Kurt Edgar Franz Lieck (* 16. Februar 1899 in Charlottenburg, heute Ortsteil von Berlin; † 19. Dezember 1976 in RemagenStadtverwaltung Remagen (alle Lebensdaten)) war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller und Hörspielsprecher.

Leben Kurt Lieck kam als zweitältester Sohn des Kunstmalers Josef Lieck und seiner Ehefrau Margarethe, geborene Stuertz (* 1873 in Dömitz an der Elbe, † 1936 in Berlin-Mariendorf), in der damals noch eigenständigen Gemeinde Charlottenburg zur Welt. Er hatte noch drei Geschwister:

Ernst Lieck (* 1898 in Berlin, † 1923 in Berlin), Kunstgewerbler Walter Lieck (* 1906 in Berlin, † 1944 in Berlin), Kabarettist, Schauspieler, Drehbuchautor Grita Lieck (* 1910 in Berlin, † 1981 in Ratzeburg), Sachbearbeiterin

Lieck studierte 1921/1922 an der von Max Reinhardt gegründeten Schauspielschule des Deutschen Theaters. Seine ersten Engagements erhielt er in Leipzig, Düsseldorf und Karlsruhe. Danach ging er an die Münchner Kammerspiele und an das Neue Schauspielhaus in Wien. Weitere Stationen folgten, u. a. in Mannheim und zuletzt in Baden-Baden. Dabei war Lieck immer wieder auch als Regisseur tätig.

Zu seinen Bühnenhauptrollen gehörten: Präsident in Kabale und Liebe von Friedrich Schiller, Bettler in Das große Welttheater von Pedro Calderón de la Barca, Titelrolle in Dantons Tod von Georg Büchner, Titelrolle in Peer Gynt von Henrik Ibsen, Titelrolle im Urfaust von Johann Wolfgang von Goethe und Karl Moor in Die Räuber von Friedrich Schiller.

Vor der Kamera war Lieck nur selten zu sehen, wie zum Beispiel 1959 in dem Fernsehfilm Ein Traumspiel nach August Strindberg, mit Inge Langen, Helmut Peine und Tilla Durieux. Beim Hörfunk war Lieck in unzähligen Sprechrollen zu hören und gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den meistbeschäftigten Hörspielsprechern in der Bundesrepublik Deutschland. Seine wohl bekannteste Rolle war die des Sir Graham Forbes in zehn der zwölf Paul-Temple-Hörspiele von Francis Durbridge, die vom NWDR, bzw. vom WDR zwischen 1949 und 1968 produziert wurden. In Paul Temple und der Fall Genf, in dem die Rolle des Sir Graham nicht vorkam, sprach er den Schweizer Kriminalbeamten Monsieur Walter Neider. Seine wichtigsten Partner in dieser Reihe waren René Deltgen, Annemarie Cordes, Herbert Hennies, Heinz Schimmelpfennig und Peter René Körner.

Zu weiteren Mehrteilern, in denen er mitwirkte, gehörten unter anderen Glocken des Todes (1964) von Ernst Hall mit Hermann Lenschau und Alwin Joachim Meyer sowie 1955 Der Schatz im Silbersee nach Karl May mit Heinz Schimmelpfennig und Herbert Steinmetz. Hier sprach er die Rolle des Old Shatterhand, genau wie ein Jahr später in Winnetou mit Hansjörg Felmy und 1958 in Old Surehand mit Heinz Klingenberg und Werner Rundshagen. 1964 hatte er als Scheik Mohammed Emin einen weiteren Auftritt in einer Karl-May-Adaption, mit Paul Klinger, Heinz Schacht und Heinz von Cleve in Durch die Wüste. In dem Zwei-Personen-Stück Wirklich schade um Fred von James Saunders war er 1965 gemeinsam mit Edith Schultze-Westrum zu hören.

Aus seiner ersten Ehe (Hochzeit am 2. Juli 1932 in Mannheim) mit Irmtraut Raschka (* 14. August 1905 in Mautern an der Donau, † unbekannt) ging der Sohn Peter Lieck (1935–2006) hervor, der wie sein Vater Schauspieler und Hörspielsprecher wurde. In zweiter Ehe war er mit Gerda Elisabeth Hübner (* um 1911, † 1. Oktober 1976 in Remagen) verheiratet, mit der er eine gemeinsame Tochter, Maria Lieck (* um 1950) hatte. Kurt Lieck verstarb gut zweieinhalb Monate nach seiner Frau in Remagen.

Filmografie 1956: Das salomonische Frühstück – Fernsehfilm – Regie: Karl Peter Biltz 1958: Menschen im Werk (als er selbst) – Regie: Gerhard Lamprecht 1959: Ein Traumspiel (Universitätskanzler) – Fernsehfilm – Regie: Wilhelm Semmelroth 1961: 100000 Dollar Belohnung (Thomas Blainer) – Fernsehfilm – Regie: Heinz Wilhelm Schwarz 1961: Der entscheidende Augenblick – Fernsehfilm – Regie: Imo Moszkowicz

Theater 1948: George Bernard Shaw: Der Arzt am Scheideweg – Regie: Karl Kendzia (Landestheater Sachsen-Anhalt Halle (Saale) – Kammerspiele)

Hörspiele (Auswahl) 1948: Das Geheimnis des Pater Brown; 6. Folge: Der rote Mond von Meru (Meister vom Berge) – Regie: Eduard Hermann 1949: Das vergessene Ich (Der Untersuchungsrichter) – Regie: Ludwig Cremer 1949: Der arme Heinrich (Hartmann von Aue), nach Gerhart Hauptmann – Regie: Wilhelm Semmelroth 1950: Die Vernehmung des Judas Ischariotes (Alexander der Große, König von Macedonien) – Regie: Wilhelm Semmelroth 1951: Der Hauptmann von Köpenick (Oberwachtmeister) – Regie: Karl Peter Biltz 1951: Das große Netz (Ballard) – Regie: Gert Westphal 1951: Fünfundzwanzig Uhr (Präfekt) – Regie: Gert Westphal 1951: An der Mosel auf den blauen Schieferleyen – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1951: Paul Temple und der Fall Curzon (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1952: Jeden Morgen wird es morgen (Prof. Dr. Brunöhler) – Regie: Eduard Hermann 1953: Paul Temple und der Fall Vandyke (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1953: Sie klopfen noch immer – Regie: Eduard Hermann 1953: Der gerechte Herr Boll (Kommissar) – Regie: Alois Garg 1954: Der Klassenaufsatz (von Scholz) – Regie: Gert Westphal 1954: Robinson soll nicht sterben (Erzähler), nach Friedrich Forster – Regie: Kurt Meister 1954: Paul Temple und der Fall Jonathan (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1955: Heinrich Böll: Anita und das Existenzminimum – Regie: Fritz Schröder-Jahn (NWDR 1955) 1955: Paul Temple und der Fall Madison (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1955: Der Schatz im Silbersee (Old Shatterhand) – Regie: Kurt Meister 1955: Der Patriot (Pahlen) – Regie: Gert Westphal 1955: Die Stimme hinter dem Vorhang, nach Gottfried Benn – Regie: Gert Westphal (Hörspiel – SWF) 1956: Winnetou (Old Shatterhand) – Regie: Kurt Meister 1956: So weit die Füße tragen (Dr. Heinz Stauffer) – Regie: Franz Zimmermann 1956: Anwalt Gordon Grantley plaudert aus seiner Praxis (Gordon Grantley) (10 Teile) – Regie: Kurt Meister 1957: Paul Temple und der Fall Gilbert (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1957: Ein Herz voller Liebe (Savigny) – Regie: Wilhelm Semmelroth 1957: Dantons Tod (Legendre) – Regie: Otto Kurth 1957: Es geschah in ... England; Folge: Nicht leicht, ein Narr zu sein (Philip) – Regie: Otto Kurth 1957: Bayard Veiller: Der Prozeß der Mary Dugan – Bearbeitung und Regie: Alfred Hartner 1958: Paul Temple und der Fall Lawrence (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1958: Old Surehand (Old Shatterhand) – Regie: Kurt Meister 1958: Aktion ohne Fahnen (Knudsen), nach dem Roman Sansibar oder der letzte Grund – Regie: Fritz Schröder-Jahn 1958: Es geschah in ... Bayern; Folge: Ärger mit Jenny (Professor) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1958: Die Heideschuster. Eine Komödie (Sepeteus, Kantor) – Regie: Walter Knaus 1958: Fred Hoyle: Die schwarze Wolke (Royal Astronomer) – Regie: Marcel Wall (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – SWF) 1959: Paul Temple und der Fall Spencer (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1959: Es geschah in... Schweden; Folge: Schall und Rauch (Lars Almkvist) – Regie: Heinz Dieter Köhler 1960: Maigret und der gelbe Hund (Jean Servières) – Regie: Gert Westphal 1960: Es geschah in ... Nordamerika; Folge: Sylvia und die Maus (Professor Baever) – Regie: Edward Rothe 1960: Vor Sonnenuntergang, nach Gerhart Hauptmann – Regie: Walter Knaus 1960: Die Galoschen des Unglücks (1) (Pater Anselmus) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1960: Es geschah in ... Hongkong; Folge: Schwarzflug nach China (Tungtschih) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1960: Von Ratten und Evangelisten (Erzähler) – Regie: Martin Walser 1960: Die Legende vom heiligen Trinker (Herr gesetzten Alters) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1960: Es geschah in ... Amerika; Folge: Der Nixomat (Mr. Crockson) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1961: Paul Temple und der Fall Conrad (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1962: Paul Temple und der Fall Margo (Sir Graham Forbes) – Regie: Eduard Hermann 1962: Onkelchens Traum (Fürst), nach Fjodor Dostojewski – Regie: Walter Knaus 1962: Rashomon (Richter) – Regie: Peter Schulze-Rohr 1962: Hier darf nur geflogen werden (Pfarrer) – Regie: Cläre Schimmel 1962: Ein ausgebrannter Fall, nach Graham Greene (Doktor Colin) – Regie: Oswald Döpke 1963: Mein Flug über den Ozean (Vater Lindbergh), nach Charles Lindbergh – Regie: Heinz Dieter Köhler 1963: Die Probe (Sprecher) – Regie: Gerhard F. Hering 1964: Durch die Wüste (Scheik Mohammed Emin) – Regie: Manfred Brückner 1964: Glocken des Todes (Doktor Wyler) – Regie: Rolf von Goth 1965: Unwiederbringlich (Erzähler), nach Theodor Fontane – Regie: Heinz Wilhelm Schwarz 1965: Wirklich schade um Fred (Mr. Pringle) – Regie: Oswald Döpke 1965: Der göttliche Aretino (Tizian) – Regie: Otto Kurth 1966: Paul Temple und der Fall Genf (Inspektor Walter Neider) – Regie: Otto Düben 1966: Ein Fall für Perry Clifton: Das Geheimnis der weißen Raben (Sir Douglas Everbridge) – Regie: Heinz Dieter Köhler 1966: Feuer für eine Zigarette (Diener Ryder) – Regie: Curt Goetz-Pflug 1966: Trents letzter Fall (Sir James Molley) – Regie: Hans Gerd Krogmann 1966: Fred Hoyle: Die schwarze Wolke (Bill Marlborough) – Regie: Otto Düben (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – WDR) 1967: Der Müller von Sanssouci (Prinz Heinrich), Hörspiel von Peter Hacks – Regie: Hermann Naber 1967: Requiem für Josephine (Talleyrand) – Regie: Heinz Dieter Köhler 1967: Der große Unbekannte (Dr. Malden) – Regie: Hermann Pfeiffer 1967: Manfred (Abt), nach Lord Byron – Regie: Heinz Wilhelm Schwarz 1967: Adamows Tod (Kommissar Althaus) – Regie: Günter Siebert 1968: Paul Temple und der Fall Alex (Sir Graham Forbes) – Regie: Otto Düben 1968: Erste Hilfe (Alfred Janz) – Regie: Otto Düben 1968: Die Freunde (Ivek) – Regie: Günther Sauer 1968: Parmenion (Parmenion) – Regie: Günther Sauer 1968: Sie werden mir zum Rätsel, mein Vater (Abraham ein Organist) – Regie: Klaus Schöning 1968: Die Rosenbergs dürfen nicht sterben (Richter) – Regie: Friedhelm Ortmann (2 Teile) 1968: Flucht zu den Sternen (Dr. Gray, Vater von Alda Gray) – Regie: Heinz Dieter Köhler 1968: Die Quadratur des Eies – Regie: Otto Düben 1969: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade (de Sade) – Regie: Bernhard Rübenach 1969: Selbst wenn wir schweigen sollten (Richter) – Regie: Friedhelm Ortmann 1969: Der Gouverneur ist zu perfekt (von Isaac Asimov) (Dr. Alfred Lanning) – Regie: Andreas Weber-Schäfer 1969: Unterwegs (Wowas Vater) – Regie: Gert Westphal 1969: Der Langweiler (Detektiv) – Regie: Otto Düben 1970: Der Märtyrer (Alanai) – Regie: Andreas Weber-Schäfer 1971: Mr. und Mrs. Squirrel (Mr. Squirrel) – Regie: Friedhelm Ortmann 1971: Abflug (Edward) – Regie: Otto Kurth 1973: Prognose für den Nachmittag (Eine Mumie) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1973: Zielscheibe (General Winslow) – Regie: Hermann Naber 1974: Temperatursturz (Raumschiffkapitän) – Regie: Andreas Weber-Schäfer 1976: Die Berührung des roten Planeten (James Steffen) – Regie: Friedrich Scholz 1976: Die Wölfin, nach Jean Chatenet – Regie: Raoul Wolfgang Schnell (Kriminalhörspiel – SDR) 1976: Der Wind in den Weiden nach Kenneth Grahame – Regie: Charlotte Niemann 1977: Professor Tarantogas Sprechstunde (Professor Tarantoga), nach Stanisław Lem – Regie: Dieter Hasselblatt

Alle Angaben entstammen der Internet-Datenbank des ARD-Hörspielarchivs, jetzt ARD-Hörspieldatenbank

Kommerzielles Hörspiel 1976: Der Wind in den Weiden – Schallplattenaufnahme

Literatur Paul Ulrich: Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik, Berliner Wissenschaftsverlag 1997, ISBN 978-3-87061-479-9 Wilhelm Koschs Deutsches Theaterlexikon.

Weblinks

http://geneal.lemmel.at/L-41sj.html

Einzelnachweise

Kategorie:Deutscher Kategorie:Filmschauspieler