beteiligt, so am Bau von Instrumenten für das ESA-Weltraumteleskop Herschel, für das James Webb Space Telescope und für die Teleskope der Europäischen Südsternwarte, am Bau des Large Binocular Telescope in Arizona, am Spitzer-Legacy-Projekt „Formation of Planetary Systems“, an mehreren Herschel-Legacy-Projekten, am Pan-STARRS-Survey sowie am HAT-South-Transitnetwork. Er ist weiterhin Fellow der Max Planck School „Matter to Life“, Co-Investigator des Heidelberg Excellence Clusters „Structures“, Co-Investigator des EDEN Transit Survey zur Suche nach erdähnlichen Planeten um M-Sterne, Co-PI des Heidelberg-Chile TESS Exoplanet Network, Leiter des MPIA-Labors „Origins of Life“ und Gründungsmitglied des European Astrobiology Institute. Im Jahre 2019 erhielt er einen mit 2,5 Mio. Euro dotierten (ERC Advanced Grant) für sein Projekt „From Planet-Forming Disks to Giant Planets – von Planeten bildenden Scheiben bis zu Riesenplaneten“.

Er war und ist Mitglied einer Reihe astronomischer Lenkungs- und Beratungsgremien, unter anderem des ESO-Council, des CAHA-Boards, der Board of Directors von LBT und von PS1, sowie des wissenschaftlichen Beirats der Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Thomas Henning ist zudem seit 2001 wissenschaftliches Mitglied der chemisch-physikalisch-technischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft.

Ehrungen und Auszeichnungen

1998: Thüringer Forschungspreis des Freistaats Thüringen im Bereich Grundlagenforschung 2000: Mitglied der Leopoldina 2009: Benennung des Asteroiden 1992 SG2 auf (30882) TomhenningDatenbankabfrage zum Kleinplaneten 30882 beim Minor Planet Center (Abfrage vom 28. Februar 2011). 2013: ESA JWST Significant Achievement Award 2016: Adjunct Professor – Tata Institute of Fundamental Research, School of Natural Sciences, Mumbai, Indien 2017: Cozzarelli-Preis (PNAS) der National Academy of Sciences der USA 2019: Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften 2019: Adjunct Professor – Tokyo Institute of Technology, Tokio, Japan 2020: Gay-Lussac-Humboldt-Preis 2021: Ehrendoktor – Universität Lund 2023: Karl-Schwarzschild-Medaille 2023: Sektionspreis für Wissenschaft, Medizin und Technik der Deutschen Gesellschaft für Photographie als Co-Projektleiter des MIRI-Projekts

Literatur Thomas Bührke: „Turbulenzen im kosmischen Kreißsaal“, in: MaxPlanckForschung 3/2011, Seite 47ff, Artikel über Thomas Henning und sein Forschungsgebiet „Planeten- und Sternentstehung“ (online, PDF, download) Thomas Bührke: „Bausteine, die vom Himmel fallen“, in: MaxPlanckForschung 2/2018, Seite 18ff, Artikel über Thomas Henning und sein Forschungsgebiet „Entstehung des Lebens“ (online, PDF, download) Reinhard Breuer: „Experimente mit der Ursuppe“, in: Bild der Wissenschaft, Hrsg.: Christoph Fasel, August 2019, Seite 22ff, Artikel über die Heidelberg Initiative for the Origins of Life (HIFOL)

Weblinks Fachartikel von Thomas Henning in der astronomischen Literaturdatenbank ADS

Einzelnachweise

Kategorie:Astrophysiker Kategorie:Astronom (20. Jahrhundert) Kategorie:Astronom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann