mini|280px|Kurzmantel aus russischem Goldzobel (2011) Seit über 1000 Jahren wird das Zobelfell als Kostbarkeit gehandelt. Wie die Erschließung des amerikanischen Kontinents zum großen Teil wegen der Begehrlichkeit nach dem damals für die Hutfilzherstellung geschätzten Biberfell erfolgte, so wurde Sibirien durch die Jagd auf den Zobel und andere pelztragende Tiere für Bekleidungszwecke erobert. Besonders schöne Zobelfelle mussten von den Anwohnern als Tribut an die russische Krone abgeliefert werden. Diese Kronenzobel waren über Jahrhunderte ein beliebtes Geschenk der Zaren an ausländische Würdenträger. Noch heute ist der Zobel der am höchsten bewertete Pelz.
Das Fell des Zobels, russisch Sobol, ist meist als Russischer Zobel oder Sibirischer Zobel im Handel und wird zur Unterscheidung zum Fell des amerikanischen Zobels auch Echter Zobel genannt.Paul Schöps, in Verbindung mit H. Fochtmann, Richard Glöck, Kurt Häse, Richard König, Fritz Schmidt (Überlingen): Der Zobel. In Das Pelzgewerbe. Jahrgang X / Neue Folge, Hermelin-Verlag, Berlin/Frankfurt am Main/Leipzig/Wien 1959, Nr. 4, S. 154–161.
Geschichte des Zobelfellhandels mini|hochkant|1903 bei einem Ball am Zarenhof, zu dem ein Großteil der Teilnehmer in zobelverbrämter traditioneller Tracht erschien.
Zobelfelle gelten seit über 1000 Jahren als ganz besondere Kostbarkeiten. Für das dritte bis zweite Jahrhundert vor Christus bis ins dritte Jahrhundert nach Christus wird berichtet, dass Zobelfelle als „Skythischer Marder“ aus dem Skythenreich über das Schwarze Meer ausgeführt wurden. Die Eroberung Sibiriens ist nicht zuletzt auf den Wunsch nach dem Besitz dieser wertvollen Felle zurückzuführen.Wladimir Pawlinin, Swerdlowsk: Der Zobel. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg 1966.
Im zweiten Grabhügel (Kurgan) von Pazyryk im Altai aus dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung befand sich, neben anderen Pelzen, eine Jacke aus Zobelfell, die einer skythischen Fürstin mit ins Grab gegeben wurde, als sie ihrem erschlagenen Ehemann in den Tod folgen musste.B. Brentjes: Der älteste erhaltene Stiefel aus Leopardenfell. In: Das Pelzgewerbe. 1966 Nr. 4, Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 173.
mini|hochkant|Innenfutter aus Zobelfellköpfen (Peter Paul Rubens, zwischen 1616 und 1618)
Harald Hårfagre (* ca. 852; † 933), der erste König des größten Teils der Küste Norwegens, ließ von seinen Hofleuten „Sofalaskind“, das sind Zobelfelle, zur Fütterung der Mäntel holen.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inauguraldissertation. Universität Köln 1940, S. 23. Inhaltsverzeichnis. Primärquelle Joh. E. Fischer: Sibirische Geschichte von der Entdeckung Sibiriens bis auf die Eroberung dieses Landes durch die russischen Waffen. St. Petersburg 1768, II Bände, S. 3119. Um 1020 rüstete König Olaf von Norwegen Schiffe aus, die über die Nördliche Dwina in das Land der Permer zur Eröffnung des Pelzmarkts fuhren. Von dort brachten sie Feh-, Biber- und Zobelfelle mit. Pelze wurden nach Griechenland, Rom und in den Orient exportiert, im 11. bis 12. Jahrhundert waren sie in Byzanz ausgesprochen gefragt. Mehr noch als den Zobel schätzten die arabischen Herrscher jedoch das möglichst schwarze Silberfuchsfell. Zobel verwendeten sie für Mützen, Pelzmäntel und Röcke.Reinhold Stephan (s. dort), S. 26. Primärquelle Chwolson: Berichte über die Chasaren, Bolgaren, Madjaren, Slaven und Russen von Abu-Ali-Ahmed-Ben-Omar Ibn Dasta, 1869, S. 163f; bei J. Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. München / Berlin 1928/1929, Band I, S. 11. Ibn Battūta (* 1304; † 1368 oder 1377) berichtete, dass in Indien ein Hermelinfell 1000 Dinare erzielte, Zobel dagegen schon für 400 oder weniger Dinare verkauft würden.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels in Europa. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 22. Inhaltsverzeichnis. Primärquelle: Ibn Jûsuf Nizâmï, Iskanrnâmeh, Ausgabe der Chamse, Bombay 1887, S. 400.
Die Kaufleute Nowgorods bezogen bereits im 11. Jahrhundert Pelzwaren von den Völkern Westsibiriens. Erhebliche Mengen verkauften sie Ende des 14. Jahrhunderts an hansische Kaufleute. Überhaupt nahmen in der Hanse im Handel mit Russland die Rauchwaren den ersten Platz ein, wobei Feh, Marder, Hermelin und Zobel eine besondere Rolle spielten. Auch Köln war neben Mainz und Duisburg als Pelzmarkt bekannt; bereits im 10. Jahrhundert werden auf der dortigen Messe Pelzhändler erwähnt. Sie bezogen ihre Ware zum großen Teil über Italien. Der Kölner Markt wurde für seine feinen Pelzsorten gerühmt: Zobel, dunkle Marder- und Hermelinfelle und die daraus hergestellten Kürschnerwaren.Reinhold Stephan (s. dort), S. 38. Primärquelle H. Bächthold: Der norddeutsche Handel im 12. Jahrhundert, Berlin und Leipzig, 1910, S. 77. Die Arbeitsteilung bei den Kürschnern war bald schon so weit fortgeschritten, dass die edlen Fellarten nur noch von „Buntwerk- oder Grauwerkleuten“ verarbeitet werden durften, Namen, die sich vom Pelz des sibirischen Eichhörnchens ableiten.Reinhold Stephan (s. dort), S. 38–39. Primärquelle H. Loesch: Die Kölner Zunfturkunden bis zum Jahre 1500. Bonn 1907, Band I, S. 307 ff. Bereits im 12. Jahrhundert gab es in Köln Zobelkürschner.Reinhold Stephan (s. dort), S. 42. Primärquelle Fritz Rörig: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte. Breslau 1928, S. 220.
Anfang des 13. Jahrhunderts sagte Rudolf von Ems von einem reichen Kölner Bürger: …mit zobel wol gezieret der Mantel was furrieret…Reinhold Stephan (s. dort), S. 40. Primärquelle R. v. Ems: Der gute Gerhard, Hrsg.: M. Haupt, S. 780 ff. und an anderer Stelle: mit minem guote ich kĕrte hin über mer gĕn Riuzen (Russland) ze Liflant und ze Prinzen dā ich vil manegen zobel vant.Reinhold Stephan (s. dort), S. 40. Primärquelle R. v. Ems (s. dort), S. 1194 ff, vgl. Bächthold (s. dort), S. 285.
Der Theologe und Geograph Jakob Ziegler schrieb 1532 in seiner Beschreibung der nördlichen Regionen, dass der Preis von Zobelfellen exzessiv gewachsen ist, gleich folgend dem von Gold und Edelsteinen.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 172 (englisch). Im Leipziger Rauchwarenhandel erschien der Zobel 1573. Der Leipziger Großhändler Cramer von Claußbruch verkaufte in diesem Jahr an einen Kaufherrn in Braunschweig 49 Zimmer Zobel und 27 Zimmer Marder (1 Zimmer = 40 Stück).Erich Rosenbaum: Die Meisterstücken-Ordnung der Leipziger Kürschner. In: Das Pelzgewerbe. Jahrgang VII / Neue Folge, 1957 Nr. 4, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 158–162.
Von den Mongolen berichtete Marco Polo: „Die Reichen unter diesem Volke kleiden sich in Gold und Seide, mit Zobel, Hermelin und den Pelzen anderer Tiere.“ Und an anderer Stelle: „Die Zelte sind außen mit schwarz-weiß und rot-gestreiften Löwenhäuten (Anm.: gemeint sind Tigerfelle) bedeckt, daß weder Regen und Wind eindringen kann. Innen sind sie mit Hermelin- und Zobelfellen bedeckt, welche köstlicher sind als irgend ein anderes Pelzwerk, denn sie werden, wenn sie so groß sind, daß sie ein Kleid geben, und wenn sie keinen Fehler zeigen, zu zweitausend goldenen Byzantinen geschätzt, sind sie nicht ganz ohne Fehler, zu eintausend.“ „Von den Tartaren wird dieses Fell als König der Pelze bezeichnet. Das Tier, welches in ihrer Sprache „Rondes“ genannt wird, hat ungefähr die Größe eines Iltis. Mit diesen beiden Arten von Fellen sind die Hallen sowie die Schlafzimmer geschickt und geschmackvoll hergerichtet und abgedeckt.“Reinhold Stephan (s. dort), S. 32. Primärquelle Lemke (s. dort), jedoch hier: Die Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert. Hamburg 1908.
Die besten Zobelfelle mussten als Jassak, als Tribut, von den in Sibirien unterworfenen Völkern dem Zaren abgeliefert werden, die dieser ausländischen Würdenträgern als „Kronenzobel“ zum Geschenk machte. So wurden um 1594 von Zar Boris Godunow an Kaiser Rudolf II. von Habsburg 40.360 Felle zur Unterstützung der Vorbereitung für einen Krieg mit der Türkei gesandt. Darunter befanden sich 120 Zobelfelle, die „so kostbar waren, dass niemand ihren Wert bestimmen konnte“. Sultan Etiger zeigte seine Loyalität zum angrenzenden Russland, indem er sich verpflichtete, freiwillig neben anderen Pelzarten jährlich 1000 Zobelfelle nach Moskau zu schicken.Reinhold Stephan (s. dort), S. 69. Primärquelle J. Semjanow: Die Eroberung Sibiriens. Berlin 1973, S. 50–51.
Der russische Historiker Karamsin gibt an, dass im 16. Jahrhundert etwa 200.000 Zobel erbeutet wurden. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden jedes Jahr allein über die Zollstation Obdorsk an der Mündung des Ob 70.000 Felle exportiert. Anfangs war es keine Seltenheit, dass ein Jäger aus einer Fangsaison mit immerhin über 100 Zobeln zurückkam. Am Oberlauf der Olekma fing jeder Jäger durchschnittlich 280 Zobel pro Saison.
mini|hochkant=1.5|Eine russische Gesandtschaft des Großfürsten Iwan an den deutschen Kaiser, die als Geschenk Zobel- und Nerzfelle überbringt (15. Jh.) mini|„Die Unbekannte“. Zobelverbrämung an Muff und Kostüm (1883)
Die Stroganows waren seit Generationen Pelzhändler, der erste der Familie war Spiridou, der 1395 starb. Ende des 16. Jahrhunderts unterwarfen sie mit Hilfe des Kosakenführers Jermak große Teile Sibiriens, um dort gewaltsam, oft unter großen Grausamkeiten gegen die Einwohner, den Pelzreichtum auszubeuten. Zu Beginn der Verhandlungen ließ der Kosak dem Zaren neben 50 Biber- und 20 Schwarzfuchsfellen vor allem 2400 Zobel überreichen.Reinhold Stephan (s. dort), S. 83. Primärquelle Fischer (s. dort), S. 211–213. Die bisher von Sultan Etiger als Geschenk gesandten Zobel wurden nun in erhöhte Pelztribute für Zar Iwan IV. und die Stroganows umgewandelt. Die Stroganows finanzierten ihr späteres Monopol auf den russischen Salzhandel, für dessen Aufbau gewaltige Mittel benötigt wurden, in hervorragendem Maße mit dem Handel von Zobelfellen.Reinhold Stephan (s. dort), S. 70, 76. Primärquelle Semjonow (s. dort), S. 44.
Die Anzahl der verlangten Felle war nicht überall gleich, sie hing vom jeweiligen Tierreichtum und vom Verhalten der Bevölkerung ab. Es war nicht ungewöhnlich, dass ein einzelner Jäger zehn, zwanzig oder noch mehr Zobelfelle abzuliefern hatte. In Gegenden, in denen der Raubbau schon sehr weit fortgeschritten war, ging man schon früh, beginnend im Jahr 1626, zur Möglichkeit der Ablösung des Jassaks durch Geld über.Reinhold Stephan (s. dort), S. 82. Primärquelle Gustav Krahmer: Rußland in Asien. Leipzig 1900–1902, VI Bände, S. 212. Unter Katharina II. (Regierungszeit 1762–1796) wurden die ärgsten Übelstände abgeschafft. Bereits im ersten Jahr ihrer Herrschaft hob Katharina das Pelzhandelsmonopol der Zarenkrone auf.Marie Louise Steinbauer, Rudolf Kinzel: Pelze. Verlag Steinbock, Hannover 1973, S. 41. Der Jassak musste nicht mehr von einzelnen Personen aufgebracht werden, sondern von einer Familie, dem Stamm oder dem ganzen Lager. Aber erst die Kaiserin Elisabeth (Regierungszeit 1741–1762) bemühte sich ernsthaft um den Schutz der meist brutal ausgebeuteten indigenen Bevölkerung, nachdem es immer wieder zu Aufständen gekommen war. Jetzt ließen die Unruhen nach, wenn auch immer noch Übergriffe, Ausplünderungen und Betrügereien vorkamen.