Die irische Cricket-Nationalmannschaft (; ), deren Spieler auch unter den Spitznamen Men in Green und Green and Whites bekannt sind, vertritt die Insel Irland auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird von Cricket Ireland (CI) geleitet und ist seit 2017 Vollmitglied im International Cricket Council. Die Mannschaft besitzt somit Teststatus.

Irland ist die elftälteste Nationalmannschaft im Test Cricket und bestritt seinen ersten Test 2018 gegen Pakistan. Größte Erfolge bei Turnieren waren das Erreichen der Hauptrunde beim Cricket World Cup (2007) und dem T20 World Cup (2009 und 2022).

Die irische Nationalmannschaft repräsentiert die gesamte irische Insel. Ihr gehören Spieler sowohl aus der Republik Irland als auch aus dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland an. Daher nutzt das Team die Flagge von Cricket Ireland und als Hymne Ireland’s Call, die auch von der irischen Rugby-Union-Nationalmannschaft genutzt wird. Das Team wird, neben der ähnlich aufgestellten Hockeynationalmannschaft der Herren und der Damen sowie der Rugby-Union-Nationalmannschaft, als wichtiges Symbol für Frieden und Zusammenarbeit auf der politisch geteilten Insel betrachtet.

Geschichte Vor dem Beitritt zum ICC mini|hochkant|Der Engländer Charles Lawrence war in den 1850er Jahren für die Entwicklung des Crickets in Irland verantwortlich mini|Das „All-Ireland United Cricketteam“ im Phoenix Park, Dublin, ca. 1858 Die erste Erwähnung von Cricket in Irland bezieht sich auf ein Spiel im Jahr 1731 im Phoenix Park in Dublin. Des Weiteren brachten Engländer Cricket im frühen 19. Jahrhundert in die irischen Städte Kilkenny und Ballinasloe. In den 1830er Jahren begann sich der Sport auszubreiten; viele der Clubs, die in den darauf folgenden 30 Jahren gegründet wurden, bestehen bis heute. Das erste internationale Cricketspiel fand 1855 gegen die Gentleman of England in Dublin statt und konnte mit 107 Runs gewonnen werden. In den 1850er Jahren war der Engländer Charles Lawrence als Trainer verantwortlich für die Entwicklung des Cricketspiels in Irland. In diesem Zeitraum wurde Irland erstmals von professionellen Mannschaften besucht. Irlands erstes Spiel gegen den Marylebone Cricket Club (MCC) fand 1858 statt.

In den Folgejahren kam es zu weiteren Spielen und das Cricket war in ganz Irland verbreitet, bevor es in den 1880er Jahren schwere Rückschläge für den Sport auf der Insel gab. 1884 gründete Michael Cusack als Reaktion auf die als bedrohlich empfundene Verbreitung von aus England stammenden Sportarten die Gaelic Athletic Association (GAA), um auch im Sport eine Identifikation mit der irischen Kultur zu ermöglichen. Jedoch scheiterte sein Versuch, Cricket unter die Schirmherrschaft der GAA zu stellen. Über ein Jahrhundert lang verbot Regel 42 der GAA-Satzung die Ausübung „fremder Spiele“ () auf Anlagen des Verbandes, wobei mit „fremd“ ausdrücklich Rugby, Fußball, Hockey und Cricket gemeint waren. Bis 1971 war es GAA-Mitgliedern gemäß Regel 27 sogar verboten, diese Sportarten auszuüben oder auch nur Spielen als Zuschauer beizuwohnen.

1890 wurde eine Vorgängerorganisation von Cricket Ireland gegründet und deren einzige Aufgabe war es, die irische Mannschaft für internationale Touren zusammenzustellen. Die irische Mannschaft unternahm zahlreiche Touren in die Vereinigten Staaten und Kanada (1879, 1888, 1892 und 1909), war ansonsten aber darauf angewiesen, dass internationale Top-Mannschaften die Insel besuchten. Das erste First-Class-Match wurde am 19. Mai 1902 gegen einen Londoner County Club, einschließlich W. G. Grace, gespielt. Die Iren, angeführt von Sir Tim O’Brien, gewannen deutlich mit 238 Runs. Nach der Englandtour 1902 – bei der es von vier Spielen eines gewann, in zwei unentschieden spielte und eines verlor – spielte Irland für die darauf folgenden fünf Jahre kein weiteres First-Class-Match mehr. Trotz einer Niederlage 1894 gegen Südafrika (es handelte sich um das erste Spiel gegen eine Testnation) gewann Irland 1904 gegen Südafrika; der erste Sieg gegen eine Testnation. Danach entwickelten sich die jährlich ausgetragenen Spiele gegen Schottland (ab 1909) und den Marylebone Cricket Club (ab 1924) zur festen Größe im Cricketkalender. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Popularität des Spiels in Irland deutlich ab, neben sportlichen Gründen waren dafür auch das erstarkende nationale Bewusstsein und die Konkurrenz durch die GAA ausschlaggebend. Dies änderte sich erst 1993 mit der Aufnahme der Mannschaft in den International Cricket Council (ICC).

Bis 1999 spielten die Iren jährliche First-Class-Matches gegen Schottland, unterbrochen nur durch die Weltkriege; für alle anderen internationalen Cricketspiele waren sie jedoch auf besuchende Mannschaften angewiesen. Dennoch war Irland in der Lage, selbst Testnationen zu überraschen. Unter anderem gelang es 1928 die West Indies in einem dreitägigen Spiel in Dublin mit 60 Runs zu besiegen; dies war Irlands erster Sieg über diese Mannschaft. 1969 besiegte Irland in einem Spiel in Sion Mills, County Tyrone, eine westindische Mannschaft (mit Clive Lloyd und Clyde Walcott in ihren Reihen) mit neun Wickets, nachdem es sie für 25 Runs ausgebowlt hatte. Dies war bis 2003 das letzte Mal, dass Irland eine besuchende Mannschaft besiegen konnte, bevor es Simbabwe mit zehn Wickets bezwang.

Schotten und Iren wetteiferten in dem Zeitraum vor allem mit Sri Lanka um den Status als beste Nicht-Testnation. 1979 schaffte es Irland, in einem vom Regen beeinflussten Spiel Sri Lanka ein Unentschieden abzuringen, nachdem es 341 Runs für den Verlust von sieben Wickets in zwei Innings erzielt hatte, während Sri Lanka 288 für sechs in einem Innings erzielte. Irland, Schottland und die Niederlande erhielten bei Gelegenheit Einladungen für die Wettbewerbe der englischen County Clubs, einschließlich des Benson & Hedges Cup und dem Friends Provident Trophy. Da in diesem Wettbewerben keine Beschränkungen bestehen, was die Nationalität betrifft, konnten Nicht-Iren für die irische Mannschaft spielen. So traten 1997 der Südafrikaner Hansie Cronje und 2007 der Neuseeländer Jesse Ryder für Irland an.

Aufnahme in den ICC mini|Irland (in hellem grün) gegen Essex im Friends Provident Trophy 2007 in der Dubliner Castle Avenue Bis in die frühen 1990er Jahre wurde Irland (wie Schottland) von England vertreten, wodurch diese Mannschaft faktisch das gesamte Vereinigte Königreich und die Republik Irland vertrat. Der ICC nahm Irland 1993 als assoziiertes Mitglied auf, ein Jahr früher als Schottland. Dadurch bestand die Möglichkeit, an den Qualifikationen für die Cricket Weltmeisterschaft teilzunehmen. Die erste Teilnahme erfolgte 1994 bei der ICC Trophy, wobei Irland das Turnier auf dem siebten Platz beendete. Drei Jahre später erreichte das Team bei der ICC Trophy 1997 das Halbfinale, verlor jedoch das Spiel um den dritten Platz gegen Schottland und verpasste so den Cricket World Cup 1999. Bei der ICC Trophy 2001 erzielte Irland den achten Platz.

Mit der Einführung des ICC Intercontinental Cup 2004 erhielt Irland die Möglichkeit, regelmäßige First-Class-Matches zu spielen. Nachdem das Team es versäumt hatte, bei der Erstaustragung über die Gruppenphase hinaus zu kommen, gewann Irland im Oktober 2005 seinen ersten Turniertitel mit einem Sieg mit sechs Wickets gegen Kenia. Während der in Irland stattfindenden ICC Trophy 2005 – die Gruppenphase in Belfast, Nordirland, und die K.O.-Phase in Dublin, Republik Irland – erreichten die Iren das Finale, unterlagen jedoch Schottland. Mit dem Erreichen des zweiten Platzes qualifizierte sich das Team für den Cricket World Cup 2007 und der Verband erhielt vom ICC 500.000 $ für die folgenden vier Jahre, um die Entwicklung des Crickets in Irland voranzutreiben. Außerdem erhielt Irland offiziellen ODI-Status bis 2009 zuerkannt.

Sein erstes ODI bestritt Irland am 13. Juni 2006 vor 7.500 Zuschauern in Stormont gegen England. Dies war das erste Mal, dass Irland gegen eine englische Mannschaft in voller Stärke antrat. Obschon Irland das Spiel mit 38 Runs verlor, lobte der englische Kapitän Andrew Strauss das Team. Im August 2006 spielte Irland in Division One der Cricket-Europameisterschaft gegen Dänemark, Italien, die Niederlande und Schottland, wobei die Spiele gegen Niederlande und Schottland ODI-Status besaßen. Während des Turniers, und in Irlands zweitem ODI, erzielte es den ersten ODI-Sieg gegen Schottland mit 85 Runs, nachdem der „Man of the match“ Eoin Morgan 99 Runs erzielt hatte. Obwohl das Spiel gegen die Niederlande in einem No Result endete, gewann Irland die Cricket-Europameisterschaft. Irlands zweiter Titel im Intercontinental Cup folgte 2006/07. Das Finale gewann es gegen Kanada mit einem Innings und 115 Runs, das auf vier Tage aufgelegte Spiel wurde innerhalb zweier Tage abgeschlossen. Somit war Irland die erste Mannschaft, die den Intercontinental Cup erfolgreich verteidigen konnte.

2006 wurde die C&G Trophy reorganisiert und eine Gruppenphase vor der bisher alleinigen K.O.-Phase ausgespielt. Während Irland bei dem Turnier bisher nur ein Spiel garantiert war, spielte es seitdem mehr Spiele im englischen County Cricket. Irland gelang jedoch nur ein Sieg in neun Spielen. Bis zur Neustrukturierung 2009 nahm Irland am Turnier teil und absolvierte dabei insgesamt 25 Spiele, von denen es zwei gewann. Der letzte Sieg gelang gegen Worcestershire; in dem Spiel bowlte Irland Worcestershire für nur 58 Runs aus, für den Gegner das niedrigste First-Class-Ergebnis. Dies war auch das erste (und letzte) Mal, dass Irland einen County Club für weniger als 100 Runs ausbowlte. Irland erhielt die Einladung, ab 2010 am neu organisierten Turnier teilzunehmen; der Verband lehnte das Angebot jedoch ab, um sich mit seinen beschränkten finanziellen Möglichkeiten auf internationales Cricket konzentrieren zu können.

Erlangung des ODI-Status mini|links|T20I zwischen Irland und Pakistan im Londoner The Oval, 2009 mini|hochkant|Während des Spieles gegen England beim Cricket World Cup 2011 erzielte Kevin O’Brien das schnellste Century in der Turniergeschichte (innerhalb 50 Bällen) mini|links|ODI zwischen Irland und England im Malahide Cricket Club Ground nahe Dublin, 2013 mini|hochkant|Ed Joyce spielte anfangs für England und später für Irland mini|hochkant|Eoin Morgan spielte sowohl für England als auch für Irland internationales Cricket Zu Jahresbeginn 2007 hatte Irland mehr als drei Monate internationales Cricket vor sich. Erst besuchte das Team Kenia, um die Division One der World Cricket League 2007–09 auszuspielen. Nach vier knappen Niederlagen landete es auf dem fünften Platz, während Kenia die League gewann. Als Vorbereitung auf dem Cricket World Cup nahm Irland an einem Trainingslager in Südafrika teil. Irlands Performance bei ihrer ersten Teilnahme an einem World Cup überraschte viele Experten. Im ersten Spiel am 15. März spielte es gegen Simbabwe unentschieden, dank Irlands erstem Century bei diesem Turnier durch den „Man of the match“ Jeremy Bray und treffsicherem Bowling im letzten Over von Trent Johnston und Andre Botha. Im zweiten Spiel am Saint Patrick’s Day besiegte die Mannschaft Pakistan, zu dem Zeitpunkt auf dem vierten Platz der ODI-Weltrangliste, mit drei Wickets, wodurch Pakistan aus dem Turnier ausschied. Die beiden Spiele waren ausreichend, um sich für die Super 8 zu qualifizieren, was gemeinhin als Sensation galt. Im letzten Gruppenspiel unterlagen die Iren den West Indies mit acht Wickets. In der Super 8 unterlag Irland in fünf Spielen gegen England, Südafrika, Neuseeland, Australien und Sri Lanka; es gelang jedoch ein Sieg von 74 Runs über die Testnation Bangladesch, damals die neuntbeste Mannschaft der Welt, sodass insgesamt ein achter Platz herausschaute. Die irische Mannschaft wurde bei ihrer Rückkehr in Dublin von jubelnden Anhängern empfangen.