mini|hochkant=1.8|Wohngebiete und wichtigste Dörfer der North-Carolina-Algonkin um 1585Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian F. Feest: North Carolina Algonquians, Seite 272. Die North-Carolina-Algonkin waren eine Gruppe kulturell verwandter Indianerstämme und lebten zu Beginn des 17. Jahrhunderts an der Küste des heutigen Staates North Carolina im Osten der USA. Sie zählten zu den die südlichsten Stämmen der Algonkin-Sprachgruppe, deren Sprache jedoch heute nicht mehr gesprochen wird. Sie gelten seit 1915 als ausgestorben. Ihre Nachbarn im Norden waren die Virginia-Algonkin jenseits des Dismal Sumpfes, der eine nahezu undurchdringliche Grenze bildete. Beide Stammesgruppen hatten eine ähnliche Kultur und werden unter dem Begriff Südöstliche Algonkin zusammengefasst.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian Feest: North Carolina Algonquians, Seite 271.
Sprache Für die sprachliche Nähe der Küstenstämme in North Carolina zur Algonkin-Sprachfamilie gibt es nur spärliche Hinweise. Außer Orts- und Stammesnamen wurden weniger als 100 Wörter von englischen Kolonisten aufgeschrieben und überliefert. Vermutlich stammen sie aus Roanoke-, Croatoan- und Secotan-Dialekten. Dazu kommen weitere 37 überlieferte Wörter aus der Pamlico-Sprache. Beide Wörterlisten sind für eine Zuordnung zur Algonkin-Sprachfamilie ausreichend. Die Zugehörigkeit anderer Stämme ist nicht ausreichend gesichert. Sehr wahrscheinlich waren die Stämme der Weapemeoc und Chowanoke Algonkin, während die Moratuc und Neusiok auch Irokesen gewesen sein könnten. Die Pomouik waren offenbar mit den Pamlico identisch.
Wohngebiet und Umwelt Im Westen und Süden der North-Carolina-Algonkin lebten Irokesenstämme, der Grenzverlauf zwischen diesen Völkern ist jedoch unbestimmt. Die Tuscarora beispielsweise beanspruchten im 17. Jahrhundert das Gebiet westlich des Chowan Rivers und südlich des Cuttawhiskie Swamps. Um 1585 befanden sich allerdings nachweislich ebenfalls Dörfer der Algonkin in dieser Gegend.
In der sehr flachen Küstenebene North Carolinas gibt es zahlreiche Seen, ausgedehnte Sümpfe und Sanddünen. Die Küstenlinie besteht aus tief eingeschnittenen Buchten, wie dem Currituck, Albemarle und Pamlico Sound und Gezeitenströmen. Dem Land vorgelagert sind die Outer Banks, eine Kette sehr schmaler Düneninseln und Sandbänke, die eine Barriere zwischen dem Atlantik und dem Festland bilden. Der überwiegend sandige Boden ist von hartem Gras, Sumpfvegetation und immergrünem Wäldern bedeckt. Das Klima ist feucht und subtropisch und führt zu einer jährlichen Wachstumsperiode von rund 250 Tagen. Neben verschiedenen Salz- und Süßwasserfischen leben auch Austern, essbare Muscheln, Seeschildkröten und amerikanische Alligatoren in Flüssen, Seen und an der Küste. In der Küstenebene gibt es zahlreiche Arten von Wasservögeln, wie Enten und Gänse, sowie Säugetiere, wie Rehe, Füchse, Eichhörnchen, Opossums, Kaninchen, Biber und in früherer Zeit auch Bären und Pumas.
Stämme der North-Carolina-Algonkin mini|hochkant|Giovanni da Verrazzano Als 1524 der erste Europäer, Giovanni da Verrazzano, die Region auf der Suche nach einer Passage zum Pazifik erreichte, traf er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Angehörige der dort lebenden Algonkinstämme, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt. Überlieferungen der Ureinwohner aus der Zeit der englischen Kolonie auf Roanoke Island weisen auf einen einzigen frühen Kontakt mit Weißen hin: Im Jahr 1558 wurden spanische Schiffbrüchige von Einwohnern aus Secotan gerettet und nach kurzer Zeit wieder auf einem behelfsmäßigen Schiff auf den Heimweg geschickt. Aus anderen Schiffen, deren Wracks an der North-Carolina-Küste strandeten, versorgten sich die Indianer mit Werkzeug aus Eisen. Für die meisten indianischen Gruppen im Küstengebiet North Carolinas begann deshalb die Geschichte der europäischen Kontakte erst mit der Ankunft englischer Schiffe ab 1584 und der Errichtung einer Kolonie im folgenden Jahr, als eine Gruppe von 110 Personen die Insel Roanoke besiedelte.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian Feest: North Carolina Algonquians, Seite 272.
Dörfer und Stämme um 1585/86 Dorf Stamm WohngebietChawanokeChawanokeChowan RiverMetacquemChawanokeChowan RiverOhanoakChawanokeChowan RiverRasmushonnoukChawanokeChowan RiverTandaquomukChawanokeRoanoke RiverCroatanCroatanCape HatterasMequopenMoratucRoanoke RiverMoratucMoratucRoanoke RiverNevasiwocNeusiokNeuse River Dorf Stamm WohngebietMarasinicoNeusiokNeuse RiverPananuuaiokPomouikPamlico RiverDasemunkapeucRoanokeCroatan SoundPomeiookRoanokeLake MattamuskeetRoanokeRoanokeRoanoke IslandTramaskecoocRoanokeAlligator BayAquascogocSecotanPamlico River / Pungo BaySeco (Cotan)SecotanPamlico RiverSecotaócSecotanPamlico River Dorf Stamm WohngebietSecotonSecotanPamlico RiverCautakingWeapemeocChowan RiverChepanocWeapemeocAlbemarle SoundMascomengeWeapemeocAlbemarle SoundMasequetuckWeapemeocAlbemarle SoundPasquenokeWeapemeocPasquotank RiverRicahokeneWeapemeocChowan RiverWarawtaniWeapemeocChowan RiverWeapemeocWeapemeocAlbemarle Sound
Dörfer und Stämme 1657–1795 Dorf Stamm WohngebietRadauquaquank (1708)Bear RiverPamlico SoundChowan Indian Town (1708–1795)ChawanokeChowan RiverKatoking (1657)ChawanokeChowan RiverRickahock (1657)ChawanokeChowan RiverWohanock (1657)ChawanokeChowan RiverCape Hatteras Indian Town (1708–1788)HatterasCape HatterasMattamuskeet (1733)MachapungaLake MattamuskeetChatooka (1708–1712)NeusiokNeuse RiverRouconk (1708–1712)NeusiokNeuse RiverPamlico (1708)PamlicoPamlico RiverPaspatank (1708)PaspatankPasquotank RiverPoteskeet (1708–1733)PoteskeitCurrituck SoundYeopim (1696–1733)WeapemeocNorth River (North Carolina)
Die Jahreszahlen in Klammern entsprechen Perioden, in denen die Dörfer nachweisbar bewohnt waren.
Demografie Über Bevölkerungszahlen im späten 16. Jahrhundert gibt es wenig Informationen. Der größte Stamm, auf den die Engländer stießen, waren vermutlich die Chawanoke. Sie bewohnten 18 Dörfer mit einer Gesamtbevölkerung von rund 2.500 Menschen. Die Gesamtzahl aller North-Carolina-Algonkin dürfte um 1585 etwa 7.000 oder mehr betragen haben. Die Bevölkerungsdichte war entlang der Flüsse mit Sicherheit höher als am Sund oder auf den Inseln. Informationen über Stammesgrenzen sind spärlich und Europäer hielten oftmals verbündete, jedoch unabhängige Gruppen für ein und denselben Stamm. Das trifft besonders auf die Roanoke, Croatoan und Secotan zu, deren Stammesgrenzen zu ihren irokesischen Nachbarn unbestimmt sind. Importierte europäische Krankheiten führten zu hoher Sterblichkeit unter den Indianern der Region und zu frühzeitiger Entvölkerung ganzer Landstriche. Krankheiten wie Masern, Pocken und sogar Erkältungen führten in einigen Dörfern zu einer Todesrate von über 25 Prozent. Verluste an Menschen durch Kriege gegen die Kolonisten waren dagegen gering, im Gegensatz zu Konflikten zwischen einzelnen Stämmen.
Bevölkerungszahlen der North-Carolina-Algonkin (geschätzt) Stamm 17091 17092 1733 1755 LetzteErwähnungPoteskeit100751733Paspatank35251709Weapemeoc20151733Chawanoke503871796Roanoke1763Hatteras53406–88–101788Machapunga100758–101915Pamlico50381709Bear River1651251712Neusiok50381712Insgesamt621469 1 Die Bevölkerungszahlen beziehen sich beim englischen Forschungsreisenden John Lawson auf Krieger. Die tatsächliche Bevölkerung wurde im Verhältnis 3:10 hochgerechnet.
2 Lawson empfahl allerdings das Verhältnis 2:5.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian Feest: North Carolina Algonquians, Seite 280.
Kultur im 16. Jahrhundert Lebensgrundlagen mini|Dorf der Secotan am Pamlico River Neben der Jagd und dem Fischfang war der Gartenbau und das Sammeln von Wildkräutern von Bedeutung, wobei es keine Informationen über die Rangfolge gibt. Der Anbau von Mais war verbreitet und Basis des sesshaften Lebens in den Dörfern. Mais wurde von Ende März bis Anfang Juli gepflanzt, nachdem zuvor auf den Feldern das Unkraut mit hölzernen Hacken gejätet worden war. Die Arbeit wurden von Frauen und Männern gleichermaßen verrichtet. Mit Pflanzstöcken bohrten sie im Abstand von etwa 90 cm Löcher in den Boden, in die jeweils vier Maiskörner gelegt und mit Erde bedeckt wurden. Man verwendete keinen Dünger. Die Maisernte fand von Juli bis September statt. Darüber hinaus bauten die Indianer zwei Bohnenarten, zwei Arten von Gurken und Kürbissen, Sonnenblumen, Gänsefuß (Chenopodium) und Fuchsschwanz (Amaranthus) auf manchmal umzäunten Feldern an. Der Tabakanbau erfolgte immer auf separaten Feldern. Die lange Wachstumsperiode von 240 Tagen erlaubte häufig zwei Ernten im Jahr vom gleichen Feld.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian Feest: North Carolina Algonquians, Seite 273.
Der Frühling war die Zeit des Fischfangs und Muschelsammelns. Fische wurden mit Wehren und Konstruktionen aus Ried in Flüssen und Flussmündungen gefangen, sowie mit Speeren vom Kanu aus oder im seichten Wasser. Des Nachts lockte man Fische durch Feuer an die Boote und fing sie mit Netzen. Vögel und Säugetiere wurden mit Pfeil und Bogen gejagt und in den Sümpfen gehörten Schlangen und Schildkröten zur Jagdbeute. Bären trieb man auf die Bäume, um sie dort zu erlegen. Im Herbst sammelten die Indianer in den Wäldern Wurzeln, Nüsse und Beeren. Hunde wurden als Haustiere gehalten und gelegentlich auch verzehrt.
Zur Zubereitung der Mahlzeiten kochten oder brieten die Indianer Fisch, Fleisch und Mais separat oder auch gemischt in einem Tontopf. Mehl zum Brotbacken wurde aus Mais, Bohnen, Sonnenblumenkernen, Kastanien, Eicheln, Chinquapin- und Haselnüssen hergestellt. Kürbisse, Erdnüsse und Wurzeln wurde roh oder gekocht gegessen, während die Rhizome von Peltandra virginica vor dem Verzehr durch Kochen entgiftet werden mussten. Die Samen von Chenopodium und Amaranthus-Arten verwendete man zur Herstellung eines schmackhaften Breis und die Stängel dieser Pflanzenarten wurden verbrannt, um als Salzersatz zu dienen. Wie Lebensmittel gelagert und konserviert wurden, ist nicht bekannt.
Materialwirtschaft mini|Frau und Tochter des Häuptlings der Roanoke mini|Anlage zum Räuchern der Fische Werkzeuge bestanden häufig aus Muscheln, Knochen und Holz, seltener aus Stein, da es daran mangelte. Bäume wurden durch kontrolliertes Abbrennen über den Wurzeln gefällt und mit Schabwerkzeugen bearbeitet. Zum Gerben von Häuten verwendeten die Indianer Öl. Frauen stellten Töpfe aus Ton, zerstampften Muscheln, Sand oder feinem Kies her, die mit individuellen Mustern und Prägungen verziert wurden. Die runden Töpfe besaßen einen spitzen oder halbrunden Boden, der in einen Erdhügel gesteckt wurde. Außerdem fertigten sie Körbe und Matten aus Binsen und aus anderem pflanzlichen, faserigen Materialien.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15. Northeast. Christian Feest: North Carolina Algonquians, Seite 275–276.
Es gab Schaber und Messer aus Muscheln, Spitzhacken und Meißel aus Stein und hölzerne Hacken. Zu den Waffen gehörten säbelförmige, etwa einen Meter lange Keulen aus Holz, die zusätzlich mit Geweihsprossen bewehrt waren. Bogen bestanden aus Ahorn- oder Haselnusszweigen und die Pfeile aus Ried mit einer Spitze aus Muscheln, Stein oder einem Fischzahn. Gelegentlich waren die Pfeilspitzen vergiftet. Speere hatten Schäfte aus Holz oder Ried, waren an einem Ende zugespitzt oder besaßen den Schwanz einer Königskrabbe als Speerspitze.