Das Pfadfindergesetz ist ein Kernbestandteil der Pfadfindermethode, die als System fortschreitender Selbsterziehung definiert wird. In diesem System steckt das Pfadfindergesetz einen Orientierungsrahmen ab, nach dem die Pfadfinder ihr Leben gestalten.
Ursprünglich wurde das Pfadfindergesetz vom Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, formuliert. Darauf aufbauend haben verschiedene Pfadfinderverbände eigene Formulierungen entwickelt, die sich inhaltlich meist nur geringfügig unterscheiden.
Das Original von Robert Baden-Powell (Mit einer möglichst engen deutschen ÜbersetzungBaden-Powell of Gilwell, Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, Baron, 1857-1941 , auf gutenberg.org)
Deutsche Urfassung aus dem Pfadfinderbuch von Alexander Lion in der 1. Auflage, 1909 Die Gebote der Pfadfinder Auf die Ehre eines Pfadfinders muss man unerschütterlich bauen können. Ein Pfadfinder ist treu seinem Landesherrn, dem Kaiser, seinem Vaterlande, seinen Vorgesetzten, Lehrern und Brotherrn. Eine Pfadfinderpflicht ist es auch: seinem Mitmenschen nützlich und hilfreich zu sein. Ein Pfadfinder ist ein Freund aller seiner Mitmenschen. Ein Pfadfinder ist höflich. Ein Pfadfinder ist gegen Tiere liebreich. Ein Pfadfinder gehorcht seinem Feldkornett, dessen Stellvertreter (Junker) und dem Feldmeister ohne Widerrede. Ein Pfadfinder ist stets munter und vergnügt. Ein Pfadfinder ist sparsam.Franz Ludwig Habbel: Die Weltpfadfinderbewegung. Verlag Der Weiße Ritter, Regensburg 1921
Das Pfadfindergesetz der Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg
Fassung von 1930 gültig bis 1949 Auf die Ehre eines Pfadfinders kann man unerschütterlich bauen. Der Pfadfinder ist treu Gott, der Kirche und dem Vaterland. Der Pfadfinder ist hilfsbereit. Der Pfadfinder ist Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder. Der Pfadfinder ist höflich und ritterlich. Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere. Der Pfadfinder gehorcht ohne Widerrede und tut nichts halb. Der Pfadfinder ist stets guter Laune, auch in Schwierigkeiten. Der Pfadfinder ist sparsam und einfach. Der Pfadfinder ist rein in Gedanken, Worten und Werken.
Fassung von 1949 gültig bis 1971 Auf die Ehre eines Pfadfinders kann man unerschütterlich bauen. Der Pfadfinder ist treu Gott, der Kirche und dem Vaterland. Der Pfadfinder ist hilfsbereit. Der Pfadfinder ist Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder. Der Pfadfinder ist höflich und ritterlich. Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere. Der Pfadfinder gehorcht aus freiem Willen und macht nichts halb. Der Pfadfinder ist stets guter Laune, auch in Schwierigkeiten. Der Pfadfinder ist sparsam und einfach. Der Pfadfinder ist rein in Gedanken, Worten und Werken.
„Grundlinien unserer Lebensauffassung“ (Leitlinien) von 1971 Das Pfadfindergesetz der DPSG wurde 1971 durch die vier „Grundlinien unserer Lebensauffassung“, inoffiziell „Leitlinien“ genannt, ersetzt: Leben in Hoffnung Leben in Freiheit Leben in Wahrheit Leben in tätiger Solidarität
Fassung von 2005 Auf diese Fassung entfielen bei einer Mitgliederbefragung die meisten Stimmen. Anschließend wurde sie bei der Bundesversammlung 2005 der DPSG mit der neuen Ordnung beschlossen.
Als Pfadfinderin …/Als Pfadfinder … … begegne ich allen Menschen mit Respekt und habe alle Pfadfinder und Pfadfinderinnen als Geschwister. … gehe ich zuversichtlich und mit wachen Augen durch die Welt. … bin ich höflich und helfe da, wo es notwendig ist. … mache ich nichts halb und gebe auch in Schwierigkeiten nicht auf. … entwickle ich eine eigene Meinung und stehe für diese ein. … sage ich, was ich denke, und tue, was ich sage. … lebe ich einfach und umweltbewusst. … stehe ich zu meiner Herkunft und zu meinem Glauben.
Das Regelkonzept des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen Der Verband Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) kennt keine einheitlichen Pfadfinderregeln, sondern verwendet ein flexibles Gerüst von selbstformulierten Gruppenregeln, die sich zwischen den Gruppen unterscheiden können und an veränderte Gruppensituationen angepasst werden sollen. Die Bundesordnung des VCP schlägt die folgenden Inhalte für die Regeln vor, Ergänzungen und Auslassungen sind möglich: miteinander planen, arbeiten, spielen – nicht gegeneinander; sich nichts aufzwingen lassen – selbst etwas tun; nicht alles hinunterschlucken – sagen, was mir nicht passt; zusammen etwas tun – allein erreiche ich weniger; in der Gruppe mitmachen – nicht am Rand stehen; beobachten – nichts ungeprüft hinnehmen; neue Wege gehen – nichts für unveränderbar halten; mitmachen – nicht andere für sich denken lassen; von anderen lernen – nicht auf dem eigenen Standpunkt beharren; anderen helfen – nicht nur an sich selbst denken.
Abweichend davon verwenden verschiedene Untergliederungen des VCP feste Pfadfindergesetze. Als Beispiel sei hier das Pfadfindergesetz des VCP Land Rheinland-Pfalz/Saar aufgeführt:
Christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder … … sind aufrichtig in Gedanken, Worten und Taten. … sind zuverlässig und hilfsbereit. … verlieren in Schwierigkeiten nicht den Mut. … schützen die Natur und bewahren die Schöpfung. … leben einfach und können verzichten. … fügen sich aus freiem Willen in die Gemeinschaft ein. … sind kameradschaftlich und treu. … setzen sich für Frieden ein und lösen Streit ohne Gewalt. … nehmen Rücksicht und achten ihre Mitmenschen. … tragen zur Freundschaft aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf aller Welt bei. Bundesordnung des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen; Landesordnung des VCP Rheinland-Pfalz/Saar.
Die Pfadfinderregeln des Bundes der Pfadfinder*innen (BdP)
Ich will hilfsbereit und rücksichtsvoll sein. Ich will den anderen achten. Ich will zur Freundschaft aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder beitragen. Ich will aufrichtig und zuverlässig sein. Ich will kritisch sein und Verantwortung übernehmen. Ich will Schwierigkeiten nicht ausweichen. Ich will die Natur kennen lernen und helfen, sie zu erhalten. Ich will mich beherrschen. Ich will dem Frieden dienen und mich für die Gemeinschaft einsetzen, in der ich lebe.Bundesordnung des Bundes der Pfadfinder*innen (BdP)
Die Pfadfindergesetze der Baptistischen Pfadfinderschaft (BPS)
Der Pfadfinder spricht die Wahrheit Der Pfadfinder ist treu Der Pfadfinder ist hilfsbereit Der Pfadfinder ist freundlich gegenüber allen Menschen Der Pfadfinder ist höflich und zuvorkommend Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere Der Pfadfinder ist gehorsam Der Pfadfinder weicht Schwierigkeiten nicht aus Der Pfadfinder ist genügsam Der Pfadfinder hält sich rein in Gedanken, Worten und TatenKonzeption der BPS (Baptistischen Pfadfinder)
Die Regeln der Royal Rangers
Ein Royal Ranger ist: wachsam: geistig, körperlich und geistlich rein: körperlich, in seinen Gedanken und im Reden ehrlich: er lügt nicht, betrügt nicht und stiehlt nicht tapfer: auch bei Kritik und Gefahr bleibt er tapfer treu: seiner Familie, Gemeinde, seinem Stamm und seinen Freunden gegenüber höflich: er hat ein gutes Benehmen, ist gütig und rücksichtsvoll gehorsam: vor Gott und dem Gewissen, gegenüber Eltern, Leitern und Vorgesetzten geistlich: er betet, liest die Bibel und zeugt von Jesus Christus
Das Pfadfindergesetz im Ring Evangelischer Gemeindepfadfindern (REGP) Siehe auch: Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP)
Der Pfadfinder richtet sein Leben aus nach seinem Herren Jesus Christus.
Der Pfadfinder ist treu und achtet den anderen. Der Pfadfinder spricht die Wahrheit. Der Pfadfinder hilft, wo er kann. Der Pfadfinder ist ein guter Kamerad. Der Pfadfinder ist ritterlich und höflich. Der Pfadfinder schützt Tiere und Pflanzen in ihrem Lebensraum. Der Pfadfinder ordnet sich in die Gemeinschaft ein. Der Pfadfinder ist tapfer, fröhlich und unverzagt. Der Pfadfinder ist genügsam. Der Pfadfinder geht mit dem, was ihm anvertraut ist, verantwortlich um.
Das Pfadigesetz in der Schweiz 1976 Bund Schweizer Pfadfinderinnen (BSP) Sei aufrichtig! Hilf, wo du kannst! Überwinde Schwierigkeiten! Wähle und setze Dich ein! Sei zuverlässig! Schütze die Natur! Suche und bringe Freude! Verstehe und achte!
1976 Schweizerischer Pfadfinderbund (SPB) Ein Pfadfinder ist ehrlich gegenüber sich und den anderen. Ein Pfadfinder steht zu seinem Glauben und achtet den Glauben anderer. Ein Pfadfinder trägt sorge zu Natur und allem Leben. Ein Pfadfinder hilft, wo er kann. Ein Pfadfinder ist ein guter Kamerad. Ein Pfadfinder nimmt sich zusammen. Ein Pfadfinder kann sich in die Gemeinschaft einfügen. Ein Pfadfinder überwindet Schwierigkeiten mit Humor. Ein Pfadfinder kann verzichten. Ein Pfadfinder ist bereit, Verantwortung zu tragen.
Das Aktuelle der Pfadibewegung Schweiz von 1987
Wir Pfadi wollen offen und ehrlich sein Freude suchen und weitergeben unsere Hilfe anbieten uns entscheiden und Verantwortung tragen andere verstehen und achten miteinander teilen Sorge tragen zur Natur und allem Leben Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen
Das Pfadfindergesetz der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs
Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin ist treu und hilft wo er*sie kann. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin achtet alle Menschen und sucht sie zu verstehen. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin sucht den Weg zu Gott. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin überlegt, entscheidet sich und handelt danach. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin lebt einfach und schützt die Natur. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin ist fröhlich und unverzagt. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin nützt seine*ihre Fähigkeiten. Der Pfadfinder*Die Pfadfinderin führt ein gesundes Leben.
Das Pfadfindergesetz der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands
Präambel: Der Christliche Pfadfinder richtet sein Leben aus nach seinem Herrn Jesus Christus. Der Pfadfinder ist treu und achtet den anderen. Der Pfadfinder spricht die Wahrheit. Der Pfadfinder hilft, wo er kann. Der Pfadfinder ist ein guter Kamerad. Der Pfadfinder ist ritterlich und höflich. Der Pfadfinder schützt die Natur. Der Pfadfinder ordnet sich ein. Der Pfadfinder ist tapfer, fröhlich und unverzagt. Der Pfadfinder ist genügsam. Der Pfadfinder geht mit sich und mit dem, was ihm anvertraut ist, verantwortlich um.
Das Pfadfindergesetz des Deutschen Pfadfinderbundes
Der Pfadfinder ist zuverlässig und steht zu seinem Wort. Der Pfadfinder achtet die, die ihn führen und die er führt. Er erfüllt seine Pflicht gegenüber seiner Familie und seinem Vaterland und bekennt sich zu seinem Glauben. Der Pfadfinder ist hilfsbereit und einsatzfreudig. Der Pfadfinder bekennt sich zu der Bruderschaft aller Pfadfinder der Welt. Er achtet alle Menschen ohne Unterschied von Rasse, Nation, Religion und Weltanschauung. Der Pfadfinder ist höflich und freundlich gegen jedermann. Der Pfadfinder schont und schützt nach besten Kräften alles Leben. Der Pfadfinder handelt überlegt und selbstbeherrscht. Der Pfadfinder ist einsichtsvoll. Der Pfadfinder ist maßvoll und sparsam. Der Pfadfinder ist anständig in Wort und Tat.Deutscher Pfadfinderbund, Bundesordnung 1998.
Die Pfadfinderregeln des Deutschen Pfadfinder*innenbunds Mosaik
Ich bin bereit, in der und für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen und Pflichten zu tragen. Ich will zuverlässig sein und zu meinem Wort stehen. Ich will hilfsbereit sein und für andere eintreten. Ich will zur Freundschaft aller Pfadfinder und zum guten Miteinander aller Menschen beitragen. Ich will Rücksicht nehmen und verständnisvoll sein. Ich trage zum Schutz und zur Erhaltung der Natur bei. Ich setze mich kritisch mit mir und mit meiner Umwelt auseinander. Ich will zuversichtlich sein. Ich bemühe mich, einfach und bewusst zu leben. Ich will offen für neue Wege sein.Bundesverfassung des Deutschen Pfadfinderbund Mosaik, Bundesordnung
Die Pfadfinderregeln der Heliand-Pfadfinderschaft
Ich will die Botschaft von Jesus Christus kennenlernen. Ich will dort helfen, wo ich gebraucht werde.