Michelsrombach ist ein Stadtteil von Hünfeld im osthessischen Landkreis Fulda.
Geographie Der Stadtteil Michelsrombach liegt an den nördlichen Ausläufern der Rhön und gehört zum Biosphärenreservat Rhön, und zwar 1,8 km südlich und 7,4 km westlich von Hünfeld. Am Ortsrand treffen sich zwei Landesstraßen. Die Bundesautobahn 7 verläuft östlich des Ortes.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste Erwähnung eines Ortes „Ruochenbach“ stammt aus der Zeit zwischen 794 und 800. Die historische Quelle findet sich in einem Kopiar, das um 1200 entstand. Diese ist der Bericht des Eigils über das Leben des vierten Abtes von Fulda Sturmius. Darin geht es um die Suche nach einem geeigneten Platz zur Errichtung einer Einsiedelei, die 742/43 in Haerulfisfeld errichtet wurde. Dabei fanden die Mönche einen Ort, der Ruochenbach genannt wurde (… in loco qui Ruochenbach dicitur).Eigil: Vita Sturmi, S. 136.
Die Originalstelle aus der Vita Sturmi lautet:
Deutsche Übersetzung: "Nachdem sie das Schiff verlassen hatten, durchstreiften sie die Gegend und begutachteten das Land – Berge, Hügel sowie höher und tiefer gelegene Flächen –, um zu erkunden, wo der Herr seinen Dienern einen Wohnort in der Wildnis zeigen würde. Schließlich gelangten sie am dritten Tag an die Stelle, wo der Fluss namens Luodera in die Fulda mündet. Von dort kehrten sie zum Schiff und anschließend in ihre eigene Zelle zurück, ohne etwas gefunden zu haben, das ihnen wirklich zugesagt hätte; lediglich an einem Ort namens Ruohenbach hatten sie eine Weile verweilt, wo es ihnen schien, als könnten die Diener Gottes dort nach eigenem Ermessen leben – doch sie glaubten nicht, dass dies dem ehrwürdigen Bischof in jeder Hinsicht gefallen würde."
Im Jahre 980 werden die Gewässernamen Fulda und Ruhunbach in einer Urkunde erwähnt: „de Vulda in Ruhunbach.“.MGH, Dipl., II, Nr. 221, S. 250.
Erst seit dem 14. Jahrhundert findet man eine Differenzierung des Ortsnamens statt. Zuerst unterschied man zwischen den Orten Michelsrombach (1345) und Fraurombach. Die Unterscheidung erfolgte hier nach der Lage der Siedlungen am Ober- und Unterlauf des Rombachs: Fraurombach war 1343: „inferioiri Ruhembach“ (das untere Rombach),StAM, R II, Frauenberg. Michelsrombach 1345: „superior villa Rombach“ (das obere Rombach).Lübeck: 1934/35, I. S. 160. Beide Orte an der Rombach wurden am Ende des 15. Jahrhunderts nach ihrem jeweiligen Kirchenpatrozinium umbenannt. 1498 findet sich in einem Kopiar, das um 1500 entstand, der Eintrag: „michels- vnd frawen Rombach“. Die Kirchenpatrozinien waren Sankt Michael und die Jungfrau Maria. Der dritte Ort an der Rombach, Oberrombach (Hünfeld) kann seinen Namen erst erhalten haben, nachdem aus dem früheren oberen Rombach Michelsrombach geworden war. 1552: „Obernrombach“.StAM, 90 g, Nr. 317. S. 62 f. 1596 wird auch dieser Ortsname zeitweise nach dem dortigen Patrozinium genannt: „Johannes Rombach“.StAM, 90 d, v. Trümbach, Paket 21.
Die weitere Entwicklung des Ortsnamens zu Michelsrombach sei kurz skizziert: 1345 wird „superior villa Rohenbach“ in einem Kopiar genannt.Konrad Lübeck: Alte Ortschaften des Fuldaer Landes. Fulda 1934–1936, Bd. 1, S. 160. Hier wird die Siedlungsform des Ortes mit villa angegeben. 1498 werden „michels und frawen Rombach“ unterschieden.StAM, K 436, Nr. 302. S. 685. 1512 heißt es „… zuo Michels Rombach.StAM, K 438, Nr. 383, S. 1126.“
Die Namensforschung überträgt den Gewässernamen Rombach als Ableitung des Rufnamens „Ruoho“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 310–312, besonders 311 f.
Neuzeit Eine neue Kirche wurde 1966/67 erbaut.
Zum 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Michelsrombach im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Hünfeld eingemeindet. Für Michelsrombach wurde, wie für die übrigen bei der Gebietsreform nach Hünfeld eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Michelsrombach angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Amt/Oberamt Burghaun 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Fürstentum Fulda, Amt Burghaun 1806–1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Haselstein ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Burghaun ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis HünfeldVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Burghaun) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Hünfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld, Stadt HünfeldAm 1. Februar 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Hünfeld. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda, Stadt Hünfeld
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1569: 45 Steuernde [Fuld. Akten v. Trümbach] • 1789: 33 Bauern, 35 Hüttner und 26 Beisassen • 1812: 70 Feuerstellen, 553 Seelen
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Michelsrombach 1104 Einwohner. Darunter waren 9 (0,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 210 Einwohner unter 18 Jahren, 483 zwischen 18 und 49, 240 zwischen 50 und 64 und 171 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 447 Haushalten. Davon waren 117 Singlehaushalte, 126 Paare ohne Kinder und 165 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 81 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 321 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 9 evangelische (= 1,29 %), 689 katholische (= 98,71 %) Einwohner • 1961: 32 evangelische (= 3,70 %), 826 katholische (= 95,60 %) Einwohner
Politik Für Michelsrombach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Michelsrombach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 60,24 %. Es erhielten die CDU mit 82,81 % sieben Sitze, und die „Christliche Wähler-Einheit“ mit 17,19 % zwei Sitze. Der Ortsbeirat wählte Stefan Eckart (CDU) zum Ortsvorsteher.
Infrastruktur Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Fulda mit der Buslinie 73 sicher. Im Ort gibt es eine Mittelpunktgrundschule, ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Kirche und eine Kindertagesstätte.
Weiter gibt es einen Sportplatz, einen Tennisplatz mit zwei Plätzen, ein Schützenhaus und ein Feuerwehrhaus.
Seit 2017 hat das Kinder- und Jugendhospiz die Kleinen Helden seinen Sitz im alten Forsthaus in Michelsrombach.Kinder- und Jugendhospiz die Kleinen Helden
Seit 2021 findet ein Tegut teo seinen Platz am Königsküppel 15, in Michelsrombach.
Vereine Sportverein »Hellas« Michelsrombach 1921 e. V. (mit Fußball, Tennis) Dartsportverein Michelsrombach e. V. Michelsrombacher Sportschützen 1968 e. V. Gesangverein 1951 »Buchfink« Michelsrombach e. V. Freiwillige Feuerwehr Michelsrombach VdK Ortsverband Michelsrombach Kolpingfamilie Michelsrombach Katholische Frauengemeinschaft Michelsrombach Heimat- und Geschichtsverein Michelsrombach DRK-Ortsgruppe Michelsrombach Die Familienbande Kirmesgesellschaft Michelsrombach Kinder- und Jugendhospiz Kleine Helden Osthessen e. V.
Literatur Adrian Seib: Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Fulda II. Burghaun, Eiterfeld, Hünfeld, Nüsttal, Rasdorf. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Herausgeber und Verlag), Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8062-2607-2, S. 344–351.
Weblinks
Stadtteil Michelsrombach In: Webauftritt der Stadt Hünfeld.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Fulda Kategorie:Ortsteil von Hünfeld Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Fulda) Kategorie:Ersterwähnung 852 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971