mini|Telegrafenlinien 1901 Als Telegrafenlinie bezeichnet man fest installierte kabelgebundene Verbindungen für die Telegrafie.
Zum Bau der oberirdischen Telegrafenlinien bediente man sich imprägnierter Stangen von 7–10 Metern Länge und 12–15 cm Zopfstärke, an denen Isolationsvorrichtungen von Porzellan auf eisernen Stützen festgeschraubt wurden. Die deutsche Reichstelegraphenverwaltung verwendete Ende des 19. Jahrhunderts die von Chauvin angegebene Doppelglocke auf hakenförmiger Schraubenstütze.
Zur Herstellung der Leitungen wurde in der Regel verzinkter Eisendraht von 2,5–5 mm Durchmesser benutzt; gelegentlich wurde auch Bronze genutzt. Die unterirdischen Linien bestanden aus Kupferdrähten oder Kupferlitzen, die mit Guttapercha isoliert waren; gewöhnlich wurden 4 oder 7 solcher Adern zu einem Kabel verseilt und mit einer Schutzhülle von verzinkten Eisendrähten umgeben.
Für die Überschreitung von Gewässern gab man den Kabeln eine zweite Schutzhülle von stärkeren Drähten und schloss sie außerdem in verzinkte gusseiserne Gelenkmuffen ein. Unterirdische Leitungen sind weniger Beschädigungen ausgesetzt, erfordern aber vorzügliche Isolation und bedeutende Anlagekosten, während ihre Benutzbarkeit auf längeren Strecken durch die den Kabeln anhaftenden Ladungserscheinungen (Kapazitätsbelag) eine gewisse Einschränkung erfährt.
Schon bei Entstehung der elektrischen Telegraphie angewendet (siehe auch: Telegrafenlinie Baltimore–Washington), hatten diese erst seit 1876 eine größere Verbreitung erlangt, nachdem die deutsche Reichstelegraphenverwaltung mit der Anlage ihres ausgedehnten unterirdischen Liniennetzes bahnbrechend vorangegangen war. 1886 besaß Deutschland 5.648 km, Frankreich 1.661 km, Großbritannien 1.146 km und Russland 289 km unterirdische Linien.
Ungleich rascher und kräftiger entwickelten sich die unterseeischen Verbindungen. Die großen Seekabel waren ähnlich konstruiert wie die Landkabel, enthielten aber wegen der unvermeidlichen Induktion nur einen Leiter. 1851 wurde das erste brauchbare Seekabel zwischen Dover und Calais ausgelegt, 1866 die erste Kabelverbindung zwischen Europa und Amerika hergestellt.
1886 dienten bereits zwölf Kabel dem telegraphischen Verkehr beider Weltteile: acht davon gehen aus von Großbritannien und Irland, zwei von Frankreich nach Nordamerika; zwei Kabel von Portugal nach Südamerika.
1887 betrug die Gesamtlänge der bestehenden unterseeischen Kabel 113.565 Seemeilen, darunter 103.396 Seemeilen im Besitz von Privatgesellschaften und nur 10.169 unter staatlicher Verwaltung.
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