Bei den Prachtguramis der Gattung Parosphromenus handelt es sich um relativ klein bleibende Vertreter der Unterordnung Labyrinthfische (Anabantoidei) innerhalb der Barschverwandten (Percomorphaceae), deren Verbreitungsgebiet in den Süßwasser- bzw. Torfsümpfen Südostasiens,P. K. L. Ng, M. Kottelat: Osphromenus deissneri Bleeker, 1859 (currently Parosphromenus deissneri Osteichtyes, Osphronemidae): proposed replacement of holotype by a neotype. (Case 3071). In: Bulletin of Zoological Nomenclature. 55(3), 1998, S. 155–158. genauer im Süden der Malaiischen Halbinsel, auf Borneo und Sumatra liegt. Die Gattung wurde von Pieter Bleeker 1877 etabliert, nachdem er 1859 bereits die Typusart Parosphromenus deissneri als Osphromenus deissneri beschrieben hatte. Ihren deutschen Namen verdankt sie der sehr attraktiven und farbenprächtigen Balzfärbung der männlichen Individuen. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise und den extremen Lebensräumen ist ihre Entdeckungsgeschichte relativ jungP. K. L. Ng: Schwarzwasserfische aus Nordselangor (Malaiische Halbinsel). In: Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift. 46, 1993, S. 112–117. und höchstwahrscheinlich noch nicht abgeschlossen. Heute sind alle Prachtguramiarten „infolge der rasanten Urwaldvernichtung in Südostasien hochgradig in ihrer Fortexistenz bedroht“. auf: parosphromenus-project.org, abgerufen am 1. März 2012.
Verbreitungsgebiet und Lebensräume mini|300px|Schwarzwasserbach in West-Malaysia – Typischer Lebensraum für Prachtguramiarten.
Bis jetzt sind Prachtguramis vom Süden Thailands, West-Malaysia, sowie von Borneo und Sumatra wissenschaftlich dokumentiert. Sie kommen dort ausschließlich im Süßwasser der küstennahen Tieflandregenwälder und Torfsümpfen, z. B. den Torfmoorwäldern von Borneo vor.M. Kottelat, P. K. L. Ng: Diagnoses of six new species of Parosphromenus (Teleostei: Osphronemidae) from Malay Peninsula and Borneo, with notes on other species. In: The Raffles Bulletin of Zoology. Supplement No. 13, 2005, S. 101–113. In den Biotopen bestehen die Böden zumeist aus Pflanzendetritus und Torf, der wie ein Schwamm in der Regenzeit Wasser speichert und dieses dann über die Trockenzeit wieder abgibt.
Hierbei wird das Wasser durch das langsam verrottende pflanzliche Material mit verschiedenen Huminstoffen angereichert und erhält dadurch seine charakteristischen Eigenschaften. Die Habitate, zumeist langsam fließende Bäche, führen sehr weiches und saures Wasser, das wegen seiner typischen dunklen, teebraunen Färbung als Schwarzwasser bezeichnet wird und dabei „glasklar“P. Finke: Mein Paro-Rezept – über die Haltung und Zucht von Prachtguramis. In: Der Makropode. 28(7/8), 2006, S. 115–126. ist. Der pH-Wert liegt in solchen Gewässern meist zwischen 4,5 und 5,5, in Ausnahmefällen jedoch sogar bei 3,4P. K. L. Ng, J. B. Tay, K. K. P Lim: Diversity and conservation of blackwater fishes in Peninsular Malaysia, particularly in North Selangor peat swamp forest. In: Hydrobiologica. 285, 1994, S. 203–218. bei gleichzeitiger Mineralienarmut: für die elektrische Leitfähigkeit werden meist Werte zwischen 6 μS/cm und 75μS/cm gemessen.H. Linke: Labyrinthfische – Farbe im Aquarium. 5. komplett überarbeitete Auflage. Tetra-Verlag, Münster 1998, S. 9–10 und S. 120–141.
Prachtguramis sind bis auf wenige Ausnahmen stenotope Schwarzwasserarten, die an diese extremen Bedingungen angepasst sind und können deshalb als Bioindikator zur Klassifikation von Gewässern dienen. Vor allem die Eier der Prachtguramis benötigen zur Entwicklung dieses eigentlich „lebensfeindliche Milieu“, auf: parosphromenus-project.org, abgerufen am 1. März 2012. da die niedrigen pH-Werte auf der anderen Seite eine „geringstmögliche Keimbelastung“ garantieren. Diese Torfsümpfe gehören zu den am stärksten bedrohten Biotopen Südostasiens, v. a. der Malaiischen Halbinsel. Ng u. a. weisen bereits 1994 darauf hin, dass viele der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchten Schwarzwassersümpfe Singapurs und West-Malaysias in Reis-, Ananas-, zumeist aber in Ölpalm-Plantagen umgewandelt wurden und der Schutz der verbliebenen Biotope von entscheidender Wichtigkeit sei, um das Aussterben vieler, auch ökonomisch wertvoller Arten zu verhindern.
Ernährung Wie die meisten Labyrinthfische ernähren sich auch die Prachtguramis hauptsächlich von Zooplankton wie Kleinkrebse, Weichtiere, Insekten und deren Larven. Es scheinen v. a. die Larven von Süßwassergarnelen eine große Rolle zu spielen, die in den Biotopen oft in großer Anzahl und in verschiedener Größe anzutreffen sind. auf: igl-home.de, abgerufen am 1. März 2012.
Merkmale und Geschlechtsdimorphismus mini|250px|Weiblicher Prachtgurami in schlichter Streifenfärbung – Parosphromenus phoenicurus. mini|250px|Ausgefärbte Männchen beim gegenseitigen Imponieren- Parosphromenus phoenicurus.
Alle Prachtguramiarten zeigen in Normalfärbung, mehr oder weniger stark ausgeprägt, ein charakteristisches Längsstreifenmuster auf den Körperseiten, bestehend aus zwei dunkelbraunen bis schwarzen Längsstreifen auf hellbraunem bzw. beigem Grund von der Schnauze, oft „auch durch das Auge“M. Hallmann: Prachtguramis ein komplexes Thema. Teil 3: Vertreter der Parosphromenus harveyi-Gruppe. In: Der Makropode. 33(3) 2011, S. 83–87. bis zum Ansatz der Schwanzflosse. „Der [im Englischen gebräuchliche] Begriff Licorice gourami, also Lakritzengurami, beschreibt die Körperzeichnung recht anschaulich“. Die Gattung besitzt einen ausgeprägten Geschlechtsdichromatismus(→ Sexualdimorphismus). Während Männchen besonders in Prachtfärbung kontrastreiche Farbmuster, oft in Form einer Bänderung in den unpaaren Flossen, mit irisierenden Elementen besitzen, sind die Weibchen insgesamt eher unauffällig gefärbt und zeigen nur selten matte Farbsprenkel in den ansonsten transparenten Flossen. Darüber hinaus ähneln sich die Weibchen der meisten Arten so sehr, dass eine Identifikation nur anhand von männlichen Individuen in Prachtfärbung erfolgen kann. Hierfür spielen, vor allem bei Vertretern der sehr homogenen „P. harveyi-Gruppe“ (s. u.), die genannten farbigen Bänderungen, sowie die Farben der Bauchflossen und deren Filamente eine entscheidende Rolle.
Ein weiteres Merkmal der Prachtguramiarten sind die kleinen maximal erreichten Gesamtlängen. P. parvulus beispielsweise repräsentieren „mit einer maximalen Gesamtlänge von 27mm […] die kleinsten derzeit bekannten Labyrinthfische“J. Vierke: Ein neuer Labyrinthfisch von Borneo – Parosphromenus parvulus nov. spec. In: Das Aquarium. 120, 1979, S. 247–250. Die meisten Arten liegen mit ihren Maximalgrößen zwischen 3,5 cm und 4,5 cm. P. quindecim und P. deissneri, als größte Vertreter der Gattung erreichen maximale Gesamtlängen von 5,0 cm. auf: parosphromenus-project.org, abgerufen am 1. März 2012.
Ebenfalls eine Besonderheit sind die vielstrahligen, und somit verhältnismäßig langen Rücken- und Afterflossen. Je nach Art variieren die Zahlen der Hartstrahlen in Rücken- und Afterflossen bei P. ornaticauda zwischen 9 und 11 bzw. zwischen 7 und 9,M. Kottelat: Notes on the taxonomy and distribution of some Western Indonesian freshwater fishes, with diagnoses of a new genus and six new species (Pisces: Cyprinidae, Belontiidae, and Chaudhuriidae). In: Ichthyological Exploration of Freshwaters. 2, 1991, S. 273–287. bei P. paludicola zwischen 17 und 18 bzw. zwischen 13 und 16.M. W. F. Tweedei: Notes on Malayan fresh-water fishes. Teil 3: The ananbantoid fishes. Teil 4: Some new and interesting records. Teil 5: Malay names. In: Bulletin of the Raffles Museum. 24, 1952, S. 63–95. Bei der Balz der Männchen kann durch diese Flossenstruktur der Eindruck entstehen, es handele sich um einen geschlossenen, umlaufenden Flossensaum, wobei die bei einigen Arten vorkommende durchgehende farbige Bänderung diesen Effekt noch unterstreicht (→ vgl. Abb. P. phoenicurus). Die Weibchen zeigen im Gegensatz zu den Männchen weniger stark ausgezogene Flossen und wirken insgesamt kompakter.
Verhalten und Fortpflanzung Prachtguramis sind ruhige, scheue Fische, die sich so gut wie nie im Freiwasser, sondern meist versteckt im Wurzeldickicht, in Pflanzenpolstern oder der ins Wasser hängenden Ufervegetation, sowie unter Überhängen aufhalten.W. Foersch: Beobachtungen bei der Zucht von Parosphromenus deissneri. In: Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift. 27(10) 1974, S. 338–343 und 27(11) 1974, S. 372–374.D. Schaller: Parosphromenus nagyi spec. nov., ein neuer Prachtgurami aus Malaysia (vorläufige Mitteilung). In: Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift. 38, 1985, S. 301–303.
Ebenso sind sie in Bodennähe zwischen Falllaub auch in den tieferen Wasserschichten von 1,0m-1,5m zu finden. Letzteres überrascht, da die meisten anderen Vertreter der Labyrinthfische eher oberflächenorientiert leben, da sie obligat atmosphärische Luft atmen müssen. Dies ist als Anpassung an zumeist stehende und während der Trockenzeit sehr warme und damit sauerstoffarme Gewässer zu sehen. Obwohl Prachtguramis ebenfalls ein solches zusätzliches Atmungsorgan besitzen, scheinen sie nahezu vollständig auf die Labyrinthatmung zu verzichten. Somit ist anzunehmen, dass das Wasser in den entsprechenden Biotopen genügend Sauerstoff enthält, sodass „die Kiemenatmung offensichtlich ausreicht“. Eine Besonderheit sind auch die verschiedenen Stimmungsfärbungen, die von der Normalfärbung abweichen und „oft in wenigen Sekunden wechseln können“. auf: parosphromenus-project.org, abgerufen am 1. März 2012.
Balz und Brutpflege mini|Balzendes Paar von Parosphromenus phoenicurus – Das Weibchen verliert seine Streifenzeichnung. mini|150px|Parosphromenus harveyi – Balzendes Männchen in typischer „Kopfüber-Stellung“.
Des Weiteren zeigen alle Prachtguramiarten ein interessantes Balz- und Brutpflegeverhalten. Zur Balzzeit, die für viele Arten höchstwahrscheinlich mit dem Einsetzen des Monsunregens im November und der damit verbundenen Verdünnung der während der Trockenzeit aufkonzentrierten Gewässer beginnt, besetzen die Männchen kleine höhlenartige Unterstände im Falllaub oder Wurzelgeflecht der Ufervegetation und bauen ein rudimentäres Schaumnest an der Höhlendecke. auf: parosphromenus-project.org, abgerufen am 1. März 2012. Bei einigen Arten kann es vorkommen, dass, wenn überhaupt, erst nach dem Ablaichen ein kleines Schaumnest gebaut wird, z. B. bei P. tweediei. Eine Ausnahme mit größerem Schaumnest bildet lediglich P. filamentosus.J. Vierke: Parosphromenus filamentosus n.sp. aus SO-Borneo (Pisces: Belontiidae). In: Senckenbergiana Biologica. 61, 1981, S. 363–367. Die Männchen zeigen nun ihre Prachtfärbung, die bei vielen Arten auf einer Verstärkung der vorhandenen Farben und Kontraste (zusätzlich dunkle Kehl- und Bauchregion) beruht, bei einigen jedoch völlig von der Normalfärbung abweicht, wie z. B. bei P. nagyi oder P. parvulus. In ihrer kontrastreichsten und auffälligsten Färbung versuchen sie nun durch Imponieren und verschiedene Balztänze laichbereite Weibchen in die Höhle zu locken und mit ihnen abzulaichen. Dabei spannen sie ihre Flossen auf und führen mit dem Körper zitternde Bewegungen aus, möglicherweise um seitwärts, in Richtung des Weibchens gerichtete Druckwellen zu erzeugen. Je nach Art geschieht dies mit dem Kopf nach oben (P. ornaticauda, P. parvulus, P. sumatranus), in waagrechter Körperhaltung (z. B. P. pahuensis) oder Kopfüber (z. B. P. tweediei, P. deissneri). Dies ist ein wichtiges ethologisches Merkmal, das zur Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung herangezogen werden kann. (siehe unten → Systematik)