mini|hochkant=1.5|Proteste in Sanaa am 3. Februar 2011 Im Zusammenhang mit den Ereignissen des Arabischen Frühlings im Jahr 2011, die unter anderem zum Sturz der tunesischen und ägyptischen Machthaber führten, gab es ab 27. Januar 2011 auch Proteste im Jemen. Polizei und Militär gingen dabei immer wieder gewaltsam gegen die Demonstranten vor, zudem lieferten sich zeitweise Regierungstruppen und oppositionelle Stammeskämpfer heftige Gefechte. Nach Oppositionsangaben verloren mehr als 860 Menschen ihr Leben. Am 23. November 2011 unterzeichnete Präsident Ali Abdullah Salih ein Abkommen, das seinen Rücktritt innerhalb von 30 Tagen vorsah. Die Ereignisse werden vereinzelt auch als Jemenitische Revolution bezeichnet.
Ursachen mini|Ali Abdullah Salih, Präsident des Nordjemen von 1978 bis 1990 und des (vereinigten) Jemen seit 1990
Die Demonstranten machten Präsident Salih, der das Land seit mehr als 30 Jahren regierte, für die weit verbreitete Armut im Jemen verantwortlich; beinahe die Hälfte der Bevölkerung muss mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen, jeder Dritte hungert.Yemenis take to the streets calling for President Saleh to step down, guardian.co.uk, 27. Januar 2011 Sie forderten seinen Rücktritt.Yemenis urge leader's exit, aljazeera.net
Vorgeschichte Die wirtschaftliche Lage des Jemen hat ihre Ursachen auch in der Vorgeschichte des Landes. So kam es nach dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig zu militärischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet des heutigen Jemen. Insbesondere der Südjemen-Aufstand und der Huthi-Konflikt sowie die Umstände, die zu diesen Ereignissen führten, haben einen großen Anteil an der wirtschaftlichen und politischen Situation des Staates.
Mehrere Oppositionsparteien haben sich 2002 zu einer Koalition (Joint Meeting Parties – JMP) zusammengeschlossen. Die Opposition, wie auch das politische System im Jemen insgesamt, ist sowohl wegen ihrer stark unterschiedlichen Ausrichtungen (die Koalition umfasst z. B. die Jemenitische Sozialistische Partei, Stammensvereinigungen und die Islah (Reform) Party mit einer Nähe zum islamischen Fundamentalismus) als auch wegen der nach wie vor existierenden Spannungen zwischen dem Süden und Norden des Landes jedoch deutlich zersplittert.Al Jazeera: Who’s Who in Yemen's opposition?, 28. Februar 2011
Anlass Als Auslöser gilt eine von Präsident Salih vorgelegte Verfassungsänderung, die ihm das Amt auf Lebenszeit garantieren sollte.Demokratie-Funke springt auf Jemen über Die Proteste wurden jedoch auch als Zeichen einer infolge der Revolutionen in Tunesien und in Ägypten entstandenen allgemeinen Unsicherheit in der gesamten arabischen Welt gewertet.Yemen: Tens of thousands call on president to leave, bbc.co.uk, 27. Januar 2011
Verlauf der Proteste mini|links|Proteste in Sanaa am 4. April 2011 27. Januar Die Proteste beginnen mit einer Demonstration von rund 16.000 Jemeniten in den Straßen der Hauptstadt Sanaa gegen die Politik von Präsident Ali Abdullah Salih., irishtimes.com, 27. Januar 2011
2. Februar Am 2. Februar 2011 erklärt Salih, nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen und sein Amt auch nicht seinem Sohn zur Verfügung zu stellen.Jemens Präsident verzichtet auf weitere Amtszeit, sueddeutsche.de, 2. Februar 2011
17. Februar Bei Unruhen in Aden werden am Abend des 17. Februar 2011 mindestens drei Demonstranten von Polizisten getötet.Granaten-Angriff auf Demonstranten in Jemen, zeit.de, 18. Februar 2011
18. Februar Bei Protesten auf dem Hurrija-Platz in Taizz stehen sich am 18. Februar 2011 etwa 10.000 Oppositionelle und etwa 10.000 Regierungsanhänger gegenüber. Dabei wird eine Handgranate in die Menge demonstrierender Regierungsgegner geworfen, wodurch zwei Menschen getötet und etwa 30 Menschen verletzt werden.Jemen: Granate in die Menge geworfen – Oppositionelle bei Anschlag getötet, n-tv.de, 18. Februar 2011 In der Hauptstadt Sanaa griffen regierungstreue Demonstranten Kritiker mit Knüppeln, Stöcken und Äxten an, wodurch es mindestens vier verletzte Demonstranten gab.
21. Februar mini|200px|Demonstranten nahe der Universität Sanaas, Jemen
Präsident Salih bestätigt, dass er bis Ende seiner Amtszeit 2013 im Amt bleiben wolle. Gleichzeitig betont er, dass er Anweisung an die Sicherheitskräfte gegeben habe, nicht auf Protestierende zu schießen, es sei denn aus Notwehr.english.aljazeera.net Al Jazeera Middle East, 22. Februar
22. Februar Es kommt neuerlich zu umfangreichen Protesten.
4. bis 6. März Nach den Freitagsgebeten demonstrieren abermals Zehntausende von Jeminiten, die zu erkennen geben, dass ein Rücktritts Salihs unbedingt notwendig sei, da man nicht mit ihm verhandeln wolle. Tagesschau online, Abruf: 6. März 2011 23:00 Uhr
8. März mini|Studenten Proteste in Sanaa Auf dem Gelände einer Universität in der Hauptstadt Sanaa kommt es ebenfalls zu Demonstrationen. Diese werden von Soldaten gewaltsam, unter Verwendung von scharfer Munition, Gummigeschossen und Tränengas beendet. Mehrere Menschen werden verletzt. Zudem werden 33 Al-Qaida-Mitglieder von einem jemenitischen Geheimdienst aus einem Gefängnis befreit.„Soldaten feuern auf Demonstranten – ein Mensch stirbt“ Focus online, Abruf: 13. März 2011 19:02 Uhr„Proteste im Jemen: 80 Verletzte nach brutalem Polizei-Einsatz“ stern online, Abruf: 13. März 2011 19:52 Uhr
9. März Am Morgen erliegt ein Demonstrant, der am 8. März von jemenitischen Soldaten angeschossen worden ist, seinen Verletzungen.
10. März Es wird bekannt, dass Präsident Salih Reformen versprochen habe. Vor mehreren Tausend Anhängern kündigte er eine neue Regierung an. Zudem solle eine Parlamentskommission eine neue Verfassung ausarbeiten, die unter anderem eine effektive Gewaltenteilung beinhalten solle. Besagte Verfassung solle Ende des Jahres der jemenitischen Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Zudem kündigte Salih Neuwahlen an, die Ende 2011/Anfang 2012 stattfinden sollen. Salih kündigte zudem an, ein parlamentarisches Parlament einzusetzen.
Die Opposition lehnt die Vorschläge Salihs ab und ruft zu weiteren Protesten gegen ihn auf. Mohammed el Zabri, der Sprecher der parlamentarischen Opposition, erklärte die Initiative des Präsidenten für überholt und verwies darauf, dass das Angebot den Tod des Regimes markiere. Die Organisation „Jugend des Aufstands“ stellte klar, dass dieser Vorschlag schon zum Zeitpunkt des Amtsantrittes Salihs hätte kommen müssen; dies war im Jahr 1978.„Jemen: Opposition lehnt Vorschläge Salihs ab“ euronews online, Abruf: 13. März 2011 19:26 Uhr„Regime in Marokko und Jemen locken Gegner mit Verfassungsreformen“ Wiener Zeitung online, Abruf: 13. März 2011 19:57 Uhr„Präsident des Jemen kündigt Verfassungsreform an“„Neue Protestwellen in der arabischen Welt“ Bild online, Abruf: 13. März 2011 20:11 Uhr
11. März Aus dem ganzen Land werden Proteste gemeldet. In der Hauptstadt wird eine Meile der Freiheit eröffnet, die komplett unter Kontrolle der Demonstranten sein soll. Allein in Sanaa demonstrieren 10.000 Salih-Gegner. Zudem findet eine Demonstration von ebenfalls 10.000 Salih-Anhängern statt. Bei der gewaltsamen Auflösung der Demonstration werden mindestens 2 Menschen getötet und mindestens 300 verletzt.„Jemen: Zehntausende demonstrieren gegen Präsident Saleh“ Focus online, Abruf: 13. März 2011 20:17 Uhr„Jemen: Polizei löst Kundgebung mit Gewalt auf“ ORF online, Abruf: 13. März 2011 20:20 Uhr
12. März Auch in Aden kommt es zu einer großen Demonstration. Bei der gewaltsamen Zerschlagung derselben durch Sicherheitskräfte werden 6 Menschen getötet.„Jemen: Sieben Tote nach Protesten“ Bild online, Abruf: 13. März 2011 20:24 Uhr„Sieben Tote bei Demonstrationen“ Focus online, Abruf: 13. März 2011 20:27 Uhr Reuters online, Abruf: 13. März 2011 20:30 Uhr
13. März Es kommt wieder zu massiven Protesten. Abermals gingen jemenitische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Demonstranten vor.„Zusammenstöße in Jemen und Bahrain: Polizei setzt auf Gewalt“ ntv online, Abruf: 13. März 2011
14. März Nahe der saudisch-jemenitischen Grenze töten Demonstranten 4 Sicherheitskräfte. Scheinbar handelt es sich um einen Racheakt, da in der jemenitischen Stadt Al-Dschauf 20 Demonstranten verletzt worden sind, nachdem Sicherheitskräfte eine dortige Demonstration gewaltsam beendet haben.„Jemenitische Rebellen töten vier Polizisten“ Focus online, Abruf: 20. März 2011 18:49 Uhr
18. März Bei einer mit Waffengewalt niedergeschlagenen Demonstration in Sanaa werden mindestens 52 Menschen getötet und rund 240 verletzt. Die Demonstrationen hatten nach den Freitagsgebeten begonnen und in fast allen Teilen des Jemens stattgefunden; so etwa auch in Taizz und Aden. Sicherheitskräfte sollen die Demonstrationen von Dächern aus beschossen haben. Zudem seien mögliche Fluchtwege mittels brennender Reifen und Feuersäulen zuvor blockiert worden.„Blutige Kämpfe in Jemen“ Die Welt online, Abruf: 20. März 2011 18:30 Uhr„Jemen: Neue Proteste – Opfer des Blutbads begraben“ Die Zeit online, Abruf: 20. März 2011 18:34 Uhr„Ausnahmezustand im Jemen“ Süddeutsche Zeitung online, Abruf: 20. März 2011 19:06 Uhr„Viele Tote bei Unruhen im Jemen“ euronews online, Abruf: 20. März 2011 19:28 Uhr„Jemens Opposition bittet um internationale Hilfe“ Die Welt online, Abruf: 20. März 2011 19:33 Uhr„Regime im Jemen schießt gezielt auf Demonstranten“ Die Welt online, Abruf: 20. März 2011 Der jemenitische Präsident Salih ruft den Ausnahmezustand aus. Dabei wird auch ein allgemeines Waffenverbot ausgesprochen, da viele Jemeniten Waffen mit sich führen.„Weiterer Minister-Rücktritt: Jemen bleibt unruhig“ ntv online, Abruf: 20. März 2011, 17:39 Uhr„Weitere Proteste trotz Notstands im Jemen“ Focus online, Abruf: 20. März 2011 18:53 Uhr
19. März In der Stadt Aden wird eine Demonstration in Form eines Sitzstreikes von Regierungsgegnern mittels Waffengewalt aufgelöst. Dabei werden 13 Menschen verletzt. tagesschau online, Abruf: 20. März 2011, 17:55 Uhr Auch in Sanaa demonstrieren wieder Zehntausende gegen Salih. Nabil al-Fakih, der Minister für Tourismus, Nasr Mustafa, der Generalsekretär der staatlichen Nachrichtenagentur Saba und Faisal Amin Abu al-Ras, jemenitischer Botschafter in Beirut geben ihren Rücktritt von ihren Ämtern bekannt.„Weitere Proteste trotz Notstands im Jemen“ Focus online, Abruf: 20. März 2011 19:01 Uhr
20. März Es findet vor der Universität von Sanaa eine Trauerfeier für die getöteten Demonstranten statt. Diese wird sehr stark besucht, sodass auch die Seitenstraßen vor der Universität gefüllt sind. Stern online, Abruf: 20. März 2011, 17:21 Uhr Nachdem zuvor schon die Minister für Tourismus, Nabil el Fakih, und Religion, Hammud el Hattar, zurückgetreten waren, tritt am Sonntag auch die Ministerin für Menschenrechte, Huda el Baan, zurück, die zudem bekannt gibt, dass sie aus der Partei von Präsident Salih austreten werde. Auch ihr Staatssekretär schließt sich ihr an.„Jemen: Erneut Rücktritt eines Ministers“ SRF online, Abruf: 20. März 2011, 17:28 Uhr Abdul Madschid al-Sindani, ein als Islamist eingestufter 'alim, fordert Präsident Salih zum Rücktritt auf. An seiner Stelle solle der jemenitische Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi das Amt des Präsidenten antreten. Diesem Aufruf folgen auch Scheikh Sadiq al-Ahmar, der das Oberhaupt des Haschid-Stammes, des größten Stammes des Jemen, ist, sowie mehrere weitere religiöse Führer. Zudem wird gefordert, dass mehrere Polizeieinheiten der Regierung aufgelöst und die Elitesoldaten zurückgezogen werden sollen. Auch Salih selbst gehört dem Haschid-Stamm an.
Am Abend gibt die jemenitische Nachrichtenagentur Saba bekannt, dass Präsident Salih die Regierung aufgelöst habe. stern online, Abruf: 21. März 2011 08:29 Uhr
21. März