mini|350px|Diese Weltkarte zeigt alle Staaten, die sich im Laufe ihrer Geschichte als sozialistisch bezeichneten. Die Farben geben die jeweilige Dauer der sozialistischen Periode an:

mini|350px|Aktuell (nach 2025): Die Liste sozialistischer Staaten führt gegenwärtige und historische souveräne Staaten auf, die in der wissenschaftlichen Literatur als sozialistisch eingestuft werden. Charakteristika für viele dieser Staaten sind eine Einparteienherrschaft einer kommunistischen beziehungsweise sozialistischen Partei, die Verstaatlichung der wichtigsten Produktionsmittel sowie eine sozialistische Staatsideologie, die in der Regel auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus beruht.So z. B. Alexander Brand, Einführung in die internationale Politik, Oldenbourg, 2003, S. 257 f.; Klaus Ziemer: Real existierender Sozialismus. In: Dieter Nohlen und Rainer-Olaf Schultze (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe, 3. Auflage. C. H. Beck, München 2005, S. 823 f. Das Wirtschaftssystem ist durch Planwirtschaft oder deutliche planwirtschaftliche Elemente gekennzeichnet. Das Selbstverständnis als sozialistischer Staat schlägt sich meist in einem Bekenntnis zum Sozialismus an zentraler Stelle in der Verfassung nieder. Als Fremd- und Selbstbezeichnung dieser Staaten dient häufig der Begriff Realsozialismus.

In der Zeit des Kalten Krieges gingen viele sozialistische Staaten eine enge Bindung zur Sowjetunion ein, doch war das Verhältnis zur UdSSR insgesamt sehr unterschiedlich ausgeprägt.Franz Ansprenger: Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert, C. H. Beck, München 1999, S. 115. Die meisten osteuropäischen Staaten hatten den Charakter von Satellitenstaaten der Sowjetunion. Dagegen vertraten zumindest zeitweise zum Beispiel die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien unter Tito, Indien unter Nehru, Ägypten unter Nasser, die jeweils eigene Modelle des Sozialismus verkörperten, die Außenpolitik der Blockfreiheit, was allerdings nicht als Neutralität in der Systemkonkurrenz zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu verstehen ist. Seit dem chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis rivalisierte das spätmaoistische China mit der UdSSR um den Einfluss auf die sozialistischen Staaten.

Europa Die europäischen sozialistischen Staaten schlossen sich 1949 beziehungsweise 1955 überwiegend im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) und im Militärbündnis des Warschauer Pakts zusammen, die beide unter der Hegemonie der Sowjetunion standen. Auf politischer Ebene wurde die sowjetisch indoktrinierte Staatengruppe unter anderem durch das 1947 gegründete Kommunistische Informationsbüro (Kominform) zusammengehalten. Eigene Wege beschritten Jugoslawien, Albanien und auch im begrenzten Rahmen Rumänien. Nach 1989 wandelten sich alle sozialistischen Staaten in marktwirtschaftliche Systeme um.

Im Sprachgebrauch der DDR wurde zwischen den „sozialistischen Bruderländern“ und dem „nichtsozialistischen Ausland“ unterschieden.

StaatIdeologie, Entwicklung ExistenzdauerSozialistische Volksrepublik AlbanienMichael Schmidt-Neke (Hrsg.): Albanische Forschungen 28. Die Verfassungen Albaniens, Wiesbaden 2009, S. 49 ()Titoismus (1944–1948)Stalinismus (1948–1968)Maoismus (1968–1978)„Albanischer Sozialismus“ (Neostalinismus/Hoxhaismus; bis 1990/91)1943–1990Volksrepublik BulgarienVerfassung der VR Bulgarien von 1971, Artikel 1 (deutsche Übersetzung)Marxismus-LeninismusStalinismus (1944–1956)1944–1990Deutsche Demokratische RepublikVerfassung der DDR von 1968 in der geänderten Fassung vom 7. Oktober 1974, Artikel 1Marxismus-Leninismus (bis 1989) Demokratischer Sozialismus (Erste freie Wahlen; 1990)1949–1990Föderative Volksrepublik JugoslawienSozialistische Föderative Republik JugoslawienVerfassung der SFR Jugoslawien von 1963, Artikel 1 (englische Übersetzung)Stalinismus (1945–1948)Titoismus (ab 1948)1945–1992Volksrepublik PolenVerfassung der VR Polen von 1952 in der geänderten Fassung vom 16. Februar 1976, Artikel 1 (deutsche Übersetzung)Marxismus-Leninismus (1944/52–1989)Stalinismus (Bierutismus; 1944–1956)1944/52–198950pxVolksrepublik RumänienSozialistische Republik RumänienGerhard Leibholz: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge (Bd. 24), Tübingen 1975, S. 232 ()Stalinismus/Marxismus-Leninismus (1948–1965)Neostalinismus (bis 1990)1948–1990Union der Sozialistischen SowjetrepublikenLeninismus (1917–1924)Marxismus-Leninismus (1924–1991)Stalinismus (1927–1953)Neostalinismus (Breschnewismus) (1964–1982 und 1984–1985)Reformkommunismus (1982–1984 und 1985–1991)1922–1991Tschechoslowakische RepublikTschechoslowakische Sozialistische RepublikVerfassung der CSSR von 1960, Artikel 1 (deutsche Übersetzung)Marxismus-LeninismusStalinismus (1948–1968)Reformkommunismus (Prager Frühling; 1968)1948–1990Volksrepublik UngarnGerhard Leibholz: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge (Bd. 8), Tübingen 1959, S. 391 ()Marxismus-LeninismusStalinismus (1949–1953/1956)(„Gulaschkommunismus“ 1956–1989)Demokratischer Sozialismus (1953–1955/1956)1949–1989

Afrika Die dekolonisierten Länder Afrikas neigten in den frühen 1960er Jahren fast geschlossen der Bewegung der Blockfreien Staaten zu, gleichzeitig bekannten sich fast alle Regenten in differenzierter Programmatik zum Sozialismus.Franz Ansprenger: Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert. 3. Auflage. C. H. Beck, München 1999, S. 115 f. Allerdings grenzten sich die meisten frühen Verfechter eines Afrikanischen Sozialismus vom Marxismus-Leninismus ab und beriefen sich nicht unbedingt direkt auf Karl Marx.Franz Ansprenger: Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert. 3. Auflage. C. H. Beck, München 1999, S. 117. Teilweise beeinflusste der christliche Sozialismus den afrikanischen Sozialismus.Franz Ansprenger: Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert. 3. Auflage. C. H. Beck, München 1999, S. 119.

Ab Mitte der 1960er Jahre schwand die Theorie eines eigenen afrikanischen Sozialismus allmählich, gleichzeitig wuchs die sowjetische Einflussnahme. Die beiden sozialistischen Großmächte UdSSR und Volksrepublik China konkurrierten um Einfluss in Afrika durch Investitionen in das Militär und durch Entwicklungshilfe. In Äthiopien, Angola und Mosambik kam es ab 1975 zu Bürgerkriegen, die zeitweise den Charakter von Stellvertreterkriegen zwischen dem Ostblock und den Westmächten annahmen. Dabei unterstützten die UdSSR und China teilweise unterschiedliche Gruppierungen. Im angolanischen und im äthiopischen Bürgerkrieg engagierte sich auch Kuba militärisch.

Die Anziehungskraft des Ostblocks schwand, als der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe Mosambik 1981 die Aufnahme verweigerte, da dies eine zu große finanzielle Belastung bedeutet hätte. Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär des ZK der KPdSU wurde, kündigte er zudem an, die wirtschaftliche Hilfe und das militärische Engagement in Afrika zu reduzieren. Mit dem Ende des Staatssozialismus ab 1989 verloren die vormals sozialistischen Staaten in Afrika fast vollständig die frühere Art und Weise dieser Unterstützung.