mini|Interessengebiet des KZ Auschwitz (etwa 40 Quadratkilometer) mini|Animation zum Aufbau des KZ Auschwitz Das Konzentrationslager Auschwitz, kurz auch KZ Auschwitz, Auschwitz oder zeitgenössisch K.L. Auschwitz genannt, war der größte deutsche Komplex aus Gefangenenlagern zur Zeit des Nationalsozialismus. Auschwitz hatte eine Doppelfunktion als Konzentrations- und Vernichtungslager. Der sukzessive ausgebaute Lagerkomplex bestand aus dem Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager), dem Vernichtungslager Birkenau – Konzentrationslager Auschwitz II, dem Konzentrationslager Monowitz und 47 weiteren Außenlagern. Er befand sich am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz) im vom Deutschen Reich annektierten Teil von Polen und wurde von der SS von 1940 bis 1945 betrieben.

Die während des Zweiten Weltkrieges europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in das KZ Auschwitz deportiert, etwa 90 % waren Juden. Die Herkunftsländer waren hauptsächlich Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. In Auschwitz fand im Zuge der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ (später auch Holocaust oder Shoah genannt) ein systematischer und fabrikmäßiger Mord an europäischen Juden statt, aber auch andere durch das NS-Regime verfolgte Gruppen wurden dort eingesperrt und ermordet. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen. Die genaue Opferzahl konnte nicht ermittelt werden.

Am 27. Januar 1945 befreite die von Osten vorrückende Rote Armee den Lagerkomplex. In der Nachkriegszeit ist der Name „Auschwitz“ zu einem Symbol für den Holocaust geworden. Der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ist seit 1996 in Deutschland, seit 2005 international der öffentlich begangene Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Lagerbestandteile Auschwitz I (Stammlager) mini|Eingangstor des KZ Auschwitz I (Stammlager) mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ (2007)

Am 1. Februar 1940 erteilte der Reichsführer SS Heinrich Himmler dem Inspekteur der Konzentrationslager Richard Glücks die Weisung, im Altreich und in den besetzten Ostgebieten, geeignete Gebäudekomplexe, Gefängnisse und Lager auf deren Verwendungsmöglichkeiten als Konzentrationslager zu prüfen. In der Weisung Himmlers wurde Auschwitz auch namentlich genannt. Zwei Untersuchungen durch Glücks und den späteren Lagerkommandanten Rudolf Höß kamen zu dem Schluss, dass Auschwitz zur Errichtung eines solchen Lagers in Frage käme.Martin Broszat (Hrsg.): Kommandant in Auschwitz. München 1963, S. 90; Fußnoteneintrag: Internationaler Militärgerichtshof, XXXVI, NO-034 / Aussage des polnischen Untersuchungsrichters Jan Sehn / Aussage von Rudolf Höß. Daraufhin ordnete Himmler am 27. April 1940 den Bau eines Konzentrationslagers in Auschwitz an.Wanda Michalak (Hrsg.): Auschwitz – faschistisches Vernichtungslager. Warschau 1981, S. 15.

Die Lage war unter Verantwortung des Reichsführers-SS bereits in der Planungsphase als verkehrstechnisch günstig gewählt worden. Auschwitz hatte im 19. Jahrhundert zu Österreich-Ungarn gehört und in dieser Zeit Anschluss an die Bahnlinie Wien – Krakau erhalten. Dieser Bahnanschluss vereinfachte die rasche Deportation von Juden aus vielen Gebieten Europas nach Auschwitz. Die dünn besiedelte Umgebung mit ihren Flussläufen als natürlichen Näherungs- und Fluchthindernissen schottete die Anlage ab, so dass öffentliche Einblicke erschwert wurden.

Der später sehr große Lagerkomplex Auschwitz startete mit der Errichtung des Stammlagers, meist K.L. Auschwitz I genannt. Die SS errichtete das Stammlager in den Gebäuden einer ehemals polnischen Kaserne. Sie war relativ neu gebaut worden und gut erhalten. Am 20. Mai 1940 trafen die ersten Häftlinge im Lager ein. Das Stammlager wurde später Verwaltungszentrum. Im März 1941 ordnete Himmler eine Vergrößerung des Lagers an einem in der Nähe liegenden Dorf an. Der Block 11 war ein lagerinternes Gefängnis mit Stehbunker. Tausende seiner Häftlinge wurden selektiert und an der Schwarzen Wand erschossen. Nach Fluchtversuchen schickte die SS zu Abschreckungszwecken andere Häftlinge in den Bunker und verurteilte sie damit zum Hungertod.

Auschwitz II (Vernichtungslager Birkenau) mini|Luftaufnahme der RAF von Birkenau, aufsteigender Rauch der Verbrennungsgruben (August 1944)

Am 1. März des Jahres 1941 erhielt Rudolf Höß von Himmler aus Anlass einer Besichtigung des Stammlagers den Befehl, ein zusätzliches Arbeitslager für zunächst 100.000 Häftlinge zu bauen. Dessen Kapazität sollte später auf 200.000 erhöht werden. Im Oktober 1941 begann der Bau des riesigen zweiten Lagers.Martin Broszat: Anatomie des SS-Staates. Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933 – 1945. München 1967, S. 99. Das Dorf Brzezinka (dt. Birkenau) wurde nach Umsiedlung der Bevölkerung komplett abgerissen und durch Baracken ersetzt. Verwaltungstechnisch war es dem Stammlager untergeordnet. Den Lagerbereich Auschwitz–Birkenau ließ die SS als Vernichtungslager errichten, mit dem Ziel der industrialisierten Vernichtung von Menschen. An diesem Ort wurden über eine Million Menschen ermordet, größtenteils Juden, Sinti und Roma aus ganz Europa (Anm.: auch außerhalb des KZ-Systems betrieb die SS industrialisierte Vernichtung, vgl. Überblick zu Vernichtungslagern des NS-Regimes).

Das etwas abseits stehende „Rote Haus“ wurde am 20. März 1942 erstmals für Vergasungen benutzt. Das umgerüstete „Weiße Haus“ wurde ab Mitte 1942 als Gaskammer genutzt. Ab dem ersten Halbjahr 1943 gingen die vier neu errichteten Krematorien in Betrieb, die im Untergeschoss die großen Gaskammern des Lagers enthielten.

Die einzelnen Bereiche des 1,7 Quadratkilometer umfassenden Vernichtungslagers wurden Lagerblöcke (A, B, C etc.) genannt; sie waren nacheinander Haftort für verschiedene Opfergruppen. Es gab auf der rechten Seite (vom Eingang her gesehen) Holzbaracken für die Frauen und Kinder unter 14 Jahren. Dazu zählten das „Familienlager Theresienstadt“ bzw. das Frauenlager (Block B I). Auf der linken Seite befanden sich Ziegelbaracken für die Männer. Ab Sommer 1944 hatten ungarische Nationalsozialisten in Budapest die Macht übernommen, was von Eichmann zu verstärkten Deportationen ungarischer Juden genutzt wurde (siehe „Ungarn-Aktion“). Besondere Verfolgung erlitten neben Juden auch die so genannten „Zigeuner“. Die SS errichtete für „Zigeuner“ im Konzentrationslager einen besonderen Block und nannte ihn „Zigeunerlager Auschwitz“. Hier war auch Josef Mengele mit Experimenten an Menschen tätig.

Auschwitz III (Lager Buna, Lager Monowitz) mini|I.G. Farben: Monowitz (1941)

Im KZ Auschwitz–Monowitz, erst Auschwitz III, später Konzentrationslager Monowitz genannt, mussten Häftlinge Zwangsarbeit unter lebensunwürdigen Bedingungen verrichten (Vernichtung durch Arbeit). Gefangene, die ihre Arbeitsfähigkeit verloren, wurden selektiert und weiter in das Vernichtungslager A-II deportiert. Das Lager wurde, eine Besonderheit bei Konzentrationslagern, auf Initiative und Kosten der I.G. Farben AG zusammen mit Fabrikationsstätten der Firma ab 1941 im Ort Monowice, der auch über einen Bahnanschluss an der Bahnlinie Oswiecim-Krakow verfügte, errichtet und am 28. Oktober 1942 in Betrieb genommen.

Es war ab November 1943 ebenfalls Stammlager für weitere Nebenlager mit einem auch dafür zuständigen eigenen SS-Kommandanten.

Weitere Außenlager und Außenkommandos mini|Jawischowitz, eines der 47 Außenlager des KZ Auschwitz, Überreste einer Baracke (2006)

Das KZ Auschwitz hatte 47 Außenlager. Viele Häftlinge kamen dort aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen zu Tode (siehe Vernichtung durch Arbeit).

Die Außenlager unterstanden verwaltungstechnisch bis zur Neugliederung des Lagerkomplexes im November 1943 dem Stammlager KZ Auschwitz I. Die SS bezeichnete sie uneinheitlich, z. B. als Arbeitslager, Außenlager, Außenkommando, KZ, SS-Arbeitslager oder Zweiglager.

Diese Außenlager befanden sich zum Teil im weiteren Umkreis, auch außerhalb des Landkreises, in dem durch die Flüsse Sola und Weichsel umgrenzbaren etwa 40 Quadratkilometer großen „Interessengebiet KL Auschwitz“. Zu ihnen zählten u. a. das Außenlager Althammer, das Außenlager Blechhammer, das Außenlager Eintrachthütte, das Außenlager Fürstengrube, das Außenlager in Hindenburg, das Außenlager Janinagrube, das SS-Arbeitslager Neu-Dachs sowie das Arbeitslager Krakau-Plaszow. In einigen Außenlagern mussten die Häftlinge in Bergwerken arbeiten. Auch den Landwirtschaftsbetrieben des KZ Auschwitz waren Nebenlager angeschlossen.

Von der Lager-SS dazu bestimmte Häftlingsgruppen mussten täglich zur Zwangsarbeit in benachbarten Betrieben marschieren. Sie wurden dementsprechend als Arbeitskommandos oder Außenkommandos bezeichnet und durch Posten überwacht. Die Zahl der Häftlinge wurde beim Verlassen und der Rückkehr genau erfasst.

Geographische Lage mini|Karte des Lagerkomplexes Auschwitz mit den Eisenbahn-Anbindungen mini|Während der „Ungarn-Aktion“ 1944 war die Kapazität der Krematorien in Auschwitz überlastet, es wurden zusätzliche Verbrennungsgruben errichtet. Eine der Sonderkommando-Fotografien, die 1944 heimlich von einem Häftling des Sonderkommandos, vermutlich Alberto Errera, aufgenommen wurden. Das Stammlager (Auschwitz I) ließ die SS in einer ehemaligen polnischen Kaserne, südwestlich der Stadt Oświęcim, errichten. Die Region gehörte zum Grenzgebiet zwischen dem 1939 durch Annexion erweiterten Deutschen Reich und dem Generalgouvernement.

Das Vernichtungslager Birkenau (Auschwitz II) wurde im Herbst des Jahres 1941 drei Kilometer entfernt nordwestlich vom Stammlager Auschwitz I neu errichtet.

Beide Lager lagen im „Interessengebiet KL Auschwitz“, einem durch die Flüsse Sola und Weichsel gebildeten Dreieck von circa 40 km² Fläche.Martin Broszat (Hrsg.): Kommandant in Auschwitz. München 1963, S. 95.Jan Sehn: Konzentrationslager Oświęcim-Brzezinka. Warschau 1957, S. 15.

Der Lagerbereich Monowitz (Auschwitz III) wurde Ende Oktober 1942 durch die I.G. Farben AG eingerichtet. Es lag sechs Kilometer östlich vom Stammlager entfernt, auf dem Gelände der Buna-Werke der I.G. Farben AG.

Die Anbindung an den Schienenverkehr erfolgte nach Norden in die Richtungen Warschau und Breslau (weiter nach Berlin). Nach Süden führte das Schienennetz in die Richtungen Prag, Budapest, Wien und Bratislava. Zwei Strecken führten in östlicher Richtung nach Krakau und weiter in die Ukrainische SSR.

Öffentliche Verwaltungsstruktur Der nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Landkreis Oświęcim (Auschwitz) war im Zuge einer Gemeindereform 1932 aufgelöst und den Landkreisen Wadowice und Bielsko-Biała zugeteilt worden. Bereits drei Tage nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, am 4. September 1939, wurde die Stadt Auschwitz von deutschen Wehrmachtstruppen eingenommen und einen Monat später dem Deutschen Reich einverleibt. Die nachträgliche Legitimierung durch die deutsche Besatzungsmacht erfolgte am 21. Dezember 1939 durch die sogenannte „Verordnung über die Einführung der Deutschen Gemeindeordnung in den eingegliederten Ostgebieten“. Am 30. November 1940 wurde die Stadt, die nun Auschwitz genannt wurde, Verwaltungsmittelpunkt eines neuen Amtsbezirks. Dieser bestand aus der Stadt Auschwitz und den umliegenden Gemeinden Babitz, Birkenau, Broschkowitz, Dwory, Klutschnikowitz, Monowitz, Poremba-Wielka, Stara-Stawy, Wlocienitz und Zaborz-Ost. Das Gebiet um Auschwitz bildete nun im westlichen Abschnitt des neuen Landkreises Bielitz einen Teil des neuen Regierungsbezirk Kattowitz.Sybille Steinbacher: Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte. 2. Auflage, Beck, München 2007.