Walter «Haetti» Friedrich Haettenschweiler (* 3. Januar 1933 in Zug; † 7. Oktober 2014) war ein Schweizer Grafikdesigner, Schriftentwerfer, Illustrator, Kunstmaler und Plastiker. Bekannt ist er besonders durch seine Schriftart Haettenschweiler.
Leben und Werk Haettenschweiler wuchs in Zug auf und absolvierte von 1950 bis 1955 den Vorkurs und eine Ausbildung als Grafikdesigner an der Kunstgewerbeschule Zürich, etwa bei Ernst Keller und Lucie Scherrer-Knisel. Darauf arbeitete er als Hausgrafiker bei Kaffee Hag in Feldmeilen. Walter F. Haettenschweiler [Katalog]. Zug: Edition Pacis, 2000, S. 12.
1957 gründete Haettenschweiler sein eigenes «Studio für Werbung und Design» (später «Studio Walter F. Haettenschweiler») in Zug. Mit diesem war er Mitglied beim Verband Schweizer Grafiker VSG und beim International Center for the Typographic Arts (ICTA), von letzterem ausgezeichnet bei Typomundus 20/2 (1970). Das Studio realisierte Werbe- und Gebrauchsgrafik für eine Vielfalt ganz unterschiedlicher Kunden, die meisten aus der Region Zug. Haettenschweilers Einfluss auf das Erscheinungsbild der Region Zug war bedeutend: «Kaum einer hat das Gesicht von Stadt und Kanton Zug so geprägt wie Walter Haettenschweiler» schreibt Andreas Faessler im Nachruf der Zuger Zeitung. Andreas Faessler: Er wollte immer ein Handwerker sein., Nachruf in: Zuger Zeitung (28. November 2014) Bekannte Logos und Schriftzüge gestaltete Haettenschweiler etwa für Firmen wie Hoppe AG in Müstair, Kies- und Betonwerk Risi in Cham oder Confiserie Speck in Zug. Walter F. Haettenschweiler: Schrift & Logo. Zug: Studio Walter F. Haettenschweiler, 2006.
Haettenschweiler bildete viele Lehrlinge aus und gab ihnen zahlreiche Tipps, ihr gestalterisches Auge ins Detail zu schulen. Einige Lehrlinge sind heute selber als Gestalter tätig, wie Sasha Haettenschweiler, Karin Birchler, Philipp Schweiger, Suzanne Trümpler uvm.
Haettenschweiler gestaltete auch für verschiedene nationale Organisationen, etwa ein Plakat für die Messe Basel (1975), MCH Group Plakate 1966-1990 das Logo des Schweizerischen Reisebüroverbands und zwischen 1966 und 1993 diverse Briefmarken für Die Schweizerische Post. Die Ausstellung «HAETTENSCHWEILER: Schriften für die Welt, Logo für Zug», konzipiert und gestaltet von DNS-Transport (Ueli Kleeb, Caroline Lötscher, Martin Stierli), wurde 2006 im mobilen Container des Kunsthauses Zug in Zug und beim Museum für Gestaltung Zürich gezeigt (mit Katalog). Mit der Schau wurde insbesondere das fast vergessene typografische und grafische Werk Haettenschweilers in Erinnerung gerufen. HAETTENSCHWEILER: Schriften für die Welt, Logos für Zug, 2006, vgl. DNS-Transport Zug und KLEEB-LÖTSCHER Zug.
Dem Fachpublikum weltweit bekannt wurde Haettenschweiler durch die vier Bände von Lettera (1954–1972), einer Sammlung von Titelschriften, von denen er mit Armin Haab die Bände 2 bis 4 herausgab. Haettenschweilers Schriften werden dank Lettera breit genutzt. Stilistisch sind seine Schriftentwürfe der sogenannten Schweizer Typografie zuzuordnen. «Walter Haettenschweiler gehört zu den wichtigsten Titelschriftgestaltern der Schweiz im 20. Jahrhundert» schreibt der Typografie-Spezialist Rudolf Barmettler im Nachruf der Zeitschrift Zett. Rudolf Barmettler: Nachruf Walter Haettenschweiler. In: Zett (Nr. 1, 2015), S. 54–55. Die meisten seiner Schriften sind bei Swiss Type Design verzeichnet. Walter Haettenschweiler bei swisstypedesign.ch
Die 1954 im ersten Lettera nur in Grossbuchstaben publizierte Schrift Schmalfette Grotesk wurde etwa bei Twen oder Paris Match als Titelschrift genutzt. vgl. Rudolf Barmettler: Schriftgestaltung von Grafikdesignern. In: tm rsi stm (Typografische Monatsblätter) 80 (Nr. 6, 2012), S. 2–15, hier S. 10f. Bei Microsoft Windows ist sie in überarbeiteter Form als Haettenschweiler (patentiert 1995) etwa im Word-Programm verfügbar (auch mit Kleinbuchstaben, in griechischer und kyrillischer Schrift).Microsoft: Fonts, Haettenschweiler Die Schmalfette Grotesk wurde 2014 von Jason Walcott als Schmalfette CP wieder neu editiert. MyFonts Inc: Schmalfette CP. Font family. Designers: Jason Anthony Walcott, Walter Haettenschweiler.
Zeitlebens war Haettenschweiler auch als Kunstmaler und Zeichner aktiv, mit regelmässigen Ausstellungen und einem Künstleratelier in Buonas am Zugersee. Auch realisierte er mehrere Kunst-am-Bau-Arbeiten in der Region Zug, etwa eine Wandmalerei für V-Zug (1960), eine Skulpturengruppe für die Reformierte Kirche Zug (1968) und künstlerische Wandgestaltungen für das Hallenbad Herti in Zug (um 1975) und den Firmensitz von Marc Rich in Zug (um 1980, inklusive Signaletik). Ein Übersichtskatalog zu seinem künstlerischen Werk erschien im Jahr 2000. Walter F. Haettenschweiler. Zug: Edition Pacis, 2000.
1959 heiratete er Beatrice Schnieper, die Familie Haettenschweiler-Schnieper lebte in Steinhausen, Buonas und Zug und hatte fünf Kinder.
Im höheren Alter führte Haettenschweiler in Zug die Galerie Kunst & Krempel. Nach seinem Tod 2014 hinterliess Haettenschweiler einen umfangreichen Nachlass zu seiner Arbeit in grafischer Gestaltung und Typografie und zu seinem künstlerischen Werk.
Schriftentwürfe (Auswahl)
Schmalfette Grotesk, 1954 Grotesk, 1954 Africaine, 1956 That Bad Eartha, 1957 New Fashion, 1957 Schmale Mediaeval, 1960 Sacral Letter, 1960 Maidenform, 1960 Halbstarke Pica, 1960 Breitfette Etienne, 1960 Beggarstaff, 1961 Yardley, 1967 Carnaby, 1967 Knock Out, 1967 Roaring Twenties, 1967 Flat Letter, 1967 Expo, 1967 Happening, 1967 Allshadow, 1968 OP-Letter, 1968 Busride, 1969 Coal, 1969 Haettenschweiler Face, 1970 Eleonora, 1970 Timeless, 1971 Wornout, 1972 The Ugly American, 1972 Haetti-Antiqua, 1972 Lefthand Drive Lineale, 1975
Ausstellung 2022 widmete ihm das Museum für Gestaltung Zürich eine Ausstellung seines Gesamtwerks mit dem Titel: Haettenschweiler von A bis Z – Schriftgestalter, Grafiker und Künstler.
Veröffentlichungen
mit Armin Haab: Lettera 2. A standard book of fine lettering. Standardbuch guter Gebrauchsschriften. Recueil de lettres et caractères. Teufen: Niggli, 1961. mit Armin Haab: Lettera 3. A standard book of fine lettering. Standardbuch guter Gebrauchsschriften. Recueil de lettres et caractères. Teufen: Niggli, 1968. mit Armin Haab: Lettera 4. A standard book of fine lettering. Standardbuch guter Gebrauchsschriften. Recueil de lettres et caractères. Teufen: Niggli, 1972.
Literatur Barbara Junod: Haettenschweiler von A bis Z. Haettenschweiler from A to Z. Grafik und Schriftgestaltung. Graphics and Type Design. Museum für Gestaltung Zürich, 2022, ISBN 978-3-907265-20-8. Ueli Kleeb, Caroline Lötscher, Martino Stierli: HAETTENSCHWEILER: Schriften für die Welt, Logo für Zug. 2006. Walter F. Haettenschweiler: Schrift & Logo [Katalog]. Text: Martino Stierli. Zug: Studio Walter F. Haettenschweiler, 2006. Walter F. Haettenschweiler [Katalog]. Text: Walter Studerus, Markus Kündig. Zug: Edition Pacis, 2000. Rudolf Barmettler: Schriftgestaltung von Grafikdesignern. Ein Rückblick auf Walter Haettenschweilers Schriftschaffen. In: tm rsi stm (Typografische Monatsblätter) 80 (Nr. 6, 2012), S. 2–15. Rudolf Barmettler: Nachruf Walter Haettenschweiler. In: Zett (Nr. 1, 2015), S. 54–55. Armin Haab, Alex Stocker: Lettera. A standard book of fine lettering. Standardbuch guter Gebrauchsschriften. Recueil de lettres et caractères. Alphabets drawn by Alex Stocker, Hans Gruber, Paul Sollberger, Walter Haettenschweiler. Teufen: Niggli, 1954. Handbuch der Schweizer Grafiker und Fotografen. [Text: Hans Neuburg]. Hamburg: Märkte und Medien Verlagsgesellschaft, 1971.
Weblinks HAETTENSCHWEILER: Schriften für die Welt, Logos für Zug In: KLEEB-LÖTSCHER
Walter Haettenschweiler bei swisstypedesign.ch walter-haettenschweiler.com Kunst und Grafik von Walter F. Haettenschweiler Grafiker «Haetti» ist gestorben. In: Neue Zuger Zeitung vom 13. Oktober 2014 Andreas Faessler: Er wollte immer ein Handwerker sein., Nachruf in: Zuger Zeitung (28. November 2014) Urs Tremp: Entwerfer und Gestalter. Nachruf in: NZZ am Sonntag vom 19. Oktober 2014 Microsoft: Fonts, Haettenschweiler und Haettenschweiler 2.0 MyFonts Inc: Schmalfette CP. Font family. Designers: Jason Anthony Walcott, Walter Haettenschweiler. Published by Counter Point Type Studio, Anaheim, CA (USA). «wiiter verzelle»: Walter Friedrich Haettenschweiler. Grafiker, Schriftgestalter, Künstler. Videogespräch in vier Teilen. Redaktion und Interview: Beat Holdener. Kamera, Ton und Postproduktion: Remo Hegglin. Zug, 2013. Diesem Schweizer Grafiker stibitzte Microsoft eine Schrift. In: SRF 20. Oktober 2022
Einzelnachweise
Kategorie:Schriftdesigner (Schweiz) Kategorie:Typograf (Schweiz) Kategorie:Grafikdesigner (Schweiz) Kategorie:Briefmarkenkünstler (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann