Fahrgeschwindigkeit: Güterzüge:100–120 (−160) km/hR 300.5 3.7.2 Zugreihe D 100 km/h Zugreihe A Vmax 120 km/h, bei einer Vmax über 120 km/h benötigt der Zug Zugreihe R, W oder N und entsprechend dafür zugelassenes Rollmaterial (Postwagen). Bzw. gemäss I-30121 Länge vom mehr als 620 Metern Vmax 100 km/hPersonenzüge:230 km/hI-30121 Strecke 533 5.3.7 Im GBT gilt Vmax 230 km/h ausgenommen sind Probefahrten Züge/Tag (maximal): 200–260 Güterzüge65 PersonenzügeTransportleistung(Güterzüge): 40 Mio. Tonnen/Jahr Lage Nordportale Südportale Baubeginn: Sondiersystem Piora: 1993 Sprengvortrieb Zu-gangsstollen und Mon-tagekavernen für TBM: 1996 Offizieller Beginn: 4. November 1999 Vortrieb TBM: Nov. 2002–2011 Durchschlag: Oströhre: 15. Okt. 2010Weströhre: 23. März 2011 Einbau Bahntechnik: Abgeschlossenim September 2015Bewegte Gesteinsmasse: 28,2 Mio. TonnenBaukosten: 12,2 Mrd. CHFOffizielle Eröffnung: 1. Juni 2016Güterverkehr: 5. September 2016Personenverkehr: 11. Dezember 2016 Der Gotthard-Basistunnel (, , ) ist mit 57 km der längste Eisenbahntunnel der Welt. Der 2016 eröffnete Tunnel durchquert die zentralen Schweizer Alpen in Nord-Süd-Richtung und unterquert damit unter anderem das Gotthardmassiv. Der Gotthardbasistunnel ist ein Teilstück der Gotthardbahn und des die gesamte Schweiz umfassenden Verkehrskonzeptes Neue Eisenbahn-Alpentransversale – NEAT. Der Tunnel verbindet in Höhe von 312 bis (Scheitelpunkt) und direkter als die ältere Gotthardbahn (1882; Scheiteltunnel unter dem Gotthardmassiv: ) den deutschsprachigen Kanton Uri (Nordportal bei Erstfeld, ) mit dem italienischsprachigen Kanton Tessin (Südportal bei Bodio TI, ) und besteht aus zwei 57 km langen, parallel verlaufenden Tunnelröhren, welche mit den bis auf 2450 m ansteigenden Gebirgsschichten darüber auch die weltweit höchste Gesteins-Überdeckung (etwa unterhalb des Piz Vatgira) haben. mini|230px|links|Nordportal des Tunnels mit Bristen An zwei Stellen ist für Züge ein Gleiswechsel zwischen beiden Röhren je nach Betriebslage möglich. Zudem gibt es 176 Verbindungsstollen für Fussgänger zwischen beiden Röhren (Querschläge) in einem Abstand von rund 325 Metern, die im Sicherheitskonzept zur Evakuierung von der einen in die andere Röhre dienen. Der Achsabstand zwischen den beiden Röhren beträgt im Regelfall 40 Meter (max. 70 m). Insgesamt wurden so 151,84 km Tunnel und Stollen in den Berg gebohrt und gesprengt. Die 1882 in Betrieb genommene Bergstrecke der Gotthardbahn mit dem höher liegenden, 15 km langen Scheiteltunnel bleibt neben der neuen Strecke durch den Basistunnel in Betrieb. Die Anschlussstrecken nach und in Deutschland (vor allem auf der Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel) und Italien müssen noch so ausgebaut werden, dass sie die erhöhte Kapazität durch das Gebirge nutzen können. Die feierliche offizielle Eröffnung – nach 17-jähriger Bauzeit – war Anfang Juni 2016. Der fahrplanmässige Betrieb des Personenverkehrs wurde am 11. Dezember 2016 nach mehrmonatigem Probebetrieb aufgenommen; der Güterverkehr begann bereits am 5. September.

Durch eine Entgleisung im August 2023 wurde der Tunnel auf einer Länge von mehr als acht Kilometern beschädigt und war daraufhin knapp zwei Wochen komplett gesperrt. Der Normalbetrieb wurde letztlich Anfang September 2024 wieder aufgenommen.

Zweck mini|Der neue Gotthard-Basistunnel bildet zusammen mit dem geplanten Zimmerberg-Basistunnel den nördlichen Teil der Gotthardachse der NEAT. Durch den Gotthard-Basistunnel, den Ceneri-Basistunnel und die Zulaufstrecken in Italien wird für den Güterverkehr eine umweltverträgliche Mobilität unter Verwendung schnellerer und schwererer Züge ermöglicht. Dies ist durch den Verein Alpen-Initiative und in der von diesem lancierten Eidgenössischen Volksinitiative «zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr» gefordert. Ziel ist hierbei die in der Verfassung verankerte Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene. Fachleute erwarten, dass sich die Transportmenge mit geschätzt 40 Mio. Tonnen/Jahr in absehbarer Zeit nahezu verdoppelt. Dazu trägt neben der Verkürzung der Strecke besonders der Bau als Flachbahn bei, so dass auf der neuen Strecke Güterzüge mit bis zu 4000 Tonnen Gesamtgewicht mit höherer Geschwindigkeit fahren können. Auf der etwa 30 km längeren alten Gotthardstrecke mit ihrem um rund 600 m höheren Scheitelpunkt ( anstatt ) können zwei Lokomotiven nur höchstens 1400 Tonnen schwere Züge ziehen. Das Maximalgewicht für einen Zug, der durch eine einzelne vierachsige Lok durch den Basistunnel gezogen (oder geschoben) wird, beträgt bis zu 1700 t Richtung Süden bzw. in Gegenrichtung 1400 t. Die Fahrzeit im Personenverkehr zwischen Zürich und Lugano konnte um 40 Minuten auf 1 h 59 min verkürzt werden.600 Luzern/Zürich–Gotthard–Chiasso. In: Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2015600 Basel/Zürich – Arth-Goldau – (Gotthard-Basistunnel) – Bellinzona – Milano. In: Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2022

Lage, Verlauf und Geologie Der Gotthard-Basistunnel verbindet Erstfeld im Urner Talboden der Reuss mit Bodio bei Biasca im Kanton Tessin. Der Tunnel liegt im Verlauf der bisherigen Gotthardbahn. Die Längenangaben in km sind in Bezug zur alten Kilometrierung der gesamten Strecke zu setzen, die dadurch insgesamt kürzer geworden ist.

Mit zahlreichen Probebohrungen sowie Temperaturmessungen und seismischen Untersuchungen wurden die geologischen Verhältnisse vor Baubeginn geklärt: Es fanden sich unterschiedliche Gesteinsarten, vom harten Granit bis zu nachgiebigen Phylliten und Schiefern der Urseren-Garvera-Zone und des Tavetscher Zwischenmassivs. Ausserhalb dieser Problemzonen herrschen verschiedene Arten von Gneis vor, etwa Erstfelder Gneis oder der Streifen-Gneis des Gotthardmassivs, im Süden in der penninischen Gneiszone vorwiegend Leventina- und Lucomagno-Gneise. Durch die Probebohrungen konnte nachgewiesen werden, dass eine gefürchtete geologische Schlüsselstelle, die mit zuckerkörnigem Dolomit gefüllte Pioramulde, auf Tunnelniveau aus Dolomitmarmor ohne Wasserdruck und -fluss besteht. (Zuckerkörniger Dolomit wird unter Wassereinfluss und unter Druck vollkommen kohäsionslos, also gewissermassen flüssig.) Mit der Durchbohrung der Zone im Herbst 2008 wurden die Besorgnisse endgültig hinfällig. Stattdessen stiess man an anderen Stellen auf Kakirit, ein weiches, nachfliessendes Gesteinsmehl, was umfangreiche Massnahmen zur Sicherung und Verfestigung nach sich zog.

Der minimale Kurvenradius im Tunnel beträgt 5000 m. Das Nordportal (Schienenoberkante) liegt auf einer Höhe von , das Südportal auf einer Höhe von . Der Scheitelpunkt des Tunnels liegt auf 549 m Höhe. Die grösste Überdeckung beträgt 2450 m. Die Gradiente steigt vom Nordportal zur Mitte um insgesamt 89 m mit maximal 4,055 ‰ an, von Süden werden 237 m mit maximal 6,76 ‰ überwunden. Die projektierte Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Die beiden Röhren sind im Längsabstand von 325 m miteinander mit 176 Querstollen verbunden. Der zunächst auf 650 m festgelegte Abstand wurde nach dem Tunnelbrand von 1999 im Mont-Blanc-Tunnel halbiert.

Querschnitt Das Tunnelprofil wurde aus dem Lichtraumprofil EBV 4 der SBB abgeleitet. Aus aerodynamischen und klimatischen Überlegungen wurde eine freie Querschnittsfläche im Tunnel von 41 m² festgelegt. Der Ausbruchsdurchmesser von etwa 9,20 m führt zu einem Innendurchmesser von etwa 7,76 m. Die Ausbruchssicherung erfolgt dabei mit 20 cm Spritzbeton (→Neue Österreichische Tunnelbaumethode), auf die eine Innenschale aus Ortbeton von wenigstens 30 cm folgt. Das Innengewölbe kann Stärken bis zu 110 cm erreichen, zusätzlich wird bei hohem Bergdruck eine Bewehrung eingebaut.AlpTransit Gotthard AG (Hrsg.): Ein Jahrhundertbauwerk entsteht. 1. Auflage. Bern 2010, Stämpfli Verlag AG, ISBN 978-3-7272-1211-6, S. 31 f, 244.

Geschichte mini|Intermodal-Güterzug auf der alten Gotthardbahn Hintergrund 1947 präsentierte Eduard Gruner eine Projektidee für einen Gotthard-Basistunnel mit unterirdischem Bahnhof in der Surselva. 1961 liess das Departement des Inneren ein erstes Projekt ausarbeiten, das einen 45 km langen Doppelspur-Tunnel für 200 km/h zwischen Amsteg und Giornico vorsah; Zwischenangriffe sollten bei Selva und Chiggiogna eingerichtet werden, in der Mitte war ferner ein Überholbahnhof vorgesehen.

Ab 1963 unterzog die durch den Bundesrat eingesetzte «Kommission Eisenbahntunnel durch die Alpen» (KEA) alle damals zur Diskussion stehenden Varianten einer technischen sowie betriebs- und volkswirtschaftlichen Bewertung: Lötschberg, Gotthard West (Luzern/Interlaken–Locarno), Tödi–Greina, Splügen sowie Gotthard-Basis. Zeitgleich wurde das Basistunnel-Projekt von 1961 weiterentwickelt. Hintergrund war das kräftige Verkehrswachstum der Hochkonjunktur. Infolge politischer Auseinandersetzungen und einer wirtschaftlichen Rezession wurde der Plan zunächst nicht umgesetzt. Im August 1965 wurde eine 1,6 km tiefe Sondierbohrung in der Nähe der Lukmanier-Passhöhe abgeschlossen. Vorgesehen war dabei ein 45 km langer Basistunnel zwischen Erstfeld und Biasca. In ihrem Abschlussbericht von 1970 favorisierte die KEA einen Gotthard-Basistunnel. Die SBB erhielten daraufhin den Auftrag, das Bauprojekt für eine Basislinie zwischen Erstfeld und Biasca, als Doppelspur-Tunnel von rund 50 km Länge, auszuarbeiten. Die Inangriffnahme dieses Projekts wurde 1973 beim Schweizer Parlament beantragt. Es folgten jahrelange Streitigkeiten um die Linienführung. Nachdem der Güterverkehr infolge einer Rezession ab 1973 zurückgegangen war, beschlossen die SBB, die Projektierungsarbeiten abzuschliessen. Im Auftrag des Bundesrates prüfte von 1974 bis 1979 eine Kontaktgruppe der acht Ostschweizer Kantone die Varianten Gotthard und Splügen, kam jedoch zu keiner Empfehlung. Die Phase der frühen NEAT-Studien endete 1983 mit der Feststellung des Bundesrates, dass ein «Baubeschluss für eine neue Eisenbahn-Alpentransversale (…) heute noch nicht dringlich» sei. Bereits 1964 hatte der Bundesrat überraschend eine Botschaft für einen Gotthard-Strassentunnel vorgelegt, der 1968 ohne grosse Widerstände und vergleichende Studien in Bau ging.

Ende der 1980er-Jahre war das Projekt Gotthard-Basistunnel eines von fünf diskutierten Eisenbahntunnelprojekten im Bereich der Schweizer Alpen. Es wurde, neben dem Lötschberg-Basistunnel, Ende der 1980er-Jahre in modifizierter Form zur politischen Entscheidung vorgelegt. Die Projekte des Y-Ast-Basistunnels, des Splügen-Basistunnels und des Simplon-Basistunnels wurden dagegen zurückgestellt.Zwei neue Eisenbahntunnels durch die Alpen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Mai 1989, S. 11. In den 1980er-Jahren nahm der Druck auf die schweizerischen Transitachsen zu, ebenso wurden gesetzliche Einschränkungen des Strassengüterverkehrs zunehmend kritisiert. Aus Umweltschutz-, siedlungs- und verkehrspolitischen Gründen sollten die Kapazitäten im Strassen-Alpentransit keinesfalls ausgebaut werden. Der Verkehrsminister erteilte daraufhin den Auftrag, eine Vorgehensweise für eine mögliche rasche Realisierung einer neuen Eisenbahn-Alpentransversale zu entwickeln. Die Ostalpenbahn-Überlegungen wurden mit der 1986 beschlossenen Realisierung der NEAT begraben, mit der eine politisch fundierte Linienführung unabdingbar wurde.