mini|Geburtshaus Adolf Hitlers, Braunau am Inn, mit Gedenkstein davor (2015)

Das Adolf-Hitler-Geburtshaus ist ein denkmalgeschütztes biedermeierliches Bürgerhaus in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn. Hier wurde Adolf Hitler geboren.

Die Bausubstanz stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde als Braugasthaus mit Nebengebäuden und Mietwohnungen genutzt. Die Eltern Hitlers waren Wohnungsmieter. Unklar ist, ob Adolf Hitler im bestehenden Vorderhaus oder im schon lange demolierten Hinterhaus geboren wurde. Nach dem Anschluss Österreichs erwarb die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei das Haus und richtete ein Kulturzentrum ein. 1952 ging es durch Rückstellungsvergleich an die Alteigentümer zurück und wurde von der Republik Österreich angemietet. Es wurde bis 2011 genutzt – zuerst als Bibliothek, dann als Schule und zuletzt als Behinderteneinrichtung.

Die Diskussionen um Nutzung und Eigentum verstärkten sich. Im Raum standen u. a. der Abbruch und die Enteignung. 2016 wurde es per Gesetz zu Gunsten der Republik enteignet, war aber weiter ungenutzt. Der Plan zum Umbau zu einem Polizeizentrum stand in Kritik und hat sich dadurch verzögert. Das Gebäude wurde nach den Plänen von Marte.Marte Architekten saniert und umgebaut. Am 22. Juli 2026 wurde das Polizeizentrum durch den Innenminister Gerhard Karner und dem Finanzprokuratur der Republik Wolfgang Peschorn eröffnet.

Geschichte mini|Das Haus um 1934, mit Hakenkreuzflagge

Die Anschrift des Hauses mit sechsachsiger Front wurde 1826 mit Vorstadt 219 bestimmt und seit 1890 mit Salzburger Vorstadt 15. Nach der Braunauer Häuserchronik (Salzburg, 1943) von Franz Martin bestand das Braugasthaus „Zum braunen Hirschen“ ursprünglich aus zwei Gebäuden. Die Nutzung des Anwesens ist ab dem 17. Jahrhundert als Gasthaus nachweisbar, zu dem später auch ein Stall, ein Stadel, ein Sudhaus und Mietwohnungen gehörten. Ab 1888 wurde das Haus von den Eheleuten Dafner betrieben.Florian Kotanko: Das Haus, in dem Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, hat eine lange Geschichte. Hrsg.: Verein für Zeitgeschichte, Braunau am Inn. (; abgerufen am 3. Februar 2011, – House of Responsibility, hrb.at; Österreichischer Auslandsdienst / Austrian Service Abroad, Innsbruck, www.auslandsdienst.at).

Zu seinen Bewohnern gehörten Ende des 19. Jahrhunderts auch der Zollbeamte Alois Hitler und dessen dritte Frau Klara (geb. Pölzl), die mit ihren Kindern bis 1892 in einer der Mietwohnungen lebten. Dort wurde als drittes von deren sechs Kindern (frühere Quellen, die anscheinend auf den Erinnerungen von Hitlers Schwester Paula beruhen, berichten irrtümlich von drei älteren Geschwistern)Der Fehler in Adolf Hitlers Biografie in Oberösterreichische Nachrichten (nachrichten.at) am 30. Mai 2016 mit Originalbelegen aus dem Geburtsregister und der Sterbemeldung der „Neuen Warte am Inn“ vom 2. Juli 1892. am 20. April 1889 Adolf Hitler geboren. Ob der spätere deutsche Reichskanzler und Diktator im bestehenden Vorderhaus oder im schon lange demolierten Hinterhaus geboren wurde, ist unter Historikern umstritten.

Das Bräugasthaus „Zum braunen Hirschen“ gehörte bis zu seiner Versteigerung 1884 Frau Karolina Hollwöger, verehelichte Huber, bei der es der Braunauer Bürgermeister Franz Höß an sich brachte. Höß vermietete es an Franz Xaver Dafner, der es im November 1888 käuflich erwarb. 1891 verstarb Dafner. Seine Witwe Helene Dafner, später verheiratet mit Jakob Bachleitner,Jakob Bachleiter ertränkte sich am 9. Feber 1905 im Inn. führte das Gasthaus noch bis zum Jahr 1911. Am 14. Dezember 1912 verkaufte es Helene Bachleitner an Josef Pommer, der es zuerst als Gasthaus „Zum Hirschen“, ab 1920 als „Gasthaus Pommer“ bis 1938 innehatte.

NS-Zeit Im Zuge des „Anschlusses von Österreich“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich erwarb Martin Bormann am 25. Mai 1938 das Geburtshaus Hitlers für die NSDAP zum vierfachen Verkehrswert. Bereits am 20. Juli 1938 – und somit nur vier Monate nach dem Anschluss – wurde es von der „Zentralstelle für Denkmalschutz“ des „Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten“ in Wien durch Staatssekretär Kajetan Mühlmann gegenüber den damaligen Miteigentümern Josef und Maria Pommer als denkmalgeschützt deklariert, weil „Geburtsstätte des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler“.Olga Kronsteiner: Denkmalschützer wollen Hitler-Haus erhalten standard.at, 20. September 2016, abgerufen am 24. September 2016. – Aktenzahl: Z.2178/Dsch/1938.

Das Gebäude wurde saniert und der Nutzung als Kulturzentrum mit einer Galerie und einer Volksbücherei zugeführt. Von 1943 bis 1944 wurden in der Braunauer Galerie im Führer-Geburtshaus Bilder und Plastiken von Künstlern der Region ausgestellt, unter anderem von Anton Filzmoser, Hermann Mayrhofer (Passau), Josef Karl Nerud (Simbach am Inn), Hugo von Preen, Martin Stachl und Franz Xaver Weidinger (Ried im Innkreis).

Da in Hitlers Geburtshaus in der NS-Zeit keine politischen Gewaltverbrechen geplant oder organisiert wurden, ist das Gebäude auch nicht als Täterort zu bezeichnen.

Nachkriegszeit Am 2. Mai 1945, unmittelbar nachdem Braunau von US-amerikanischen Truppen besetzt worden war, versuchte ein deutscher Stoßtrupp, Hitlers Geburtshaus in die Luft zu sprengen. Die US-Soldaten verhinderten dieses Vorhaben.

Am 1. November 1945 wurde auf Betreiben des Bezirkshauptmanns Plasser und des Bürgermeisters Fageth „an der Stätte, von der aus einst Hitler in die Welt trat“, eine Gedenk- und Mahn-Ausstellung eröffnet. In Hitlers Geburtsraum zeigten Fotos das Grauen in den Konzentrationslagern und den Niedergang der Kultur während des NS-Regimes.

1952 wurde das Haus im Rahmen eines Rückstellungsvergleichs von der Republik Österreich den ehemaligen Eigentümern zurückgegeben und zugleich von der Republik angemietet, wobei es bis 1965 als Stadtbücherei genutzt wurde. Danach stand das Gebäude kurz in der Nutzung eines Bankinstitutes. Dem folgte von 1970 bis 1976 die Nutzung als Schule im Zuge der Gründung der HTL Braunau. Eigentümerin war bis 2016 Gerlinde Pommer.Vgl.

Von 1977 bis September 2011 wurde das Haus als Tagesheimstätte und Werkstätte für Menschen mit Behinderung von der Lebenshilfe Oberösterreich genutzt.Vorerst keine neue Nutzung für Hitlers Geburtshaus. In: Der Standard vom 12. Mai 2010. (Online; abgerufen am 3. Februar 2011).Georg Markus: Neue Mieter in Hitlers Geburtshaus Kurier, 10. September 2011.Georg Markus: Was wird aus dem „Hitler-Haus“? Kurier, 23. Oktober 2016

Öffentliche Diskussion um die Nutzung Im September 2012 trat die jahrelange Diskussion über die Nutzung des Hauses stärker an die Öffentlichkeit. Debattiert werden die Verwendung als Wohnhaus oder die Einrichtung eines „Haus des Friedens“ für soziale Projekte und Ausstellungen.ORF: Hitler-Geburtshaus als Wohngebäude? vom 20. September 2012.SPÖ gegen Hitler-Wohngebäude, orf.at, 21. September 2012.

Seit dem Jahr 2000 gab es Bestrebungen des örtlichen Vereins für Zeitgeschichte, der unter anderem die Braunauer Zeitgeschichte-Tage veranstaltet, das Gebäude von der öffentlichen Hand ankaufen zu lassen und dem Holocaustgedenken zuzuführen. Der russische Duma-Abgeordnete Franz Adamowitsch Klinzewitsch hatte 2012 andere Pläne: Er wollte rund zwei Millionen Euro sammeln, um das Haus zu kaufen und abzureißen.Russe will Geburtshaus von Hitler abreißen. sueddeutsche.de, 8. November 2012, abgerufen am 8. November 2012.

Im April 2016 erklärte das Innenministerium zum nunmehr bald fünf Jahre leerstehenden Haus, die Enteignung des Hauses prüfen zu lassen, eventuell dafür ein Gesetz zu schaffen, um dauerhaft eine Nutzung des Hauses im Sinne nationalsozialistischer Wiederbetätigung auszuschließen. 2015 hätte der Verfassungsrechtler Heinz Mayer auf die Notwendigkeit eines Gesetzes hingewiesen; die Eigentümerin würde dabei eine Entschädigung erhalten.Hitlers Geburtshaus: Innenministerium für Enteignung, orf.at, 9. April 2016, abgerufen am 9. April 2016. Diese vermietete seit 1972 das Haus an das Innenministerium für etwa 5000 Euro monatlich, erschwerte jedoch die Nutzung, als sie den barrierefreien Umbau ablehnte, weshalb 2011 der Sozialverein Lebenshilfe – der mit Behinderten arbeitet – als Untermieter auszog.Streit um Nutzung: Österreich plant Enteignung von Hitlers Geburtshaus, spiegel.de, 9. April 2016, abgerufen am 9. April 2016.

Im Juni 2016 plädierte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) für den Abriss: „Für mich wäre ein Schleifen, so wie beim Fritzl-Haus in Amstetten, die sauberste Lösung.“Abriss von Hitlers Geburtshaus möglich, ORF, 12. Juni 2016 Am 12. Juli 2016 entschied die österreichische Regierungskoalition, die Eigentümerin wegen des öffentlichen Interesses zu enteignen und zu entschädigen, da man sich nicht auf eine Nutzung hatte einigen können. Eine ministerielle Kommission sollte Vorschläge machen; möglich wäre eine Umnutzung oder auch der Abriss.Enteignung im Kampf gegen Ewiggestrige, Tagesschau.de, 12. Juni 2016.

Am 17. Oktober 2016 bestätigte Wolfgang Sobotka, dass das Haus abgerissen werde und berief sich dabei auf eine Empfehlung der Kommission. An seiner Stelle solle ein von einer sozialen Einrichtung oder von Behörden genutzter Neubau errichtet werden. Braunaus Bürgermeister und Kommissionsmitglied Hannes Waidbacher, widersprach jedoch: „In der Empfehlung steht nichts von einem Abriss.“ Stattdessen rate die Kommission zu einer tiefgreifenden architektonischen Veränderung, die den „Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden“ solle.Innenminister: Hitler-Geburtshaus wird abgerissen. Innenminister Wolfgang Sobotka will den jahrelangen Diskussionen um das umstrittene Gebäude ein Ende setzen. Doch dafür ist der Beschluss eines Bundesgesetzes notwendig. Salzburger Nachrichten, 17. Oktober 2016.Hitlers Geburtshaus wird abgerissen, Spiegel Online, 17. Oktober 2016.Hitler-Geburtshaus: Kommission empfiehlt keinen Abriss, ORF, 18. Oktober 2016.

Der aus Braunau stammende Redakteur der Salzburger Nachrichten Peter Gnaiger wollte dort ein Kaffeehaus einrichten, benannt nach dem 1941 im KZ Dachau verstorbenen Kabarettisten Fritz Grünbaum. Unterstützt wird er dabei u. a. von Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann und Josef Sigl von der Trumer Privatbrauerei.

Enteignung Am 14. Dezember 2016 wurde vom österreichischen Parlament ein Gesetz zur Enteignung der bisherigen Besitzerin verabschiedet, sodass das Gebäude in den Besitz der Republik Österreich überging. Ein Arbeitsgespräch zwischen dem österreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka, dem oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer und dem Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher am darauffolgenden Tag ergab, dass das Gebäude saniert und der Lebenshilfe Oberösterreich zur Nutzung angeboten werden soll.Meret Baumann: Vergangenheitsbewältigung in Österreich: Hitlers Geburtshaus soll wieder ein Behindertenheim werden. In: nzz.ch, 16. Dezember 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016. Presseaussendung vom 15. Dezember 2016. Homepage des Landes Oberösterreich. Abgerufen am 23. Dezember 2016. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Bundesministeriums für Inneres, des Landes Oberösterreich und der Stadt Braunau am Inn, sollte im ersten Halbjahr 2017 die offenen rechtlichen und organisatorischen Fragen klären.