mini|Heinrich Gemkow, 2003 in Berlin Heinrich Gemkow (* 26. Juni 1928 in Stolp/Pommern; † 15. August 2017 in BerlinWalter Schmidt: Mit Marx und Engels fast privat. Heinrich Gemkow ist tot. In: Neues Deutschland 17. August 2017. Abgerufen am 17. August 2017.) war ein deutscher Historiker.

Leben Heinrich Gemkow, geboren in einer Lehrerfamilie, musste den Besuch der Oberrealschule 1943 abbrechen, weil er als Marinehelfer auf der Insel Wangerooge verpflichtet wurde. Von Mai bis August 1945 dauerte seine Kriegsgefangenschaft. Bis 1946 arbeitete er als Tiefbauarbeiter in Bayreuth. Nach dem Besuch der Vorstudienanstalt in Halle-Wittenberg studierte er Germanistik, Geschichte und Pädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle von 1947 bis 1951. Danach wurde er Assistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Alfred Meusel am Museum für Deutsche Geschichte in Berlin. Nach einer Aspirantur promovierte er über Paul Singer 1959 an der Humboldt-Universität Berlin.

Von 1953 bis 1990 arbeitete er am Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin (als stellvertretender Direktor 1964–1990). 1969 wurde er Professor für Geschichte der Arbeiterbewegung. Er war entscheidend an der Gründung der „Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ (BzG) beteiligt.Fritz Zimmermann: Heinrich Gemkow und die Anfänge der BzG In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 26, S. 58–61 Außerdem war er Vizepräsident des Kulturbundes der DDR (1968–1990); Mitglied der Historikerkommission DDR-Polen und Mitglied der Redaktionskommission der MEGA (1975–1990)MEGA Erste Abteilung Band I/1; I/2; I/3; I/10; I/11; I/12; I/13; I/22; I/24; I/25; I/26; I/27; I/29; MEGA Zweite Abteilung Band II/1.1.; II/1.2; II/2.; II/3.1.; II/3.2.; II/3.3.; II/3.4.; II/3.5.; II/3.6.; II/4.1.; II/5; II/6; II/7; II/8; II/9; MEGA Dritte Abteilung III/1; III/2; III/3; III/4; III/5; III/6; III/7; III/8; MEGA IV. Abteilung Band IV/1; IV/2; IV/4; IV/6; IV/7; IV/8. Gemkow half mit, den Weg zur Internationalen Marx-Engels-Stiftung frei zu machen, weil er die MEGA retten wollte.

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit waren biografische Arbeiten über Paul Singer, Friedrich Engels, Karl Marx, Wilhelm Liebknecht, August Bebel, Wilhelm Bracke, Helena Demuth und die Familien von Marx und Engels. Der Suche und Sicherung für die Forschung von Engels-Dokumenten im Familiennachlass galt seine besondere Aufmerksamkeit. Gemkow unterstützte die Ausführungen Christa Wolfs, die sie bei der Demonstration gegen die Politik in der DDR am 4. November 1989 auf dem Berliner AlexanderplatzLEMO machte. „Wir stehen zu den Worten Christa Wolfs an die Bürger der DDR. Fassen Sie Vertrauen, bleiben Sie bei uns!“Für den Kulturbund der DDR unterzeichneten Hans Pischner, Karl-Heinz Schulmeister, Günter Wirth, Uwe Berger, Burkhart Philipp, Hans Jacobus, Heinrich Gemkow und Heinz Hofmann. Aus: Neue Zeit, 45. Jg. Ausgabe 265 vom 10. November 1989, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Seit 1991 war er Mitglied im „Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e. V.“Marx-Engels-Forschung dort auch Bilder von Heinrich Gemkow Seit 1995 war Gemkow Mitglied des Vereins „Helle Panke“ e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin.

Er war mit seiner Frau Hilde, geb. Junk (* 1925; † 2012), verheiratet und lebte als Rentner in Berlin.Beiträge Marx-Engels-Forschung. Neue Folge. Sonderband 5. S. 483–484Vom mühseligen Suchen und glückhaften Finden. Teil 1, S. 46–53 (Auswahlbibliographie 1953–2003) Er stand mit Bert Andréas, Yvonne Kapp, dem Karl-Marx-Haus Trier, Michael Knieriem, Jürgen Kuczynski,Kalliope Datenbank Heinz Monz und anderen im Brief- und persönlichen Verkehr. Sein Nachlass kann im Bundesarchiv (SAPMO) benutzt werden.https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/c839adc8-1918-449d-b525-5abd8e243a50/ 2014 wurde ihm eine Biografie über Jenny Marx gewidmet.Für Heinrich Gemkow. In: Angelika Limmroth: Jenny Marx. Die Biografie. Karl Dietz Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-320-02296-9, S. 9.

Gemkow verstarb am 15. August 2017 in einem Berliner Krankenhaus und wurde am 12. September 2017 auf dem Friedhof Pankow III beigesetzt.Traueranzeige Neues Deutschland vom 26. August 2017.

Ehrungen 1981 erhielt er den Nationalpreis der DDR I. Klasse für Wissenschaft und Technik und 1988 den Vaterländischen Verdienstorden in Gold.Neues Deutschland, 30. April/1. Mai 1988, S. 3 Anlässlich seines 90. Geburtstages fand ein Kolloquium am 26. Juni 2018 unter dem Titel: Vom mühseligen Suchen und glückhaften Finden in Berlin statt.Vom mühseligen Such und glückhaften Finden. Im memoriam Prof. Dr. Heinrich Gemkow. 26. Juni 1928 – 15. August 2017. Teil III, S. 1.

Publikationen Neue Funde zur Geschichte der Berliner Universität. In: ZfG, Berlin 1953, Heft 1, S. 120–125ZfG = Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Joseph Belli. Die rote Feldpost. Mit einem Nachwort von H. G., Dietz Verlag, Berlin 1956H. G. = Heinrich Gemkow Friedrich Engels’ Hilfe beim Sieg der deutschen Sozialdemokratie über das Sozialistengesetz. Dietz Verlag, Berlin 1957 (Schriftenreihe Beiträge zur Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung Heft 9) Paul Singer. ein bedeutender Führer der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz Verlag, Berlin 1957 (Schriftenreihe Beiträge zur Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung Heft 17) Ein neuer Fund zur Biographie von Friedrich Engels. In: ZfG, Berlin 1958, S. 345–352. Paul Singer. Vom bürgerlichen Demokraten zum Führer der deutschen Arbeiterbewegung (1862–1890). Phil. Diss., Humboldt-Universität Berlin 1959. Ein Brief August Bebels an polnische Sozialisten. BzG, Berlin 1961, Heft 2, S. 376–378.BzG = Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung August Bebel: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen. Aus Reden und Schriften. Ausgew. u. eingel. von H. G. Dietz Verlag, Berlin 1961. (Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse 4) Friedrich Engels’ Reise auf den Kontinent im Jahre 1893. In: BzG. Sonderheft Beiträge zur Marx-Engels-Forschung in der DDR. Berlin 1962, S. 242–256. Karl Marx, Friedrich Engels. Briefwechsel mit Wilhelm Bracke (1869–1880). Im Auftrag des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED herausgegeben und eingeleitet von H. G. Dietz Verlag, Berlin 1963. (Bücherei des Marxismus-Leninismus, Band 62) Wilhelm Eichhoff: Die Internationale Arbeiterassociation. Ihre Gründung, Organisation, politisch-sociale Thätigkeit und Ausbreitung. Originalgetreue Reproduktion der Ausgabe von 1868, Nachwort von H. G. Dietz Verlag, Berlin 1964 Brackes Begegnung mit Marx. Ein unveröffentlichter Brief. In: BzG, Berlin 1965, Heft 3, S. 487–490 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in acht Bänden. Autorenkollektiv: Walter Ulbricht u. a. An der Ausarbeitung des Gesamtwerkes waren als Autoren beteiligt: Horst Bartel (…) H. G. (…). Dietz Verlag, Berlin 1966 Karl Marx. Eine Biographie. Dietz Verlag, Berlin 1967 (4. Aufl. 1975) Demokratisches Wochenblatt. Organ der Deutschen Volkspartei und des Verbandes Deutscher Arbeitervereine. Mit einer Einl. von H. G.und Ursula Herrmann. Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1969 August Bebel. Eine Bildbiographie. Mit 86 Abbildungen. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1969 (2. überarb. Aufl. 1986) Friedrich Engels. Eine Biographie. Dietz Verlag, Berlin 1970 (6. durchges. Aufl. 1988) auch Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1970 August Bebel. Ausgewählte Reden und Schriften. Hrsg. von Horst Bartel, Rolf Dlubek und H. G. Band 1: 1863 bis 1878. Dietz Verlag, Berlin 1970. Belli, Joseph. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 40–41 Eichhoff, Karl Wilhelm. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon, Berlin 1970, S. 109–110 Singer, Paul. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 431–434 Einführung. 1 bis 3. Teil. Sendetermin: 24. November 1970, 8. Dezember 1970 und 22. Dezember 1970 (Wissenschaftliche Weltanschauung. Vortragszyklus „Friedrich Engels – Revolutionär und Wissenschaftler“) Varianten und politische Funktion der gegenwärtigen Engels-Verfälschung in der BRD. In: Friedrich Engels. Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Protokoll der internationalen wissenschaftlichen Konferenz anläßlich der 150. Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich Engels Berlin, 12. – 13. November 1970. Dietz Verlag, Berlin 1971, S. 382–391. Friedrich Engels und das Alternativprogramm der deutschen Sozialdemokratie gegenüber dem Hohenzollernreich In: Friedrich Engels 1820 – 1970. Referate. Diskussionen. Dokumente. Redaktion: Hans Pelger, Friedrich-Ebert-Stiftung, Leiter des Karl-Marx-Hauses, Trier. Verlag für Literatur und Zeitgeschehen, Hannover 1971, S. 99–106. (Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Friedrich-Ebert-Stiftung Band 85) Über die Bündnispolitik der Arbeiterklasse. Sendetermin: 16. März 1971 (Wissenschaftliche Weltanschauung. Vortragszyklus „Friedrich Engels – Revolutionär und Wissenschaftler (VI)“) Treue Freunde – gute Nachbarn. Gemeinsame Traditionen der revolutionären deutschen und polnischen Arbeiterbewegung von den Anfängen bis zur Gegenwart, Dietz Verlag, Berlin 1974 Einführung. Zyklus „Lebendiges Erbe“. „Stimme der DDR“ Sendereihe: „Wissenschaftliche Weltanschauung“ vom 3. Januar 1974. Der Sozialismus – Deine Welt. Verlag Neues Leben, Berlin 1975. Wilhelm Liebknecht. Erinnerungen eines Soldaten der Revolution. Zusammengestellt und eingel. Illustrationen von Günter Lech. Dietz Verlag, Berlin 1976 Unbekannte Dokumente der Familie Marx aufgefunden. Zum wissenschaftlichen Wert der neu entdeckten Materialien. In: Neues Deutschland vom 5. Mai 1976 Karl Marx und Edgar von Westphalen – Studiengefährten in Berlin. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 1. Berlin 1977, S. 15–22. Digitalisat August Bebel. Ausgewählte Reden und Schriften. Hrsg. v. Horst Bartel, Rolf Dlubek, H. G., Ursula Hermann und Gustav Seeber. Bd. 2.1. und Bd. 2.2.; 1878 bis 1890. Dietz Verlag, Berlin 1978 Kleine Nachträge zur Biographie der Studenten Karl Marx und Edgar von Westphalen. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 3. Berlin 1978, S. 143–146. Digitalisat. Karl Marx und der revolutionäre Weltprozeß. Gedanken zum 160. Geburtstag des Begründers des wissenschaftlichen Kommunismus. In: BzG, Berlin 1978, Heft 3, S. 323–.* Karl-Marx-Gedenkstätten in Berlin. In: Berliner Kulturstätten. Hrsg. von Alfred Doil. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1978, S. 99–100. Ein bisher unbekannter Kartengruß von Friedrich Engels. In: BzG, Berlin 1979, Heft 1 Caroline Schoeler – eine Freundin der Familie Marx und Engels. In: Marx-Engels-Jahrbuch 2. Dietz Verlag, Berlin 1979, S. 241–250. Digitalisat Erbschaftverzichterklärung von Jenny Marx. In: 'BzG, Berlin 1980, Heft 2, S. 59–61. Der große Revolutionär und Kampfgefährte von Karl Marx. In: Einheit. Zeitschrift für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. Berlin 1980, Heft 11, S. 1101–1107 Unser Leben. Eine Biographie über Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1981 (12. durchges. Aufl. 1989) Schlußwort. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 9. Berlin 1981, S. 222–228. Digitalisat Notwendige Korrektur eines Datums. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 13. Berlin 1982, S. 41–44. Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Redaktion H. G. u. a. Dietz Verlag, Berlin 1983. August Bebel. Ausgewählte Reden und Schriften. Hrsg. v. Horst Bartel, Rolf Dlubek, H. G., Ursula Hermann und Gustav Seeber. Bd. 6. August Bebel. Aus meinem Leben. Dietz Verlag, Berlin 1983. Vom Highgate-Friedhof zum Marx-Engels-Platz. Marx-Engels-Jubiläen im Spiegel eines Jahrhunderts. Dietz Verlag, Berlin 1983 – Lizenzausgabe Spuren in unsere Zeit. Marx-Engels-Jubiläen im Spiegel eines Jahrhunderts. Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1983