mini|Abdul Sattar Edhi Abdul Sattar Edhi (, Gujarati અબ્દુલ સત્તાર ઇદી; * 28. Februar 1928 in Bantva, Britisch-Indien; † 8. Juli 2016 in Karatschi, Pakistan) war ein pakistanischer Philanthrop.

Er war Gründer und Leiter der Edhi-Stiftung, die zur größten Wohlfahrtsorganisation Pakistans wurde und das weltweit größte Netzwerk freiwilliger Krankenwagen aufbaute. Zusammen mit seiner Frau Bilquis Edhi erhielt er 1986 den Ramon-Magsaysay-Preis für Leistungen in der Daseinsvorsorge, den „asiatischen Friedensnobelpreis“. Er erhielt auch den Balzan-Preis. Edhi gehörte zur muslimischen Memoniten-Gemeinschaft (engl. memons).Stephen Saito: The World’s Greatest Living Humanitarian May Be From Pakistan. Huffington Post, 6. Mai 2013, abgerufen am 10. Juli 2016 (englisch).

Leben Edhi wurde 1928 in Bantva in Gujarat, Britisch-Indien geboren. Als sich seine Eltern trafen, war der Vater zweimal verwitwet und die Mutter geschieden. Edhi hatte mehrere Halbgeschwister. Er verließ mit 13 Jahren die Schule und verkaufte für einige Zeit als Straßenhändler Samosa und Streichhölzer. Nebenher las er Zeitungen und Bücher, unter anderem ein wenig Marx. Nach der Gründung von Pakistan im Jahre 1947 wanderte seine Familie nach Karatschi aus. In der Hafenstadt arbeitete er zunächst als Straßenhändler und später im Geschäft seines Vaters, empfand diese Tätigkeit jedoch als unbefriedigend. Die Armut in dieser Stadt berührte ihn so sehr, dass er begann, Medikamente für die Armen zu kaufen und sich um die Beerdigung von auf der Straße gestorbenen Armen zu kümmern. Er machte die Erfahrung, dass staatliche Hilfe bei der Pflege seiner gelähmten und kranken Mutter ausblieb.

1951 kaufte er im Stadtteil Mithadar einen kleinen Laden, in dem er mit Hilfe eines Arztes, der ihm die Grundlagen der medizinischen Pflege beibrachte, eine Armenapotheke (engl. dispensary) eröffnete. Im selben Jahr gründete er die nach ihm benannte Edhi-Stiftung. Der Leitsatz der Edhi-Stiftung, die auf Hilfe zur Selbsthilfe setzt, ist „Lebe und hilf leben“ (engl. Live and help live). Während einer Grippeepidemie in Karatschi im Jahr 1957 lieh sich Edhi Geld für Zelte, in denen Kranke behandelt wurden; die Patienten zahlten nur, wenn sie es sich leisten konnten. Eine größere Einzelspende ermöglichte ihm den Kauf seines ersten Krankenwagens, den er selbst fuhr.

Edhi lernte im Jahre 1965 Bilquis Bano kennen, welche er später heiratete. Sie war bei der ersten Begegnung eine 18-jährige Krankenschwester und fast 20 Jahre jünger. Sie heirateten schließlich, und Bilquis brachte zwei Töchter und zwei Söhne zur Welt, die sich alle in der Stiftung engagieren. Während des Krieges zwischen Indien und Pakistan im Jahr 1965 versorgten Abdul Sattar und Bilquis Edhi zivile Opfer der Bombardierung Karatschis und organisierten zahlreiche Beerdigungen. Bis zuletzt lebte Edhi bescheiden in einem kleinen Raum neben dem Büro seiner Stiftung in Karatschi. Er besaß nur zwei Sätze Kleidung und nannte einmal Einfachheit, Ehrlichkeit, harte Arbeit und Pünktlichkeit als Grundpfeiler seiner Arbeit.

Edhi starb im Juli 2016 im Alter von 88 Jahren an Nierenversagen. Er wurde zuvor am Sindh-Institut für Urologie und Transplantation in Karatschi behandelt und lehnte eine Behandlung im Ausland ab, weil er in einem staatlichen Krankenhaus in Pakistan bleiben wollte. Zu seiner Trauerfeier im Nationalstadion von Karatschi kamen Tausende Menschen; die Armee stellte eine Ehrenwache und gab einen Salut ab. Anschließend wurde sein Leichnam in das von ihm gegründete Edhi-Dorf gebracht und dort beigesetzt.

Wirken Aus der kleinen Armenapotheke entwickelte sich eine Organisation, die in Pakistan kostenlose soziale Dienste wie Krankenwagen, Waisenhäuser sowie Unterstützung für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung anbot. Die Stiftung betrieb außerdem Pflegeheime, Suppenküchen, Familienplanungszentren und Pakistan größtes Krankenwagensystem. In der öffentlichen Wahrnehmung füllte die Edhi-Stiftung damit Lücken eines nur schwach ausgebauten staatlichen Wohlfahrtssystems. Mit mehr als 1.800 Krankenwagen im ganzen Land war sie Pakistans größte Wohlfahrtsorganisation; unter der Notrufnummer 115 wurde die Edhi-Stiftung in Pakistan erreicht. Ihre Krankenwagen waren besonders bei Unfällen, Naturkatastrophen und Anschlägen präsent.

Die Edhis zogen uneheliche und ungewollte Kinder auf, unterrichteten sie und suchten Adoptiveltern. Für ausgesetzte oder ungewollte Säuglinge ließ die Stiftung vor ihren Notfallzentren Wiegen aufstellen. Rund 20.000 Menschen waren mit Edhi als Elternteil oder Vormund registriert, nachdem er und seine Frau begonnen hatten, verlassene Kinder aufzunehmen. Durch ein von Edhi angestrengtes Gerichtsverfahren erhielten ausgesetzte Kinder unbekannter Herkunft Zugang zu nationalen Ausweispapieren. Später kamen Krankenhäuser, Frauenhäuser, Suppenküchen, Heime für Waisenkinder, Schwererziehbare, Drogensüchtige und eine Krebsklinik hinzu. Die Stiftung organisierte auch Bestattungen für nicht identifizierte Tote und stellte dafür eigene Friedhofsflächen bereit.

Edhi verstand seine Arbeit humanitär und nicht konfessionell. Seine Stiftung nahm Zakat-Spenden an, setzte sie aber unabhängig von Religion oder Herkunft der Bedürftigen ein. Edhi wurde bereits zu Beginn seiner Laufbahn von einem islamischen Hilfswerk kritisiert, weil er allen half, auch Christen und Hindus. Edhi reagierte darauf mit der Aussage: „Es ist meine Aufgabe, Leben zu retten, ohne zu diskriminieren.“ Religiöse Rechte warfen ihm wegen dieser Haltung Atheismus vor; zugleich wurde er in Pakistan wegen seines Einsatzes für Bedürftige weithin verehrt. Die Arbeit der Stiftung reichte auch über Pakistan hinaus; 2005 sammelte sie 100.000 US-Dollar für die Opfer des Hurrikan Katrina.

Ehrungen und Preise International Ramon-Magsaysay-Preis (Public Service) (1986) Paul Harris Fellow der „Rotary International“-Stiftung, (1993) Eintrag in die Guinness World Records als größte Freiwilligen-Ambulanzorganisation (1997) Hamdan Award für Freiwillige in humanitären und medizinischen Diensten (2000) UAE Internationaler Balzan-Preis (2000) für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern, Italien Ehrendoktor des Institute of Business Administration Karachi (2006). UNESCO-Madanjeet-Singh-Toleranzpreis (2009) Ahmadiyya-Muslim-Friedenspreis (2010) Google-Doodle zum 89. Geburtstag Edhis auf den Startseiten unter anderem in Pakistan, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Dänemark, Japan, Australien und Neuseeland (2017)

National Silver Jubilee Shield des College of Physicians and Surgeons, Pakistan, (1962–1987) Sozialarbeiter des Subkontinents (engl. The Social Worker of Sub-Continent) durch die Regierung von Sindh, Pakistan, (1989) Nishan-e-Imtiaz, ziviler Orden der Pakistanischen Regierung (1989) Recognition of meritorious services to oppressed humanity in den 1980ern durch das Ministerium für Gesundheit und Soziales der Pakistanischen Regierung (1989) Pakistan Civic Award der Pakistan Civic Society (1992) Shield of Honor der Pakistanischen Armee (E & C) Khidmat Award der Pakistanischen Akademie der Medizin Menschenrechtspreis der Pakistan Human Rights Society

Weblinks

Edhi-Stiftung

Einzelnachweise

Kategorie:Person (humanitäre Hilfe) Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Träger des Ramon-Magsaysay-Preises Kategorie:Träger des Internationalen Lenin-Friedenspreises Kategorie:Person (Karatschi) Kategorie:Pakistaner Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann