mini|Freiraumverbindung in Kleinreuth h.d. Veste, Verlängerung der Rollner Straße in nördliche Richtung (2013)

Kleinreuth hinter der Veste (nürnbergisch: GlaareidD. Fastnacht: Nürnberg, S. 316. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „glāraid“.) ist der Name des statistischen Distrikts 741 der kreisfreien Stadt Nürnberg (Mittelfranken, Bayern). Kleinreuth liegt im Statistische Bezirk 74 (Thon).

Geographie Gemarkung Die Gemarkung 3436 Kleinreuth h.d.Veste hat eine Fläche von 0,804 km². Sie ist in 1185 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 678,72 m² haben.

Lage Der Distrikt 741 ist der nordöstliche Teil des statischen Bezirks Thon. Er besteht aus einem nördlichen Teil zwischen Thon und Marienbergpark, nördlich der Kilianstraße und einem südlichen Teil, dem Stadtteil Nordbahnhof.

Geschichte Der Ort entstand auf einer Rodung, die im 11./12. Jahrhundert vom Nürnberger Königshof durchgeführt wurde.W. Fischer-Pache: Kleinreuth h.d.V., in: Stadtlexikon Nürnberg, S. 546. 1335 wurde er als „Rewt“ erstmals schriftlich erwähnt. 1347 wurde er „wenigen Riute“ genannt zur Unterscheidung vom benachbarten (Groß-)Reuth. Der Zusatz „hinder der festen“ (1426), der zur Unterscheidung von Kleinreuth bei Schweinau nötig wurde, weist auf die Lage außerhalb der Stadtmauern, nördlich der Burg hin. Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552/54) wurden Groß- und Kleinreuth abgebrannt.D. Fastnacht: Nürnberg, S. 314ff.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kleinreuth hinter der Veste aus 38 Anwesen. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegeamt der Reichsstadt Nürnberg. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (1 Wirtshaus, 1 Gut, 2 Gütlein, 2 Häuser), das Spitalamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Halbhof, 2 Güter, 4 Gütlein) und die Nürnberger Eigenherren von Fürer (2 Güter, 1 Gütlein), von Grundherr (1 Gut), von Haller (1 Gütlein), von Holzschuher (1 Gütlein), von Praun (2 Viertelhöfe), von Scheurl (1 Gut), von Stromer (1 Gut), von Tucher (5 Güter, 6 Gütlein, 1 Schmiede). Das Hirten- und das Schulhaus unterstanden der Gemeinde.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 131.

1796 kam Kleinreuth hinter der Veste an Preußen und wurde vom Justiz- und Kammeramt Erlangen verwaltet, 1810 kam es an Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Großreuth hinter der Veste gebildet, zu dem bzw. zu der auch Kleinreuth hinter der Veste gehörte. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Kleinreuth. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 2 Anwesen von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Holzschuher), 1 Anwesen von 1822 bis 1828 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Praun), 1 Anwesen von 1821 bis 1848 dem PG Gebersdorf, 1 Anwesen von 1821 bis 1836 dem PG Leyh, 14 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Lohe und 1 Anwesen von 1822 bis 1835 dem PG Lohe und Behringersdorf. 1826 wurde Kleinreuth dem Landgericht Nürnberg (1879 in Amtsgericht Nürnberg umbenannt) und dem Rentamt Nürnberg überwiesen (1919 in Finanzamt Nürnberg umbenannt). Spätestens 1836 kam Neuhaus von der Gemeinde Großreuth hinzu. Ab 1862 gehörte Kleinreuth hinter der Veste zum neu geschaffenen Bezirksamt Nürnberg.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 241. Die Gemeinde hatte 1888 eine Gebietsfläche von 1,007 km².

Am 1. Januar 1899 wurde Kleinreuth in die Stadt Nürnberg eingegliedert.

Baudenkmäler Im statistischen Bezirk Kleinreuth h.d.Veste gibt es acht Baudenkmäler: Gallostraße 3: Waschhaus Gallostraße 5: Wohnhaus Mittelstraße 6: Wohnhaus mit Scheune Mittelstraße 24: Scheune und Reste der Einfriedung einer ehemaligen Bauernhofanlage Mittelstraße 37, 38, 40, 63: Wohnhäuser

ehemalige Baudenkmäler Lohestraße 1: Eingeschossiges Sandsteinhaus mit zweigeschossigem Giebel, Stockwerksgesimsen und profilierten Fensterbänken, Mitte des 19. Jahrhunderts; Fenster, Haustüre und Dacherker modern erneuert.G. P. Fehring u. a.: Nürnberg, S. 362f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Mittelstraße 4: Eingeschossiges Wohnhaus, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; mit Stall und Fachwerkscheune, Fenster erneuert. Mittelstraße 7: Eingeschossiger Sandsteinbau, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit zweigeschossigem Giebel; Stall und Backofen verändert. Fenster und Dachgauben erneuert. Mittelstraße 8: Eingeschossiges Haus des 18. Jahrhunderts mit verputztem Fachwerkgiebel und Schopfwalm. Fenster erneuert. Mittelstraße 10: Hofanlage des 18. Jahrhunderts. Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem Sandsteingiebel; Stall, Schupfen, Scheune und profilierte Sandsteintorpfeiler. Mittelstraße 39: Eingeschossiges Wohnhaus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; erneuert. Mittelstraße 41: Eingeschossiges Wohnhaus des 18./19. Jahrhunderts, mit dreigeschossigem Giebel und verkröpftem Traufgesims sowie ein- bzw. zweigeschossigem Anbau; modernisiert. Sandsteinscheune mit verputztem Giebel. Mittelstraße 48: Eingeschossiges verputztes Wohnhaus mit zweigeschossigem Giebel und Stallgebäude, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts Mittelstraße 49, 49a, 51, 53, 57: Kleine eingeschossige verputzte Giebelhäuser des 18./19. Jahrhunderts; teilweise modernisiert. Mittelstraße 56: Hofhaus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Sandstein; mit Volutengiebel und Kugelaufsätzen; teilweise modernisiert. Sebaldusstraße 3: Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem erneuertem Fachwerkgiebel, im Kern 18. Jahrhundert.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Kleinreuth hinter der Veste Jahr 1818 1836 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900Einwohner 185 240 248 266 250 244 295 382 573 862 981 1025 1053 1428HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1836 und von 1871 bis 1900 als Wohngebäude. 42 43 43 55 94 107 119Quelle Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 250 Einwohner. Kleinreuth war zu diesem Zeitpunkt schon Stadtteil von Nürnberg.

Ort Kleinreuth hinter der Veste Jahr 1818 1836 1840 1861 1871 1885 1910Einwohner 185 240 240 237 356 964 1642Häuser 42 42 42 93 Quelle

Religion Kleinreuth ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Sebald gepfarrt, später nach St. Johannis und aktuell nach St. Andreas. Die Katholiken sind nach St. Clemens gepfarrt.D. Fastnacht: Nürnberg, S. 314.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Stadtteil von Nürnberg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Nürnberg) Kategorie:Statistischer Distrikt von Nürnberg Kategorie:Gemarkung von Nürnberg Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1898 Kategorie:Ersterwähnung 1335