Das Kali- und Steinsalzbergwerk Conow war ein Salzbergwerk in Conow (heute Ortsteil der Gemeinde Malliß im Landkreis Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg-Vorpommern). Von 1914 bis 1926 wurden dort Stein- und Kalisalze gefördert. Bis 1914 wurde die Schachtröhre bis zu einer Tiefe (Teufe) von 594 m vorangetrieben und ab 1916 bis 1917 auf die Endteufe von 720 m fertiggestellt. Neben diesem Tagesschacht bestand das Bergwerk aus vier Haupt- und acht Teilsohlen, die durch fünf Blindschächte verbunden waren. Der aufgefahrene Gesamthohlraum betrug 434.000 m3.
Das kurz Kaliwerk Conow genannte Salzbergwerk war das erste in Deutschland überhaupt, das nach der absatzbedingten Stilllegung im Jahre 1926 aus Sicherheitsgründen mit Salzlösungen aus dem sogenannten Gipshut des Salzstockes Conow geflutet wurde. Mit der Einleitung bereits mit Salz gesättigter Lösungen sollte das untertägige Auflösen der Salzpfeiler zwischen den Abbauen minimiert werden. Einbrüche des Deckgebirges und damit verbundene Schäden an der Tagesoberfläche sollten verhindert werden. Die Schachtröhre des Bergwerks stand danach bis zur Tagesoberfläche voller salzhaltiger Wässer. Zur endgültigen Sicherung des unmittelbaren Schachtareals, das heute durch einen Nahrungsmittelbetrieb genutzt wird, bauten im Jahre 1996 Taucher in 54 m Tiefe eine stählerne wasserdichte Sperre ein. Anschließend wurde der Schacht bis dorthin gesümpft und mit einer Schachtplombe aus Stahlbeton versehen.
Geologische Verhältnisse mini|hochkant=1.2|Geognostische Karte der Umgebung von Conow (1896): Der Wanzeberg, der den Top des Salzstock Conows markiert, ist in der unteren Bildmitte als „überwehte“ Hochfläche (rötliche Farben) deutlich erkennbar.
Regionalgeologisch ist das Gebiet um Conow-Karenz als tertiärzeitliche Hochfläche im Bereich saaleeiszeitlicher Bildungen anzusprechen, die zum Teil mit jüngeren Talsanden oder Dünenbildungen überdeckt ist. Der plötzliche Geländeanstieg des auch als Wanzeberg bezeichneten Höhenzuges ist besonders nordwestlich von Karenz sichtbar und auf die Aufwölbung der präquartären Sedimentschichten über dem Top des Conower Salzstocks zurückzuführen. Die besonderen geologischen Untergrundverhältnisse am Wanzeberg waren schon sehr zeitig Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen.
mini|Ungefähre Lage des Salzstockes Conow, des Kaliwerkes und der Saline Conow mini|Geologisches Profil im Bereich der Schachtröhre Conow
Die Entwicklung des Conower Salzstockes begann bereits vor 235 bis 200 Millionen Jahren, im Keuper. Bis zur Unterkreide (145 bis 100 Mio. Jahre) bildete das Salz zunächst ein flaches Salzkissen. Infolge des hohen Gewichts des überlagernden Deckgebirges geriet das Salz aufgrund seiner Fließeigenschaften in Bewegung und durchbrach die hangenden Schichten. Diese plastische Bewegung des Salzes im Untergrund (Halokinese) führte ab der Unterkreide zur Akkumulation von Salz und Bildung eines Salzstocks. Anders als bei den meisten Salzstrukturen Mecklenburgs hielt der Salzaufstieg in Conow auch noch in geringem Umfang im Neogen (13 bis 2,6 Mio. Jahre) und Quartär an.
Der Salzstock in Conow besitzt eine annähernd ellipsenförmige Grundfläche und misst im 500-Meter-Teufenbereich etwa 21,125 km2. Die Flanken des Salzstockes sind recht unterschiedlich ausgebildet. Die flachste Flankenneigung mit etwa 20 Grad bis 900 Meter Teufe weist er nach Nordosten auf, wobei die Neigung weiter nach Nordwesten zunimmt. Der nordwestliche bis südwestliche Flankenbereich zeigt einen Flankenüberhang. Bis Südosten schließt sich eine senkrechte Flankenstellung bis etwa 500 m Teufe an, die danach auf etwa 45 Grad absinkt. Im Südfeld der Lagerstätte ist ein ostsüdost-westnordwestliches Streichen bei einem generell steilen bis überkippten Generaleinfallen der Kalisalzflöze in nordnordost-südsüdwestlicher Richtung feststellbar.
Quartäre und tertiäre Schichten bilden die rund 100 m mächtige Sedimentüberlagerung des Salzstockes. Die quartären Ablagerungen sind durchschnittlich 25–30 m mächtig und bestehen aus Wechsellagerungen von gelbem Geschiebelehm und grauen Geschiebemergel mit gelbem Sand. Am Rand des Salzstockes Conow sind Ablagerungen aus der jüngsten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, in Form von Tal- und Beckensanden zu finden, die besonders im Nordwesten und Norden von jungen Flugsanden aus dem Holozän überlagert werden. In einer Subrosionssenke am Top des Salzstocks, die sich durch Auslaugung von Gips, Anhydrit und Salzen im Untergrund gebildet hat, konnten sich größere Mächtigkeiten von eiszeitlichen Sedimenten ablagern und blieben aufgrund der tektonisch geschützten Lage in der Senke vor einer jüngeren Abtragung bewahrt.
Die Mächtigkeit der tertiären Ablagerungen im Bereich des Salzstocks schwanken zwischen 25 und 80 m. Die höchsten Tertiär-Mächtigkeiten sind dabei an den Flanken des Salzstocks zu finden. Die tertiären Schichtenfolgen werden aus paläozänen bis pliozänen Sedimenten (66 bis 2,6 Mio. Jahre) gebildet, die sich aus schwarzgrauen, glimmerhaltigen Tonen und Sanden und schwarzen, fetten Tonen, insbesondere dem Septarienton (ein blaugrauer, an Kalkseptarien reicher und manchmal auch Gips führender Ton), sowie glaukonit- und glimmerhaltigen Sande des Unter- bis Ober-Oligozäns zusammensetzen. Im Miozän sind auch dünne Lagen von Braunkohlen eingelagert, die seit 1817 am Südwesthangs des Wanzeberges Gegenstand eines lokalen Abbaus waren, der endgültig erst 1960 eingestellt wurde. Die durch Erkundungsbohrungen und durch den Bergbau erschlossenen Salze und Sulfate (Anhydrit, Gips) sind den Mittleren und Oberen Zechsteinfolgen zuzuordnen. Es konnten die folgenden Formationen des Zechsteins nachgewiesen werden: Leine-Formation: Zechstein 3, mit Tonmittelsalz, Schwadensalz, Anhydritmittelsalz, Orangensalz, Liniensalz sowie dem Hauptanhydrit. Staßfurt-Formation: Zechstein 2, mit dem Kalisalzflöz Staßfurt und dem Staßfurtsteinsalz resp. den Hartsalz-Lagern A und B sowie dem Carnallit-Lager C.
hochkant=1.2|mini|Darstellung der starken Wechsellagerung steilstehender salinarer Schichten im Kaliwerk Conow
Durch Bohrungen und das Abteufen des Schachtes wurde zunächst der stark zerklüftete Hauptanhydrit der Leine-Formation aufgeschlossen, der sich im oberen Teil zu einem Gipshut umgewandelt hat. Dieser besitzt seine Oberkante bei und fällt zu den Flanken hin stark ab. Anhydrit und Gips reichen bis zu dem über dem Salzstock bei liegenden Salzspiegel; seine Mächtigkeit beträgt durchschnittlich 110 m.
Aufgrund der in den oberen Partien von Salzstöcken latent bestehenden Einbruchsgefahr von Laugen hat man im Südfeld der 480-m-Sohle – etwa ab Blindschacht II – den überlagernde Teil des Salzstockes von der weiteren geologischen Erkundung ausgeschlossen.
Die Kalisalze treten in einer engen Wechsellagerung mit dem Jüngeren und Älteren Steinsalzes der Staßfurt-Formation auf. Die Mächtigkeit der Kalisalzlager variiert aufgrund der tektonischen Beanspruchung zwischen wenigen Zentimetern bis zu Staumassen von annähernd 55 m Mächtigkeit. Steilstehende und überkippte Lagerung sowie Stauchungen, Zerklüftung, Gas- und Laugeneinschlüsse sowie die Schichtverdoppelungen sind auf intensive tektonischen Bewegungen während des Salzaufstieges zurückzuführen und führen zu den großen Mächtigkeitsunterschieden. Die sehr wechselhafte Lagerstättenausbildung wurde mittels Vorbohrlöchern erkundet. Eines davon erreichte z. B. auf der II. Sohle am 25. Mai 1914 eine Länge von 442,75 m.
Die wichtigsten Kalisalzlager sind (vergleiche Abbildung Darstellung der starken Wechsellagerung steilstehender salinarer Schichten im Kaliwerk Conow, nebenstehend): Das Lager A besteht aus Hartsalz von durchschnittlich 13 bis 15 % K2O mit einer Mächtigkeit von 20 m; am Liegenden kommt stellenweise Langbeinit vor. Das Lager B enthält Hartsalz von durchschnittlich 13 bis 15 % K2O, nach Westen geht es allmählich in Carnallit über. Es erreicht eine Mächtigkeit von 4–10 m. Das Lager C hat Brekzienstruktur, ist 4–15 m mächtig und führt Carnallit von 9–10 % K2O. Es geht nach oben zu zwischen der 530- und 480-m-Sohle in Kainit über.
In einer Entfernung von rund 500 m südöstlich des Schachtes biegt das Lager um; es ist hier gestaucht worden und erweitert sich zu einer carnallitischen Staumasse von 55 m Mächtigkeit. Ein Carnallit-Lager setzt von der Umbiegungsstelle nach Westen rund 400 m weit in das Jüngere Steinsalz hinein. An der Umbiegungsstelle kommt reiner weißer Carnallit vor, vermutlich infolge der intensiven tektonischen Beanspruchung metamorph entstanden. Bis zu dieser Umbiegungsstelle des Lagers C steht dem gesamten südlich erschlossenen Grubenteil ein bis zu 75 m mächtiger Anhydritkeil entgegen. Dabei handelt es sich bereits um Anhydrit der Salzstockflanke (siehe Abbildung rechts). Es folgt in südlicher Richtung ein Steinsalzlager von maximal etwa 200 m Mächtigkeit. Im Anschluss daran konnte durch südliche Horizontalbohrungen das nach Südwest abgeschwenkte Carnallitlager C nachgewiesen werden. Das nördlich des Schachtes aufgeschlossene ältere Steinsalzlager enthielt schmale Einlagerungen von Kalisalzen und jüngerem, hochreinem Staßfurt-Steinsalz, das als Speise- und Gewerbesalz abgebaut wurde. Die Verarbeitung der Kalisalze erfolgte im Werk Lübtheen.
Hydrogeologische Verhältnisse Der Salzstock Conow befindet sich hydrogeologisch betrachtet in der Mecklenburg-Brandenburg-Senke, einem Senkungsbereich, der durch das Auftreten zahlreicher Salzkissen- und Salzdiapirstrukturen gekennzeichnet ist. Aufgrund der Aufwölbung der tertiären Schichten über dem Top des Salzdiapirs Conow streichen hier – als einziges Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern – tertiäre Grundwasserleiter an der Oberfläche aus. Die hydrogeologischen Verhältnisse im Bereich des Tops des Conower Salzstocks innerhalb der pleistozänen Sedimente wurden wissenschaftlich untersucht. Das Untersuchungsgebiet umfasste mit rund 7 km2 den Raum zwischen Grebs und Conow. Durch den Einbruch der Deckschichten infolge der Subrosion von Sulfatengesteinen im Bereich des Tops des Salzstockes sind engständige Störungszonen entstanden, die nach Eugen Geinitz in Verbindung mit postglazialen Bewegungen zu sehen sind. So grenzen im Bereich des Wanzeberges pleistozäne und miozäne Schichten unmittelbar aneinander.
Der Salzstock wird von Lockersedimenten überlagert, die von bindigen Zwischenlagerungen wie beispielsweise Geschiebelehm, -mergel oder Septarienton unterbrochen sind. Dadurch entstehen drei relativ mächtige Grundwasserleiter, die untereinander in Verbindung stehen. Der genaue Verlauf der Grundwasserscheide konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Nach hydrogeologischen Untersuchungen zufolge verläuft sie in der Nähe des Schachtes in ostwestlicher Richtung im Topbereich des Salzstockes.
Der Gipshut führt auf zahllosen mit Kies und Sand gefüllten Spalten und Klüften salzhaltiges Wasser. In welchem Maße ein Abfließen dieser Wässer über die Salzstockflanken hinweg stattfindet, kann nicht ausgesagt werden. Fest steht – unter anderem durch die bestehende Verbindung der Grundwässer zu den Gipshutwässern und das Vorhandensein der Solquelle südwestlich von Conow nachgewiesen – dass ein solcher Vorgang stattfinden muss, was letztlich zu einem kontinuierlichen Absinken des Salzspiegels führt.
Die bereits seit dem frühen Mittelalter nachgewiesene und mit Unterbrechungen für die Salzgewinnung genutzte, aber seit 1746 eingestellte und als versiegt gegoltene Solquelle wurde im Jahre 1975 im Rahmen von Untersuchungsarbeiten für eine bergschadenkundliche Analyse wiederentdeckt.
Aufgrund der geringen hydrogeologischen Einflüsse auf den Betriebsablauf konnte während der aktiven Betriebszeit auf eine Wasserhaltung verzichtet werden. 23 Laugenstellen wurden in der Schachtanlage Conow nachgewiesen. Durch geophysikalische Untersuchungen an einer dieser Laugenstellen konnte ein Zusammenhang zwischen den Laugen und dem oberflächennahen Grundwasser nachgewiesen werden.
Betrieb Betriebsgründung