mini|Josua Opitz; Stich von Tobias Stimmer (1539–1584) / Christoph Murer (1558–1614), Druck von 1590Derselbe Holzschnitt wird auch - wohl unzutreffend - zur Darstellung von Conrad Lycosthenes (1518–1561) verwendet; vgl. andere Bilder von beiden im „Digitalen Portraitindex“ des Bildarchivs Foto Marburg.

Josua Opitz (auch: Opitius oder Iosua Opicius) (* 1542 in Neukirchen/Pleiße in der Markgrafschaft Meißen; † in Büdingen) war ein deutscher lutherischer (flacianischer) Theologe und Pädagoge, der in Deutschland und Österreich wirkte.

Leben Kursachsen und Gera Josua Opitz wurde in Neukirchen bei Zwickau in der Markgrafschaft Meißen geboren.Josef Karl Mayr: Sieben neue Leichenpredigten. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 71 (1955), S. 70. Er muss auffallend groß gewesen sein: David Chytraeus (1530–1600) nennt in einem Brief von 1580 Wolf Christoph von Mamming († 1592) zu Nußdorf ob der Traisen „eine schlank gewachsene Person, fast über Opitz hinausreichend“„Persona procera est, Opitium fere excedens“; Epistolae, Hanau: Johann Aubrius Erben 1614, S. 414 (CERA-Edition am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg in Kooperation mit Rechenzentrum und Bibliothek der Universität Mannheim)..

Josua Opitz aus Neukirchen immatrikulierte sich im Sommersemester 1560 an der Universität Leipzig. 1562 war Josua Opitz Pfarrer in Burkhardtsdorf bei Chemnitz.Nach Michael Eichler: Eine Christliche Leichpredigt … Gehalten uber der Leiche des … Iosuae Opitij, Pfarherrs zu Büdingen. Nikolaus Heinrich d. Ä., Ursel 1585, Scan Nr. 63, stand er 1585: „seines Predigampts im 21. (Jar)“, wäre also 1564 ordiniert worden. Die Gemeindechronik von Burkhardtsdorf führt ihn – etwas ungenau – von 1558 bis 1567 als Pfarrer der Gemeinde. Am 5. März 1566 erwarb er an der Universität Wittenberg den akademischen Grad eines Magisters.Universitätsarchiv Halle (Rep. 1 Archiv der Universität Wittenberg, Tit. XXXXV. Philosophisches Dekanatsbuch (Statuten, Promotions- und Magisterverzeichnisse), Nr. 1, Bd. 2 (1554–1599), S. 202). 1566 wurde Opitz als Flacianer aus dem Kurfürstentum Sachsen ausgewiesen. 1566 bis 1570 war er Diakonus in Geraden Beitrag von „M. Iosua Opitius, Ecclesiae Geranae minister F.“ in Johann Tettelbach (Hrsg.): Das Guelden Kleinod. D.Mart. Lutheri Catechismus Jn kurtze Frage vnd antwort gefasset Vnd der liebe Jugend einfeltiglich außgelegt, 2. Auflage Frankfurt am Main: Katharina Rebart / Kilian Han 1571 (und weitere Auflagen; nicht enthalten in der Erstausgabe Regensburg: Heinrich Geißler 1568) und unterschrieb dort 1567 die gnesiolutherische, flacianisch ausgerichtete sog. „Reußisch-schönburgische Konfession“.Simon Musäus: Confessionschrifft: Etlicher Predicanten in den Herrschafften, Graitz, Geraw, Schonburg, vnd anderer hernach vnterschriebenen. Andreas Petri, Eisleben 1567 (Google-Books); vgl. Otto Meusel: Die Reussische oder Reussisch-Schönburgische Konfession von 1567. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte 14 (1899), S. 149–187.

Regensburg mini|180px|Neupfarrkirche in Regensburg 1570 wurde er Diakonus und kurz darauf als Nachfolger des ebenfalls flacianisch gesinnten Nicolaus Gallus (um 1516–1570) Superintendent in der Freien Reichsstadt Regensburg. Zu der für den Elementarunterricht bestimmten Schrift „Das Buechlein Jesu Syrachs in Gesangweiß verfast“ der Regensburger Schulmeisterin Magdalena Heymair (um 1535–nach 1586) verfasste Opitz ein Vorwort. Der Rektor des Gymnasiums poeticum Mag. Hieronymus Haubold (um 1535–1579) widmete 1572 Josua Opitz, dem Ratsherrn und Stadtkämmerer Haubold Flettacher († um 1588), dem Rechtskonsulenten Michael Pühlmeier (Pühelmair) (1531–1590)Ludwig von Rockinger: Berichte über die Untersuchung von Handschriften des sogenannten Schwabenspiegels, Teil XII. (Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wissenschaften Wien. Philosophisch-Historische Klasse 120,7). Gerold, Wien 1890, S. 35f Anm. 6 (Google-Books). und dem kaiserlichen Notar und Stadt-Syndikus Johann Linda (Tilianus) (1514–1583) eine lateinische Grammatik.Hieronymus Haubold: ΕΙΣΑΓΩΓΗ Grammaticae Philippi Melanthonis Latinae. Johannes Burger, Regensburg 1572 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). 1570 bot er dem von Ausweisung bedrohten flacianischen Greizer Superintendenten Georg Autumnus († 1598) eine Berufung in die Steiermark an.Brief von G. Autumnus an Nic. Gallus; Sonntag Quasimodogeniti (2. April) 1570 aus Greiz (Regest fälschlich: „Graz“); Stadtarchiv Regensburg (Ecclesiastica I, 27, 18); Eduard Böhl: Beiträge zur Geschichte der Reformation in Österreich. Gustav Fischer, Jena 1902, S. 86.

Nachdem Martin Chemnitz (1522–1586) im November 1573 im Auftrag von Herzog Julius von Braunschweig (1528–1589), den der Regensburger Rat darum gebeten hatte, ein GutachtenBedencken de controversia: An peccatum sit substantia vel accidens, nomine Theologorum in ducatu Brunsvicensi, gestellet auf Begehr eines Ehrb. Rahts zu Regensb. An 1573 mense Novembr, abgedruckt bei: Philipp Julius Rehtmeyer: Antiquitates ecclesiasticae inclytae urbis Brunsvigae, oder Der berühmten Stadt Braunschweig Kirchen-Historie I. … Beylagen …, Braunschweig: Christoph-Friederich Zilligers Erben 1707, S. 220–236, 1577; z. T. wörtlich aufgenommen in der Konkordienformel. über die Erbsündenlehre der dortigen Theologenauch Klare und gewaltige Zeugnusse M. Galli vnd der Regenspurgischen Confession von der Erbsünde. o. O. 1574 (Google-Books). verfasst hatte, wurde Opitz am 6. Februar 1574 zusammen mit Hieronymus Haubold und den beiden Pfarrern Mag. Hieronymus Peristerius († 1587?)Auch „Hieronymus Deubener“ aus Immensen oder Ilmenau, Prediger in Edersleben, 1566 in Regensburg, von dort 1574 als Falcianer vertrieben, 1576 in Villach, 1580 bis 1586 Rektor der Stiftsschule in Graz, von Judith Rueber zu Pixendorf 1586 als Prediger nach Grafenwörth berufen, † in Grafenwörth. und Wolfgang ViereckelAus Böhmen, zuerst im Mansfeldischen tätig, seit 1570 in Regensburg, später in Obersulz in Niederösterreich. vom Magistrat als Flacianer entlassen.Johann Linda an Bartholomäus Rosinus, 10. März 1574 aus Regensburg: Berichtet von der Suspendierung des Josua Opitius; Stadtarchiv Regensburg (Ecclesiastica I, 56, 25). Mit Peristerius überwarf sich Opitz später, als dieser 1578 seine Auffassung widerriefHieronymus Peristerius: Retractation. Gentzliche Auffhebung vnnd Verwerffung Der Anno 1574 gestelten vnd getruckten kurtzen Antwort vnd Berichts M. Hieronymii Peristerii Von der Heubtfrage des Gegenwertigen Streits von der Erbsünde. Vnd wie er sich mit der Euangelichen Kirchen vnd Gemeine des heiligen Römischen Reichs Freystadt Regenspurg christlich versönet, vnd mit derselben Bekantnus, wider die newen Manicheer, gentzlich vereiniget habe, Regensburg: Johann Burger 1578..

Im Nachgang der Angelegenheit entspann sich 1574 eine bis 1582 anhaltende literarische Auseinandersetzung zwischen dem Rat der Stadt Regensburg bzw. dem Stadtschreiber Magister Johann Eppinger († um 1596), der eine RechtfertigungsschriftBericht, Camerer und Rathes der Statt Regenspurg etzlicher, im Kirchen Ambt und Schueldienst der evangelischen Kirchen und Schulen daselbs, enturlaubter Personen halben. Darinn die gantze Geschicht und Proceß, auch Grund der Lere von der Erbsünd, in dreyen beygedruckten Censurn und irer Kirchen Bekantnus begriffen, Regensburg: Johann Burger 1574; s. Opitz' Gegenbericht im Werkverzeichnis. veröffentlichte,Stadtarchiv Regensburg (Ecclesiastica I, 29, 16; 29,17 und 29,18, S. 18157–18162; 45,32 und 45,33) Opitz und dem Regensburger Pfarrer Wolfgang Waldner († 1583/1591)Begann 1545 als Pfarrer in Steyr evangelisch zu predigen, 1548 Heirat und nach Augsburg geflohen, 1558 Prediger im Frauenkloster zu Nürnberg, als Pfarrer entlassen, 1565 Pfarrer in Regensburg.Wolfgang Waldner: Abfertigung, vnd gründliche Widerlegung des vngegründten Gegenberichts M. Josue Opitij, so er von der Erbsünde, seiner enturlaubung, vnd etlichen Special hendeln, wider eines Erbarn Camerer vnd Raths der Stadt Regenspurg warhafften Bericht, am ende des 1578. Jars, hat meuchelisch in Druck außgehen lassen, Regensburg: Johann Burger 1580 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)., der Opitz' Verteidigungsschrift zu widerlegen versuchte.

Wien Am 13. April 1574 erhielt Opitz das Berufungsschreiben zum Prediger des Herren- und des Ritterstandes im niederösterreichischen Landhaus in Wien. Seine Predigten hatten großen Zulauf; angeblich kamen manchmal über 8.000 Menschen zu ihm ins Landhaus.Brief von Johannes Posthius an Joachim Camerarius vom 20. September 1577 aus Wien; Klaus Karrer: Johannes Posthius. Verzeichnis der Briefe und Werke mit Regesten und Posthius-Biographie. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1993, S. 189 (Google-Books). Kaiser Maximilian II. riet jedoch den Ständen, anstelle des „friedhässigen und hadrigen“ Opitz einen anderen Prediger zu wählen.Erlass vom 30. April 1575 aus Prag; Niederösterreichisches Landesarchiv (B. 3. 26).Vgl. Karl Ritter von Otto: Geschichte der Reformation im Erzherzogthum Oesterreich unter Kaiser Maximilian II. (1564–1576). In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Oesterreich 10 (1889), S. 160, bes. S. 59 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1575 fand zur Beilegung des Streits in Horn ein ergebnisloses Kolloquium statt mit den Flacianern Opitz, Lorenz Becher (* 1546; † nach 1584)Aus Pößneck (Besnik) in der Markgrafschaft Meißen, Studium in Wittenberg und Leipzig, Schulmeister in Waldenburg, 1568 Diakonus in Altenburg, 1574 Prediger (Diakon) in Wien, 1576 Pfarrer in Horn, flacianisch gesinnt, 1584 abgesetzt, † nach 1584. und Johann Friedrich Coelestin († 1578) aus Stein auf der einen, Mag. Jakob Heilbrunner (1548–1618) auf der anderen Seite; 1577 übernahm Coelestin eine Pfarrstelle in Wien. Kollege von Opitz in Wien war zunächst Becher, der jedoch 1576 als Pfarrer nach Horn wechselte. Durch Vermittlung von Opitz kam 1576 Rupert Artzhofer (1544; † nach 1581)Aus Feldkirchen in Kärnten, besuchte die Lateinschulen in Troppau und Iglau, 1570 in Gurk ordiniert, Diaconus in Villach, in Seeboden zum Protestantismus übergetreten, 1581 in Arbesthal, Flacianer. als Pfarrer zu Freiherr Sigmund von Landau (1543–1607) nach Dürnkrut und Ebenthal.Oskar Sakrausky: Der Flacianismus in Oberkärnten. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 76 (1960), S. 83–109, bes. S. 104. mini|links|150px|Renaissanceportal des Niederösterreichischen Landhauses in Wien, 1571