Der Wiener Akademikerball ist ein seit 2013 jährlich stattfindender Ball in der Wiener Ballsaison, der von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Landesgruppe Wien, organisiert wird. Er gilt als Nachfolger des Wiener Korporations-Balls (auch Ball des Wiener Korporationsrings oder kurz WKR-Ball), der von 1952 bis 2012 jährlich von farbentragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet wurde.

Seit 2008 kommt es jährlich zu Demonstrationen verschiedener Organisationen gegen den Ball. Die Proteste richten sich unter anderem gegen die Ausrichtung in der Wiener Hofburg, das verstärkte Medienecho der Gegner wurde durch die Teilnahme von Mitgliedern rechter und extrem rechter europäischer Parteien ausgelöst.

Organisation und Geschichte mini|Korporations-Ball 2002 in der Hofburg Wiener Korporations-Ball (1952–2012)

Der Wiener Korporations-Ball wurde von dem im Zentralen Vereinsregister des österreichischen Bundesministeriums für Inneres (BMI) als Wiener Korporations-Ring, Ballausschuss – Verein für Brauchtumspflege eingetragenen Verein organisiert.Abfrage im Zentralen Vereinsregister am 16. Februar 2011. Erstmals fand der WKR-Ball am 4. Februar 1952 im Wiener Konzerthaus statt, das zu dieser Zeit im britischen Sektor lag. Als Gründer der Veranstaltung gelten Viktor Hafner, Robert Drachus, Walter Wirth und Karl Bartl. Ab dem 16. Ball war bis auf 1987 der Festsaaltrakt der Wiener Hofburg der Veranstaltungsort.Wiener Korporations-Ball: Nach Kritik an der Betreibergesellschaft der Hofburg kündigte diese an, ihre Räumlichkeiten im Jahr 2012 zum letzten Mal an den WKR zu vermieten.Letzter Korporationsball in der Hofburg. In: ORF. 1. Dezember 2011. Dies wurde Ende November 2011 von der Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft m.b.H. beschlossen, der Ball hatte für 2012 jedoch noch einen gültigen Vertrag.WKR-Ball 2012 zum letzten Mal in der Hofburg. In: Der Standard. 1. Dezember 2011.

Wiener Akademikerball (seit 2013) Um die Wiener Hofburg als Veranstaltungsort nicht zu verlieren, wurde die Organisation des Balles 2012 von der Wiener Landesgruppe der FPÖ übernommen und in Wiener Akademikerball umbenannt. Am 1. Februar 2013 fand somit der 1. Wiener Akademikerball statt. Auf Nachfrage, ob darin nicht ein Widerspruch zu sehen sei, argumentierte die Betreibergesellschaft der Hofburg, dass die Hofburg als ein Haus der Republik allen im österreichischen Parlament vertretenen Parteien offenstünde.Sebastian Pumberger: WKR-Ball-Nachfolger auch 2013 in der Hofburg. In: Der Standard. 9. März 2012. Die Hofburg-Betreibergesellschaft wurde kritisiert, da sie für den ersten Akademikerball den vereinbarten Termin des Balles der Universität für Bodenkultur verschob.Corinna Milborn: Boku-Ball muss FPÖ weichen. In: News. 15. März 2012.

Der Ball hat, insbesondere nach dem Wechsel von Namen und Veranstalter, eine deutlich geringere Besucherzahl zu verzeichnen.Judith Goetz: Ausgetanzt! Eine kritische Bilanz der Proteste gegen den WKR-Ball. In: Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Hrsg.): Rechtsextremismus. Entwicklungen und Analysen, Band 1. Mandelbaum, Wien 2014, S. 217. 2014 nahmen laut dem Bündnis Jetzt Zeichen setzen! 400 Ballbesucher teil, laut Angaben des Veranstalters 1.500 bis 2.000.Akademikerball: Massive Kritik an Polizei und Randalierern. In: Der Standard. 25. Jänner 2014. 2015 wurden 1.500 Ballbesucher erwartet.Artikel im Standard vom 31. Januar 2015, abgerufen am 2. Februar 2015.

Am 16. Februar 2024 besuchte Richard Lugner in Begleitung des Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer den Wiener Akademikerball.Skandal-Wiederholung Lugner tanzt mit FPÖ-Hofer beim Akademikerball an Von Newsdesk Heute 16. Februar 2024Wien Lugner am Akademikerball: "Ich habe keine Rechtsextremen gesehen", Kurier (Tageszeitung) 18. Februar 2024Parlament in Wien Die Lugners bei Jubiläumsfeier von Norbert Hofer, meinbezirk.at, 28. Februar 2024.

Rezeption Mindestens seit 2008 kam es jährlich zu DemonstrationenRiesiges Polizei-Aufgebot, 500 Demonstranten, vier Festnahmen. In: Der Standard. 29. Jänner 2011. und heftiger Kritik an dem Ball, etwa durch die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) der Universität Wien, die Grünen,Proteste gegen „Burschenschafter Ball“ in Hofburg. In: Die Presse. 22. Jänner 2008. die Grüne & Alternative StudentInnen (GRAS),Proteste angekündigt. In: Der Standard. 29. Jänner 2009. oder die SPÖ,Jetzt Zeichen setzen!: UnterstützerInnen die unter anderem mit der Teilnahme hochrangiger Vertreter rechter und rechtsextremer europäischer Parteien begründet wurden.Saskia Jungnikl, Sebastian Pumberger: Rechtsextremer Vlaams Belang-Chef am Hofburg-Ball. In: Der Standard. 9. Februar 2010.Anita Zielina: Fünf Fragen und Antworten zum WKR-Ball. In: Der Standard. 28. Jänner 2011. Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) haben zwischen 2009 und 2011 Persönlichkeiten wie Markus Beisicht, Patrik Brinkmann, Filip Dewinter, Alexander Dugin, Matthias Faust, Bruno Gollnisch und der rechtsextreme katalanische Politiker Enrique Ravello an mindestens einem Ball teilgenommen.Umstrittenster Ball Österreichs. In: Salzburger Nachrichten. 26. Jänner 2012.

Auch der Veranstaltungsort des Balls wurde durch die ÖH kritisiert; dieser sei einer der repräsentativsten Prunkräume der Republik.Österreichische HochschülerInnenschaft: ÖHs Uni Wien und Bundesvertretung rufen zur Demo gegen den WKR-Ball auf. 27. Jänner 2011. Der Betreiber Hofburg Vienna teilte hingegen mit, dass der WKR-Ball ein Ball mit jahrzehntelanger Tradition am Austragungsort sei und unter dem Ehrenschutz offizieller politischer Vertreter der Republik stehe.Österreichisches Parlament: WKR-Ball in der Hofburg (4430/AB): Anfragebeantwortung durch den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend Dr. Reinhold Mitterlehner zu der schriftlichen Anfrage (4480/J) der Abgeordneten Mag. Dr. Wolfgang Zinggl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend WKR-Ball in der Hofburg. 1. April 2010. Im Dezember 2011 änderte sie jedoch ihre Haltung und kündigte an, dass die Hofburg ab 2013 nicht mehr für den Ball vermietet werde.Hofburg Vienna: Wiener Korporationsball 2012 zum letzten Mal in der Hofburg Vienna. 1. Dezember 2011. Dieser Schritt erfolgte aufgrund einer Initiative der Casinos Austria, die die Hofburg mitbetreiben und erklärten, dass sie jede Form von Extremismus entschieden ablehnten und Organisationen, die die nötige Distanz zu einschlägigem Gedankengut vermissen ließen, keine Bühne geben wollten.Casinos Austria gegen WKR-Ball in Wiener Hofburg. In: Der Standard. 30. November 2011.

Im Zusammenhang mit dem Ball 2012 wurde der WKR dafür kritisiert, diesen am 27. Jänner, dem internationalen Holocaustgedenktag abzuhalten. Nach Auskunft des Veranstalters findet der Ball seit mehr als vierzig Jahren am letzten Freitag im Jänner statt und fällt damit gelegentlich auf den 27. Jänner,Ballausschuss des Wiener Korporationsballes: Gegendarstellung. 30. November 2011. der seit 2005 in Österreich als Holocaust-Gedenktag gilt.Wiener Zeitung: Zeig mir deine drei Farben, und ich sag dir, wer du bist; abgerufen am 26. Jän. 2018. 2017 fand die Veranstaltung deshalb erst am 3. Februar statt.Tirol.com: ; abgerufen am 26. Jän. 2018.

Im Jänner 2012 wurde bekannt, dass der WKR-Ball von der österreichischen UNESCO-Kommission als eines der Beispiele des von dieser auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes in Österreich gesetzten Wiener Balls genannt wurde. Daraufhin entfernte die Kommission den Eintrag Wiener Ball und gab an, dass die Beispielliste nicht von ihr, sondern vom Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle zusammengestellt wurde und sie den WKR-Ball in dieser Liste übersehen habe.UNESCO streicht „Wiener Ball“ aus Weltkulturerbe. In: Kleine Zeitung. 19. Jänner 2012. Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek bezeichnete die Eintragung des WKR-Balls in die Liste als „Verunglimpfung Österreichs“. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach mit Blick auf die Kritiker des WKR-Balls hingegen von einem „Kesseltreiben der selbsternannten Zivilgesellschaft“, die ein „völlig unerträgliches Ausmaß an Unappetitlichkeit“ angenommen habe.SOS Mitmensch: Elfriede Jelinek für Rücktritt der UNESCO Kommission nach WKR-Kulturerbe-Skandal. 19. Jänner 2012. Die Washington Post bezeichnete am 19. Jänner 2011 die Entscheidung des österreichischen UNESCO-Komitees zur Entfernung des Elements Wiener Ball als symbolisch für den in den letzten Jahren einsetzenden kritischen Umgang mit dem Nationalsozialismus in Österreich.Committee strikes Vienna balls from culture list, citing concerns about extremism. In: The Washington Post. 19. Jänner 2011.

Die französische Politikerin Marine Le Pen (Front National) wurde 2012 von der französischen Zeitung Libération für ihren Besuch des WKR-Balls kritisiert, sie habe an einem „widerlichen Ball für Nostalgiker des 3. Reichs“ teilgenommen.Blaise Gauquelin: Valse brune à Vienne. In: Libération. 28. Jänner 2012.Scharfe Kritik an Le Pen wegen Besuchs von „widerlichem Ball“. In: Der Standard. 31. Jänner 2012.

In Österreich wurde Kritik am FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache laut, nachdem dieser die Demonstrationen gegen den Ball mit der Verfolgung der Juden verglichen hatte.Tobias Müller: Der letzte Tanz der „neuen Juden“ in der Hofburg. In: Der Standard. 29. Jänner 2012.Breite Empörung über Straches Judenvergleich. In: Der Standard. 30. Jänner 2012. In der Zeit im Bild (ZiB2) des ORF vom 31. Jänner 2012 rechtfertigte sich Strache, er habe „den Vergleich nicht direkt“ gezogen und ein belauschtes Privatgespräch sei „völlig falsch und aus dem Zusammenhang“ gerissen wiedergegeben worden.„Völlig falsch und aus dem Zusammenhang“. In: ORF. 3. Februar 2012.

Proteste gegen den Ball mini|Kundgebung „Jetzt Zeichen setzen!“ gegen den WKR-Ball 2012

Proteste 2005 Nachdem dem WKR-Ball in der breiten Öffentlichkeit wenig Beachtung geschenkt worden war, wurde 2005 bekannt, dass regelmäßig Vertreter der extremen Rechten Europas auf der Gästeliste gestanden hatten. Dies löste öffentliche Proteste aus.Wie die FPÖ für die Burschenschafter die Hofburg rettete. In: Der Standard. 1. Februar 2015, S. 17.

Proteste 2008 Seit 2008 gibt es jährlichDemonstrationen gegen den Ball. Die Demonstration gegen den WKR-Ball entwickelte sich dabei quasi zum Nachfolger der Opernballdemo,Christine Imlinger, Erich Kocina: Der Kampf um die Hofburg. In: Die Presse. 24. Januar 2014. wobei auch linksextreme Gruppierungen ihre Proteste vermehrt von der Opernballdemo zur WKR-Demo verlagerten.VERFASSUNGSSCHUTZBERICHT 2009, eingesehen am 3. Dezember 2014.

Proteste 2010 2010 wurde die Demonstration erstmals im Voraus untersagt. Am ursprünglich angemeldeten Kundgebungsort, dem Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof, wurden rund 700 Personen eingekesselt und wegen einer Verwaltungsübertretung (Verstoß gegen das Versammlungsgesetz) angezeigt.700 Anzeigen bei Demo gegen Ball, oe24.at, 1. Februar 2010 (abgerufen am 30. August 2014). Anlässlich dieser Demonstration sprach der Menschenrechtsbeirat des Bundesministeriums für Inneres eine Empfehlung zum Umgang mit sogenannten „Polizeikesseln“ aus.Der Menschenrechtsbeirat: – Empfehlung zum Umgang mit sogenannten „Polizeikesseln“. Empfehlung Nr. 349

Proteste 2011