Der Flugunfall der DHC-5 Buffalo AF-319 der sambischen Luftstreitkräfte ereignete sich am späten Abend des 27. April 1993. Die Militärmaschine vom Typ De Havilland Canada DHC-5D Buffalo der sambischen Luftwaffe stürzte kurz nach dem Auftanken in Libreville, der Hauptstadt Gabuns, in den Atlantischen Ozean. An Bord des Flugzeugs befanden sich unter anderem 18 Spieler der sambischen Fußballnationalmannschaft, die auf dem Weg zu einem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel im Senegal waren. Keiner der insgesamt 30 Flugzeuginsassen überlebte den Flugunfall.
Hintergrund Nach der Unabhängigkeit Sambias vom Britischen Weltreich im Jahr 1964 wurde Fußball vom ersten Landespräsidenten Kenneth Kaunda massiv gefördert. Das Engagement ging so weit, dass die Nationalmannschaft in der Bevölkerung nach den Initialen Kaundas auch als KK Eleven bekannt war. Daneben förderten auch die verstaatlichten Kupferbergbauunternehmen, verantwortlich für den verhältnismäßig großen Wohlstand des Landes in den 1970er Jahren, den landesweiten Fußball, allen voran die Zambia Consolidated Copper Mines. Unter diesen Bedingungen, die einen professionellen Spielbetrieb zuließen, stieg Sambia zur dominierenden Fußballmacht im südlichen Afrika auf, eine Position, die man erst mit der Wiederaufnahme von Südafrika in den internationalen Spielbetrieb abgeben musste.Darby, S. 130
Der Verfall des Kupferpreises auf den internationalen Märkten sorgte in den 1980er Jahren für immer größer werdende wirtschaftliche Probleme in Sambia, und der dadurch unter Druck geratene Kaunda ließ schließlich für 1991 Präsidentschaftswahlen zu, bei denen er prompt unterlag. Die neue Regierung leitete umgehend einen Sparkurs ein, der auch Fördermittel für den Fußballsport massiv beschnitt, zudem wurden die Kupferbergbauunternehmen unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds privatisiert, wodurch wirtschaftliche Fördergelder für den Fußball weitgehend wegfielen. Trotz dieser Umstände hatte Sambia 1993 eine leistungsstarke Nationalmannschaft, deren Spieler noch von der Förderung während der Regierungszeit von Kaunda profitiert hatten und durch ihre Leistungen die aufkommenden Probleme überlagerten. Grundgerüst der Mannschaft waren Spieler, die bei den Olympischen Spielen 1988 in Südkorea erstmals für Aufsehen sorgten. In Gwangju bezwang das sambische Nationalteam die italienische Olympiamannschaft mit 4:0, bevor man im Viertelfinale mit demselben Ergebnis gegen das Team der BR Deutschland unterlag.
Sambia spielte zum Zeitpunkt des Unfalls in der Qualifikation für die Fußball-Afrikameisterschaft 1994 und in der zweiten Qualifikationsrunde für die Fußball-Weltmeisterschaft 1994. In der Afrika-Cup-Qualifikation stand die Mannschaft nach einem 3:0-Sieg auf Mauritius auf dem ersten Tabellenrang vor Simbabwe und Südafrika, in der WM-Qualifikation hatte man sich in der ersten Runde gegen Namibia und Madagaskar durchgesetzt und spielte nun gegen Senegal und Marokko um einen Platz bei der WM-Endrunde 1994 in den Vereinigten Staaten.
mini|Die Flugroute mit geplanten Zwischenstopps Zum Auftakt der entscheidenden WM-Qualifikationsphase sollte die Mannschaft am 2. Mai 1993 gegen Senegal in der Hauptstadt Dakar antreten. Weil aufgrund der prekären Finanzsituation, aber auch wegen Misswirtschaft und Korruption, das Geld fehlte, um die Mannschaft mit einem Linien- oder Charterflug zu Auswärtsspielen reisen zu lassen, nutzte man regelmäßig Militärflugzeuge, so auch für das Afrikameisterschafts-Qualifikationsspiel auf Mauritius zwei Tage vor dem Unfall.Darby, S. 132 Bei Reisen dieser Art kam es zuvor bereits zu Vorfällen, wenige Jahre vor dem Absturz wurde eine Maschine beinahe vom kongolesischen Militär abgeschossen, die Spieler nach einer eilig eingeleiteten Landung kurzzeitig verhaftet; bei einem Flug nach Madagaskar 1992 mussten die Spieler sicherheitshalber Rettungswesten anziehen. Für die Reise war eine Frachtmaschine der sambischen Luftwaffe vom Typ De Havilland Canada DHC-5D Buffalo vorgesehen. Die bereits seit Monaten ungenutzte Maschine wurde am 26. April einem A- und B-Check unterzogen, wobei eine Reihe technischer Mängel zum Vorschein kamen; zuvor waren bereits am 22. und 26. April Testflüge durchgeführt worden. Weil das Flugzeug nur für Kurzstreckenflüge konzipiert war, waren insgesamt drei Tankstopps eingeplant. Zunächst in Brazzaville in der Republik Kongo, dann in der gabunischen Hauptstadt Libreville und schließlich in Abidjan in der Elfenbeinküste, wo die Mannschaft auch übernachten sollte, bevor am 28. April der Zielort Dakar im Senegal erreicht werden sollte.
Unfallhergang Mit sechsstündiger Verspätung hob das seit 1975 in Dienst befindliche Flugzeug am Mittag des 27. April 1993 in der sambischen Hauptstadt Lusaka ab und landete fünf Stunden später zum ersten Tankstopp in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville. Nach der Wiederbetankung und einer Reihe technischer Prüfungen landete das Flugzeug nach zwei weiteren Stunden Flugzeit zur erneuten Betankung in Libreville. Dort wurden bei einer kurzen technischen Prüfung Probleme am linken Triebwerk festgestellt, der Kommandant entschied sich aber zum Weiterflug. Kurz nach dem Start fing das linke Triebwerk Feuer, und die Maschine stürzte um etwa 22:45 Uhr ca. 500 Meter vor der Küste Gabuns in den Atlantischen Ozean.
Opfer Keine der 30 an Bord befindlichen Personen überlebte den Absturz. Neben den 18 Nationalspielern Efford Chabala, John Soko, Whiteson Changwe, Robert Watiyakeni, Eston Mulenga, Derby Makinka, Moses Chikwalakwala, Wisdom Mumba Chansa, Kelvin Mutale, Timothy Mwitwa, Numba Mwila, Richard Mwanza, Samuel Chomba, Moses Masuwa, Kenan Simambe, Godfrey Kangwa, Winter Mumba und Patrick Banda kamen auch die beiden Trainer Godfrey Chitalu und Alex Chola, Verbandspräsident Michael Mwape sowie zwei weitere Funktionäre, ein Mannschaftsarzt, ein Journalist und fünf Besatzungsmitglieder ums Leben.
Trauerfeier und Bestattungsstätte Die Nachricht des Absturzes wurde von offizieller Seite noch zwölf Stunden nach den ersten Meldungen zurückgehalten, erst als Informationen über andere Netzwerke auftauchten, wurde die Nachricht kurz nach 13 Uhr verbreitet. Die Meldung wurde als nationale Tragödie wahrgenommen und stürzte das gesamte Land in Trauer.Darby, S. 133 Staatspräsident Frederick Chiluba brach eine Auslandsreise in Ostafrika ab, ordnete eine einwöchige Staatstrauer an und verkündete nach Rücksprache mit den Hinterbliebenen, dass den 30 Opfern ein Staatsbegräbnis zukommen werde.
Die Särge wurden in einem Passagierflugzeug der Zambia Airways nach Lusaka überführt, die Fahrt in das nur wenige Kilometer entfernte Independence Stadium dauerte über drei Stunden, weil zehntausende Trauernde die Überführung ins Stadion begleiteten. Dort wurden die Särge aufgebahrt und der Bevölkerung auch die ganze Nacht durch die Möglichkeit gegeben, von den Verstorbenen Abschied zu nehmen. Am folgenden Tag begleiteten 35.000 Sambier im Stadion und mehr als 100.000 außerhalb die Trauerfeier. Anschließend wurden die Opfer einige hundert Meter nördlich des Nationalstadions beigesetzt, die Stätte ist seither als Heroes’ Acre bekannt. Die 30 Gräber sind dort in einem Halbkreis angeordnet, in der Mitte des Platzes befindet sich ein Denkmal. Bereits unmittelbar nach dem Unfall wurden die Spieler und Offiziellen in den Status von Nationalhelden erhoben, die im Dienst für das Vaterland ihr Leben ließen,Darby, S. 134 insbesondere die Spieler werden regelmäßig als Fallen Heroes (dt. gefallene Helden) bezeichnet.
Am Heroes’ Acre findet jährlich am 28. April, der in Sambia als Tag des Unfalls gilt und auch als Todesdatum auf den Grabsteinen vermerkt ist, eine Gedenkfeier statt. Staatliche Stellen verkündeten bereits nach dem ersten Jahrestag, keinen weiteren Beitrag zur Gedenkfeier leisten zu können, und lehnen seit längerem eine finanzielle oder logistische Beteiligung an den Veranstaltungen ab.bbc.co.uk: Zambia disaster plans in disarray (10. Apr. 2003), abgerufen am 8. Februar 2011zambianfootball.net: Auch beim klammen sambischen Fußballverband hatte dieser Termin bald schon keine Priorität mehr, besonders deutlich wurde dies zum 10. Jahrestag, als die Verantwortung zur Ausrichtung und die Beschaffung der dafür nötigen finanziellen Mittel an die Hinterbliebenen und die Fanvereinigung Chipolopolo Soccer Fans Association abgegeben wurde. Die Stätte, die unter dem Namen Football Heroes Burial Site als „nationales Monument“ zum Nationalerbe zählt, (PDF; 2,2 MB) befindet sich den Großteil des Jahres in ungepflegtem Zustand und wird zumeist erst kurz vor den Jahrestagen hergerichtet.daily-mail.co.zm: , abgerufen am 8. Februar 2011
Unfallbericht und Unfallursache Nach dem Unfall nahm eine Untersuchungskommission, bestehend aus sambischen und gabunischen Vertreten sowie dem kanadischen Flugzeughersteller De Havilland, die Arbeit auf. Die Untersuchung schritt bald nur noch langsam voran, weil es zu politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Sambia und Gabun wegen des Absturzes kam. Die Veröffentlichung des Unfallberichts wurde zunächst für Mai 1996 angekündigt, verzögerte sich aber offiziell wegen Zugangsproblemen zum Flugzeugwrack. In der Folge konnten sich die Regierungen nicht über die Kostenaufteilung der Untersuchung einigen, und so kam es entgegen vorangegangenen Versprechen auch im Juni 1997 zu keiner Veröffentlichung. In den Jahren nach dem Absturz versuchten oppositionelle Parlamentsmitglieder den Druck auf die sambische Regierung zu erhöhenallafrica.com: Kapita Warns Chiluba Over Gabon Air Crash Report (2. März 2000), abgerufen am 8. Februar 2011 und von den Hinterbliebenen wurde eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Betracht gezogen,bbc.co.uk: Air crash families threaten legal action (28. April 2002), abgerufen am 8. Februar 2011 die erhoffte Veröffentlichung blieb aber weiterhin aus. Mit Stand 2011 wird der Unfallbericht von sambischer Seite noch immer unter Verschluss gehalten, zuletzt wurden im April 2010 seitens der sambischen Regierung „diplomatische Angelegenheiten“ als Grund für die Verschleppung der Veröffentlichung genannt.southernafrican.news: Zambian plane disaster report still not out 17 years later (30. April 2010), abgerufen am 30. November 2016 Angehörige machen regelmäßig bei den Gedenkfeiern ihrem Unmut über diesen Umstand Luft.lusakatimes.com: Zambia: Ba Effo’s Wife Goes Ballistics at Gabon Memorial (28. April 2010), abgerufen am 8. Februar 2011 Unter anderem die Frage, ob die Maschine überhaupt hätte starten dürfen, steht dabei im Mittelpunkt.bbc.co.uk: The day a nation cried (24. April 2003), abgerufen am 8. Februar 2011
Bereits kurz nach dem Absturz kamen verschiedene Gerüchte und Verschwörungstheorien über die Absturzursache auf, von einer vom gabunischen Militär auf das möglicherweise unerwartete Militärflugzeug abgefeuerte Rakete über eine Bombe an Bord bis hin zu einer Inszenierung des Vorfalls reichte die Spannweite der Spekulationen.Montville, S. 92 Dass die Maschine als Militärflugzeug über keinen Flugschreiber verfügte, erschwerte die Ursachenforschung zudem. Unklarheit herrscht auch über mögliche Warnungen an den Flughäfen von Brazzaville und Libreville an die Flugzeugbesatzung, die ignoriert wurden oder diese nie erreichten. Das Fußballmagazin African Soccer berichtete im Sommer 1993, dass ihr Korrespondent nach einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der Flugsicherung im Kongo, der von ernsthaften Bedenken bezüglich der Flugtüchtigkeit der Maschine während ihres Zwischenstopps im Kongo berichtete, von Offiziellen zur Herausgabe der Notizen und Tonbänder gezwungen wurde.