mini|Firmensitz in LichFörster & Nicolaus Orgelbau ist eine Orgelbauwerkstatt in Lich. Sie wurde 1842 von Johann Georg Förster gegründet und über vier Generationen bis 1988 als Familienunternehmen geführt. Seitdem haben frühere Mitarbeiter die Leitung übernommen. Die Werkliste umfasst mehr als 700 Neubauten und zahlreiche Restaurierungen.
Geschichte
mini|Firmenschild in Hattenrod, 1902 mini|Firmenschild in Althegnenberg
Johann Georg Förster hatte bei führenden Orgelbauern sein Handwerk erlernt und machte sich im Jahr 1842 in Lich mit einer eigenen Werkstatt selbstständig. Er war Nachfolge von Johann Georg Bürgy aus Gießen, der 1841 ohne Nachfolger verstorben war.Hermann Fischer: 100 Jahre Bund Deutscher Orgelbaumeister. Orgelbau-Fachverlag, Lauffen 1991, ISBN 3-921848-18-0, S. 185. Förster baute neben den traditionellen mechanischen Schleifladen auch Kegelladen und Hängeventilladen. Eine Orgel in Butzbach wurde mit Lappenventilladen ausgestattet, einem neuartigen pneumatischen System, das sich H. Dietz und C. Nicolaus am 16. November 1892 patentieren ließen (Patentschrift Nr. 72546).Falkenberg: Epochen der Orgelgeschichte. 1992, S. 68. Kennzeichnend für Försters Stil waren Transmissionsladen mit doppelten Schleifen.Franz Bösken: Förster und Nicolaus. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bd. 16. Bärenreiter, Kassel 1979, ISBN 3-89853-160-0, S. 319.
Carl Nicolaus (* 9. November 1860 in Steinbach bei Gießen; † 24. Oktober 1929 in Lich) war ab 1884 Geselle im Betrieb, heiratete im Jahr 1889 Försters Tochter Louise (1862–1956) und wurde zunächst Teilhaber, ab 1900 sogar alleiniger Inhaber der Firma, die nun in „Förster und Nicolaus“ umbenannt wurde. Nicolaus entwickelte die pneumatische Traktur weiter, die ab 1892 in Form der Röhrenpneumatik in neu entwickelter Form als eigene Erfindung Einzug hielt, sich aber als unzuverlässig erwies. Auch eine andere neue Form mit frei schwebenden und sich nach unten öffnenden Ventilen setzte sich nicht durch, sodass die Firma im Jahr 1900 wieder zur pneumatischen Kegellade zurückkehrte. Bis zu Beginn der 1920er Jahre wurde dieses Traktursystem beibehalten. Bei Orgelneubauten wurden nur häufig die historischen Prospekte einbezogen.Balz: 175 Jahre Förster & Nicolaus. 2017, S. 12.
Ernst Nicolaus (* 23. April 1897 in Lich; † 26. August 1966 ebenda) und sein Bruder Karl (* 5. Mai 1891 in Lich; † 28. Mai 1924 ebenda) wurden 1923 Teilhaber der Firma und bauten bis 1927 127 Harmonien.Balz: 175 Jahre Förster & Nicolaus. 2017, S. 13. Ab 1927 wurde Otto Heuss Werkleiter. Er machte sich 1953 in Lich selbstständig und spezialisierte sich als Zulieferer auf den Bau von Spieltischen und anderer Orgelteilen. Nach dem Tod des Vaters leitete Ernst Nicolaus die Firma ab 1929 in dritter Generation. Die Orgelbewegung übte seit den 1930er Jahren nachhaltigen Einfluss auf die Dispositionen aus. Fritz Abend, der bei Eule künstlerischer Leiter und Intonateur war und an der Restaurierung der Orgeln von Gottfried Silbermann beteiligt war, trat 1947 in die Licher Firma ein. Er arbeitete mit Helmut Walcha zusammen und trat für die Beibehaltung historischer Trakturen ein und lehnte pneumatisierende Umbauten ab. Bei Neubauten hielt nah dem Zweiten Weltkrieg die elektrische Kegellade Einzug, die bis in die 1960er Jahre eingesetzt wurde. Ab 1951 wurden wieder die ersten Positive mit mechanischen Schleifladen gebaut, ab 1953 kleinere und ab 1960 auch größere Orgeln.
mini|Blick in die Orgelwerkstatt (2012) Manfred Nicolaus (* 25. April 1926 in Lich; † 1. März 2014), Sohn von Ernst Nicolaus, erlernte den Orgelbau in der väterlichen Werkstatt und vertiefte sich bei Mönch (Überlingen) und Åkerman & Lund (Stockholm). Er trat im Jahr 1960 als Teilhaber in die Firma ein und übernahm von 1966 bis 1988 die Geschäftsführung.Homepage foerster-nicolaus-orgelbau.de: Firmengeschichte, abgerufen am 10. August 2025. Den historisch orientierten Orgelbau, den Nicolaus in Schweden kennengelernt hatte, führte er bei Orgelneubauten und bei substanzerhaltenden Restaurierungsprojekten ein.Balz: 175 Jahre Förster & Nicolaus. 2017, S. 15. Unter seiner Leitung traten die nicht-verwandten Joachim (Jochen) Müller (* 7. März 1959 in Büdingen; † 1. Februar 2017) 1974 und Martin Müller (* 8. Oktober 1958 in Sellnrod) 1976 ihre Orgelbaulehre an. Jochen Müller bildete sich bei Rudolf von Beckerath und die beiden bei der Firma Giesecke fort. Es folgten Studienreisen zu bedeutenden europäischen Orgellandschaften. Im Jahr 1986 legten beide ihre Meisterprüfungen ab und übernahmen 1988 das Unternehmen zu gleichen Teilen. Dieser Abschnitt der Firmengeschichte ist vor allem durch Restaurierungen historischer Orgeln und weniger durch Neubauten geprägt. Nach dem Tod von Joachim Müller wurde das Unternehmen bis 2023 von Martin Müller geleitet. Seit 2024 sind die bisherigen Mitarbeiter Rainer Bingel (* 8. Juli 1970) und Thomas Küpper (* 18. April 1965) Inhaber und Geschäftsführer.
Nachdem sich das Wirkungsgebiet zunächst auf Rheinhessen und Oberhessen erstreckte, erfuhr es nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ausdehnung auf die Gebiete um Mainz, Frankfurt am Main und Wiesbaden. Im Jahr 2017 hatte das Unternehmen 13 Angestellte und etwa 1000 Wartungsverträge. Seit der Gründung wurden über 700 Neubauten angefertigt und zahlreiche historische Orgeln restauriert.Homepage foerster-nicolaus-orgelbau.de: Werkliste, abgerufen am 10. August 2025. Das Unternehmen arbeitet mit etwa 1000 Vertragspartnern zusammen.
Werkliste (Auswahl) Die Größe der Instrumente wird in der sechsten Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der siebten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr oder nur noch der Prospekt erhalten ist.
Instrumente vor dem Jahr 1900 von Johann Georg Förster finden sich in seinem Artikel.
Neubauten und Erweiterungen