Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) ist eine politikwissenschaftliche Fachvereinigung.

Geschichte Die DGfP wurde am 23. Februar 1983 von dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) Manfred Hättich sowie den Politologen Werner Link, Dieter Oberndörfer, Alexander Schwan, Hans-Peter Schwarz, Klaus Kröger, Hella Mandt, Karl Schmitt, dem Soziologen Theodor Hanf und dem Juristen Hermann Avenarius gegründet.Vgl. Bartels: Eine Disziplin – zwei Fachgesellschaften!?, S. 450 f. Anlass für die Gründung war die Spaltung in der DVPW, vor allem über die Frage der Mitgliederkonzeption einer wissenschaftlichen Vereinigung und das Selbstverständnis des Faches, die sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden pragmatischen, policy-orientierten und Diversifizierung der Politikwissenschaft zuspitzte.Wilhelm Bleek: Geschichte der Politikwissenschaft in Deutschland, München 2001, ISBN 3-406-47173-0, S. 363. Während die DVPW grundsätzlich allen Absolventen offenstand und in den 1970er Jahren auch überlegte, Studenten aufzunehmen, beschränkte sich die DGfP auf Hochschullehrer und Promovierte. Unter dem Vorsitz von Christoph Strünck öffnete sich die Fachgesellschaft 2026 schließlich auch für nicht promovierte Wissenschaftler. Gründungsvorsitzender war Werner LinkBeate Neuss: Werner Link. In: Eckhard Jesse, Sebastian Liebold (Hrsg.): Deutsche Politikwissenschaftler – Werk und Wirkung. Von Abendroth bis Zellenthin, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8329-7647-7, S. 505., der auch als Herausgeber der ersten Veröffentlichung der neuen Vereinigung fungierteWerner Link (Hrsg.): Die neueren Entwicklungen des Ost-West-Konflikts. Konstanten und Veränderungen, Köln u. a. 1984, ISBN 3-452-20230-5 (= Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP), Heft 1). .

Die DGfP entstand vor dem Hintergrund disziplinärer Fragmentierung als eher wissenschaftskulturell konservativer Versuch, durch institutionelle Neuformierung Homogenität, Paradigmenklarheit und professionellen Zusammenhalt zu stärken. Aufgrund der Gegensätze in den 1970er-Jahren fanden sich in der DGfP vorwiegend Politikwissenschaftler mit einer konservativen bis rechtsliberalen Grundorientierung, während die DVPW stärker von linksliberalen und sozialdemokratischen Positionen geprägt war. Ein Rechts-Links-Schema oder die Einteilung konservativ versus fortschrittlich bildet die Realität des Fachverbandes dabei aber nur unzureichend ab. Die vormals scharfen Trennlinien sind inzwischen weitgehend überwunden, was sich daran zeigt, dass zahlreiche Hochschullehrer der Politikwissenschaft heute beiden Vereinigungen angehören und dort auch aktiv Verantwortung übernehmen. Die Gegensätze der Anfangsjahre wurden u. a. durch die aktive Vorstandsarbeit von Ernst-Otto Czempiel, Jürgen Gebhardt und Gesine Schwan minimiert. Die einst ideologische Trennung zwischen DVPW und DGfP hat im Zeitverlauf deutlich an Bedeutung verloren, sodass sich beide Fachverbände inhaltlich und institutionell stärker aufeinander zubewegt haben, wobei eine Doppelmitgliedschaft stets möglich war.

Derzeit gehören der Gesellschaft über 200 Mitglieder an, u. a. Politikwissenschaftler, Staatsrechtler, Soziologen und Historiker sowie Vertreter weiterer verwandter Disziplinen. Fördermitglieder sind der Verlag C.H.Beck, der Nomos Verlag, Springer VS, die Peter-Lang-Verlagsgruppe und der Fachinformationsdienst (FID) Politikwissenschaft – Pollux.

Gemeinsam mit der Stiftung Wissenschaft und Demokratie vergibt die DGfP den Preis „Das politikwissenschaftliche Buch“. 2022 wurde Oliver Eberl mit seinem Werk Naturzustand und Barbarei. Begründung und Kritik staatlicher Ordnung im Zeichen des Kolonialismus die Auszeichnung zugesprochen. „Das politikwissenschaftliche Buch“ 2024 erhielt Lukas Haffert für sein Werk Stadt, Land, Frust – Eine politische Vermessung.

Vorsitzende 1983: Werner Link, Gründungsvorsitzender 1983–1985: Manfred Hättich 1985–1987: Gesine Schwan 1987–1989: Peter Haungs 1989–1991: Erhard Forndran 1991–1993: Hartmut Jäckel 1993–1995: Adolf Kimmel 1995–1997: Karl Rohe 1997–1999: Klaus Dicke 1999–2001: Karl Schmitt 2001–2003: Hans Vorländer 2004–2005: Eberhard Sandschneider 2005–2007: Nikolaus Werz 2007–2009: Eckhard Jesse 2009–2011: Christopher Daase 2011–2013: Marianne Kneuer 2013–2015: Karl-Rudolf Korte 2015–2017: Carlo Masala 2017–2019: Manuel Fröhlich 2019–2021: Florian Grotz 2021–2023: Andrea Gawrich 2023–2025: Uwe Wagschal seit 2025: Christoph Strünck

Jahrestagungen Im Zentrum der Aktivitäten der DGfP steht die Jahrestagung. Themen in den vergangenen Jahren waren: 1983 „Ost-West-Konflikt“ 1996 „Demokratie und Politik in der Informationsgesellschaft“ 1997 „Integrationskraft der Politik“ 1998 „Politik des Entscheidens“ 1999 „Der demokratische Verfassungsstaat in Deutschland“ 2000 „Raum und Politik“ 2001 „Herausforderungen der repräsentativen Demokratie“ 2002 „Gewalt und die Suche nach weltpolitischer Ordnung“ 2003 „Politische Reform in der Demokratie“ 2004 „Empire“ 2005 „Neues Deutschland. Eine Bilanz der deutschen Wiedervereinigung“ 2006 „Demografischer Wandel: Politische und gesellschaftliche Implikationen“ 2007 „Sicherheit“ 2008 „1989 und die Perspektiven der Demokratie“ 2009 „Renaissance des Staates?“ 2010 „Die Einheit der Politikwissenschaft“ 2011 „Macht“ 2012 „Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie“ 2013 „Standortbestimmung Deutschlands“ 2014 „Emotionen und Politik“ 2015 „Politik in unsicheren Zeiten: Kriege, Krisen und neue Antagonismen“ 2016 „Grenzen“ 2017 „Zur Lage der Nation. Konzeptionelle Debatten, gesellschaftliche Realitäten, internationale Perspektiven“ 2018 „Politik und Persönlichkeit“ 2019 „Sprache und Politik. Innovationen, Instrumentalisierungen und Polarisierung im öffentlichen Diskurs“ 2021 „Andere Welt – neue Politik?“ 2022 „Zukunftsfähigkeit demokratischen Regierens“ 2023 „Politikwissenschaft in der Zeitenwende“ 2024 „(Neu-)Ordnung: Transformationen, Reformen und Zeitenwenden“ 2025 „Polarisierung. Die Spaltung der Gesellschaften“ 2026 „Schwache Institutionen - starke Akteure"

Publikationen Schriften der DGfP wurden zunächst als Sonderhefte der Zeitschrift für Politik beim Carl Heymanns Verlag herausgegeben; seit 1988 werden sie im Nomos Verlag veröffentlicht.

Literatur Tobias Bartels: Eine Disziplin – zwei Fachgesellschaften!? Ursachen und Hintergründe des Verhältnisses von DVPW und DGfP. In: Wilhelm Knelangen, Tine Stein (Hrsg.): Kontinuität und Kontroverse. Die Geschichte der Politikwissenschaft an der Universität Kiel. Klartext Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0763-8, S. 481–519.

Weblinks

Website der DGfP

Einzelnachweise

Kategorie:Politikwissenschaftliche Gesellschaft Kategorie:Berufsverband (Geistes- und Sozialwissenschaft) Kategorie:Verein (Bonn) Kategorie:Verbandsgründung 1983