mini|Ständehaus in Kassel Der Kommunallandtag KasselJochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 34–35. (weitere Bezeichnung: Kurhessischer Kommunallandtag) war eine Volksvertretung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Sie war unterhalb der Ebene des Provinziallandtags der Provinz Hessen-Nassau angesiedelt und bestand zwischen 1868 und 1933 im Regierungsbezirk Kassel. Die Wahlperiode dauerte sechs Jahre und die Anzahl der Abgeordneten leitete sich von der Bevölkerungszahl ab.

Geschichte Während im Königreich Preußen je Provinz ein Provinziallandtag gebildet wurde, wurden in der Provinz Hessen-Nassau nach der Annexion des Herzogtums Nassau, des Kurfürstentums Hessen und der Freien Reichsstadt Frankfurt für jedes der drei Gebiete jeweils ein Kommunallandtag gebildet: der Kommunallandtag Kassel, der Kommunallandtag Wiesbaden (auch Nassauischer Kommunallandtag) und der Kommunalständische Verband Frankfurt.

Der Kommunalständische Verband Frankfurt existierte bis zur Neuordnung durch die Provinzialordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 8. Juni 1885 und wurde dem Kommunalverband Wiesbaden zugeschlagen.

Zusammensetzung Der erste Kommunallandtag bestand aus 64 Mitgliedern und knüpfte in seiner Zusammensetzung an die ständische Vertretung des Kurfürstentums Hessen an. Die erste Sitzung fand am 25. Oktober 1868 im Ständehaus in Kassel statt. Der Versammlungsort wurde bis zur Auflösung des Kommunallandtags 1933 beibehalten. An der Größe des Kommunallandtags änderte sich bis zur Neuordnung durch die Provinzialordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 8. Juni 1885 nichts; aber die Kreise im Regierungsbezirk bildeten nunmehr den „Bezirksverband Kassel“, einen höheren Kommunalverband, der im Regierungsbezirk diejenigen Aufgaben übernahm, die in anderen preußischen Provinzen der Provinzialverband erfüllte. Erst im folgenden Kommunallandtag von 1886 verringerte sich die Abgeordnetenzahl auf 55.

mini|Landeshauptmann in Hessen – Siegelmarke Die Abgeordneten wählten den Bezirksausschuss als Regierung des Bezirksverbands, an dessen Spitze den Landesdirektor in Hessen. Die Abgeordneten wurden bis 1920 indirekt gewählt. Erst nach der Verabschiedung des Gesetzes betr. die Wahlen zu den Provinziallandtagen und zu den Kreistagen vom 3. Dezember 1920 fanden allgemeine, gleiche, geheime und unmittelbare Wahlen der Abgeordneten statt.

Mit der Eingliederung des Freistaates Waldeck in die Provinz Hessen-Nassau am 1. April 1929 fanden im Juni 1929 Ergänzungswahlen zum Kommunallandtag statt.

Die 65. Versammlung des Kommunallandtages am 5. April 1933 war die letzte. Danach wurde der Kommunallandtag mit dem Gesetz über die Übertragung von Zuständigkeiten der Provinzial-(Kommunal-)landtage, der Verbandsversammlung des Ruhrkohlenbezirks und der Kreistage auf die Provinzial-(Landes-)ausschüsse, den Verbandsausschuß und die Kreisausschüsse vom 17. Juli 1933 aufgelöst.

Wahlergebnisse Für den Kommunallandtag Kassel fand die erste direkte Wahlen am 21. Februar 1921 statt. Die letzte Wahl war am 12. März 1933.

Wahlergebnisse für den Kommunallandtag Kassel in Prozent KPD USPD SPD DDP Zentrum DVP DNVP Bürger1925 davon Handwerk und Gewerbe (HauGe) 3,4 %, WP 2,6 %, Bürgerliche Gerechtigkeitsvereinigung (BGV) 0,1 %, Allgemeiner Wirtschaftsbund für Steuerabbau und Sparmaßnahmen (AWSS) 0,1 %; 1929 WP DR1921 Hessische Arbeitsgemeinschaft (HAG); 1925 Hessen-Nassauische Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land (HNASL); 1929 davon Hessische Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land (HASL) 23,7 %, CVD 4,3 % NSDAP WahlbeteiligungZahlen zu der Wahlbeteiligung waren nicht verfügbar. Ungültige StimmenZahlen zu den ungültigen Stimmen nach 1921 waren nicht verfügbar. 21.02.1921 4,8 2,7 34,8 7,4 13,7 3,3 3,4 – 29,9 – – 1,829.11.1925 6,7 – 33,1 5,6 14,9 – – 6,2 33,5 – – –17.11.1929 6,5 – 32,8 4,7 13,0 3,2 – 5,5 27,9 6,3 – –12.03.1933 7,0 – 21,2 0,9 10,9 – 7,5 – – 52,6 – –

Daraus ergaben sich folgende Sitzverteilungen: Sitzverteilung für den Kommunallandtag Kassel KPD USPD SPD DDP Zentrum DVP DNVP Bürger1929 WP DR1919 Freie Arbeitsgemeinschaft; 1921 HAG; 1925 HNASL; 1929 HASL NSDAP Insgesamt 05.10.1920 0 4 19 8 9 0 12 – 11 – 63 21.02.1921 2 1 18 4 7 2 2 – 16 – 52 29.11.1925 3 – 15 3 7 – – 0 15 – 43 17.11.1929 3 – 15 2 6 2 – 3 11 3 45 12.03.1933 3 – 9 0 5 – 3 – – 23 43

Vorsitzende Während der Kommunallandtag Kassel bestand, hatten neun Personen den Vorsitz inne. Alexander von Keudell war in der Zeit von 1918 bis 1932 drei Mal Vorsitzender des Kommunallandtages.Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 437. Carl Sigismund Freiherr Waitz von Eschen (Konstituierender Vorsitz) 1868–1871 Ferdinand von Schutzbar 1872–1890 Hans von der Malsburg 1890–1899 Karl Rabe von Pappenheim 1899–1917 Alexander von Keudell 1918–1919 Eduard Harnier 1919 Georg Antoni 1920 Alexander von Keudell 1921–1929 Franz Becker 1930 Alexander von Keudell 1931–1932 Karl Patry 1933

Literatur Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6.

Anmerkungen/Einzelnachweise

Kassel, Kommunallandtag