Die USS Maryland war ein Schlachtschiff der Colorado-Klasse der United States Navy. Sie war das erste Schiff dieser Klasse (die deswegen alternativ auch oft als Maryland-Klasse bezeichnet wurde) und das dritte Schiff in der US Navy, das diesen Namen erhielt. Benannt wurde das Schlachtschiff nach dem Bundesstaat Maryland. Die Maryland war im Rahmen des US-Flottengesetzes vom 29. August 1916 bewilligt und am 15. Dezember 1916 unter der Kennung BB-46 in Auftrag gegeben worden. Die Kiellegung des Schiffes auf der Werft der Newport News Shipbuilding Company in Newport News (Virginia) fand am 24. April 1917 statt. Nach dem Stapellauf am 20. März 1920 erfolgte am 21. Juli 1921 die Indienststellung.
Technik und Besonderheiten Die Maryland und ihre Schwesterschiffe waren die ersten amerikanischen Schlachtschiffe, die mit 406-mm-Geschützen geplant und ausgerüstet wurden, womit die Einheiten dieses Typs zudem weltweit an zweiter Stelle standen, was die Nutzung dieses Kalibers überhaupt betraf (das erste Schiff, das mit 406-mm-Geschützen in Dienst genommen wurde, war das japanische Schlachtschiff Nagato gewesen, das nur etwa acht Monate vor der Maryland fertiggestellt worden war). Zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung war die Maryland das kampfstärkste Schlachtschiff der US-Marine.
Die Maryland erhielt zudem 1922 als erstes amerikanisches Schlachtschiff einen Katapult für Seeflugzeuge, das auf der Schanz installiert wurde und bis zum Kriegsende in Betrieb blieb. 1923 wurde zudem ein zweites Katapult auf der Decke des achteren Turms C eingebaut, das bis ins Jahr 1942 hinein in Gebrauch war, dann allerdings entfernt wurde. Zumeist befanden sich drei Schwimmerflugzeuge an Bord, darunter Maschinen der Typen Vought VE-9H (1920er-Jahre) und Vought OS2U (ab 1941).
Ferner wurde dieses Schiff, als erstes seiner Klasse, 1941 beiderseitig mit Torpedowulsten von jeweils etwa 1,6 m Breite ausgestattet. Zudem wurden die charakteristischen runden Gittermasten der Maryland (und auch die der Schwesterschiffe) im Verlauf des Zweiten Weltkrieges gekürzt oder vollständig umgebaut. So wurde der achtere Gittermast der Maryland Anfang 1942 auf Höhe der Schornsteine gekürzt und Ende 1943 komplett abgebaut. An seine Stelle trat ein mehrstöckiger und massiver Turmaufbau, der Radarantennen, leichte Flugabwehrkanonen und Scheinwerfer aufnahm.
Artilleriebewaffnung Die insgesamt acht 406-mm-Geschütze des Typs Mark 1 L/45 wurden in vier jeweils rund 880 Tonnen schweren Zwillingstürmen untergebracht, wobei je zwei Türme vor und hinter den Hauptaufbauten installiert waren. Die Geschütze der Hauptartillerie waren in der Lage, ein 957,1 Kilogramm schweres panzerbrechendes Geschoss über eine Entfernung von maximal etwa 31.300 m zu feuern. Die Feuergeschwindigkeit lag bei etwa 1,5 Schuss pro Minute. Beide Rohre in den Zwillingstürmen standen in separaten Abteilen und waren durch feuerfeste Schotten voneinander getrennt.
Zwischen 1936 und 1938 wurden die Geschütze der Schiffe der Colorado-Klasse im Rahmen einer allgemeinen Modernisierung der US-Schlachtflotte überarbeitet, wobei sich die Bezeichnung der 406-mm-Kanonen in Mark 5 bei gleicher Rohrlänge (L/45) änderte. Diese Geschütze konnten nun unter anderem eine neu entwickelte und eingeführte 406-mm-Panzergranate des Typs AP („armor piercing“) Mark 5 verfeuern, welche 1.016 Kilogramm wog. Die Reichweite wurde zudem auf rund 35.000 m erhöht, was durch eine Vergrößerung des Höhenrichtbereiches erreicht wurde. Durch die Umbauten stieg das Gewicht der Türme auf etwa 920 Tonnen an. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges kam ferner eine dünnwandige (und damit nicht panzerbrechende) und mit einer größeren Sprengladung versehene Granate für den Beschuss von Landzielen zum Einsatz. Diese Granate, auch als HC („high capacity“) Mark 13 bezeichnet, wog nur 862 Kilogramm, besaß aber im Vergleich zur AP-Granate etwa die vierfache Menge an Sprengstoff.
Ab der Indienststellung befanden sich außerdem 14 einzeln aufgestellte 127-mm-Geschütze (L/51) aus dem Jahr 1911 an Bord, wobei je sieben Kanonen zu beiden Seiten der Aufbauten untergebracht waren (sechs davon in Kasematten, eines in einer offenen Lafettenaufstellung unterhalb der Brücke). Diese Geschütze wurden jedoch, da sie auch nicht zur Flugabwehr eingesetzt werden konnten, nach und nach ausgebaut und durch modernere Exemplare ersetzt. Die Flugabwehr bestand anfänglich nur aus acht älteren 76-mm-Kanonen. Ab 1929 befanden sich nur noch zehn 127-mm-Kasemattgeschütze an Bord der Maryland, dafür kamen aber acht zusätzliche 127-mm-Mehrzweckgeschütze Mark 10 L/25 in Einzelaufstellung an Bord (welche die 76-mm-Kanonen ersetzten). Nach der Reparatur der in Pearl Harbor erlittenen Schäden wurden diese acht Geschütze wiederum durch acht modernere 127-mm-Mehrzweckgeschütze Mark 12 L/38 ersetzt. Im Sommer 1945 schließlich, kurz vor dem Ende des Krieges, wurden sämtliche 127-mm-Geschütze an Bord ausgebaut und durch insgesamt 16 127-mm-Geschütze Mark 12 in acht Zwillingstürmen ersetzt; je vier Türme standen dabei zu beiden Seiten der Aufbauten.
Während des Zweiten Weltkrieges erfuhr zudem die leichte und mittlere Flugabwehr der Maryland eine ständige Verstärkung. Diese wuchs bis 1945 auf insgesamt 40 40-mm-Flak (in zehn Vierlingslafetten) und 37 20-mm-Kanonen (in Einzelaufstellung) an. Zeitweilig, ehe diese durch 40-mm-Rohre ersetzt wurden, befanden sich auch zwölf 28-mm-Flak (ab 1938) und acht schwere 12,7-mm-Fla-Maschinengewehre (ab etwa 1935 bis 1942) an Bord.
Maschinenanlage Die Maryland besaß acht ölbefeuerte Babcock & Wilcox-Kessel, die an zwei Getriebeturbinen von General Electric anschlossen. Diese übertrugen die Leistung an zwei Doppelphasen-Generatoren (mit je 5.424 kW), die wiederum über zwischengeschaltete Elektro-Motoren vier Schraubenwellen antrieben. Gemäß den Planungen hätten auf vier Schrauben insgesamt 28.900 PS (PSe) zur Verfügung gestanden, was für 21 kn Höchstfahrt (ca. 39 km/h) ausgereicht hätte.
Bei Probefahrten erbrachte die Maschinenanlage eine Leistung von 36.167 PSe, womit die Leistung um gut 25 Prozent über den Planungsvorgaben lag. Ein nennenswerter Geschwindigkeitszugewinn ergab sich hieraus jedoch nicht: Selbst bei Meilenfahrten lag die höchste Geschwindigkeit, die von der Maryland je erreicht wurde, bei 21,17 kn. Das Gesamtgewicht der Antriebsanlage lag bei 2.034 Tonnen.
Die Maschinenanlage galt weitgehend als ausgereift und hatte die Vorteile, dass einerseits gesonderte Turbinenschaltungen für die Rückwärtsfahrt nicht notwendig waren (was Platzersparnisse einbrachte, die wiederum einen besseren Ausbau des Unterwasserschutzes ermöglichten) und andererseits, dass im Falle des Ausfalls eines Generators noch immer alle Schrauben angesteuert werden konnten (und somit kein Bremseffekt durch sich nicht mehr drehende Schrauben entstand). Zudem erlaubten die Generatoren im Vergleich zu herkömmlichen Turbinenschaltungen ein verhältnismäßig schnelles Absenken oder Steigern der Leistung (und damit auch der Geschwindigkeit), was in Gefahrensituationen, etwa bei einer drohenden Kollision, von Vorteil war. Der Nachteil war jedoch, dass mit hoher Elektrizität gearbeitet werden musste, was – vor allem bei einem Wassereinbruch – zu Gefahrenmomenten für die Bedienmannschaften führen konnte.
Panzerung Das Panzerschema entsprach weitestgehend dem der vorangegangenen Tennessee-Klasse. Das einzige größere Zugeständnis war die Erhöhung der Dicke des Seitenpanzers von 356 auf 406 mm (womit die Panzerdicke jeweils dem Kaliber der Hauptgeschütze der jeweiligen Klasse entsprach). Im Rahmen von Umbauten und Modernisierungen wurden während des Zweiten Weltkrieges das Panzerdeck von 89 mm auf 102 mm verstärkt. Zudem wurde der Schutz der Kommandobrücke von 381 mm auf 406 mm erhöht (1942).
Insgesamt galt das Schiff als gut geschützt, vor allem die drei jeweils auf beiden Seiten angeordneten Torpedoschotten (von je 19 mm Stärke, was auf beiden Seiten jeweils etwa 6,6 m Platz in Anspruch nahm) gewährleisteten einen guten Schutz gegen Unterwassertreffer, der den von vielen anderen Schlachtschiffen jener Zeit übertraf.
Einsatzzeit Nach der Indienstnahme unternahm die Maryland, unter dem Kommando von Captain Charles F. Preston, zunächst Übungsfahrten entlang der US-Ostküste. Ende 1921 erfolgte dann schließlich die Eingliederung des Schiffes in die US-Atlantikflotte.
Vorkriegszeit Im Sommer 1922 nahm das Schiff in Boston an den Feierlichkeiten anlässlich der Schlacht von Bunker Hill (am 17. Juni) und zum Nationalfeiertag der USA am 4. Juli teil. Zwischen August und September 1922 transportierte das Schlachtschiff den damaligen amerikanischen Außenminister Charles Evans Hughes zur Eröffnung der Weltausstellung nach Rio de Janeiro. Nach ihrer Rückkehr verlegte die Maryland nach einer mehrmonatigen Manövertätigkeit in der Karibik im Juni 1923 durch den Panamakanal und schloss sich an der Westküste der amerikanischen Pazifikflotte an.
Im Laufe des Jahres 1925 unternahm die Maryland mehrere Fahrten im Pazifik und besuchte unter anderem Neuseeland und Australien. 1928 schiffte sich der neu gewählte (aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht vereidigte) US-Präsident Herbert Hoover an Bord des Schiffes ein und unternahm eine Besucherreise nach Zentralamerika. Im Anschluss daran folgte 1928/29 ein Werftaufenthalt, in dessen Verlauf erste Modifikationen der Flugabwehr vorgenommen wurden (unter anderem kamen die alten 76-mm-Flak von Bord).
Die 1930er-Jahre verbrachte das Schiff relativ ereignislos bei der Pazifikflotte, wobei hauptsächlich Manövertätigkeiten und gelegentliche Werftaufenthalte (zwecks einer weiteren Flugabwehrumrüstung) das Dasein prägten. Die wachsenden Spannungen im amerikanisch-japanischen Verhältnis und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 bewogen die amerikanische Flottenführung, die Maryland und den Kern der US-Schlachtflotte im Spätjahr 1940 nach Pearl Harbor auf Oahu (Hawaii) zu verlegen. Dort wurde das Schiff im Dezember 1941 vom Angriff der Japaner überrascht.
Einsätze 1941: Pearl Harbor Am Morgen des 7. Dezember 1941 lag die Maryland auf der Battleship Row vor Ford Island vor Anker. Das Schiff lag neben dem Schlachtschiff Oklahoma, das die Maryland zur Seeseite hin abschirmte, so dass sie vor Angriffen mit Lufttorpedos geschützt war. Fast alle in diesem Bereich abgeworfenen Torpedos trafen denn auch die Oklahoma, die nach fünf oder sechs Treffern kenterte und mit über 400 Mann an Bord sank.
Bereits während der ersten japanischen Angriffswelle wurde die Maryland jedoch von hoch fliegenden Nakajima-B5N-Bombern mit zwei panzerbrechenden 800-Kilogramm-Bomben getroffen. Beide Bomben schlugen im Vorschiff ein. Die erste durchschlug das Panzerdeck und zwei darunterliegende Decks und explodierte im dritten Zwischendeck. Hierdurch wurden ein Loch von etwa 50 cm Durchmesser und fünf zusätzliche kleinere Löcher von je etwa 7 bis 8 cm Durchmesser in den Rumpf gerissen (etwa 7 m unterhalb der Wasserlinie). Insgesamt entstand durch diesen Treffer im Vorschiff ein Wassereinbruch von etwa 1.000 Tonnen. Die zweite Bombe schlug vor dem vorderen Zwillingsturm der schweren Artillerie ein, durchbrach das Panzerdeck und explodierte im Schiffsinneren. Hierdurch entstanden beträchtliche Schäden: Das Oberdeck wurde verwüstet (unter anderem wurde ein fast 22 m² großes Loch ins Deck gerissen), der vordere Turm beschädigt (durch Splitter), und im Inneren wurden die meisten Schottwände und Trenntüren zwischen den Sektionen 9 und 20 herausgerissen oder so verbogen, dass sie ersetzt werden mussten. Die Wucht der Detonationen wurde jedoch dadurch etwas abgemildert, dass mehrere Räume mit Schwimmwesten und Nahrungsmitteln zerstört und die Druckwellen so teilweise absorbiert wurden.
mini|Die Maryland während des Angriffs auf Pearl Harbor; rechterhand ist die gekenterte Oklahoma zu erkennen