mini|hochkant|Dragoljub „Draža“ Mihailović (1943)
Dragoljub Mihailović (; * 27. April 1893 in Ivanjica, Königreich Serbien; † 17. Juli 1946 in Belgrad, Föderative Volksrepublik Jugoslawien), genannt „Draža“ (Дража)Von Sympathisanten meist Čiča Draža (Onkel Draža) genannt, siehe https://www.novosti.rs/vesti/naslovna/aktuelno.293.html:389487-Cica-Draza-stize-u-Beograd-i-Vasington, war ein königlich-jugoslawischer Generalstabsoffizier und Tschetnik-Führer während des Zweiten Weltkrieges. Als solchen ernannte ihn die königlich-jugoslawische Exilregierung in London 1941 zum Kriegsminister und legalisierte die Tschetniks dadurch zur sogenannten „Jugoslawischen Armee im Vaterland“. Sein Amt hatte er bis 1943 inne, übte es jedoch de facto niemals aus.
Als jugoslawischer Monarchist und serbischer Nationalist strebte Mihailović die Wiedererrichtung des Königreichs Jugoslawien und die Errichtung eines Großjugoslawien mit einem ethnisch reinen Großserbien an, das auch Mazedonien, Kosovo, Montenegro, Bosnien, die Herzegowina, Syrmien, das Banat und die Batschka umfassen sollte.
Nach dem Krieg wurde er von den jugoslawischen Behörden als Kollaborateur und Kriegsverbrecher angeklagt und hingerichtet.
Im Mai 2015 wurde Mihailović nach einem umstrittenen Urteil des Obersten Kassationsgerichtshofs, des höchsten Berufungsgerichts Serbiens, rehabilitiert.Cultures of History Forum (Friedrich Schiller University Jena): Twice Before the Court: The Judicial Rehabilitation of General Dragoljub Mihailović, 30. Oktober 2017, abgerufen am 13. Oktober 2019.
Leben Militärische Laufbahn mini|hochkant|Mihailović als Oberst im Generalstab (1937)
Mihailović wurde 1893 als Sohn von Mihailo und Smiljana, geborene Petrović, in der Nähe der Stadt Čačak im Königreich Serbien geboren. Von der serbischen Militärakademie zog er in die Balkankriege von 1912 und 1913. Im Ersten Weltkrieg war Mihailović in Albanien und an der Salonikifront stationiert. Seine Ausbildung an der Militärakademie schloss er nach dem Krieg ab und wurde verschiedenen Stäben zugeteilt. Zwischen 1935 und 1937 diente er als Militärattaché in Sofia und Prag. Danach war er in einigen Stabsstellen tätig und unterrichtete u. a. an der Militärakademie das Fach „Infanterietaktik“. Ab 1939 verlagerte sich sein Interesse von der Infanterie zum Guerillakrieg, der in den ehemals vom Osmanischen Reich besetzten Gebieten Jugoslawiens (Serbien, Montenegro, Mazedonien, Herzegowina, Bosnien) Tradition hatte und von Tschetniks und Komitadschi geführt worden war. Für den damaligen jugoslawischen Kriegsminister Milan Nedić arbeitete Mihailović einen Bericht zur Reorganisation des jugoslawischen Heeres aus. Darin sprach sich Mihailović für ein Prinzip von national homogenen militärischen Einheiten aus. Außerdem schlug er als Verteidigungskonzept vor, das nur schwer zu verteidigende nördliche Flachland Jugoslawiens aufzugeben und die Verteidigung auf die gebirgigen Landesteile zu konzentrieren. Mihailovićs Vorschlag wurde von Nedić abgelehnt, aber Mihailović blieb als Chef der Operationsabteilung im Generalstab für Fragen der Guerillakriegführung zuständig. 1940 wurde Mihailović vom britischen Geheimdienst in Belgrad als Informant über die Haltung der jugoslawischen Armee bei einem möglichen Putsch gegen den jugoslawischen König kontaktiert. Am vom Militär durchgeführten jugoslawischen Staatsstreich 1941 war Mihailović jedoch nicht beteiligt.
Tschetnik-Führer im Zweiten Weltkrieg Gründung von Tschetnik-Verbänden Beim Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien befehligte Mihailović als Oberst eine motorisierte Division in Ostbosnien. Als er von der Kapitulation der jugoslawischen Streitkräfte erfuhr, zog er sich mit einem kleinen und ausschließlich aus Serben bestehenden Teil der Truppe in die bosnischen Wälder zurück. Auf dem Weg nach Zentralserbien wurde Mihailovićs Truppe am 6. Mai 1941 bei Užice in Kämpfe mit einer deutschen Einheit verwickelt und dabei fast aufgerieben. Mit sieben Offizieren und 27 Soldaten erreichte er am 13. Mai 1941 nach einem mehrwöchigen Marsch in Richtung Serbien sein künftiges Hauptquartier in der Ravna Gora. Mihailovićs Tschetnik-Bewegung wird nach diesem Höhenzug in der Nähe seines Geburtsortes auch als Ravnogorski pokret (Ravna-Gora-Bewegung) bezeichnet. Den Tschetnik-Verbänden gehörten im Kriegsverlauf auch slowenische Einheiten (sogenannte „Blaugardisten“), ein kroatisches Bataillon sowie Bosniaken an.
Politische Ziele Mihailović trat für die Fortführung des Königreichs Jugoslawien unter der Führung Serbiens ein. Er sprach sich für den Fall, dass Jugoslawien scheitern sollte, für ein Serbien in den Grenzen vor der Ausrufung Jugoslawiens im Dezember 1918, mit Mazedonien und Montenegro, aus. Kroatien sollte die Grenzen nach dem serbisch-kroatischen Ausgleich (Sporazum Cvetković–Maček) von 1939 bekommen, d. h. neben Kroatien etwa ein Drittel Bosnien-Herzegowinas, genau wie es vor dem Krieg gewesen war. Nachdem ihm das Ausmaß der durch die Ustascha verübten Verbrechen bewusst geworden war, kam Mihailović zu der Ansicht, dass Kroatien Gebiete abgenommen werden müssten. So sollten damalige kroatische Gebiete wie folgt verteilt werden: Syrmien, die Baranja und die östliche Herzegowina zu Serbien, sowie das südliche Dalmatien zu Bosnien. Bosnien sollte dann in einer Volksabstimmung entscheiden, ob es sich Serbien anschließen wolle, wobei durch die vorangegangenen Gebietsverteilung der Ausgang einer solchen Volksabstimmung vorhersehbar wurde, da in Rumpfbosnien die Mehrheit der Bevölkerung serbisch war und daher einem Anschluss Bosniens mit dem nun angehängten südlichen Dalmatien an Serbien zugestimmt hätte. De facto hätte dies die Errichtung eines Großserbien bedeutet, wie es auch von dem serbischen Juristen Stevan Moljević aus Banja Luka, seit 1943 politischer Leiter der Tschetnik-Bewegung und Berater Mihailovićs, gefordert wurde.
Verhältnis zu den Besatzern Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit den von Tito geführten kommunistischen Partisanen, die für eine neue sozialistische Ordnung im Nachkriegs-Jugoslawien eintraten, kam es immer öfter zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Widerstandsbewegungen. Ab 1942 endeten diese in einer offenen Feindseligkeit, in deren Verlauf Mihailović immer offener mit den italienischen und später auch deutschen Besatzern zusammenarbeitete.
Mihailović versuchte in Übereinstimmung mit der Nedić-Regierung, die Tschetnik-Verbände in Serbien zu legalisieren. Er stellte Nedić einige Einheiten zur Verfügung und wurde von ihm inoffiziell mit Geld, Nahrung und Kleidung unterstützt. Gleichzeitig versuchte Mihailović der britischen Regierung über seine Kanäle zu suggerieren, „er wäre der einzige Widerstandsführer in Serbien“. Von den Deutschen erwartete Mihailović, wegen seiner Verdienste im Kampf gegen die Partisanen geduldet zu werden.
mini|Bekanntmachung über Erschießungen von Mihailović-Anhängern (1943) Auf Befehl Hitlers vom 16. September 1941 übten die deutschen Besatzungstruppen Vergeltung für Kampfhandlungen der aufständischen Mihailović-Tschetniks und Kommunisten. Es galt, für einen getöteten deutschen Soldaten hundert serbische Geiseln zu töten, für jeden verletzten fünfzig. Konnte nicht festgestellt werden, wessen Bewegung für einen Sabotage- oder Terrorakt verantwortlich war, wurden gleich viele Mihailović-Anhänger und Kommunisten hingerichtet, meist durch Hängen oder Erschießung.
Nach der Vernichtung der Partisanenhochburg Užice durch eine deutsche Division unter dem Kommando von General Böhme im November 1941 wendeten sich die Besatzer Mihailovićs Bewegung zu. Am 7. Dezember 1941 griff die deutsche 342. Infanterie-Division das Hauptquartier der Tschetniks in der Ravna Gora an, tötete 10 Tschetniks und nahm 390 gefangen. Mihailović selbst konnte der Gefangenschaft entkommen. Der jugoslawische Exil-König Peter II. ernannte Mihailović aus London noch am 7. Dezember 1941 zum Brigadegeneral und Führer der „Jugoslawischen Heimatarmee“, was angesichts der massiven militärischen Verluste der Armee des Königreiches Jugoslawien und der vollständigen Besatzung Serbiens eher symbolischen Charakter hatte. Bis Ende des Krieges konnte die Tschetnik-Bewegung keinen Fuß in Serbien mehr fassen. Nur einer kleinen Anzahl seiner Leute gelang es, kleinere Sabotageaktionen auszuführen.
mini|Mihailovićs Steckbrief, veröffentlicht zusammen mit dem Steckbrief von Josip Broz Tito in der serbischen Zeitung Novo vreme (21. Juli 1943) In einem Befehl des Kommandos Südost vom 10. Juli 1942 an General Paul Bader, den Militärbefehlshaber in Serbien, wird angeführt, dass Mihailović „der gefährlichste Gegner“ sei. Seiner Bewegung dürfe kein Raum für Entfaltung zugestanden werden, eine Einigung der Tschetnik-Banden sei unter allen Umständen zu verhindern. Am 20. Juli 1942 ließ General Bader einen Steckbrief veröffentlichen, in dem für Mihailović, tot oder lebendig, 100.000 Reichsmark geboten wurden. Einen Tag später erschien ein fast gleichlautender Steckbrief, mit dem nach Tito gefahndet wurde. Mit der Jagd auf Mihailović war auch „Reichsführer“ Heinrich Himmler befasst. Er ordnete dem Polizeiapparat im Juli 1942 an, den Aufenthaltsort Mihailovićs und seines Stabs ausfindig zu machen, um sie zu vernichten.
Erst im Sommer 1942 gelang es Mihailović, wieder Einfluss in Montenegro und in der Herzegowina zu gewinnen. Er verweigerte jedoch Kampfhandlungen und Sabotageakte gegen die Deutschen und kollaborierte mit den Italienern bis zu deren Kapitulation im Herbst 1943. mini|Mihailović bei der Beratung mit einigen seiner Männer Im Sommer und Herbst 1942 kam es in Serbien vermehrt zu Sabotageakten einiger Tschetnik-Truppen auf Eisenbahnstrecken, -brücken und Züge, auch wurden Bewegungen von Zügen an den britischen Geheimdienst gemeldet. Diese Bemühungen sollten Erwin Rommels Afrika-Feldzug behindern, weil die Versorgungsstrecke der Heeresgruppe Afrika durch Jugoslawien und Italien verlief, so dass den Aktionen der Tschetniks eine besondere Bedeutung zukam. Am 8. August 1942 benachrichtigte Draža Mihailović das britische Kommando im Nahen Osten, dass entlang von Eisenbahnstrecken in Serbien Sabotage in einem großen Ausmaß stattfinden werde. Seine Befehle an einige seiner Kommandanten wurden jedoch von deutschen Abhörspezialisten abgefangen und in einem Bericht gemeldet, mit der Bemerkung, dass General Mihailović mit diesen Befehlen wohl einen endgültigen Standpunkt gegen die Besatzungsmacht bezogen habe.
Die Antwort auf das Verhalten Mihailovićs war unbarmherzig. Am 28. August 1942 wurde der österreichische General Alexander Löhr zum neuen Befehlshaber des Kommandos Südost eingesetzt. In einer großen Verhaftungsaktion wurden zunächst mehrere mutmaßliche Agenten Mihailovićs festgenommen, die in serbischen Behörden arbeiteten. Anschließend begann ein Feldzug gegen Stützpunkte von Mihailovićs JVUO auf Ravna Gora und im Kopaonik-Gebirge. Zu diesem Zweck wurde eigens die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ aufgestellt, in der mehrheitlich Volksdeutsche aus dem Banat dienten. Die Division war in den folgenden drei Monaten in Kämpfe gegen Mihailovićs Tschetnik-Verbände verwickelt. Am 12. Oktober 1942 begann der Angriff gegen Stützpunkte der JVUO bei Guča, mit dem Ziel Mihailović gefangen zu nehmen. Doch stellte sich bald heraus, dass er noch vor dem Angriff nach Montenegro geflohen war, so dass die geplante Gefangennahme scheiterte. Die Tschetnik-Truppen zogen sich vor dem Angriff zurück, während die Zivilbevölkerung den Zorn und die Enttäuschung der Besatzer erfuhr. Vor allem Juden und Roma litten unter der Vergeltung der Wehrmacht. General Böhme ordnete im Herbst 1941 für die deutschen Verluste bei Topola die Erschießung von 2200 Juden an. Zu diesem Zeitpunkt waren in KZs in Serbien 8000 männliche Juden inhaftiert und warteten, „auf Abruf“ erschossen zu werden.