miniatur|hochkant|Richard Cramer, um 1905 Richard Cramer (* 13. Juni 1847 in Köthen; † 9. September 1906 in Berlin; vollständiger Name: Richard Edmund Otto Cramer) war ein deutscher Bauingenieur.

Leben Richard Cramer war der Sohn des Schul- und Konsistorialrates Dr. Johann Martin Andreas Cramer (1809–1885) und dessen Ehefrau Wilhelmine Caroline geb. Joachimi. Nach dem Abitur am Gymnasium in Köthen machte Cramer ein sechsmonatiges Praktikum in der Dinglingerschen Maschinenfabrik in Köthen. Von Oktober 1865 bis Oktober 1868 studierte er an der damaligen Berliner Gewerbeakademie, einer Vorgängerin der heutigen Technischen Universität Berlin. 1867 redigierte er den Hütte. Cramer arbeitete als Konstrukteur bei den Unternehmen C. Hoppe und C. Hummel, bei den Neubauten der Berlin-Potsdam-Magdeburger- (seit 1871) und bei denen der Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (1874 bis 1877). Anschließend übte er seinen Beruf als selbständiger Zivilingenieur aus. 1888 wurde er gerichtlicher Sachverständiger für Baukonstruktionen und Aufzüge.

Cramer wurde 1894 zum außerordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens ernannt und später zum ordentlichen Mitglied. Im Jahre 1899 erhielt er den nichtakademischen Titel Baurat, bei der Wiedereröffnung des Königlichen Schauspielhauses nach dem großen Umbau unter seiner Mitarbeit wurde er durch die Verleihung des Roten Adler-Ordens IV. Klasse ausgezeichnet. 1906 erhielt er den Professorentitel.

Cramer war seit 1877 Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Berliner Bezirksvereins des VDI. Er war mehrfach im Vorstand des Bezirksvereins und vertrat seinen Bezirksverein auch im Vorstandsrat des VDI. Er war ebenfalls Mitglied des Berliner Architekten-Vereins und des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieurvereine. Der Akademische Verein Hütte ernannte Cramer zu seinem Ehrenmitglied.

Richard Cramer starb im September 1906 an einem Herzinfarkt.

Arbeiten Als Ingenieur war er an der Statik und der konstruktiven Durchbildung einer großen Zahl von Monumentalbauten, Geschäfts- und Wohnhäusern, Gas- und Wasserwerken, Fabriken, Brücken, Theatern, Opernhäusern, Festsälen und Kirchen beteiligt. In Berlin 1871–1874: Reichspostamt (Entwurf Carl Schwatlo) 1876–1884: Umbauten am Alten Museum 1877–1880: Umbauten am Zeughaus (Ruhmeshalle, Entwurf Friedrich Hitzig) 1880–1883: Erweiterung der Börse (Entwurf Friedrich Hitzig) 1880–1886: Völkerkundemuseum (Entwurf Ende & Böckmann) 1881/82: Umbau der Deutschen Kirche (Entwurf von der Hude & Hennicke) 1883–1886: Neuer Packhof in Moabit (Entwurf Fritz Wolff) 1883–1889: Museum für Naturkunde (Entwurf August Tiede) 1884–1887: Umbau der Hedwigskathedrale (Entwurf Max Hasak) 1885: Umbau und Aufstockung des Neuen Museums 1885–1888: Heiligkreuzkirche (Entwurf Johannes Otzen) 1887–1891: Patentamt (Entwurf August Busse) 1887/88: Lessingtheater (Entwurf von der Hude & Hennicke) 1888/89: Umbauten am Schauspielhaus (Entwurf Reinhold Persius) 1891/92: Neues Theater am Schiffbauerdamm (Entwurf Heinrich Seeling) 1892: Havelbrücke in Spandau, Fabrikgebäude Meisenbach, Riffarth & Co. in Schöneberg (Entwurf Fritz Wolff) 1892–1894: Erweiterung der Reichsbank (Entwurf Julius Emmerich, Bauleitung Max Hasak) 1893–1896: Erweiterung des Reichspostamts für das Reichspostmuseum (Entwurf Ernst Hake) 1896: Synagoge Lützowstraße (Entwurf Cremer & Wolffenstein) 1898–1900: Warenhaus Tietz, Leipziger Straße (Entwurf Bernhard Sehring und Louis Lachmann) 1901: Provisorisches Pergamonmuseum (Entwurf Fritz Wolff) 1903: Kaiser-Wilhelm-Akademie (Entwurf Cremer & Wolffenstein) Erweiterung des Kunstgewerbemuseums, Landtagsgebäude, Gasometer in Schöneberg, Charlottenburg u. a., Wasserwerke in Steglitz, am Wannsee und in Lichtenberg, Fabrikgebäude für Siemens, Loewe und die königlichen Werkstätten in Spandau, Skulpturenhalle am Landesausstellungsgebäude in Moabit. Außerhalb Berlins Kyffhäuserdenkmal, Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck, Rathäuser in Leipzig und Stuttgart, Umbau des Theaters in Hannover, Theater in Halle, Essen und Rostock, Kirchen (u. a. in Leipzig), Reichsgericht in Leipzig, Hessisches Landesmuseum in Darmstadt, Synagogen (u. a. in Magdeburg), Fabrikbauten in Dessau, Erfurt, Gotha u. a.

Literatur Rönnebeck: Richard Cramer †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 26. Jahrgang 1906, Nr. 75 (vom 15. September 1906), S. 481f.

Ines Prokop: Stahlbau, Tragwerke und ihre Protagonisten in Berlin 1850-1925, Mensch und Buch Verlag 2012Entstanden aus ihrer Dissertation in Berlin: Eiserne Tragwerke in Berlin. 1850-1925. Einfluss von Material auf die Bauwerke, 2011. Fortschreibung der Untersuchung des Stahlbaus in Berlin und Potsdam bis 1850 von Werner Lorenz.

Weblinks Ines Prokop: Vom Eisenbau zum Stahlbau: Richard Cramer – Otto Leitholf – Gerhard Mensch, Vorträge Deutsches Technikmuseum März 2018, momentum magazin (mit Foto)

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Verein Deutscher Ingenieure) Kategorie:Bauingenieur Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1847 Kategorie:Gestorben 1906 Kategorie:Mann