mini|Richtfest am 23. Mai 2025 mini|November 2021: Hochbau mit Stahlskelett miniatur|Oktober 2017: Betonage von Fundament-Elementen mini|Juli 2016: Pfahlgründungen für den Neubau mini|Januar 2015: Die Grabungszone mini|Juni 2014: Ausgrabungsgebiet mini|November 2011: Grabungsfläche mini|März 2013: Grabungen nördlich der Rathauslaube, im Hintergrund der Spanische Bau
MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln (ehemals Archäologische Zone Köln) ist ein im Bau befindliches Museum, das ein etwa 6.000 m² großes archäologisches Ausgrabungsareal am und um den Rathausplatz im Zentrum der Stadt Köln beherbergen wird. Das Gelände zeigt archäologische Relikte aus der gesamten 2000-jährigen Stadtgeschichte. Besonders relevant sind die römische Zeit und das mittelalterliche jüdische Viertel. Auf dem Rathausplatz, der nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht mehr bebaut war, entsteht derzeit ein Museum für die römische und jüdische Geschichte der Stadt.
Zentraler Teil des Museums ist der unterirdische Rundgang durch die Ausgrabungen des römischen Statthalterpalastes – das Praetorium –, das jüdische Viertel und das christliche Goldschmiedeviertel. Das Praetorium ist seit 2021 UNESCO-Welterbe als Teil des Niedergermanischen Limes. Im oberirdischen Neubau wird die jüdische Geschichte Kölns ab dem 15. Jahrhundert bis heute mit Geschichten, Biografien, Sammlungen, Objekten und einem interaktiven Stadtrundgang zu erleben sein. Interaktive Elemente werden genutzt werden, um diese Zeitreise für alle Altersgruppen relevant zu machen.
Sowohl das Grabungsprojekt als auch das hier geplante Jüdische Museum wurden in der Vergangenheit unter verschiedenen Aspekten kontrovers diskutiert. Ein Teil der Diskussion betraf die unterschiedlichen Ansichten zur Bebauung des Platzes, ein Teil die Finanzierung des Museums, ein weiterer Teil schließlich betraf wissenschaftliche Kritik an der früheren Projektleitung.
Geschichte und Hintergründe Vorgeschichte
Bei den Wiederaufbauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Kölner Stadtzentrum 1953 die Fundamente des römischen Praetoriums entdeckt; die Ergebnisse der Ausgrabungen unter Leitung des Archäologen Otto Doppelfeld wurden im Keller des darüber neu erbauten Spanischen Baus des Rathauses als Museum erhalten.Peter Fuchs: Das Rathaus zu Köln. Geschichte, Gebäude, Gestalten. Greven Verlag, Köln 1994, ISBN 3-7743-0283-9, S. 10. In der Folge setzte Doppelfeld sich für den Erhalt und Schutz der Entdeckungen ein. Bei dem späteren Neuaufbau des Historischen Rathauses kam es zu weiteren archäologischen Funden. Bereits damals hatte Doppelfeld die Idee, die unterirdischen Funde der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In den 1980er Jahren wurde der Rathausvorplatz vom Rat der Stadt Köln aus kulturhistorischen Erwägungen für nicht bebaubar erklärt, um das Gelände der „Bauspekulation“ zu entziehen.Ingeborg Prior: Ein jüdisches Zentrum in Köln. In: Welt am Sonntag. 8. März 1998. 1989 wurde der Eingang zur Mikwe auf dem Rathausplatz durch eine Glaspyramide erschlossen. 2008 musste die Glaspyramide abgedeckt werden, weil durch Sonnenlicht und Wärme Schäden am historischen Bauwerk auftraten.Die Mikwe, abgerufen am 2. Februar 2013.
Projektverlauf 1998 wurde eine Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur gegründet, um in Köln ein entsprechendes Museum zu finanzieren. Vorsitzender war Benedikt von und zu Hoensbroech, weitere Akteure der Notar Konrad Adenauer und der damalige Direktor des Stadtmuseums, Werner Schäfke. Zu diesem Zeitpunkt favorisierte der Vorsitzende des Vereins eine Bebauung des Rathausplatzes, des historischen Zentrums der jüdischen Gemeinde in Köln.Ingeborg Prior: Ein jüdisches Zentrum in Köln. In: Welt am Sonntag. 8. März 1998.Museum fuer juedische Kultur. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Januar 1998. Als wichtiger Förderer eines „Hauses und Museums der jüdischen Kultur“ galt auch Oberbürgermeister Blum.Günther B. Ginzel: Köln braucht das Museum. In: Jüdische Allgemeine. 21. Juli 2011, S. 2. Ideen zu einer „Archäologischen Zone“, die alle Bodendenkmäler der Stadt sichtbar machen sollte, wurden 2001 im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung der Stadt Köln entwickelt.An einem Strang. In: Süddeutsche Zeitung. 27. August 2001, S. 13.
Im Frühjahr 2006 lag der privaten Fördergesellschaft ein Entwurf des Architekten Joachim Schürmann vor, der die Nutzung des an den Rathausplatz anschließenden Geländes des ehemaligen Kaufhauses Kutz sowie von Teilen des Platzes (u. a. der Mikwe) vorsah. Eine Initiative der Parteien FDP, SPD und Grüne favorisierte zu diesem Zeitpunkt den Rathausplatz als Standort des Museums; außerdem sollte es eine internationale Ausschreibung für den Museumsbau geben, an der sich auch Joachim Schürmann beteiligen könne.Hildegard Stausberg: Stolperstein am Rathausplatz; Seit Jahren streitet man in Köln um ein Jüdisches Museum. Nun wollen drei Ratsparteien den Ort festlegen – gegen den Förderverein. In: Die Welt. 5. April 2006, S. 28. In dem am 18. Mai 2006 erfolgten Ratsbeschluss wurde der Rathausplatz „wegen der Authentizität des Ortes“ als „einzig möglicher Standort für ein Haus und Museum der jüdischen Kultur in Köln“ bestimmt.Beschluss des Rats der stadt Köln vom 27. August 2008, der den Beschluss von 2006 bestätigt
Die Projektleitung wurde im Oktober 2006(cd): Die Chronik eines problematischen Projekts; Im Zentrum der Kritik steht der Projektleiter Sven Schütte. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 5. Juli 2011, S. 24. dem Römisch-Germanischen Museum, das als Amt für Archäologische Bodendenkmalpflege zuständig war, entzogen und dem Archäologen Sven Schütte übergeben, was Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats kritisierten. Der Beirat trat daraufhin zurück, und Oberbürgermeister Schramma setzte sich an die Spitze eines neu gegründeten Gremiums.Marion Leske: Oberirdisch, unterirdisch; Großbaustelle am Rhein: Köln erlebt ein kulturpolitisches Hindernisrennen um alte Funde und neue Museumspläne. In: Die Welt. 7. Dezember 2007, S. 32.
Der symbolische Akt zum Auftakt der Grabungsarbeiten am Rathausplatz erfolgte im März 2007 im Beisein Schrammas mit der Vorstellung des Projektes, wobei es hieß, das „Geld für die Umsetzung steh[e] bereit“.Helga Würfel-Ellmann: Premium-Projekt vor Start. In: Rheinische Post Düsseldorf. 2. März 2007. Im August desselben Jahres begannen die eigentlichen Grabungen. Eine Teilfinanzierung der Archäologischen Zone sollte im Rahmen der Regionale 2010 erfolgen; 10 Millionen Euro wurden dazu vom Land Nordrhein-Westfalen zugesagt.
Zu einem 2007 europaweit ausgeschriebenen WettbewerbMonika Salchert: Archäologische Zone am Kölner Rathausplatz. In: Rheinische Post. Düsseldorf, 7. Dezember 2007. wurden 2008 36 Architektenentwürfe eingereicht,Andreas Rossmann: Mit der Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse gewinnt die Debatte um den Kölner Rathausplatz eine neue Qualität. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Juli 2008. von denen im Sommer 2008 eine Jury mit 22:1 Stimmen den Entwurf der Architektengruppe Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch mit dem ersten Preis auszeichnete.Dieter Bartetzko: Wann, wenn nicht jetzt, wer, wenn nicht ihr? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. August 2012, S. 23.M. Tomas: Ein Haus im Haus; Der Bau eines Jüdischen Museums auf dem Kölner Rathausplatz wird kontrovers diskutiert. In: Frankfurter Rundschau. 16. Juli 2008, S. 32.
Während des laufenden Wettbewerbs entwickelten sich zu Beginn des Jahres 2008 kontroverse Debatten zwischen Mitgliedern des neuen wissenschaftlichen Beirates und Projektleiter Schütte in Bezug auf konzeptionelle Fragen und die Datierung und Bewertung von Funden, in deren Folge Günther Binding von seinem Posten im Beirat zurücktrat.Ein Abgang mit Paukenschlag, abgerufen am 3. Februar 2013. Das für die Bewerbung als Regionale-2010-Projekt unerlässliche Projektdossier war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt. Der Regionale-Geschäftsführer, Reimar Molitor, beklagte in diesem Zusammenhang eine einseitige Medienberichterstattung über den Konflikt.Stefanie Stadel: Der Streit um des Kaisers Bad; Köln bekommt eine Archäologische Zone, in der Ausgrabungen aus der Antike öffentlich zugänglich gemacht werden. Doch nun verzetteln sich Wissenschaftler und Politiker in einem Detailstreit. In: Welt am Sonntag. 30. März 2008.
Vor und während der Präsentation der Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs im Sommer 2008 distanzierte sich Oberbürgermeister Schramma von der Juryentscheidung, die gegen einen Ratsbeschluss einen Entwurf favorisiert habe, der die Archäologische Zone mit dem Museumsbau untrennbar verknüpfen würde. Damit werde gegen Ausschreibungsvorschriften verstoßen, die eine Entkoppelung beider Projekte fordere, und er wolle den Rat auffordern, die Entscheidung zugunsten dieses Entwurfes zu revidieren.Alles offen: Köln diskutiert über Rathausplatz. In: Süddeutsche Zeitung. 2. August 2008, S. 14.Andreas Rossmann: Der Kölner Knoten; Ratlos am Rathausplatz: Stellt die Stadt besser Buden oder Koffer auf?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Juli 2008, S. 35. Außerdem sei die Finanzierung unklar.Gerd Korinthenberg: Köln streitet über Jüdisches Museum. In: Stuttgarter Zeitung. 1. Juli 2008, S. 15. Die Entwürfe waren bis Mitte August 2008 im Spanischen Bau des Kölner Rathauses für die Öffentlichkeit einsehbar. Während und nach der Präsentation der Siegerentwürfe vor rund 100 Zuhörern wurde deutlich, dass vielen Bürgern in erster Linie daran lag, den Rathausplatz von jeglicher Bebauung frei zu halten.Christoph Driessen: Kölner protestieren gegen Jüdisches Museum. In: Spiegel Online. 8. August 2008. Auch eine Fragebogenaktion während der Ausstellung ergab, dass von knapp 1000 befragten Bürgern mehr als die Hälfte gegen einen Museumsbau auf diesem Platz war.Andreas Rossmann: Komm auf den totgebombten Platz und bau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. August 2008, S. 42. Im Oktober 2008 wurde dem Projekt schließlich der finanzierungsrelevante „A-Stempel“ für die Regionale 2010 erteilt.Jens Grisar, Christoph Hölzer, Thomas Kemme, Reimar Molitor: Dokumentation der Regionale 2010 in der Region Köln/Bonn. ISBN 978-3-940263-09-4, S. 194 (PDF-Datei S. 100; 19,1 MB)
Im Juli 2009 zog die Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur ihre Finanzierungszusage für das Museum unter Bezug auf die allgemeine wirtschaftliche Lage zurück. Um die Landeszuschüsse der Regionale 2010 für die Archäologische Zone nicht zu gefährden und aufgrund der Kopplung von Schutzbauten der Archäologischen Zone mit dem jüdischen Museum sah die Stadt sich nun in der Pflicht, das Gesamtprojekt weiterzuführen.(aro): Kölner Kapriole. (Glosse Feuilleton), In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Juli 2009, S. 33. Man zog aber eine Verkleinerung der Museumsbauten in Betracht, die zu einer Kostenreduzierung von ca. 20 % (insgesamt: 34 Mio. Euro) führen sollte.(epd): Jüdisches Museum in Köln gescheitert; Trägerverein zieht Zusage zurück. In: Berliner Morgenpost. 4. Juli 2009, S. 18.Kein Geld fürs ein jüdisches Museum. In: Frankfurter Rundschau. 4. Juli 2009, S. 34. Bereits im selben Monat gab es seitens des NRW-Bauministeriums Signale, dass eine finanzielle Unterstützung für das Museum nicht ausgeschlossen sei.(aro): Aufgeknöpft: Landesmittel für Kölner Museum?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Juli 2009.
Die Ende August 2009 stattfindenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen führten zu einem Wechsel an der Stadtspitze: Oberbürgermeister Schramma (CDU) wurde von Jürgen Roters (SPD) abgelöst. Im April 2010 beschloss der Stadtrat – unter Finanzierungsvorbehalt – den Weiterbau der Archäologischen Zone mit jüdischem Museum. Aus den nun projektierten Gesamtkosten von 48 Mio. Euro ergab sich eine Finanzierungslücke von 20 Mio. Euro. Das Land NRW hatte inzwischen einen Zuschuss von 14,3 Mio. Euro zugesagt.dapd Nachrichtenagentur, ddp-Basisdienst: Köln erhält Archäologische Zone und Jüdisches Museum