mini|Orte von Atomwaffentests in Australien
Die Antiatombewegung in Australien kann auf eine lange Entwicklung zurückblicken. Die Nuklearwaffentests, der Uranbergbau und -export Australiens und die zahlreichen Zwischenfälle bei der Nutzung von Kernenergie waren häufig Gegenstand öffentlicher Debatten in Australien. Die Wurzeln dieser Anti-Atom-Bewegung liegen in der Auseinandersetzung über die französischen Kernwaffentests im Pazifik in den Jahren von 1972 bis 1973 und in der Debatte von 1976 bis 1977 über den Uranabbau in Australien. Green Left Online: Jason Koutsoukis: Rudd romps to historic win. The Age, 25. November 2007. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
Einige umweltpolitische Gruppen gründeten sich Mitte der 1970er Jahre nach den atomaren Zwischenfällen in Kernkraftwerken, wie die Movement Against Uranium Mining und Campaign Against Nuclear Energy (CANE), die mit anderen Umweltschutzgruppen kooperierten, wie beispielsweise mit den Friends of the Earth Australia und die Australian Conservation Foundation.Roy McLeod: Resistance to Nuclear Technology: Optimists, Opportunists and Opposition in Australian Nuclear History. In: Martin Bauer (Hrsg.) Resistance to New Technology. Cambridge University Press, 1995, S. 171–173. Ein Wiederaufleben dieser Bewegung entwickelte sich im Jahr 1983, als die neugewählte Labor-Regierung den Uranabbau – entgegen ihren früheren Versprechungen – nicht stoppte.Strategy against nuclear power. Friends of the Earth (Canberra), Januar 1984. Als in den späten 1980er Jahren der Preis für Uran fiel und die Kosten für die Atomenergie anstiegen, schien es so, als wäre die Antiatomkraftbewegung erfolgreich gewesen, sodass sich die Organisation CANE 1988 selbst auflöste.Roy McLeod: Resistance to Nuclear Technology: Optimists, Opportunists and Opposition in Australian Nuclear History. In: Martin Bauer (Hrsg.) Resistance to New Technology. Cambridge University Press, 1995, S. 175–177.
Als die Befürworter der Nutzung atomarer Energie erklärten, dass diese Nutzung einen Teil zur Lösung des Problems der Globalen Erwärmung beitragen könne, zeigte die australische Regierung erneut Interesse an Kernenergie. Gegner und einige Wissenschaftler Australiens wiesen darauf hin, dass Kernenergie in Australien keinesfalls die in ausreichendem Umfang vorhandenen Energiequellen ersetzen kann und dass der Uranabbau selbst eine bedeutende Quelle von Treibhausgasen ist.
Australien betreibt bis heute (2024) kein Kernkraftwerk und baute bislang keine Atomwaffen. Der letzte gescheiterte Versuch, ein Kernkraftwerk – das Kernkraftwerk Jervis Bay – zu bauen, fand im Jahr 1970 statt.
In Australien wird derzeit Uran abgebaut, in den Bergwerken Olympic Dam, Beverley – beide im Norden von South Australia, und in der Ranger-Uran-Mine im Northern Territory. Im April 2009 begann die Erschließung der Honeymoon-Uran-Mine, einer weiteren Uranmine, die sich in South Australia befindet.Work begins on Honeymoon uranium mine. ABC News, 24. April 2009. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
Australien betrieb seit 1958 einen Forschungsreaktor vom Typ HITAR und betreibt ab 2007 einen Forschungsreaktor, den Leichtwasserreaktor Open Pool Australian Lightwater Reactor (OPAL) in Lucas Heights, einem Stadtteil von Sydney.
Der seit 2022 regierende Premierminister Anthony Albanese der Australian Labor Party sprach sich dafür aus, dass der seit 1999 herrschende „nuclear ban“ („nukleare Bann“) Australiens aufgehoben werden soll, um bis 2050 den CO2-Ausstoss Australiens auf Null zu senken. Für die Aussage wurde er von national und internationalen Atomkraftgegnern heftig kritisiert. Die vorgegebene CO2-Reduktion bis 2030 für Australien hält er für nicht realisierbar.Albanese urged to end Australia nuclear 'ban' to hit net-zero goal, englisch, vom 8. Dezember 2023. In: Nikkei-Asia
Geschichte 1950er und 1960er Jahre mini|links|Die älteste australische Uranium-Mine Radium Hill, 1954.
1952 eröffnete die australische Regierung die Rum-Jungle-Uran-Mine, die 85 km südlich von Darwin liegt, die angestammten Aborigines wurden nicht konsultiert und das Minengelände entwickelte sich zu einem ökologischen Debakel. Im Jahr 1952 verabschiedete die konservative Regierung von Robert Menzies, die von der Liberal Party geführt wurde, den Defence (Special Undertakings) Act 1952, der es der Regierung von Großbritannien erlaubte, in entlegenen Gebieten Australiens oberirdische Atomwaffentests durchzuführen. Der erste Atomwaffentest in Australien fand am 15. Oktober 1953 in der Woomera Prohibited Area statt. Weitere Tests wurden in Maralinga auf den Emu Fields in South Australia zwischen den Jahren 1955 und 1963 durchgeführt. Die Wahrheit über die rechtlichen und politischen Auswirkungen sowie die Folgen für die Umwelt und für die Aborigines im Gebiet dieser Testprogramme, kristallisierten sich erst im Verlauf der Zeit heraus. Die Geheimhaltung des britischen Atomtestprogramms und die Abgelegenheit der Testgelände zogen es nach sich, dass das öffentliche Bewusstsein in Australien über die Risiken sehr langsam wuchs. A toxic legacy: British nuclear weapons testing in Australia. Australische Regierung. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
Als die Bewegung Ban the Bomb (deutsch: „Verbannt die Bombe“) in den westlichen Gesellschaften während der 1950er Jahre entstand, wuchs auch der australische Widerstand gegen die britischen Atomwaffentests an. Eine Meinungsumfrage, die 1957 durchgeführt wurde, zeigte, dass 49 % der australischen Öffentlichkeit gegen diese Tests und nur 39 % dafür waren. 1964 fanden Friedensmärsche mit den Plakaten „Ban the Bomb“ in verschiedenen großen Städten Australiens statt.Women with Ban the Bomb banner during Peace march on Sunday 5 April 1964, Brisbane, Australia. Abgerufen am 15. Dezember 2010.Girl with placard Ban nuclear tests during Peace march on Sunday 5. April 1964, Brisbane, Australia. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
1969 wurde die erste australische Kernkraftanlage mit einer Leistung von 500 Megawatt geplant: Das Kernkraftwerk Jervis Bay, auf dem Jervis Bay Territory 200 km südlich von Sydney. Eine lokale Oppositionskampagne bildete sich und das South Coast Trades and Labour Council, das Arbeiter in der Region organisiert, erklärte, dass es sich weigern würde am Reaktorbau mitzuwirken.Jim Falk Global Fission: The Battle Over Nuclear Power. 1982, S. 260. Umweltstudien und weitere Vorarbeiten über das Gebiet waren fertig gestellt, zwei Angebotseröffnungen erfolgt, die Ausschreibungsunterlagen geprüft und erste Fundamentierungsarbeiten waren abgeschlossen, jedoch entschied sich die australische Regierung 1971, das Projekt aus verschiedenen Überlegungen nicht weiter zu verfolgen, vor allem aus ökonomischen Gründen.Gorton gave nod to nuclear power plant. The Age, 1. Januar 2000.
1970er Jahre mini|Ranger-Uran-Mine am Kakadu-Nationalpark mini|Luftaufnahme der Mine Ranger 3, die in der Umgebung des Kakadu-Nationalparks liegt.
Die politische Auseinandersetzung über die Atombombentests von 1972 bis 1973 Frankreichs im Pazifik mobilisierte einige australische Gruppen und Gewerkschaften. 1972 wurde der International Court of Justice von Australien und Neuseeland wegen der Atomwaffentests Frankreichs auf dem Atoll von Mururoa angerufen.Kate Dewes, Robert Green: (PDF; 2,1 MB). The Raven Press, 1999, S. 11–15. 1974 und 1975 geriet der Uranabbau in Australien in die politische Auseinandersetzung und lokale Gruppen der Friends of the Earth Australia gründeten sich. Die Australian Conservation Foundation begann auch wieder damit, sich zum Uranabbau zu äußern und unterstützte die Aktivisten der Graswurzelbewegung. Die Auswirkungen des Uranabbaus auf die Umwelt und das schlechte Abfall-Management der ersten Uranmine Rum Jungle führten zu umfangreichen Umweltdiskussionen in den 1970er Jahren. Die australische Antiatomkraftbewegung erhielt weitere Dynamik durch Äußerungen verschiedener Persönlichkeiten zur nuklearen Option, wie beispielsweise die Atomwissenschaftler Richard Temple und Rob Robotham sowie die Schriftstellerinnen Dorothy Green und Judith Wright.Brian Martin: . In: Alternatives: Perspectives on Society and Environment, Volume 10, Number 4, 1982, S. 26–35. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
Aufgrund eines Berichts von Russell Fox in den Jahren 1976 und 1977 geriet der Uranabbau in den Mittelpunkt öffentlicher politischer Auseinandersetzungen.Martin Bauer (Hrsg.): Resistance to New Technology, Cambridge University Press, 1995, S. 173. Einige Umweltschutzgruppen bildeten sich aufgrund von Zwischenfällen in Atomkraftwerken, wie auch die Movement Against Uranium Mining, die 1976 gegründet wurde, als die Campaign Against Nuclear Energy 1976 in South Australia stattfand. Diese Gruppen kooperierten auch mit anderen Umweltschutzgruppen wie den Friends of the Earth Australia und der Australian Conservation Foundation.Drew Hutton, Libby Connors: A History of the Australian Environmental Movement, Cambridge University Press, 1999.
Im November und Dezember 1976 marschierten 7.000 Menschen durch australische Städte und protestierten gegen den Uranabbau. Im April 1977 fand die erste nationale Demonstration statt, die von der Organisation Uranium Moratorium koordiniert wurde, und die in Melbourne etwa 15.000 Demonstranten, in Sydney 5.000 und weitere Personen in anderen australischen Städten auf die Straße brachte.Jim Falk: Global Fission:The Battle Over Nuclear Power. 1982, S. 264–265. In einer bedeutenden nationalen Unterschriftensammlung konnten über 250.000 Unterschriften für ein 5-Jahres-Moratorium gesammelt werden. Im August desselben Jahres demonstrierten 50.000 Personen landesweit und die Opposition zum Uranabbau entwickelte politische Stärke.Alice Cawte: Atomic Australia 1944-1990, New South Wales University Press, 1992, S. 156.
Als im Jahr 1977 die Australian Labor Party (ALP) auf einer Nationalkonferenz ein infinitives Moratorium zum Uranabbau favorisierte, entschloss sich die Anti-AKW-Bewegung die ALP bei der kommenden Wahl zu unterstützen. Jedoch kam es zu einem Rückschlag als sich eine weitere ALP-Konferenz für eine „one mine policy“ (deutsch: „Eine-Mine-Politik“) entschied und als die ALP die Wahl 1983 gewann, votierte eine weitere ALP-Konferenz für eine „three mines policy“ (deutsch: „Drei-Minen-Politik“). Diese Entscheidung zog den Erhalt der drei damals betriebenen Uranminen Nabarlek-Uran-Mine, Ranger-Uran-Mine und Olympic Dam nach sich. Dies bedeutete auch den Fortbestand der existierenden Bergbau-Verträge, allerdings war eine Eröffnung neuer Uranminen ausgeschlossen.Chris Evans: Labor & uranium: an evolution. Labor E-herald. 23. März 2007.
1980er und 1990er Jahre Zwischen 1979 und 1984 wurde der Kakadu-Nationalpark, der an der Ranger-Uranmine liegt und eine der wenigen australischen Stätten im Rang eines UNESCO-Weltnatur- und -Weltkulturerbes ist, größtenteils erschlossen. Der Widerspruch zwischen Natur- und Kulturinteressen und Uranabbau führten zu langanhaltenden Spannungen in diesem Gebiet. Diese Auseinandersetzungen führte am Hiroshima-Tag 1980 zu einem Demonstrationsmarsch in Sydney, unterstützt von Movement Against Uranium Mining (MAUM), wo „Keep uranium in the ground“ (deutsch: „Lasst das Uran im Boden“) und „No to nuclear war“ (deutsch: „Nein“ zum Atomkrieg) gefordert wurde. Später im Jahr erklärte die Stadtverordnetenversammlung Sydney in einer übergreifenden Aktion diese Stadt offiziell zur Atomwaffenfreien Zone, zahlreiche weitere Kommunalversammlungen in Australien schlossen sich dieser Kampagne an.
In den 1980er Jahren kritisierten Akademiker, wie Jim Falk, die „deadly connection“ (deutsch: „tödliche Verbindung“) zwischen Uranabbau, atomaren Reaktoren und Atomwaffen und bezeichneten die australische Atompolitik als die Verbindung von „Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen“ mit der „Plutonium-Ökonomie“.