Der Ibersheimer Wörth ist eine ehemalige Flussinsel des Oberrheins, die man Wörth oder Werth nennt.Wörth ist am Oberrhein gebräuchlich, Werth am Mittel- und Niederrhein. Hessen verwendet die Bezeichnung Wörth, Rheinland-Pfalz dagegen Werth. Das Gelände liegt in der Gemarkung Worms-Ibersheim, zwischen den Rheinstrom-Kilometern 453,5 bis 458,4 und im Landschaftsschutzgebiet Rheinhessisches Rheingebiet.Gebietsname: Rheinhessisches Rheingebiet, Gebiets-Nr.: LSG 3.002_2 Eine weitergehende Unterschutzstellung wurde diskutiert, weil dieses Gebiet für die Kultur und die Natur wertvoll ist.
miniatur|Gemarkung um 1720 mit Rheininseln miniatur|Heinr. Haaß: Militärische Situationskarte, 1799 miniatur|Friedr. Wilh. Delkeskamp: Neues Panorama des Rheins, 1842
Geografie Im Oberrheintalgraben entstanden im Tertiär und im Quartär durch den langsam fließenden und durch die unterschiedlichen Hochwasser des Rheins, verschiedenen Ablagerungen (Lehm, Schluff, Kies, Sand), die zu einer Insel führten.Dieter Arnold, Worms: Vortrag 8. Februar 2011 in Hamm. Rundgang vor Ort. In: Wormser Zeitung, 17. Februar 2011 miniatur|Rheinlöcher Die ehemalige Rheininsel zwischen dem Neurhein bei Stromkilometer 453,5 bis 458,5 und einem Altrheinarm von ca. vier Kilometern Länge mit den Bezeichnungen: Rheinlöcher nennen die Ibersheimer ihren Teil mit ursprünglich ca. zwei Kilometern, der heute erst bei dem Krippenweg beginnt. Scheidegraben ist die Bezeichnung wegen der Gemarkungsgrenze zwischen Ibersheim und Hamm durch den ehemaligen Altrheinarm, auch Anhang genannt.
Der Ibersheimer Wörth liegt in der Gemarkung von Worms-Ibersheim mit der Bezeichnung nach geschichtlichen, geographischen und öffentlich-rechtlichen Gründen.
Das nördliche Ende der Insel ist auf historischen Rheinlaufkarten von 1799 und 1842 an der heutigen Gemarkungsgrenze, zwischen Ibersheim und Hamm, bei der Straße zum Rhein (ehemals Gasthaus Schmittel) erkennbar. Die Südspitze war bei der Gemarkungsgrenze zwischen Ibersheim und Rheindürkheim. Dort ist ein Prallhang des Rheines. Bei dem Neubau eines Rheindammes ab 1801, unter napoleonischer Regierung im Departement Donnersberg, ist dort der Einlauf zum Altrhein geschlossen worden. Die wasserbaulich schwierige Maßnahme wurde damals der Familie Brubacher übertragen, die in ihrer Schweizer Heimat, dem Berner Oberland, entsprechende Erfahrungen gesammelt hatten.Fritz Kehr, Ibersheimer Heimatforscher: Vortrag. Mennoniten-Einzug. In: Wormser Zeitung, 20. März 1980 Mit der Schließung dieses Einlaufs wurde der Altrheinarm (Rheinlöcher/Scheidegraben) zu einem Stillgewässer. Ein Zu- bzw. Abfluss als Niveauregulierung gibt es heute im Norden auf der Gemarkung von Hamm, nahe der ehemaligen Pappelgruppe Zwölf Apostel.
Der Ibersheimer Wörth wird 1830 und 1845 beschrieben: Ibersheimer Wörth, Rheinau, besteht aus Wald und Wiesen und gehört zu Ibersheim. Diese Au, theils herrschaftlich, theils privat ist durch keinen Damm geschützt.
Um 1900 teilte sich der Wörth in fünf Inseln auf:Adolf Trieb: Ibersheim am Rhein. Worms/Eppelsheim 1911, S. 6–7 Das rote Wörth, mit Eichen und anderen Bäumen bewachsen, 88 Morgen groß. Das große Wörth, mit einem großen Weiher und sumpfigen Lachen, 250 Morgen groß. Das Bachertwörth, zur Hälfte mit Weiden bewachsen und zur Hälfte sandig, 40 Morgen groß. Das Weidenwörth, gegen Groß-Rohrheim gelegen, mit Weiden bewachsen, 10 Morgen groß. Das Gänswörth, Hamm gegenüber, verschwindend klein.
Eine naturräumliche Vernetzung zwischen dem Ibersheimer Wörth und den wertvollen Naturräumen hinter dem Rheinhauptdeich war vorstellbar. Deshalb wurde 1966/67 eine Ausweisung von zwei Teilflächen als Naturdenkmal vorgeschlagen, die jedoch nicht erfolgte:
Ibersheimer Wäldchen, Auwaldrest mit ca. 7,8 ha in der Gewann Mittellache (Mittlach genannt) und Neuloch, 1824 bei einem Dammbruch entstandene Ausspülung mit ca. 1,7 haStadtverwaltung Worms, Stadtplanungsamt: Ortsentwicklung und Ortserneuerung in Worms-Ibersheim, September 1987, Abs. 1.3.2.2, S. 19.
Geschichte Der Ibersheimer Wörth hat eine eigene und wechselvolle Geschichte: Aus Zollprivilegien von 1261 und 1290 geht hervor, dass die Kommende Ibersheim des Deutschen Ordens für die Ballei Koblenz eine Zulieferfunktion für Wein und Weinfässer hatte. Von den Eichbäumen auf dem Wörth wurden Fässer noch vor Ort hergestellt. Mit Ibersheimer Wein belieferte man dann seine Ballei in Koblenz, zollfrei an den einzelnen Rheinzollstätten, mit dem Schiff. Der Salmengrund auf dem Bachert, ein Laich- und Fanggewässer für Lachse bzw. Salme wird in Urkunden von 1285, 1362, 1418, 1429, 1465, bei Verträgen der Grundherren, besonders erwähnt.verschiedene Urkunden zu Ibersheim im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, Abt. A 2 (Salm nennt man den Fisch, wenn er flussaufwärts zum Laichen schwimmt und Lachs, wenn er flussabwärts zum Meer wandert.) Am 16. April 1945 kamen die beiden Jugendlichen Erwin Küll (* 1934) und Werner Heusner (* 1936) durch Fundmunition auf dem Wörth ums Leben. Ihre Gräber werden auf dem Ibersheimer Friedhof noch heute (2012) gepflegt. Wassernüsse fand man nach dem Zweiten Weltkrieg noch am kiesigen Ibersheimer Rheinstrand. Diese wurden im Herbst, vom Lampertheimer Altrhein kommend, dort angeschwemmt. Wegen der ungewöhnlichen Form nannte man die Samenfrüchte "Spitzbubenpfeifchen".
Wirtschaft miniatur|Blaue Hütte auf dem Ibersheimer Wörth Der vorhandene Lehmboden auf dem Wörth wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebaut und zu Backsteinen und Dachziegeln vor Ort gebrannt. Relikte aus dieser Zeit sind noch der Baggerweiher Volze Loch und eine verfallene Wohnhütte (Blaue Hütte/Bloo Hütt). Der Ibersheimer Backsteinfabrikant war Heinrich Volz. Die Firma Luckas aus Eich hatte dort zuletzt noch einen Betrieb. Die Arbeiter kamen aus dem nahegelegenen Hamm.Gemeinde Hamm: 1200 Jahre Hamm am Rhein, Ein Backsteinmächer erinnert sich. 1982, S. 495–501 – Handgestrichene Ziegel aus Ibersheimer Erde und Ibersheimer Produktion bedecken heute noch das Heimatmuseum. Der Ibersheimer Künstler Fritz Kehr hatte diese mit dem Ibersheimer Geldschisser versehen und für die Bezahlung der Renovierungsarbeiten am Museum verkauft. Viele Häuser in Ibersheim, Hamm und Umgebung sind mit Backsteinen vom Ibersheimer Wörth errichtet worden.
Die Statistik zählte 1904 in der gesamten Gemarkung 10.831 ObstbäumeLandwirtschaftliches Gemeindelexikon für das Großherzogtum Hessen, Darmstadt 1909, S. 46–47. Andererseits hieß es: In dem Vorgelände zum Rhein (Busch und Wörth) wurden um 1900 auf 700 Morgen einige Tausend Apfelbäume gepflanzt. Der Ibersheimer Otto Dahlem hatte ab 1900 eine musterhafte Baumanlage bei seiner Villa, war auf internationalen Gartenbauausstellungen vertreten und belieferte den Großherzoglichen Hof von Ernst Ludwig in Darmstadt mit Äpfeln.Adolf Trieb: Ibersheim am Rhein. Worms/Eppelsheim 1911, S. 149
In den 1930er Jahren zählte man dort 5000 Apfelbäume, überwiegend als Winteräpfel und die Lokalsorte Roter Ibersheimer Prinzenapfel. Von Vorteil waren die günstigen Feuchtigkeitsbedingungen durch den nahen Rhein. Für Ibersheim sind damals folgende Daten veröffentlicht worden: landwirtschaftlich genutzte Fläche: 750 ha, (Hamm 584 ha, Eich 1920 ha) Baumzahl: insgesamt 12.500, davon tragfähig 8300 Stück, (Hamm 10.500/7200, Eich 12.000/8200) Baumdichte: 16,7 je ha, (Hamm 18,1, Eich 6,2)Hans Walter Rüdinger: Erzeugung und Absatz von Obst im rheinhessischen Anbaugebiet. Alzey 1939. Für dieses Einzugsgebiet gab es die Bezirksabgabestelle Obst- und Gemüseverwertung Gimbsheim eGmbH. In den 1950er Jahren konnten, für die Vermarktung in der Gimsheimer Markthalle, die jeweiligen Produkte in Ibersheim abgegeben werden.
Im Frühjahr war der Wörth ein riesiges Blütenmeer, das viele Wanderer anzog. Hier in der Oberrheinischen Tiefebene beginnt der Frühling und wandert danach Richtung Nord- und Ostsee. Die Apfelbaumblüte ist der Indikator für den biologischen Frühlingsanfang.
In den 1950er Jahren hatte man den Obstanbau für Äpfel von Hochstämmen auf Halbstamm oder Spindelbusch umgestellt, weil die Baumpflege und die Ernte mit hohen Leitern zu aufwändig geworden ist. Auch ließen sich die alten Apfelsorten nur schwer oder gar nicht, gegenüber der ausländischen Konkurrenz, verkaufen. Moderne Sorten auf sehr kurzem Stamm konnten relativ schnell Ertrag bringen. Bei diesen Marktgegebenheiten war es notwendig einige Tausend hochstämmige Apfelbäume innerhalb von drei Wintern mit einem Kettenfahrzeug umschieben zu lassen. Mit dieser großflächigen Rodung verschwand ein Charakterbaum auf dem Ibersheimer Wörth.
Heute bedauert man, dass nur noch in Teilbereichen die alten Bäume mit den großen Kronen vorhanden sind, denn für viele Vogel- und Insektenarten sind Hochstämme ökologisch wertvoll.NABU-Exkursion am 15. Mai 2011
Heutige Nutzung Der Ibersheimer Wörth wird von vielen Interessengruppen genutzt: Landwirte, die ihr Eigentum bewirtschaften und Grundsteuer zahlen Jäger, die das Wild hegen, notfalls erlegen und Pacht zahlen Angler, die eine Prüfung und Berechtigung brauchen und dafür Gebühren zahlen Naturschützer, die im Verein Fauna und Flora beobachten und mit Behörden zusammenarbeiten Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger, die sich dort sportlich und körperlich betätigen. Erholung in der Freizeit an den Sandstränden zwischen den Rheinkrippen Richtung Rheindürkheim
Bei dieser Vielfalt und Engagement innerhalb der Gruppe ist Verständnis und Rücksicht für andere notwendig, damit auch unter Menschen ein Gleichgewicht beibehalten wird und jede Interessenlage genutzt werden kann.
Die verschiedenen Nutzer beurteilen das Gebiet wie folgt: Die Jäger hegen Rehe (ca. 70–80 in der Gemarkung), Fasanen, Hasen und in den Wasserlöchern Enten. Für die Vielfalt an Tieren und Vögeln sollen Auwälder und Schilfpartien erhalten und ausgeweitet werden.Hermann Delp, Vorsitzender der Jagdgesellschaft im Jagdbezirk Ibersheim, 11. Februar 2011 Die Naturschützer verweisen auf 80 bis 85 Vogelarten auf dem Wörth bei leicht steigender Tendenz. Vogelkundliche Führungen werden jährlich durchgeführt. Der Gartenrotschwanz, Vogel des Jahres 2011, brütet und singt dort ebenfalls. Auch dem Kindergarten bietet man eine Heranführung an die Natur an. Die Streuobstwiesen zu erhalten und zu fördern ist zurzeit ein besonderes Anliegen. Am Bachert werden die Kopfweiden regelmäßig im Auftrag der Stadtverwaltung geschnitten. In Trockenzeiten kann man dort die schönen Gehäuse der Schlammschnecken, der Posthornschnecke und der Spitzschlammschnecke, sammeln.Horst Pirschel, im Vorstand des NABU Worms und Umgebung, dort Betreuer für Ibersheim, 11. Februar 2011 Die Angler in Hamm nutzen den Scheidegraben an manchen Stellen mit einem zusätzlich ausgebaggerten privaten Angelwasser. 1971 errangen Hammer Angler vom Anglerclub 1970 Hamm sogar die deutsche Vereinsmeisterschaft und waren damit die deutsche Nationalmannschaft geworden.Wiegand Luckas, Vorsitzender des Anglerclub 1970 Hamm, 11. Juli 2010
Für eine Weiterbehandlung zur Unterschutzstellung charakteristischer Landschaftsmerkmale in Ibersheim hat die Stadtverwaltung Worms, Stadtplanungsamt, im September 1987 einen Erläuterungsbericht herausgegeben. Im Rahmen der Ortsentwicklung und Ortserneuerung in Worms-Ibersheim wird auch zum Natur- und Landschaftsschutz Stellung genommen: Ibersheimer Werth/Wörth, ca. 30–50 ha – Vorschlag für Naturschutzgebiet Ibersheimer Wäldchen, Gewann Mittellache, ca. 7,8 ha – Vorschlag für Naturdenkmal seit 1966 Neue Loch mit Umgebung, an der Kreisstraße 15 Ibersheim – Hamm, circa 1,7 ha – Antrag für Naturdenkmal seit 1967 Sandhofener Altrhein, insgesamt ca. 35 ha, davon 12,5 ha auf der Ibersheimer Gemarkung Mittelfeld bei Waldgewann – Vorschlag für Geschützten Landschaftsbestandteil. – Seit 1985 besteht dort in der Rheindürkheimer Gemarkung auf 9,3 ha das Naturschutzgebiet Der Spieß – An der Spießbrücke.