mini|Bistum Brandenburg (Diözesangrenzen) mini|hochkant|Das brandenburgische Bistumswappen Das Bistum Brandenburg ( oder Dioecesis Brandenburgensis) wurde laut Gründungsurkunde im Jahr 948 errichtet. Es gehörte anfangs zur Kirchenprovinz Mainz, ab 968 zur Kirchenprovinz Magdeburg. Namenspatron war der Apostel Petrus, ab Anfang des 13. Jahrhunderts zusätzlich der Apostel Paulus. Das Bistum hörte faktisch 1560, formal 1598 auf zu existieren.Dietrich Kurze: Bistum Brandenburg. In: Die Bistümer des Heiligen Römischen Reichs. Herder, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-451-28075-2, 1. Anfänge in ottonischer Zeit, S. 102.Christian Gahlbeck, Wolfgang Schößler: Brandenburgisches Klosterbuch. Band I. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0, Brandenburg/Havel. Prämonstratenser-Domkapitel St. Peter und Paul. 1. Allgemeines. 1.3 Kennzeichnung der Institutionen. 1.3.4 Patrozinium, S. 229.Felix Escher: Das Kurfürstentum Brandenburg im Zeitalter des Konfessionalismus. In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Der Ausbau des frühneuzeitlichen Territorialstaates: Landesherr und Stände seit der Reformation, S. 275–281, hier S. 277–278.
Lage Das Bistum Brandenburg erstreckte sich um 1500 über den Großteil der Mittelmark (Mark Brandenburg zwischen Elbe und Oder), Teile des Erzstifts Magdeburg, von Anhalt und von Sachsen-Wittenberg sowie (fast) das gesamte Hochstift Brandenburg.Dietrich Kurze: Legenden und Quellennachweise zu den Karten. In: Die Bistümer des Heiligen Römischen Reichs. Herder, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-451-28075-2, Bistum Brandenburg um 1500, S. 847–848.Rosemarie Baudisch: Geographische Grundlagen und historisch-politische Gliederung Brandenburg. In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landschaften. Mittelmark, S. 22–30.Dietrich Kurze: Die weltliche Macht der Brandenburger Bischöfe. Ihr Verhältnis zum Reich und zur Landesherrschaft der Brandenburger Markgrafen. In: Wege in die Himmelsstadt. 1. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-936872-40-6, Landkarte Diözese und Hochstift Brandenburg im 15. Jahrhundert, S. 149
Geschichte mini|Der Dom St. Peter und Paul (rechts) mit angebauter Domklausur, Kloster und Nebengebäuden
Bistumsgründung Im Winter 928 eroberten Truppen des sächsisch-christlichen Herrschers Heinrich I. eine der ostelbischen slawischen Hauptburgen, die Brandenburg. Das Bistum wurde sodann durch König Otto errichtet. Dieser stattete das Bistum auch mit den nötigen weltlichen Besitzungen, die das Hochstift Brandenburg, das bischöfliche Fürstentum bildeten, aus. Die Gründungsurkunde des Bistums, die im Original erhalten ist, wurde auf den 1. Oktober 948 datiert. Es existiert jedoch ein Historikerstreit, wann das Bistum tatsächlich gegründet wurde, wobei sich die Daten zwischen 938 (beruhend auf einem Chronik-Vermerk durch Thietmar von Merseburg) und 965 bewegen. Ein Ziel der Bistumsgründung war die Eingliederung der ostelbischen Gebiete in das ostfränkische Reich.
Vertreibung der Bischöfe Eine zentrale Aufgabe war die Missionierung und Bekehrung der wendischen Bevölkerung. Dagegen formierte sich Widerstand der einheimischen Bevölkerung, der im Slawenaufstand von 983 gipfelte. Dabei wurden die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg erobert. Bischof Folkmar von Brandenburg konnte fliehen, die übrigen Geistlichen wurden gefangen genommen. Neben anderen Gewalttätigkeiten vergriffen sich die Eroberer auch an dem Grab von Bischof Dodilo. Jenseits der Elbe brach die Kirchenorganisation fast völlig zusammen.
Auch wenn ihre Diözesen praktisch verloren waren, wurden dennoch weiter Bischöfe von Havelberg und Brandenburg gewählt. Sie lebten entweder in der Nähe der Erzbischöfe von Magdeburg oder amtierten als Weihbischöfe in westlichen Teilen des Reiches.
Neuaufbau der Bistumsorganisation mini|Wigger, Bischof von Brandenburg (1138–1160) links und Otto I., Bischof von Bamberg rechts flankieren Albrecht den Bären, Postkarte, 1898
Erst seit Anfang des 12. Jahrhunderts gab es Entwicklungen, die zu einem Wiederaufschwung der Missionstätigkeit und zur Rückkehr der Bischöfe in ihre Diözesen führten. Zu nennen ist die Herrschaftsbildung durch Markgraf Albrecht den Bären, der Beginn der Deutschen Ostsiedlung und das Auftreten neuer Reformorden insbesondere der Prämonstratenser. Aus ihren Reihen kamen verschiedene Brandenburger Bischöfe, die in erster Linie auf eine friedliche Missionstätigkeit setzten. Eine wichtige Rolle spielte in dieser Hinsicht Bischof Wigger von Brandenburg. Dieser errichtete in Leitzkau einen Prämonstratenserkonvent, welcher zum provisorischen Domkapitel der Diözese wurde. Möglicherweise auf Bitten des christlichen Hevellerfürsten Pribislaw konnte er den Prämonstratenserkonvent Pardwin in St. Gotthardt in der Siedlung Parduin, der späteren Altstadt Brandenburg gründen.
Sein Nachfolger Wilmar von Brandenburg machte 1161 dieses Stift zum Domkapitel und veranlasste 1165 dessen Übersiedlung auf die Dominsel von Brandenburg, wo nun auch der Grundstein zur neuen Kathedrale St. Peter und Paul gelegt wurde.Jörg Rogge: Heilige Hallen. Zur Ausbildung der Kirchenorganisation im Bistum Brandenburg vom 10. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Wege in die Himmelsstadt. 1. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-936872-40-6, S. 102–104. Nachdem bereits 1186 die Rechte von Domkapitel und Dompropst fixiert wurden, inkorporierte Papst Clemens III. das Domkapitel 1188 endgültig dem Prämonstratenserorden. An den Dom schließt sich im Norden eine Klosteranlage an, welche mit Refektorien, Dormitorien, Kreuzgang und Nebengelassen versehen ist. Im Nordwesten ragt ein größeres, mehrstöckiges Gebäude aus dem rechteckigen Grundriss der Klosteranlage heraus, das in alten Schriften den Namen „Spiegelburg“ trägt; wahrscheinlich diente es als bischöfliche Residenz. Die Klosteranlage selbst war in der Frühzeit Lebensmittelpunkt der ansässigen Domherren.
Die Bischöfe hatten neben der Dominsel zu Brandenburg die Nebenresidenzen Burg Pritzerbe und Burg Ziesar, die sie wechselweise bewohnten. Von 1216 bis 1275 wurde Pritzerbe und ab 1327 Ziesar bevorzugte Bischofsresidenz sowie Verwaltungszentrum für das Bistum. Die Verwaltung des Domes übernahmen vor Ort die Pröpste. Weilten die Bischöfe, zum Beispiel anlässlich ausgewählter religiöser Zeremonien, wieder in Brandenburg an der Havel, so bezogen sie den Bischofshof an der Kirche St. Gotthardt, die in der Frühzeit des Bistums selbst für ein Jahrzehnt während des Baus des Doms die Kathedralfunktion innehatte. Die Umfriedung des Bischofshofs (siehe Saldria (Gotthardtkirchplatz 9 und 10)) bildete gleichzeitig den nördlichen Abschluss der Altstadt Brandenburg.
Reformation und Ende Im 15. Jahrhundert zählte das Bistum Brandenburg 18 Sedes mit über 285 Pfarrkirchen. Seit 1527 durch Bischof Matthias von Jagow zunehmend protestantisiert, erhielt es 1540 die neue protestantische Kirchenordnung.LTHK3, Band 2, 631. Seit 1560 wurde Brandenburg mit Havelberg und Lebus in Personalunion geführt, welche schon bald in eine Realunion überführt wurde. 1560 ging der größte Teil des kirchlichen Besitzes (u. a. die Burg Ziesar) auf den Kurfürsten über. Das Domkapitel von Brandenburg ist bis auf den heutigen Tag als protestantisches Kathedralkapitel existent.
Organisation und Verwaltung Bischof
Über die Herkunft der Bischöfe vor und während der Exilzeit ist nur wenig bekannt. Eine wichtige Rolle bei der Bestimmung eines neuen Bischofs hatte zu dieser Zeit der König. Stärkeres Gewicht erhielt das prämonstratensisch geprägte Domkapitel seit der Mitte des 12. Jahrhunderts. Es galt die Bestimmung, dass die neuen Bischöfe möglichst aus den Reihen der Domkapitulare selbst stammen sollten oder zu mindestens Prämonstratenser waren.
Von 30 regulären Bischöfen und 9 Gegenbischöfen bis zur Reformation waren mindestens 21 Prämonstratenser. Die Übrigen waren meist Kleriker aus anderen Domkapiteln oder hatten andere gehobene Posten im Säkularklerus inne. Die meisten hatten einen adeligen Hintergrund. Mindestens 11 stammten aus dem märkischen Adel. Mit Siegfried I. war auch ein Mitglied des askanischen Fürstenhauses vertreten. Nachweisbar bürgerlicher Herkunft waren Stephan Bodecker und Hieronymus Schulz.Gustav Abb, Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil. Berlin / Leipzig 1929, S. 12–13.
Domkapitel mini|Langhaus und Chor des Doms zu Brandenburg
Das sich grundsätzlich selbst ergänzende Domkapitel mit Propst und Prior an der Spitze hatte in guten Zeiten ca. 30 Mitglieder, wobei der Anteil des Adels im 14. Jahrhundert bei 35 % und im 15. Jahrhundert bei 45 % lag. Zumeist ohne universitäre Bildung, versorgte das Kapitel etwa 14 seiner 30 Kirchen selbst. Nachdem der markgräfliche Versuch einer Umwandlung in ein Säkularkanonikerstift an Bischof und Kapitel 1447 gescheitert war, gelang die Transmutation 1506/07, wobei es auf 16 Mitglieder reduziert worden war. An seiner Spitze standen nun Propst und Dekan. Papst Leo X. verlieh dem Kurfürsten von Brandenburg, welcher bereits das Nominationsrecht auf 4 Domkanonikate besaß, 1514 das Nominationsrecht für die Dompropstei.
Archidiakonate Das Bistum Brandenburg war im 12. Jahrhundert in die Archidiakonate Leitzkau und Brandenburg gegliedert. Folgende Propsteien bestanden, entwickelten sich im 13. Jahrhundert:Gustav Abb, Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil. Berlin / Leipzig 1929, S. 14.Karl Friedrich Klöden: Diplomatische Geschichte des Markgrafen Waldemar von Brandenburg. Erster Theil. Berlin 1944. S. 76–78. Propstei Leitzkau, seit 1139, vom Stift Leitzkau verwaltet, umfasste Gebiet zwischen Elbe und Ihle Propstei Brandenburg, seit 1144/48, vom Domstift Brandenburg verwaltet, umfasste Gebiet westlich der Havel Propstei Jüterbog, nur kurzzeitig im 13. Jahrhundert Propstei Nauen, nur kurzzeitig im 13. Jahrhundert Propstei Mittenwalde, nur kurzzeitig im 13. Jahrhundert, dann zur Propstei Brandenburg Propstei Liebenwalde, später als Propstei Templin Propstei Berlin, 1244 erstmals erwähnt, seit 1467 durch Kollegiatstift Cölln verwaltet Propstei Stolpe, später Propstei Angermünde Propstei Bernau, 1292 erstmals erwähnt.
Die Archidiakonate überlebten die Reformation.
Sedes