Das Mittlere Transporthubschrauberregiment 15 „Münsterland“ (mTrspHubschrRgt 15) war ein Regiment der Heeresfliegertruppe des Heeres der Bundeswehr in Rheine. Es führt seine Entstehung auf die Heeresfliegerstaffel 823, ausgerüstet mit dem Transporthubschrauber H-34, zurück. Diese wurde am 15. Oktober 1957 in Celle und am 1. Juli 1959 in Heeresfliegerstaffel 103 umbenannt. Diese verlegte zum 1. November 1961 nach Rheine. Am 1. November 1961 wurde das Heeresfliegerbataillon 100 aufgestellt, welches am 1. April 1971 in mittleres Heeresfliegertransportregiment 15 umbenannt wurde. Dieses wurde wiederum am 1. Oktober 1979 in Heeresfliegerregiment 15 (HFlgRgt 15) umbenannt. Ab dem 1. Januar 2003 führte der Verband die Bezeichnung Mittleres Transporthubschrauberregiment 15 und am 15. September 2004 wurde ihm der Beiname „Münsterland“ verliehen. Der Flugbetrieb wurde Ende 2012 eingestellt und die Luftfahrzeuge an die Luftwaffe abgegeben. Das Regiment wurde infolge des Stationierungskonzepts 2011 mit einem Appell am 7. März 2013 außer Dienst gestellt und mit Ablauf des 30. Juni 2013 formal aufgelöst.
Auftrag der Heeresfliegertruppe miniatur|Der Ersatzteilzug: Hier werden zahlreiche Ersatzteile vorgehalten und verwaltet
Die Heeresfliegertruppe (HFlgTr) ist Träger der Luftbeweglichkeit der Landstreitkräfte. Sie ermöglicht mit ihren Kräften luftbewegliche Führung, Aufklärung, Kampf und Kampfunterstützung sowie den luftbeweglichen Personal- und Materialtransport einschließlich des Lufttransports von Verwundeten. Sie trägt mit Feuerunterstützung durch Kampfhubschrauber zur Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (joint fire support) bei.
Mit luftmechanisierten Kräften ist sie zum Kampf in und aus dem bodennahen Luftraum befähigt, auch über feindbesetztem Gebiet. Im Verbund mit der luftbeweglichen Infanterie ist sie zur Führung von luftgestützten Operationen in und aus dem bodennahen Luftraum auch über feindbesetztem Gebiet befähigt. Dazu stehen dem Regiment Transporthubschrauber CH-53 G und CH-53 GS zur Verfügung.
Auftrag des Regiments Das Regiment unterstützte Spezialkräfte im Rahmen spezieller Operationen der Luftbeweglichen Brigade 1. Das mittlere Transporthubschrauberregiment 15 erfüllte Lufttransportaufgaben im Zusammenwirken mit Kampf- und Kampfunterstützungstruppen und Spezialisierten Kräften bei luftbeweglichen Operationen im Rahmen des Gefechts der Verbundenen Waffen / Einsatz der Verbundenen Kräfte einschließlich im Joint- und Combined-Rahmen. Es unterstützte Spezialkräfte im Rahmen spezieller Operationen und Luftmechanisierte Operationen der Luftbeweglichen Brigade 1, führt Transportflüge im Auftrag der Division Luftbewegliche Operationen durch und betrieb einen Heeresflugplatz.
Im Einsatz operierte es aus Verfügungsräumen oder von einem Feldflugplatz Heer. Dort erfolgte dann auch ein Zusammenwirken mit Kampf- und Kampfunterstützungstruppen.
Stabsaufgaben Das Regiment wurde durch einen Kommandeur im Dienstgrad eines Obersts geführt. Der Chef des Stabes (S3 Stabsoffizier, S3StOffz) im Range eines Oberstleutnants war gleichzeitig der stellvertretende Regimentskommandeur. Der Stab des Regiments gliederte sich in die Abteilungen S1 (Personal), S2 (Militärische Sicherheit), S3 (Ausbildung, Einsatz), S4 (Logistik) und S6 (Führungsunterstützung (Datenverarbeitung)) sowie noch einen Flugsicherheitsoffizier (FSO), einen Stabsoffizier für die Elektronische Kampfführung (EloKa), einen Fliegerarzt, einen Technischen Offizier und einen KLV-Offizier (Kosten- und Leistungsvergleich).
Taktische Gliederung miniatur|Der Bär: Wappentier Mittleres Transporthubschrauberregiment 15 in Rheine-Bentlage
Das Regiment war bis zum Beginn seiner Außerdienststellungsphase im Jahr 2012 wie folgt gegliedert: Stab Stabsstaffel Fliegende Abteilung 151 / Stab 1./Fliegende Abteilung 151 2./Fliegende Abteilung 151 3./Fliegende Abteilung 151 Luftfahrzeugtechnische Abteilung 152 / Stab 1. / Luftfahrzeugtechnische Abteilung 152 2. / Luftfahrzeugtechnische Abteilung 152 3. / Luftfahrzeugtechnische Abteilung 152 4. / Luftfahrzeugtechnische Abteilung 152 Heeresfliegerversorgungsstaffel 155 Heeresfliegerstaffel 159 (Unterstützungsstaffel/Grundausbildungsstaffel) Technische Einsatz Führung (TEF) (Teil der HflgVersStff 155)
Geschichte Rückblick miniatur|Die CH-53G steht gefaltet in der Halle. Zwei Bordwarttechniker benötigen etwa zwei Stunden für die Vorflugkontrolle. Erst dann darf das Luftfahrzeug abheben
Am 1. November 1961 wurde die Heeresfliegerstaffel 103 von Celle nach Rheine verlegt und in das neu aufgestellte Heeresfliegerbataillon 100 eingegliedert. Das Bataillon wurde dem I. Korps unterstellt. Die 4. Staffel (Stff) des Bataillons entstand aus der Heeresfliegertransportlehrstaffel 102, die aber weiterhin nicht im Bataillonsverband eingesetzt wurde, sondern wie bisher einen Lehrauftrag an der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg wahrnahm. Lediglich im Einsatzfall war vorgesehen, diese 4. Stff dem Bataillon zu unterstellen.
Das Heeresfliegerbataillon 100 stellte zusammen mit den beiden anderen Korps-Bataillonen den ersten einsatzfähigen Verband der Heeresfliegertruppe dar. Mit dieser Organisationsform wurde der erste Schritt getan, die dritte Dimension dem Heer zu erschließen. Dies wurde ab Mitte der 1960er Jahre vor allem durch die Teilnahme an Gefechtsübungen auch in anderen Korpsbereichen nachgewiesen. Hierzu wurde z. B. im Bereich des II. Korps 1966 die Übung „Colibri IV“, die zusammen mit französischen Truppen durchgeführt wurde, unterstützt. Die Heeresfliegertruppenteile des III. Korps wurden unter anderem im Jahr 1967 während der Übung „Panthersprung“ durch das Bataillon ergänzt.
Im September 1966 bildete das Bataillon den Schwerpunkt innerhalb einer Vorstellung der noch jungen und der breiten Öffentlichkeit unbekannten Heeresfliegertruppe.
Im Mai 1967 wurde dem Heeresfliegerbataillon 100 die Truppenfahne verliehen. Am 12. März 1968 erhielt das Heeresfliegerbataillon 100 den erstmals verliehenen Wanderpreis für die niedrigste Rate an Flugunfällen aller Hubschrauberverbände der Bundeswehr.
Das Heeresfliegerbataillon 100 erwarb sich große Verdienste im zivilen Bereich beim Einsatz während der Sturmflut 1962 in Hamburg. Hier waren alle fliegenden Teile eingesetzt, um Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen zu retten bzw. eingeschlossene Bereiche aus der Luft zu versorgen.
Dieser in der Öffentlichkeit sehr positiven Anklang findende Hilfsdienst musste im Winter 1962/1963 fortgesetzt werden, als die durch Eis vom Festland abgeschnittenen Ostfriesischen Inseln nur mit den Transporthubschraubern des Heeresfliegerbataillons 100 versorgt werden konnten. Dabei wurden über 8000 Personen geflogen und etwa 1100 Tonnen Versorgungsgüter auf die Inseln gebracht.
Neben diesen Schwerpunkten des fliegerischen Einsatzes festigte das Bataillon den Ruf der Heeresflieger als unterstützende Truppe des I. Korps mit Verbindungs-, Aufklärungs- und Transportflügen im täglichen Routinedienst. Das Gefecht wird in die dritte Dimension getragen.
Durch eine Vielzahl von Einzelrettungsflügen unter schwierigsten Bedingungen wird der Ruf der Heeresflieger als Retter aus der Luft begründet.
Das Bataillon wurde am 31. März 1971 formal aufgelöst und mit Masse in das zum 1. April 1971 neu aufzustellende mittlere Heeresfliegertransportregiment 15 überführt. Die Stabs- und die Versorgungsstaffeln sowie die 3. Staffel als ehemalige Transportkomponente bildeten das Rückgrat des neuen Regiments. Zusätzlich wurde die Heeresfliegerinstandsetzungsstaffel 107, die seit dem 1. September 1960 in Rheine war, und Teile des Heeresfliegerbataillons 1, das mit Wirkung vom 1. Januar 1964 in Hildesheim aufgestellt worden war, in das neue Regiment eingegliedert. Das neue Regiment gliederte sich in die Stabs- und Versorgungsstaffel, die Fliegende Abteilung 150 und die Flugzeugtechnische Abteilung 160.
Die H34 wird verabschiedet miniatur|Die CH-53GS vor dem Start. Dass es sich hier um eine GS-Maschine handelt, kann man unter anderem an den Zusatztanks erkennen
Die ersten Jahre des Regiments dienten neben der Fortführung traditioneller Transportaufgaben mit dem Transporthubschrauber H–34 vor allem der Erprobung neuer Führungsstrukturen, die mit der Regimentsebene und der Einführung des Führungsverfahrens „Zentralisierte Technik“ im Bereich der Luftfahrzeuginstandsetzung notwendig geworden waren. Weiterhin mussten die personellen und materiellen Voraussetzungen geschaffen werden, um das für 1974 zur Einführung vorgesehene Waffensystem CH-53G aufnehmen zu können. Schwerpunkte waren hierbei Weiterentwicklung des Führungsvorganges bei Luftlandeoperationen, Aus- und Weiterbildung der Luftfahrzeugführer mit der Zielsetzung, geschlossene Nachteinsätze im Gelände zu beherrschen, sowie zahlenmäßige Ergänzung und Ausbildung des flugzeugtechnischen Personals.
1974 wird die H–34 nach einem letzten Formationsflug von zwölf Hubschraubern außer Dienst gestellt. Hiermit findet der Einsatz eines Hubschraubers sein Ende, der seit seiner Einführung 1958 über 16 Jahre das Bild von der Transportfliegerei der Heeresfliegertruppe bestimmte. Die Heeresfliegerstaffel 823, als eine Wiege des mittleren Heeresfliegertransportregiments 15, hatte als erste Einheit die H–34 übernommen, und es blieb dem Regiment überlassen, als letzter Verband die H–34 außer Dienst zu stellen.
In der Zeit brauchten die Rheinenser Besatzungen keinen Unfall mit tödlichem Ausgang zu beklagen, während gleichzeitig Hunderten von Menschen durch den Einsatz der H–34 geholfen werden konnte. Hierzu zählten die schon erwähnten Hilfsflüge bei Naturkatastrophen, viele einzelne Krankentransportflüge und nicht zuletzt der Einsatz im Grubenrettungsdienst des Ruhrreviers (Ruhrgebiet). Der Abschied fiel Flugzeugführern und Technikern nicht leicht.
Am 22. Juni 1974 wurden die ersten vier Sikorsky CH-53G übernommen. Am 30. Oktober 1974 fand die erste Luftparade mit der CH-53 statt. Anlass hierzu war der Kommandowechsel bei der Fliegenden Abteilung 150. Mit Einführung der CH-53G erhöhte sich die Transportkapazität des Regimentes um das 6fache. Entsprechend größer wurde auch das Einsatzspektrum. Hierbei konzentrierte sich der Schwerpunkt auf den gemeinsamen Auftrag mit der Luftlandebrigade 27 und dem Schwesterregiment, leichtes Transporthubschrauberregiment 10. Immer häufiger wird die neue Kapazität auch für Versorgungsflüge genutzt.
So wird ein Artillerieverband der Bundeswehr im Juni 1975 während einer Übung in England mit 10 CH-53G versorgt. Bei Planung und Durchführung dieses ersten geschlossenen Einsatzes deutscher Hubschrauber nach und in England wird für die Heeresfliegertruppe Neuland betreten. Es werden dabei aber gleichzeitig Grundlagen geschaffen, auf denen aufbauend seit 1977 mindestens einmal jährlich mit englischen Truppen in England geübt wird. Ein Erfahrungsschatz, der für Einsatzführung, Besatzungen und technisches Personal von hohem Wert ist.
Im Bereich des I. Korps kann das Regiment 1976 im Rahmen der Gefechtsübung „Großer Bär“ in großem Umfang den Wert der Einführung der CH-53G nachweisen. In drei Luftlandeoperationen werden Luftlandetruppen an die Brennpunkte des Geschehens geworfen. Bei der Gefechtsübung „Harte Faust“ im September 1979 wird dies endgültig bestätigt, als neben der Luftlandeoperation bei Tag Nachtluftlandeoperationen und Materialtransporte bei Tag und Nacht in großem Umfang durchgeführt werden.
Die Jahre der CH-53 mini|CH-53G im Gebirge: Um die Gebirgsflugberechtigung zu erhalten, müssen Piloten regelmäßig Übungsflüge im Gebirge durchführen.