Die Metro Warschau () ist das U-Bahn-System der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Metro bildet zusammen mit der Straßenbahn und den städtischen Buslinien den öffentlichen Nahverkehr der Stadt. Sie wurde 1995 eröffnet, wird vom Verkehrsunternehmen Metro Warszawskie Sp. z o.o. ( für Warschauer Metro GmbH) betrieben und besteht aus zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 41,3 Kilometern und 39 Stationen.

Streckennetz Linien und Betrieb Derzeit gibt es in Warschau zwei vollständig in Tunneln verlaufende U-Bahn-Linien: M1 und M2.Verkehrsverbund ZTM: Fahrpläne der Metro x15px|link=Metro Warschau Kabaty – Młociny Die seit 2015 so bezeichnete Linie M1 ist die erste Linie der Warschauer Metro mit 23,1 km Länge und 21 Stationen (vom Süden beginnend): Kabaty – Natolin – Imielin – Stokłosy – Ursynów – Służew – Wilanowska – Wierzbno – Racławicka – Pole Mokotowskie – Politechnika (Technische Hochschule) – Centrum (Stadtmitte) – Świętokrzyska – Ratusz Arsenał (Rathaus Zeughaus) – Dworzec Gdański (Danziger Bahnhof) – Plac Wilsona – Marymont – Słodowiec – Stare Bielany – Wawrzyszew – Młociny. Sie verbindet die südlichen Stadtbezirke der linken Weichselseite Ursynów und Mokotów über die Innenstadt mit den nördlich gelegenen Bezirken Żoliborz und Bielany.

Die Züge der ersten U-Bahn-Linie Warschaus fahren montags bis donnerstags und sonntags zwischen 5 und 24 Uhr. Freitags und samstags verkehrt die Warschauer Metro zwischen 5 und 3 Uhr. In den Hauptverkehrszeiten wird im 2½- bis 3-Minuten-Takt, in der Nebenverkehrszeit im 6- bis 10-Minuten-Takt und ab 0 Uhr im 15-Minuten-Takt gefahren. Es werden im Durchschnitt etwa 280.000 bis 500.000 Fahrgäste pro Tag befördert.

x15px|link=Metro Warschau Bemowo – Bródno Die Linie M2 mit ca. 19 km Länge und 18 Stationen (vom Westen beginnend): Bemowo – Ulrychów – Księcia Janusza – Młynów – Płocka – Rondo Daszyńskiego – Rondo ONZ (UNO-Kreisel) – Świętokrzyska – Nowy Świat-Uniwersytet (Universität) – Centrum Nauki Kopernik (Wissenschaftszentrum Kopernikus) – Stadion Narodowy (Nationalstadion) – Dworzec Wileński (Wilnaer Bahnhof) – Szwedzka – Targówek Mieszkaniowy – Trocka – Zacisze – Kondratowicza – Bródno unterquert die Weichsel. Sie verläuft vom westlichen Bezirk Bemowo über Wola und die Innenstadt zu den Bezirken Praga-Północ und Targówek, die am rechten Flussufer gelegen sind.

Die zweite Linie verkehrt montags bis donnerstags und sonntags zwischen 5 und 0:40 Uhr, freitags und samstags bis 3 Uhr, in den Hauptverkehrszeiten alle 3 Minuten, in der Nebenverkehrszeit alle 5 bis 8 Minuten und ab 0 Uhr alle 15 Minuten.

Tarifverbund Die Metro Warschau ist Bestandteil des vielfältigen öffentlichen Nahverkehrs Warschaus. Neben der Metro gehören dazu auch die 1866 eröffnete Straßenbahn sowie ein weit verzweigtes Busnetz. Mehr regionale als lokale Aufgaben übernimmt die 1925 eröffnete Lokalbahn WKD wie auch die Vorortzüge der regionalen Bahngesellschaft Koleje Mazowieckie. Es besteht ein Tarifverbund (wspólny bilet) zwischen den städtischen und regionalen Verkehrsmitteln innerhalb der Stadt sowie in der Umlandzone.

Schüler Warschauer Grundschulen (in Polen bis zur 8. Klasse gehend) sowie Senioren ab 70 Jahren können die Metro Warschau sowie den restlichen ÖPNV der Stadt kostenfrei benutzen. Fahrgastzahlen mini|400px|Anzahl der Fahrgäste (dunkel) und Stationen (hell)

Die Warschauer Metro hat in ihrem Bestehen seit 1995 insgesamt mehr als 600 Millionen Fahrgäste befördert; bisher stiegen die Fahrgastzahlen in den letzten Jahren stetig an. Besonders durch die Verlängerung der Metro und der Erschließung des Stadtzentrums durch jene benutzen immer mehr Warschauer Einwohner den öffentlichen Nahverkehr. Während 2003 noch 76 Millionen Fahrgäste die Metro benutzten, waren es 2004 schon 80,9 und 2005 – nach der Eröffnung des Bahnhofes Plac Wilsona – bereits 93,4 Millionen Fahrgäste. Mit einem weiter konstanten Anstieg der Fahrgastzahlen wird beim Vollausbau der Linie 1 und dem Bau der Linie 2 gerechnet. (PDF; 6,2 MB)

An der Spitze der meistbenutzten Bahnhöfe steht der Bahnhof Centrum, den im Jahr 2005 13,25 Millionen Fahrgäste benutzten; der U-Bahnhof liegt direkt, wie seinem Namen nach zu erkennen, im Zentrum der polnischen Hauptstadt, in der Nähe befindet sich außerdem der Warschauer Zentralbahnhof. Ebenso gut frequentiert ist der U-Bahnhof Ratusz Arsenał mit 8,41 Millionen Fahrgästen im Jahr 2005, ebenfalls in innerstädtischer Lage, zudem befindet sich – gleichermaßen dem Namen zu entnehmen – das Warschauer Rathaus. Ebenso gehört noch der Bahnhof Politechnika dazu, diesen benutzten 2005 8,45 Millionen Fahrgäste. Die Bahnhöfe, die, verglichen mit den meistbesuchten Stationen, nur wenige Benutzer haben, sind Racławicka (3,60 Mio.), Ursynów (3,72 Mio.) und Wierzbno (3,77 Mio.).

Architektur Alle U-Bahnhöfe sind mit jeweils mindestens zwei Aufzügen ausgestattet und haben, bis auf die Ausnahmen Centrum und die vier nördlichsten Stationen der Linie M1 Słodowiec, Stare Bielany, Wawrzyszew und Młociny, alle Mittelbahnsteige. Die Bahnsteige sind 120 Meter lang (Bahnsteig der Linie M2 des Bahnhofs Świętokrzyska sogar 127 m) und damit für Sechs-Wagen-Züge ausgelegt. Die Bahnsteigbreite beträgt, je nach Bedeutung der Station, zwischen 10 und 15 Metern. Zwei Bahnhöfe verfügen über je zwei Mittelbahnsteige und vier Gleise: Świętokrzyska besteht aus zwei L-förmig angeordneten Bahnsteigen für die beiden bestehenden Linien, während sich am Stadion Narodowy parallel angeordnet der Bahnsteig der Linie M2 und ein weiterer als Bauvorleistung für die geplante dritte Linie befinden.

Im Vorfeld der Metroeröffnung, in den Jahren 1982 bis 1985, entwarfen die Architekten Jasna Strzałkowska-Ryszka, Lech Kłosiewicz, Andrzej Pańkowski und Jerzy Blancard ein Konzept für die erste polnische U-Bahn. Ihrem Prinzip zufolge besteht ein U-Bahnhof aus dem öffentlichen Teil, dem Bahnhofsbereich und dem nichtöffentlichen Teil. Der öffentliche Teil ist der unter anderem als Fußgängerunterführung genutzte Bereich, welcher immer und ohne Kosten betreten werden kann. Der Bahnhofsbereich wiederum ist nur während der Öffnungszeiten der Metro zugänglich. Dort halten sich die Fahrgäste auf und dort befinden sich die Bahnsteige. Der nichtöffentliche Teil ist nur für die Mitarbeiter zugänglich und besteht aus technischen Anlagen. Jeder Bereich ist durch visuelle Barrieren, teils Glas, teils Stahl, voneinander getrennt.

mini|U-Bahnhof Świętokrzyska, oberer Bahnsteig (Linie M1); Im Hintergrund sind die grünen Stationswände, die sich am Farbkonzept der polnischen Architektengruppe orientieren, zu sehen mini|U-Bahnhof Świętokrzyska, unterer Bahnsteig (Linie M2) mit der von Wojciech Fangor entworfenen Wandgestaltung

Derweil entwarf die Architektengruppe auch ein Farbkonzept, das sich an den von der Metro tangierenden (damaligen) Stadtbezirken orientiert. So durchfährt die M1 im südlichen Bereich vornehmlich den Bezirk Mokotów, dessen Bahnhöfe die Kennfarbe Braun tragen; darauf folgt der damalige Bezirk Centrum, heute Śródmieście (polnisch Innenstadt), in dessen Stationen die Farbe Grün dominieren soll; im Norden, im Bezirk Bielany, sollen die Bahnhöfe durch die Farbe Blau gekennzeichnet sein.

Des Weiteren stellte die Architektengruppe zusätzliche, allgemein geltende Design- und Gestaltungsregeln für die Bahnhöfe auf. Dazu gehören hell erleuchte Bahnsteige, im Gegensatz zu den abgedunkelten Gleisen wie auch eine offene und freundliche Innengestaltung durch klar sichtbare Decken. Als die drei Grundfarben des Corporate Designs der Warschauer U-Bahn wurden Blau, das auch als Linienfarbe genutzt wird, sowie Rot und Weiß, die beiden Farben der polnischen Nationalflagge, festgelegt. Diese drei Farben werden durchgehend in allen der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen genutzt.

Während der nördlichen Erweiterung der ersten Linie (M1) am Anfang des 21. Jahrhunderts kehrte man vom ursprünglichen Konzept ab und die neuen U-Bahnhöfe erhielten ein individuelles Design. Die 2003 eröffnete Haltestelle Dworzec Gdański wurde von Stefan Kuryłowicz entworfen.APA Kuryłowicz & Associates:Stacja Metra – Dworzec Gdański Die Haltestelle Plac Wilsona, für die Andrzej Chołdzyński federführend verantwortlich war, wurde im April 2008 von der MetroRail zur schönsten Haltestelle der Welt gewählt. Der gleiche Architekt hat in Zusammenarbeit mit Wojciech Fangor auch alle sieben Bahnhöfe des ersten Abschnittes der zweiten Linie (M2) gestaltet. Die Planung für die Bahnhöfe Ratusz Arsenał, Marymont, Słodowiec und Bielany auf der Linie M1 wurde vom Architekturbüro AiB erstellt.AiB: Infrastruktura transportowa

Geschichte mini|links|Erste Pläne für den Bau einer Metro in den 1920er Jahren

Erste Pläne und gescheiterte Versuche Schon in den 1920er Jahren wurde in Warschau mit dem Bau einer U-Bahn begonnen, mehrere Studien wurden dazu in den Jahren 1925, 1927 und 1938 unternommen. Durch den Zweiten Weltkrieg geriet der Bau jedoch ins Stocken und wurde aufgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss die Stadtverwaltung erneut den Bau der U-Bahn, erste Probebohrungen wurden 1951 getätigt. 1953 ließ die Stadtverwaltung außerdem einen 800 Meter langen sehr tief gelegenen Tunnel ausheben, wegen wirtschaftlicher wie auch geologischer Schwierigkeiten des Warschauer Untergrundes (Sandböden und trockengelegte Sümpfe mit hohem Grundwasserstand) wurde das Projekt wieder ruhen gelassen. Das Tunnelbauwerk verbleibt ungenutzt.Urbanowicz, Witold: Historia warszawskiego metra (polnisch).

Bau der ersten Linie 1962 ließ die Warschauer Stadtverwaltung das U-Bahn-Projekt neu auflegen und komplett neu planen. Zunächst sollte eine Nord-Süd-Strecke entstehen, diesmal in flach geführten Tunneln. Jedoch erst zwanzig Jahre später, im Dezember 1982, entschied die polnische Regierung mit dem Dekret Nr. 266/82, die Bauarbeiten wieder aufzunehmen. Dabei wurde ein Vertrag mit der Sowjetunion geschlossen, der vor allem die technische Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten regeln sollte. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten – sie begannen am 15. April 1983 – hatte auch einige Umplanungen des zukünftigen U-Bahn-Netzes zur Folge. Die wirtschaftliche Lage Polens verschlechterte sich jedoch in den 1980er Jahren, sodass die Arbeiten sich verzögerten. Aufgrund finanzieller Probleme wurde 1989 entschieden, vorerst auf die Stationen Pl. Konstytucji und Muranów zu verzichten.

So konnte erst Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion, am 7. April 1995, der Betrieb der ersten polnischen U-Bahn zwischen den Stationen Kabaty und Politechnika feierlich in Betrieb genommen werden. Die erste, 11½ Kilometer lange, komplett im Tunnel verlaufende Strecke führte dabei vom Süden der Stadt in Richtung Zentrum. Bis auf die letzten wenige hundert Meter am damaligen nördlichen Ende wurden die Bauarbeiten komplett in offener Bauweise erstellt, wodurch die Straßenzüge al. Niepodległości und al. Komisji Edukacji Narodowej mehrere Jahre für den Stadtverkehr gesperrt waren. Die nachfolgenden Abschnitte unterhalb der Warschauer Innenstadt wurden fortan bergmännisch im Handschildvortrieb erbaut. Drei Jahre später, am 26. Mai 1998, wurde ein weiteres Stück, der 1½ Kilometer lange U-Bahn-Tunnel von Politechnika bis Centrum, in Betrieb genommen, dabei wurde mit der Station Centrum auch der Warschauer Zentralbahnhof angeschlossen. Zwischen diesen Stationen ist die Station Plac Konstytucji geplant, die als Umsteigebahnhof für eine geplante U-Bahn-Linie 3 fungieren soll.