mini|Elisabeth Orth im Österreichischen Theatermuseum anlässlich der Veranstaltung König Ottokars Glück und Ende 1955–2005, Eine Gegenüberstellung, 26. Jänner 2007 Elisabeth Orth-Obonya, geb. Hörbiger (* 8. Februar 1936 in Wien; † 17. Mai 2025 ebenda) war eine österreichische Kammerschauspielerin sowie ab der Spielzeit 1969/70 Ensemblemitglied und ab 2015 Doyenne des Wiener Burgtheaters.
Leben Familie und Ausbildung Elisabeth Orth stammte aus einer Künstlerfamilie. Sie war die Tochter des bekannten Schauspiel-Ehepaars Attila Hörbiger und Paula Wessely und Schwester von Christiane und Maresa Hörbiger. Ihr Onkel war der Schauspieler Paul Hörbiger.
Um nicht mit den berühmten Namen Hörbiger bzw. Wessely Karriere zu machen, nahm sie den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an. Nach dem Willen ihrer Mutter sollte sie ursprünglich Cutterin werden und absolvierte ein Volontariat bei der Wien-Film. Schließlich hatten die Eltern jedoch ein Einsehen, und so absolvierte Orth das Wiener Max Reinhardt Seminar.
Schauspielkarriere Erste Engagements hatte Orth am Wiener Volkstheater und am Theater der Courage in Wien sowie am Münchner Residenztheater. Am Wiener Burgtheater debütierte sie 1965 als Luise in Schillers Kabale und Liebe unter Leopold Lindtberg und an der Seite von Klausjürgen Wussow. Ab der Spielzeit 1969/70 war die Kammerschauspielerin Ensemblemitglied im Burgtheater.
mini|Als Dorfschullehrer in Die letzten Tage der Menschheit bei den Salzburger Festspielen, 2014 Ab 1969 gastierte die Schauspielerin immer wieder bei den Salzburger Festspielen. Im Jedermann am Salzburger Domplatz übernahm sie 1969 die Rolle der Guten Werke und verkörperte von 1990 bis 1993 den Glauben. Weiters war sie in Werken Shakespeares, Grillparzers, Schnitzlers und Dostojewskis zu sehen.
Nach einem Engagement an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin 1995 bis 1999 spielte Orth wieder am Wiener Burgtheater. Sie stand unter anderem in Maria Stuart, Don Carlos und Der Kirschgarten (Regie: Andrea Breth) auf der Bühne.
Von 1985 bis 1994 präsentierte Elisabeth Orth die ORF-Sendung Schatzhaus Österreich. Bis zum Jahr 2000 war sie Kolumnistin der katholischen Wochenzeitung Die Furche.
Am 5. Februar 2006 gab es im Burgtheater eine Festvorstellung aus Anlass des 70. Geburtstages der Schauspielerin: An diesem Abend wurde Maria Stuart zum 70. und zum letzten Mal in dieser Inszenierung aufgeführt. 2014 gehörte sie zum Ensemble der Karl-Kraus-Produktion Die letzten Tage der Menschheit und beeindruckte mit mehreren Charakterstudien kleinerer Rollen. Neben zahlreichen Theaterrollen war Elisabeth Orth zwischen 1958 und 2022 auch in über 50 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.
2015 erhielt sie den Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ und 2022 für das Lebenswerk.
Privates und Tod Orth war dreimal verheiratet. In dritter Ehe war sie bis zu dessen Tod 1978 mit dem Burgschauspieler Hanns Obonya verheiratet. Aus der Ehe ging ihr Sohn Cornelius Obonya hervor, der ebenfalls am Burgtheater engagiert war. Orth lebte danach über 20 Jahre lang in einer Beziehung mit der Theaterregisseurin Andrea Breth.
Elisabeth Orth starb am 17. Mai 2025 im Alter von 89 Jahren in Wien. Sie wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet.
Zivilgesellschaftliches Engagement mini|Elisabeth Orth (stehend) mit Johanna Dohnal (2008) Elisabeth Orth engagierte sich gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Sie war Präsidentin der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich. Am 11. Jänner 2015 verlas sie gemeinsam mit Peter Matić bei der Demonstration Gemeinsam gegen den Terror am Wiener Ballhausplatz vor 12.000 Demonstrationsteilnehmern einen Text der österreichischen Bundesregierung.Der Standard: Rund 12.000 Menschen bei Kundgebung auf Wiener Ballhausplatz, 11. Jänner 2015. Sie trat auch in früheren Jahren immer wieder gegen Rassismus und für Menschenrechte ein.
Filmografie (Auswahl)
Hörspiele/Hörbücher 1985: Friederike Mayröcker: Der Tod und das Mädchen – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF) 1996: Rolf Schneider: Montezumas Krone (J. Adler) – Regie: Rolf Schneider (Kriminalhörspiel – MDR/SFB) 2000: Gotthold Ephraim Lessing: Theater ohne Vorhang. (6. Lessing im Hörspiel) – Bearbeitung und Regie: Klaus Gmeiner (Sendefolge – ORF Salzburg) 2008: Marie von Ebner-Eschenbach: Das Gemeindekind (Erzählerin) – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF/MDR) 2009: Jürg Amann: Im Zug der Zeit – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF) 2014: Werner Fritsch: Aller Seelen – Regie: Werner Fritsch (Hörspiel – ORF/HR) 2018: …deine Lise – die Physikerin Lise Meitner im Exil – Konzept/Musik/Bearbeitung: Stefan Frankenberger (Audiobuch © 2018 Buchfunk Verlag/Leipzig)
Publikationen 1975: Märchen ihres Lebens – Meine Eltern Attila Hörbiger und Paula Wessely. Molden, Wien 1975, ISBN 3-217-00660-7. Christine Dobretsberger: Was ich liebe, gibt mir Kraft. Bühnenstars aus Oper und Theater erzählen. U. a. mit einem Interview mit Elisabeth Orth, Styria Premium, Wien 2015, ISBN 978-3-222-13517-0. Aus euch wird nie was. Erinnerungen. Aufgezeichnet und bearbeitet von Norbert Mayer. Amalthea, Wien 2015, ISBN 978-3-85002-911-7.
Auszeichnungen 1964: Großer Hersfeld-Preis 1965: Ernennung zur Staatsschauspielerin 1973: Ernennung zur Kammerschauspielerin 1981: Kainz-Medaille Grillparzer-Ring 2001: Liselotte-Schreiner-Ring (übernommen von Judith Holzmeister) Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold 2002: Nestroy-Theaterpreis – Nominierung als Beste Schauspielerin 2006: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2009: Bundes-Ehrenzeichen für Toleranz und Menschenrechte, bm:uk, Wien 2009: ORF Hörspielpreis in der Kategorie Schauspieler/-in des Jahres 2014: Ehrenmitglied des Wiener BurgtheatersBurgtheater: Elisabeth Orth Ehrenmitglied. Artikel vom 31. Oktober, abgerufen am 1. November 2014. 2015: Doyenne des Wiener Burgtheaters. Artikel vom 2. Februar 2015, abgerufen am 2. Februar 2015. 2015: Nestroy-Theaterpreis als Beste Schauspielerin. Artikel vom 2. November 2015, abgerufen am 17. Mai 2025. 2022: Nestroy-Theaterpreis für das Lebenswerk
Von der Gesellschaft der Freunde des Burgtheaters wird der Elisabeth-Orth-Preis verliehen, erste Preisträgerin war 2022 Birgit Minichmayr. 2023 erhielt den Preis Michael Maertens, 2024 Mavie Hörbiger, 2025 Nils Strunkderstandard.at vom 30. Juni 2025: Elisabeth-Orth-Preis für Schauspieler Nils Strunk; abgerufen am 30. Juni 2025 und 2026 Stefanie Reinsperger.
Siehe auch Stammbaum der Familie Hörbiger Burgtheaterbesetzungen von 2011 bis 2014 Burgtheaterbesetzungen von 2014 bis 2019
Radio Christina Höfferer und Andreas Kloner: Hörbiger. Eine Familienaufstellung. ORF-Radiofeature 2008, 54 Min.
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 729. Georg Markus: Die Hörbigers. Biografie einer Familie. Amalthea, Wien 2006, ISBN 3-85002-565-9. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 520 f.
Weblinks
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Einzelnachweise
Kategorie:Burgschauspieler Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien Kategorie:Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Kammerschauspieler Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Träger der Kainz-Medaille Kategorie:Nestroypreisträger Kategorie:Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs Elisabeth Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Frau