miniatur|250px|Helmut Neunzert (2010) Helmut Neunzert (* 2. August 1936 in München) ist ein deutscher Mathematiker, der sich mit angewandter Mathematik (Technomathematik) beschäftigt und vor allem am Aufbau der deutschen Industriemathematik mitwirkte.
Leben Neunzert studierte 1954 bis 1959 Mathematik und Physik (Lehramt) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einem Referendariatsjahr in München-Pasing und Miesbach war er von 1960 bis 1972 am Forschungszentrum Jülich tätig, zeitweise als stellvertretender Leiter des Zentralinstituts für Angewandte Mathematik. Sein Themengebiet waren vor allem numerische Probleme in Kerntechnik und Plasmaphysik. 1965 promovierte er bei Claus Müller an der RWTH Aachen, abgerufen am 26. August 2024. wo er sich auch 1971 habilitierte und ab 1972 Professor für angewandte Mathematik war. Ab 1974 hatte er eine „Professur für die mathematischen Grundlagen von Physik und Technik“ der Universität Kaiserslautern inne. Dort blieb er trotz zweier Rufe von außen bis zu seiner Emeritierung 2004. 1996 wurde er Leiter des neugegründeten Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM, das 2001 als erstes mathematisches Institut in die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen wurde. Neunzert war an diesem Institut für internationale Beziehungen, insbesondere nach Schweden und Indien, verantwortlich. Er ist im Board des Fraunhofer-Chalmers CenterFraunhofer-Chalmers Center in Göteborg. Neunzert ist verheiratet, hat 2 Söhne und 5 Enkel.
Wirken Bis etwa 1996 arbeitete Neunzert vor allem über Gleichungen der statistischen Mechanik wie z. B. die Vlasov- und die Boltzmanngleichung. Dabei wurden zunehmend numerische Methoden wichtig; so traten, angetrieben durch das europäische Raumfahrtprojekt HERMES, Partikelmethoden in den Vordergrund. Die meisten von Neunzerts 40 Doktoranden haben auf diesem Gebiet promoviert. Ab 1996 überwogen andere Themen der Industriemathematik, so z. B. Bildverarbeitung oder industrielle Strömungen. Neunzert bemühte sich sehr um die europäische Zusammenarbeit, war Mitbegründer des European Consortium for Mathematics in Industry (ECMI)European Consortium for Mathematics in Industry und des Fraunhofer-Chalmers-Center in Göteborg. Auch für Studenten und Mathematiker aus europäischen und nicht-europäischen Ländern engagierte er sich, z. B. im International Center for Theoretical PhysicsInternational Center for Theoretical Physics (ICTP) in Triest (Italien) und in Indien als einer der Gründer der Indian Society for Industrial and Applied Mathematics (ISIAM) und am IIT Madras in Chennai (Indien). Von 2008 bis 2012 war er einer der zwei Technologiebotschafter der Region Kaiserslautern. 2016 zog er sich nach Prien am Chiemsee zurück.
Auszeichnungen 2022: Lebenswerkpreis des Bezirksverbands Pfalz 2011: Ehrenmedaille der TU Kaiserslautern 2009: SIAM FellowSIAM Fellow 2009 2007: Ehrendoktor für Technologie der Chalmers Tekniska Hoegskola, Göteborg 2006: Ehrenmitglied der Nepal Mathematical SocietyNepal Mathematical Society 2005: Ehrenmitglied der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft 2004: Ehrenmitglied des European Consortium for Mathematics in Industry (ECMI) 2004: Zakir Hussain Prize of the Indian Society of Industrial and Applied Mathematics (ISIAM) 2004: Fraunhofer Medaille 2003: Corresponding Fellow of the Royal Society of Edinburgh 2002: Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz 2000: Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz 1999: CICIAM Pioneer Prize, awarded by SIAM 1996: Preis für herausragende Leistungen in der internationalen Hochschulzusammenarbeit des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie 1992: Ehrendoktor der technischen Wissenschaften der Universität Linz 1962: Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Stockholm (Über die Fortsetzung von Kontraktionen eines m-dimensionalen komplexen Vektorraumes).
Veröffentlichungen mit Bernd Rosenberger: Schlüssel zur Mathematik, Econ Verlag 1992, 2. Auflage als Oh Gott Mathematik, Teubner 1997 mit Siddiqi: Topics in Industrial Mathematics, Kluwer 2000 mit A. Blickensdörfer-Ehlers, W. G. Eschmann, K. Schelkes: Analysis – ein Lehr- und Arbeitsbuch für Studienanfänger, 2 Bände, Springer 1980, 1981 mit H. Babovsky, Thomas Beth, M. Schulz-Reese: Mathematische Methoden in der Systemtheorie: Fourieranalysis, Teubner 1987 mit Renate Tobies, A. Abele-Brehm: Traumjob Mathematik, Berufswege von Frauen und Männern in der Mathematik, Birkhäuser, 2004 mit Dieter Prätzel-Wolters (Hrsg.): Mathematik im Fraunhofer-Institut: Problemgetrieben – Modellbezogen – Lösungsorientiert. Springer 2015
Weblinks Scientific Advisory Board am Fraunhofer ITWM Homepage Felix-Klein Zentrum
Helmut Neunzert in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise
Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (TU Kaiserslautern) Kategorie:Institutsleiter der Fraunhofer-Gesellschaft Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz Kategorie:Mitglied der Royal Society of Edinburgh Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Hochschule Chalmers Kategorie:Ehrendoktor der Universität Linz Kategorie:Mitglied der Society for Industrial and Applied Mathematics Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Mann