Yannick Noah (* 18. Mai 1960 in Sedan) ist ein ehemaliger französischer Tennisspieler und heutiger Popsänger mit kamerunischen Wurzeln.
Leben Noah wuchs zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr in Kamerun im Dorf Etoudi (heute ein Stadtteil von Yaoundé) auf, ehe ihn seine Eltern nach Nizza schickten, um dort Schul- und Tennisausbildung zu verbinden. Nach dem Tod seines Vaters wurde Noah 2017 als dessen Nachfolger Dorfvorsteher von Etoudi. Dort baute er das Village Noah (deutsch: Noah-Dorf) auf, das Urlaubs-, Freizeit-, Sport-, Kultureinrichtungen sowie eine in den 1960er Jahren von seiner Mutter gegründete Schule umfasst. Im Rahmen eines Staatsbesuchs im Juli 2022 besuchte der französische Präsident Emmanuel Macron das Village Noah.
Tenniskarriere Noah war von 1977 bis 1991 auf der Profitour unterwegs. Nachdem er bis Mitte 1982 bereits acht Turniere gewonnen hatte, erreichte er im August dieses Jahres durch seinen neunten Turniersieg in South Orange erstmals die Top 10 der Weltrangliste. Bei den French Open kam er in den Jahren 1981 und 1982 jeweils bis ins Viertelfinale. Zu einem seiner erfolgreichsten Jahre wurde das Jahr 1983: Zunächst gewann er im April und Mai die beiden Turniere von Madrid und Hamburg, ehe er Anfang Juni auch die French Open für sich entscheiden konnte. Lediglich im Viertelfinale gegen Ivan Lendl musste er dabei einen Satzverlust hinnehmen und gewann ansonsten alle seine Matches glatt in drei Sätzen – unter anderem das Finale gegen Mats Wilander. Damit ist er bei den Herren bis heute der letzte Franzose, dem ein Einzelsieg bei einem der vier Grand-Slam-Turniere gelang. Er kam dadurch bis auf Platz 4 der Weltrangliste nach vorne und erreichte auch bei den US Open erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale. Am Ende des Jahres wurde er von der Sportzeitung L’Équipe zu Frankreichs Sportler des Jahres („Champion des champions“) gewählt.
Etwas weniger erfolgreich verlief für Noah das Jahr 1984, wo er im Einzel kein Turnier gewinnen konnte und auch nur bei einem Turnier im Finale stand. Bei den French Open erreichte er das Viertelfinale im Einzel, gewann zusammen mit Henri Leconte aber das Turnier im Doppel. 1985 gewann er dann drei weitere Turniere im Einzel – unter anderem in Rom – und stand im Doppel gemeinsam mit Leconte bei den US Open im Finale. 1986 konnte Noah im Mai das Turnier von Forest Hills gewinnen und erreichte bei den French Open das Achtelfinale, das er jedoch verletzungsbedingt nicht antreten konnte. Obwohl er daraufhin fast drei Monate pausieren musste, belegte er im Juli dann trotzdem zwei Wochen lang mit Platz 3 die höchste Platzierung seiner Karriere in der Einzel-Weltrangliste. Er konnte sich bis Oktober 1988 nahezu durchgängig in den Top 10 der Einzel-Weltrangliste behaupten und gewann weitere vier Turniere in dieser Zeit. Im Doppel spielte er zwischen 1986 und 1988 außerdem erfolgreich mit Guy Forget zusammen und belegte dabei insgesamt 19 Wochen die Spitzenposition der Weltrangliste – unter anderem durch das Finale 1987 bei den French Open und insgesamt neun Turniersiege.
Zum Ende seiner Karriere gewann Noah in Sydney Anfang 1990 sein 23. und letztes Turnier im Einzel. Bei den Australian Open erreichte er dann noch einmal das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, das er gegen den damaligen Weltranglistenersten und späteren Turniersieger Ivan Lendl verlor. Im Achtelfinale hatte Noah den damals 18-jährigen Pete Sampras in vier Sätzen besiegt, der im gleichen Jahr später die US Open gewann. In Nizza gewann Noah im April gemeinsam mit Alberto Mancini seinen letzten Doppeltitel und beendete nach der Saison 1991 – abgesehen von einem kurzzeitigen Comeback bei vier Turnieren in den Jahren 1995 und 1996 – seine Karriere.
Als Teamchef der französischen Tennisnationalmannschaft gewann Noah mit den Herren dreimal den Davis Cup (1991, 1996 und 2017) und mit den Damen einmal den Fed Cup (1997).
2017 erhielt er den Davis Cup Award of Excellence. Dieser Award wird bei Davis-Cup-Finale immer einem Spieler verliehen, der sich für das Gastgeberland verdient gemacht hat und der die Ideale und den Geist des Davis Cups repräsentiert.
Erfolge Legende Grand Slam Tennis Masters Cup ATP Masters Series ATP International Series Gold ATP International Series ATP Challenger Tour ATP-Titel nach Belag Hartplatz Sand Rasen Teppich
Einzel Turniersiege Nr. Datum Turnier Belag Finalgegner Ergebnis 1. 20. November 1978 Sand (i) 7:6, 6:0 2. 27. November 1978 Teppich (i) 6:3, 6:2 3. 19. März 1979 Hartplatz (i) 6:2, 5:7, 6:1, 7:5 4. 24. September 1979 (1) Sand 6:3, 6:7, 6:3: 6:2 5. 1. Oktober 1979 Sand 6:0, 6:7, 6:1, 1:6, 6:4 6. 2. Februar 1981 Teppich (i) 6:1, 3:1 aufgg. 7. 6. April 1981 Sand 6:4, 6:2 8. 15. Februar 1982 Hartplatz 6:4, 2:6, 7:5 9. 26. Juli 1982 Sand 6:3, 7:6 10. 11. Oktober 1982 (1) Hartplatz (i) 6:4, 6:2, 6:3 11. 6. Dezember 1982 (1) Hartplatz (i) 6:3, 6:2 12. 25. April 1983 Madrid (2) Sand 3:6, 6:0, 6:2, 6:4 13. 9. Mai 1983 Sand 3:6, 7:5, 6:2, 6:0 14. 23. Mai 1983 Sand 6:2, 7:5, 7:6 15. 13. Mai 1985 Sand 6:3, 3:6, 6:2, 7:6 16. 15. Juli 1985 Sand 6:4, 6:3 17. 7. Oktober 1985 Toulouse (2) Hartplatz (i) 6:4, 6:4 18. 5. Mai 1986 Sand 7:6, 6:0 19. 10. November 1986 Teppich (i) 6:2, 6:3, 6:7, 4:6, 7:5 20. 2. Februar 1987 Teppich (i) 6:4, 7:5 21. 5. Oktober 1987 Basel (2) Hartplatz (i) 7:6, 6:4, 6:4 22. 15. Februar 1988 Teppich (i) 4:4 aufgg. 23. 8. Januar 1988 Hartplatz 5:7, 6:3, 6:4
Finalteilnahmen Nr. Datum Turnier Belag Finalgegner Ergebnis 1. 17. April 1978 (1) Sand 3:6, 4:6, 4:6 2. 19. Mai 1980 Sand 0:6, 4:6, 4:6 3. 6. Juli 1981 Sand 1:6, 6:7 4. 29. März 1982 Nizza (2) Sand 2:6, 6:3, 11:13 5. 4. April 1983 Sand 6:2, 6:7, 4:6 6. 13. Februar 1984 (1) Hartplatz 2:6, 7:6, 3:6 7. 28. Januar 1985 Teppich (i) 1:6, 0:6 8. 14. Oktober 1985 (1) Hartplatz (i) 7:6, 4:6, 6:7, 1:6 9. 24. Februar 1986 La Quinta (2) Hartplatz 1:6, 3:6, 2:6 10. 21. April 1986 Sand 3:6, 2:6 11. 13. Oktober 1986 Basel (2) Hartplatz (i) 6:7, 2:6, 7:6, 6:7 12. 4. Mai 1987 Sand 4:6, 6:7, 6:7 13. 13. März 1989 Hartplatz 6:3, 6:2, 1:6, 2:6, 3:6
Doppel Turniersiege Nr. Datum Turnier Belag Doppelpartner Finalgegner Ergebnis 1. 6. April 1981 (1) Sand 4:6, 6:3, 6:4 2. 26. Oktober 1981 Hartplatz (i) 6:4, 6:4 3. 29. März 1982 Nizza (2) Sand 5:7, 6:4, 6:3 4. 11. Oktober 1982 Hartplatz Henri Leconte 6:2, 6:2 5. 28. Mai 1984 Sand Henri Leconte 6:4, 2:6, 3:6, 6:3, 6:2 6. 7. April 1985 Teppich (i) 3:6, 4:6, 7:5, 6:1, 6:4 7. 27. April 1986 Sand 6:4, 3:6, 6:4 8. 18. Mai 1986 Sand Guy Forget 7:6, 6:2 9. 19. Oktober 1986 Hartplatz (i) Guy Forget 7:6, 6:4 10. 8. Februar 1987 Teppich (i) Guy Forget 4:6, 6:3, 6:4 11. 22. Februar 1987 Hartplatz Guy Forget 6:4, 7:6 12. 10. Mai 1987 Sand Guy Forget 4:6, 6:4, 6:1 13. 17. Mai 1987 Sand Guy Forget 6:2, 6:7, 6:3 14. 14. Juni 1987 Rasen Guy Forget 6:4, 6:4 15. 13. März 1988 Hartplatz Guy Forget 6:4, 6:4 16. 22. April 1990 Sand 6:4, 7:6
Finalteilnahmen Nr. Datum Turnier Belag Doppelpartner Finalgegner Ergebnis 1. 27. November 1978 Teppich (i) 6:7, 4:6 2. 6. Dezember 1982 (1) Hartplatz (i) 4:6, 4:6 3. 28. März 1983 Sand 2:6, 4:6 4. 23. Januar 1984 Teppich (i) Henri Leconte 2:6, 3:6 5. 26. August 1985 Hartplatz Henri Leconte 7:6, 6:7, 6:7, 0:6 6. 23. Januar 1984 Hartplatz 4:6, 3:6 7. 7. Dezember 1986 Teppich (i) 3:6, 6:7, 3:6 8. 7. Juni 1987 Sand Guy Forget 7:6, 7:6, 3:6, 4:6, 2:6 9. 16. Oktober 1988 Toulouse (2) Hartplatz (i) 3:6, 4:6
Karriere als Sänger Erfolgreich war Noah als Sänger insbesondere mit den Chansons Aux arbres citoyens, das den ersten Platz in der französischen Hitparade erreichte, Saga Africa und Métisse(s). Für sein Album Charango erhielt er 2006 eine Goldene Schallplatte. Am 2. Juli 2005 trat er bei Live 8 in Paris auf.
Diskografie
Alben
Singles
Videoalben 2004: Quand Vous Etes La (FR: ) 2007: Un Autre Voyage (FR: ) 2011: Yannick Noah Tour (FR: )
Auszeichnungen für Musikverkäufe Platin-Schallplatte
2004: für das Album Yannick Noah 2004: für das Album Pokhara
Sonstiges Neben seiner Karriere als Sänger arbeitete er als Berater für die kamerunische Fußballnationalmannschaft. Er engagiert sich auch für französische Hilfsorganisationen wie Les Restos du Cœur und den von ihm gegründeten Verein Les enfants de la Terre. Zudem nimmt er regelmäßig am jährlichen Wohltätigkeitskonzert der Les Enfoirés, dem größten Medienereignis in der frankophonen Welt, teil.
1996 war er in der Vorbereitung auf das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger Mentaltrainer der Fußballmannschaft Paris Saint-Germain und trug auf diese Weise zum Gewinn des Wettbewerbs bei.
Sein Vater Zacharie stammte aus Kamerun und war Profifußballer, seine französische Mutter Marie-Claire war Lehrerin. Aus Noahs erster Ehe mit dem schwedischen Fotomodell (Miss Schweden 1978) Cecilia Rodhe stammen seine ältesten Kinder Joakim und Yéléna. Joakim Noah war Basketball-Profi in der NBA und französischer Nationalspieler. Yéléna Noah arbeitet als Fotomodell.
2005 wurde er in einer Umfrage der französischen Sonntagszeitung Le Journal du Dimanche zum beliebtesten Franzosen gewählt. In einer Umfrage des Ifop-Instituts, die im Januar 2010 vorgestellt wurde, wurde Noah zum fünften Mal in Folge zur beliebtesten Persönlichkeit Frankreichs gewählt.
Quellen
Weblinks
Offizielle Website Yannick Noah mit Tracks, Tourdaten, Filme, Fotos
Kategorie:Davis-Cup-Spieler (Frankreich) Kategorie:Mitglied der International Tennis Hall of Fame Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Popsänger Kategorie:Musiker (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Mann