mini|hochkant=1.20|Marienkapelle Frauenthal Die Marienkapelle Frauenthal im heutigen Stadtteil Frauenthal der Stadt Erftstadt hat ihren Ursprung als kleines Gotteshaus einer Klosteranlage, die an dieser Stelle im Mittelalter durch eine Ordensgemeinschaft errichtet wurde.
Geschichte Ersterwähnung als Kloster Marienthal Der möglicherweise schon im 12. Jahrhundert entstandene Konvent lag in der Nähe der alten Römerstraße Trier–Köln, heute Agrippa-Straße Köln–Trier und wurde unter der Bezeichnung „Kloster Marienthal“ erstmals im Jahr 1220 in einer Urkunde des Kölner Stiftes St. Aposteln erwähnt.Hermann Keussen, Band I., Seite 421, Sp. a 2. 3. Der Eintrag in der Schreinsakte (7 III 10. 11) registrierte die Übergabe eines zum Besitz des Stiftes gehörenden Hauses mit Grundstück (bei der Kapelle St. Reinold am Marsilstein) an das Kloster Marienthal, die dieses in Erbleihe vergab. mini|Urkunde St. Aposteln, 1234 Eine Urkunde vom Mai 1234 bestätigt den Namen „Marienthal“ erneut, es ist die Bezeichnung, aus der sich auch der spätere Ortsname Frauenthal entwickelte. In der gesiegelten Urkunde übertrugen die Vorsteherin („Praelata“) und ihr Konvent in Marienthal, „in valle beatae Mariae“, dem Stift St. Aposteln eine Rente.HAStK Bestand Aposteln Urkunde Nr. 1/20; veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 64
Klostersiegel Das Siegel des Klosters zeigt eine auf einer Steinbank sitzende Maria, die dem segnenden Jesuskind, das in seiner rechten Hand ein Lilienzepter hält, auf dem Schoß. Den Hintergrund bilden Rauten mit kleinen Kreuzen. Die Umschrift des Siegels (gealterte Buchstaben wurden durch Fachleute in Klammern gesetzt) verweist auf das Gotteshaus des Klosters. Der rekonstruierte Text lautet: „(SIG)ILLVM ECCL(ESIE) VALLIS (SAN)TE MARIE VIRGIN(IS)“Beschreibung und Übersetzung durch Manfred Huiskes
Wandel der Ortsbezeichnung Im Jahre 1276 erschien das Kloster bereits mit der Bezeichnung „vrouwendale“ (Frauenthal), als Beatrix von Gymnich, die Witwe Johanns von Kerpen mit ihrem Bruder Wenemar von Gymnich (Gimmenich) Absprachen über ihre Besitzungen traf. Beatrix erhielt Buschfeld und andere Besitzungen, Wenemar, der die hinterlassenen Schulden seines Schwagers übernahm, die Burg Kerpen sowie eine Erbrente von 30 Mark, die unter bestimmten Bedingungen (Tod der Kinder) als Messstiftung an das Kloster Frauenthal („claustro van Unservrouwendale“) fallen sollte. K. F. Staellart, Geschiednis van hertog Jan den Eersten van Braband en sijn tijd. Brüssel 1815. Seite 315–318, veröffentlicht in: Stommel, Quellen Band I Nr. 137
Bezeichnung als Zisterzienserinnenkloster Im Jahre 1282 übertrugen Äbtissin und Konvent des Zisterzienserinnenklosters „vrowendale“ (Frauenthal) Erbzins von einer Mark gegen Entgelt dem „Heilig Geisthaus“, einem Armenhospital in Köln. Diese Urkunde war mit dem Siegel der Äbtissin versehen.HAStK Bestand Armenverwaltung Urkunde Nr. 1/320, veröffentlicht in Stommel, Quellen I Nr. 147
Besitzungen Auch im 14. Jahrhundert blieb das Kloster Frauenthal durch vielfältige Transaktionen im Immobilienbereich belegt, aber auch der Erwerb und Verkauf von Erbrenten, Verpfändungen oder die Erwähnung des Landbesitzes wurden aktenkundig. So wurde beispielsweise 1318 die an das Kloster Frauenthal verpfändete Bliesheimer Mühle durch einen Kanoniker von St. Mariengraden wieder eingelöst HAStK Bestand Mariengraden Urkunde Nr. 2/53 und Bestand Geistliche Abteilung 168d, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 233 oder die 1333 beurkundete Verpachtung in DirmerzheimHSTAD Bestand Marienforst Urkunde Nr. 30 und der Besitz der Ländereien und Benden am Mühlenbach in Liblar, neben den Besitzungen des Hermann von Goch gelegen, die für 1396 beurkundet wurden. Auch im 15. Jahrhundert wurden, so 1422 und 1442, weitere Ländereien und Benden des Klosters angeführt.
Ende des Frauenthaler Ordens Trotz der beträchtlichen Größe des Klosterbesitzes wurde die Anlage im Jahre 1449 als verlassen beschrieben (wahrscheinlich nach einem Brand), sodass sie von dem Generalkapitel des Ordens in Cîteaux aufgelöst wurde und die Besitzungen dem Kloster Walberberg übertragen wurden. Albert Esser, Frauenthal, ein Zisterzienserinnenkloster im Mittelalter in: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2002 Seite 141
Diesem Vorgehen versagte Erzbischof Dietrich von Moers seine Zustimmung und übertrug 1450 als Landesherr die Besitzungen des Klosters in Frauenthal dem Birgittenkloster Marienforst bei Godesberg.
Kirche und Ländereien blieben nach einem Vergleich mit der Ordensleitung in Walberberg ab 1459 im Besitz des Marienforster Ordenshauses,HSTAD Bestand Marienforst Urkunden Nr. 36 und 47, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 1069 und 1134 in dem sie bis zu Säkularisation im Jahr 1802 verblieben.
Die Marienkapelle unter Kloster Marienforst Unterhalt durch Stiftungen Auch in der Neuzeit kam es unter der Verwaltung des Marienforster Ordens nicht zu einer Wiederbelebung des Frauenthaler Konventes. Die Klosterkirche dagegen, die aufgrund ihrer besonderen Ausstattung zu einem beliebten Ziel von Wallfahrern geworden war, blieb jedoch erhalten. In dieser fanden nun auch regelmäßig Gottesdienste statt, wobei der Unterhalt für Kapelle und Priester in der Regel durch Stiftungen und kleinere Spenden finanziert wurde. So hatte zum Beispiel der Prior von Kloster Bottenbroich (oder sein Vertreter) nach einer Messstiftung des Jahres 1530, die Margarethe von Buschfeld, die Witwe Arnolds von Gymnich dotierte, für eine Erbrente von vier rheinischen Gulden jeden Samstag in Frauenthal die Messfeiern für die Verstorbenen dieser Familien zu halten. Die Verpflichtung übernahm der Kierdorfer Pfarrer, ein Konventuale aus Bottenbroich.HSTAD Bestand Bottenbroich Urkunde Nr. 41, veröffentlicht in Stommel Quellen Band III Nr. 1627
Kriegsschäden und Sanierungen Klosterhof und Kirche zu Frauenthal wurden 1586 während des Truchsessischen Krieges von niederländischen Söldnern in Brand gesteckt und erlitten schwere Schäden, die über Jahre nicht behoben wurden. Im Jahre 1603 bemühten sich der Speyerer Domdechant Adolph Wolff von Metternich zur Gracht (1553–1619) und sein Bruder Hermann Wolff Metternich, Amtmann zu Lechenich, mit dem Einverständnis der Eigentümerin in Marienforst um den Wiederaufbau. Vordringlich war es, den abgebrannten Dachstuhl zu ersetzen und die Kapelle soweit herzurichten, damit in ihr wieder Gottesdienste und Andachten gehalten werden konnten.
Koadjutor Ferdinand, der spätere Kölner Kurfürst und Erzbischof, erlaubte den Brüdern (Metternich) eine Sammlung abzuhalten, die zur weiteren Finanzierung der Kapellensanierung verwandt werden sollte, zu der er persönlich finanzielle Mittel bereitstellte. Die Kapelle erhielt damals eine neue, gewölbte Holzdecke und ein schiefergedecktes Dach, die Kirche selbst wurde jedoch aus Kostengründen in ihrer Gesamtgröße um ein Drittel verkleinert.Archiv Schloss Gracht Akte 18 (Frauenthal)
Nach der Restaurierung wurde die steinerne wundertätige Statue „Unserer lieben Frau“ der Kapelle erneut der Anziehungspunkt vieler Wallfahrer, die sich auf den Weg zur Verehrung nach Frauenthal begaben.
Zur Ausstattung der Kirche stiftete Adolf Wolff Metternich einen dann der Jungfrau Maria in Frauenthal geweihten goldenen Messkelch. Der Kelch erhielt in Großbuchstaben folgende Gravuren „Adolff Wolff genant Metternich Domdechant zu Speir dedicabat beatissimae Virgini Mariae in Frawendal 1609“ und als zusätzliche Verzierung die Wappen Wolff und Buschfeld. Pfarrkirche St. Alban in Liblar, älteste Goldkelch aus Erftstadts Kirchen
Verfall und erneute Sanierung In den folgenden Jahrzehnten scheint wenig für die Unterhaltung der Kapelle geschehen zu sein. Im Jahre 1764 wurde die Kapelle, die wegen der „miraculösen Statue“ noch immer regen Besuch durch Gläubige erfuhr, als so ruinös beschrieben, dass ein ungefährdeter Betrieb nicht mehr stattfinden konnte. Graf Hugo von der Leyen, der Erbe des Hauses Buschfeld, erlaubte dem Kloster Marienforst zur Ausbesserung des Bauwerks, Abbruchziegel des alten Hauses zu Buschfeld zu verwenden. Ch. von Stramberg, Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius III Band 13. Koblenz 1867. Seite 188–189, veröffentlicht in Stommel Quellen Band V Nr. 2940
In der nach der Restaurierung aus Ziegelmauerwerk errichteten Kapelle wurden nun zusätzlich an Sonn- und Feiertagen Gottesdienstfeiern aufgenommenen, zu deren Durchführung der zuständige Weihbischof Franz Kaspar von Franken-Siersdorf dem Marienforster Prior die Genehmigung erteilte.Elke Strang, Das Kloster Marienforst von seiner Gründung im 13. Jahrhundert bis zu seiner Auflösung im Jahre 1802. Bonn 1995. Seite 218
In der Säkularisation wurde der Klosterhof 1802 als geistlicher Besitz enteignet und durch den Konsul Napoléon Bonaparte seiner Stiftung der Ehrenlegion zugesprochen. 1809 wurde der gesamte Klosterkomplex dann einschließlich der Kapelle für 14360 Francs verkauft. Karl Stommel: Frauenthal, Vom Zisterzienserinnenkloster zum Marienhospital in: Kirchen, Klöster und Kapellen im Erftkreis Seite 182 nach HSTAD Bestand Roer-Département Kanton Lechenich Nr. 3782 Die Marienstatue ist seitdem verschollen.
Stiftungen Münch mini|Rundbogenfenster der Barockzeit Kapelle als Privatbesitz Adolf Münch, ein gebürtiger Lechenicher, war als Kölner Weinhändler zu Wohlstand gekommen. Münch und seine Ehefrau Helene geborene Offermann erwarben 1851 den ehemaligen Klosterhof mit der Kapelle und ließen zunächst die verfallenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude herrichten. Im Jahre 1860 ließ er dann mit kirchlicher Zustimmung die sich unmittelbar den Hofgebäuden anschließende Kapelle herrichten. Von dieser standen schon zum Zeitpunkt seines Ankaufs der Immobilie nur noch die massiven Außenwände, die ein schadhaftes Dach trugen. Es waren zunächst Wände und Dach der Kapelle wiederhergestellt worden, ebenso wurden neue Fenster und Türen eingesetzt. Danach fanden neues Kirchengestühl und ein Altar Aufstellung. Die Eheleute Münch verpflichten sich, die Ausschmückung der Kapelle vollständig auszuführen und die zu den gestifteten Gottesdiensten nötigen Utensilien in würdiger Weise zu versehen und solche nach Verschleiß zu erneuern. So wurden Paramente und liturgische Gefäße besorgt und komplettierten die Ausstattung der Kapelle. Den Eheleuten Münch, die vorerst 1500 Taler in den Aufbau der Kapelle investierten, verdankt Frauenthal den Erhalt des historischen Bauwerks.
Nachdem die Glocken am Vortage geweiht worden waren, erfolgte die erneute Einsegnung des Kirchenraumes am 2. Juli 1861. Sie wurde auf Wunsch der Stifter unter den Schutz der Jungfrau Maria gestellt. Unter Bezug auf das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens erhielt sie den Namen „Immaculata Conceptio BMV“. Die Weihe wurde durch den Lechenicher Pfarrer Cremer unter Assistenz zahlreicher Geistlicher zelebriert. Eine große Anzahl Bewohner der umliegenden Orte zogen in Prozessionen nach Frauenthal, um an der Einweihung teilzunehmen.Pfarrarchiv St. Kilian Lechenich Teil I. Abt. 1 Bd. 4 Frauenthal
Entwicklung zur Krankenhauskapelle Die Eheleute Münch, die 1867 auf gleichem Gelände ein Armenhospital für die Alten und Kranken der Bürgermeistereien Lechenich und Liblar gründeten, blieben im Besitz der Kapelle. Der Gesamtanlage mit Ländereien Wirtschafts-, Pflege- und Wohntrakten hatten sie die Rechtsform einer Stiftung gegeben, in die sie weitere 5000 Taler Kapital einbrachten. Es wurde die Anstellung eines geistlichen Rektors vorgenommen, der ab Ende 1869 dort an Sonn- und Feiertagen für die Pfleglinge und das Personal des „Marienspitals“ und für die benachbarten Einwohner die Messe feierte. Er war verpflichtet, die Seelsorge für die im Hospital tätigen Schwestern der Vinzentinerinnen (aus Köln-Nippes) zu übernehmen, die Kranken des Marienhospitals seelsorglich zu betreuen, sowie den Religionsunterricht in der Schule zu Blessem zu erteilen.Pfarrarchiv St. Kilian Lechenich Teil I. Abt. 1 Bd. 4 Frauenthal