Millî Gazete (auch Milli Gazete) (Nationale Zeitung) ist eine international vertriebene türkische Tageszeitung mit Redaktionssitz Istanbul.

Geschichte Der erste Chefredakteur war Oğuzhan Asiltürk, damals Abgeordneter der Nationalen Heilspartei (MSP) von Necmettin Erbakan, dem Gründer und Anführer der islamistischen Millî-Görüş-Bewegung. Formal nie im Besitz der jeweiligen Partei, überstand Millî Gazete das Verbot der MSP im Jahr 1980 wie das Verbot ihrer Nachfolger, der Wohlfahrtspartei 1998 und der Tugendpartei 2001. Als sich danach die Erneuerer-Fraktion um Recep Tayyip Erdoğan und Abdullah Gül von der Millî-Görüş-Bewegung abspaltete und die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) gründete, blieb die Zeitung unter Kontrolle der Traditionalisten, die sich danach in der Partei der Glückseligkeit (SP) sammelten. Der steht Millî Gazete bis heute nahe.

Deutschland-Ausgabe Die Redaktion für die deutsche Ausgabe (in türkischer Sprache, Auflage ca. 3.000) befindet sich in Mörfelden-Walldorf bei Darmstadt. Die Zeitung berichtet ausführlich über das Vereinsleben der Millî Görüş und ist somit Teil der Milli-Görüş-Bewegung. Ein ehemaliger Vorsitzender der IGMG, Osman Yumakoğulları, wurde später Geschäftsführer der Milli Gazete. Der Vorsitzende der IGMG bis 2003, Mehmet Sabri Erbakan, ist ein Neffe des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan. Allerdings hat sich die IGMG nie zwischen der SP und der AKP entschieden; so wurde der IGMG-Generalsekretär Mustafa Yeneroğlu bei der Parlamentswahl im Jahr 2015 für die AKP ins türkische Parlament gewählt.

Politische Ausrichtung Die Zeitung ist wiederholt durch antiwestliche, antisemitische und demokratiefeindliche Äußerungen aufgefallen. Die deutsche Ausgabe wird deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet. Zitate:

Die Einstellung der Zeitung zur Scharia, zum Dschihad, zu Amerika und zum Iran wird anhand folgender Zitate deutlich:

Die Milli Gazete lobt am 28. März 2006 die „mutige Außenpolitik“ des Iran:

In demselben Artikel werden die USA als „blutrünstig“, „Blut trinkend“, „Blut spuckend“, „terroristisch“, „ungläubig“ und „mörderisch“ charakterisiert. Die USA hätten zuerst Afghanistan und Irak erledigt, wendeten sich nun Iran und Syrien zu und wollten sich anschließend „als letzten Bissen“ die Türkei einverleiben. So werde die gesamte Welt zu einer Kolonie der Terrorstaaten USA und Israel.

Auch die Todesstrafe für den Abfall vom Islam wird von Autoren der Zeitung befürwortet. Ein bekannter Kolumnist der Zeitung ist Mehmet Şevket Eygi.

Die Milli Gazete hält die Freimaurer und die Templer für die „Organisatoren des Bösen auf der Erde“.Internetauftritt der Deutsch-Israelitischen Gesellschaft

Antisemitismus Beispiele für Antisemitismus

Am 22. August 2006 erklärte die Milli Gazete unter der Überschrift „Hat Hitler die Juden verbrannt?“, die Zahl von sechs Millionen Juden sei eine Lüge. Ferner zweifelte sie die Existenz von Gaskammern an und erklärte: „Es wurde kein Befehl zur Vernichtung der Juden erteilt.“

In der Millî Gazete vom 5./6. August 2006 wird behauptet, dass Juden resp. Zionisten letztendlich für den Großteil der internationalen Konflikte verantwortlich seien. Dies gelte in historischer Perspektive etwa für den Ausbruch des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie für die Zerschlagung des Osmanischen Reiches durch die damaligen Großmächte Großbritannien und Frankreich.

In der Printausgabe vom 20. November 2003 werden CIA und Mossad für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich gemacht:

Ferner sei es der heimliche Plan der Juden, die Türken und Kurden zum Christentum [sic] zu bekehren.

In der Printausgabe vom 15. und 16. Dezember 2006 werden Juden bzw. Zionisten beschuldigt, Hitler selbst an die Macht gebracht zu haben – mit dem Ziel, im historischen Palästina den Staat Israel zu gründen.„Die Geschichte wird neu geschrieben“ (türkisch), Teil 1 und 2. In: Millî Gazete – Onlineausgabe vom 15. und 16. Dezember 2006.Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus (PDF; 12 MB) Bundestag Drucksache 18/11970, 7. April 2017, S. 450. Abgerufen am 29. April 2017.

Einzelne Autoren wenden sich deutlich gegen jeglichen Dialog mit Christen und Juden. Dabei würde nur versucht, Gedanken zu vermitteln, die zum Unglauben führen.

Weblinks Website von Milli Gazete (türkisch) Bericht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes Vortrag des Präsidenten des niedersächsischen Verfassungsschutzes

Einzelnachweise

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