hochkant=1.5|mini|St. Hedwig in Bielefeld-Heepen hochkant=1.5|mini|Innenansicht der 2003 renovierten Kirche St. Hedwig ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Bielefeld-Heepen, Nordrhein-Westfalen. Kirche und Gemeinde gehören zum Pastoralverbund Bielefeld-Ost im Dekanat Bielefeld-Lippe des Erzbistums Paderborn.

Lage und Gemeindegebiet Die Kirche St. Hedwig befindet sich an der Hillegosser Straße im Ortszentrum von Heepen. Zum Einzugsgebiet gehören die Orte Heepen, Altenhagen, Brönninghausen und Oldentrup. Die Gesamteinwohnerzahl dieser Orte beträgt 23.012, davon gehören 3551 Katholiken der Kirchengemeinde an (Stand 2010; Steigende Tendenz, da dies ein Zuzugsgebiet ist).

Geschichte Urkirche (1000–1536) Der Frankenkönig Karl der Große hatte um 800 in den Sachsenkriegen die Lehren des Christentums bis in die letzten Winkel der sächsischen Gebiete hereingetragen. Das Gebiet der Missions- und Urkirchpfarre wurde im 9. Jhd. von Oerlinghausen aus seelsorglich betreut. Die ersten Kirchen wurden gebaut. Anfänge der Kirche in Heepen liegen zwischen 800 und 1000 nach Christus. Vermutet wird nach der Zeit der Urpfarre zunächst eine Holzkirche, die als Tauf- und Missionsstation diente. Die Peter-und-Pauls-Kirche scheint um 1000 von Bischof Meinwerk gebaut worden zu sein. Es war ein romanischer Steinbau, das Gotteshaus war einschiffig mit Westturm, Querarmen und Apsis(Gewölbe) ausgestattet. Das Vorwerk in Heepen zum Haupthof Gut Niederbarkhausen hatte Bischof Meinwerk 1036 dem Stift Busdorf übertragen. Heepen zählt zu den ältesten Pfarreien des Bistums Paderborn und neben Schildesche zu den Urpfarreien im Ravensberger Land.

Die Kirche St. Peter wird 1236 als Mutterkirche von Bielefeld erwähnt, als die Kapelle in Bielefeld Pfarrrechte und der Pfarrer von Heepen dafür jährlich zu Allerheiligen von jedem Haushaltungsvorstand einen Obolus (= ½ Denar) erhielt. Zur Pfarrei Heepen gehörten auch Altenhagen, Brönninghausen, Lübrassen, Schelpmilse, Eckendorf, Hillegossen, Oldentrup, Sieker, Stieghorst. Sie stand unter dem Patronat des Paderborner Domthesaurars. Ab 1536 wirkte der erste protestantische Pfarrer in der Pfarrei Heepen. Mehrere alte Kapellen im Bereich der Pfarrei Heepen bestehen nicht mehr.

Nach der Reformation gehörte das Gebiet der heutigen St.-Hedwig-Gemeinde zur Pfarrei St. Jodokus.

Neugründung der kath. Gemeinde 1946 Nach dem 1905 errichteten Bau der Marienkapelle in Sieker (Elpke) erfolgte die seelsorgerische Betreuung von dort aus. Im Jahre 1910 gab es in Heepen 49, in Oldentrup 18 und in Ubbedissen 8 Katholiken. 1910 wurde die Seelsorgestelle an der Marienkapelle in Sieker nicht wieder besetzt, so dass die wenigen Katholiken wieder von St. Jodokus und von 1934 an von der neu errichteten Liebfrauengemeinde in Bielefeld betreut wurden. Sprunghaft stieg durch Evakuierung und andere Kriegsereignisse die Zahl der Katholiken in Heepen an. Seit Ende 1942 wurde einmal im Monat nachmittags um 17 Uhr das hl. Messopfer im evangelischen Gemeindehaus gefeiert. Nach Kriegsende strömten aus den Ostgebieten in zunehmendem Maße Katholiken in den Landkreis Bielefeld. Allein im Gebiet der heutigen St. Hedwigs Gemeinde stieg die Einwohnerzahl um 1730 auf 9246 an. Zu erwähnen ist, dass Pfarrer Mischkowsky, als Treckleiter, mit 2/3 der Einwohner von Hemmersdorf/Schlesien nach Ostwestfalen kam. Vom 1. Osterfeiertag 1946 an wurden regelmäßig in den zur Verfügung gestellten evangelischen Kirchen in Heepen und Ubbedissen an allen Sonn- und Feiertagen, von dem der Liebfrauengemeinde für die Betreuung der Heimatvertriebenen zugeteilten ostvertriebenen Breslauer Pfarrer Herbert Mischkowsky die hl. Messe gefeiert. 1948, nach der Errichtung der Kuratie Hillegossen, wurden Heepen, Oldentrup und Brönninghausen von der Bonifatiusgemeinde in Sieker durch die Pfarrvikare Weichert, Sandmeyer und Kraft betreut.

Die Hedwigskirche Bau der St.-Hedwig-Kirche mini|hochkant|Rohbau der St.Hedwig-Kirche 1956 mini|Abb. 01 Hedwigsfenster im Turm Am 1. Februar 1952 kam es zu einer Neuordnung der Seelsorgebezirke. Die Kuratie Heepen mit den Ortsteilen Heepen, Brönninghausen, Oldentrup und Ubbedissen mit Dingerdissen wurde errichtet, Pfarrer Herbert Mischkowsky zum Kuratus ernannt. Nach allen Provisorien sollte nun eine festgegründete Kirche erbaut werden. Die weitaus größte Gruppe der Gläubigen kam aus Schlesien, so lag es nahe, die Schutzpatronin Schlesiens, die heilige Herzogin Hedwig, zur Patronin der Gemeinde und der Kirche zu wählen. Ihr Bild im Rundfenster der Turmkapelle, gestaltet nach dem Schlackenwerther Kodex aus dem Jahre 1353 Abb. 01, ist das sichtbare Zeichen, dazu noch eines der Fenster im Langhaus der Kirche. Die Gemeinde zählte zu diesem Zeitpunkt ca. 1750 Mitglieder. Schon 1953 konnte ein geradezu idealer Bauplatz von 2770 m² Größe an der Hillegosser Straße erworben werden. 1954 wurde der Kirchbauverein St. Hedwig Heepen gegründet. Am 1. April 1955 wurden die beiden auf dem Grundstück gelegenen, aus dem Jahre 1653 stammenden Kotten Zieglerhaus (Tichelhaus Abb. 1) und Kaddenreff abgerissen. Aus dem Eichenfachwerk erstellte das Gemeindemitglied, der schlesische Holzschnitzer Bartsch aus Oldentrup, das ausdrucksstarke Holzkreuz. Der Korpus misst 160 cm, die Armspanne 150 cm. Da diese Häuser aus dem Jahr 1653 stammen, muss man davon ausgehen, dass der Eichenbaum, aus dem das Kreuz gefertigt wurde, um ca. 1550 gepflanzt wurde, also vor 450 Jahren. Bis zur Fertigstellung der Krypta im Jahre 1996 befand sich das Holzkreuz in der Turmkapelle. (Abb. 7–8) Sofort nach dem Abriss begann der Bau der St. Hedwigs-Kirche nach den Plänen der Architekten Potthast und Schmidt. Am 19. Juni 1955 war die Grundsteinlegung. Der aus der zerstörten Berliner St. Hedwigs-Kathedrale stammende Grundstein (Abb. 3) ist ein Geschenk des Berliner Bischofs Wilhelm Weskamm. Am 2. August wurde das Richtfest der Kirche mit der Gemeinde gefeiert (Abb. 4–5). Das eigene Gesicht gaben dem Raum der Kirche die Benediktiner aus der Abtei Maria Laach, die Benediktinerinnen aus Abtei Herstelle und der schlesische Glaskünstler Richard Süßmuth. Am 29. Januar 1956, dem Sonntag Septuagesima, benedizierte (segnete) sie Herr Dechant Sunder. Den ersten feierlichen Gottesdienst hielt Herr Pfarrer Blöink von der Muttergemeinde Liebfrauen in Bielefeld. Im Mai konnte das Pfarrhaus bezogen werden. Ein großes Ereignis war die Konsekration der Kirche am 30. Juni 1956 durch Erzbischof Lorenz Jaeger (Abb. 6). Mit Wirkung vom 1. Januar 1957 wurde die vermögensrechtlich selbständige Pfarrvikarie St. Hedwig Heepen errichtet.

Architektur Ansicht von Nordosten der über rechteckigem Grundriss mit eingezogenem Chor errichteten, dreischiffigen Basilika St. Hedwig. Das Walmdach ist mit Ziegeln gedeckt, die Außenwände sind weiß verputzt. Die schmalen, hohen Rundbogenfenster sind in die Seitenwände eingeschnitten. Im Osten das dreiteilige Portal mit hochrechteckigen Türen. An der nördlichen (rechten) Ecke der Ostwand der Grundstein (s. Detailfoto Abb. 4). Im Südosten der über quadratischem Grundriss errichtete, von einem Kreuz bekrönte Glockenturm. Im Obergeschoss sind auf jeder Seite drei Lanzettbögen als Schallarkaden eingeschnitten. Unter der Hochaltar befand sich der Gemeinderaum der bis zur Erstellung des Bischof-Meinwerk-Hauses im Jahre 1985 benutzt wurde.

Kirchenfenster links|mini|hochkant=0.7|Unsere liebe Frau Wie die Arbeiten von Richard Süßmuth nach Heepen kamen, kann nicht mehr belegt werden. Aber die Vermutungen gehen dahin, dass der damalige Pfarrer Herbert Mischkowsky den Künstler und seine Arbeiten aus Schlesien kannte. Daher ist es naheliegend, dass er den Weg zu diesem schlesischen Glaskünstler suchte und ihn beauftragte, die Kirchenfenster und die Eingangstüren zu fertigen. Folgende Arbeiten von Süßmuth sind bzw. waren in der St.-Hedwig-Kirche in Heepen:

hochkant|mini|Abb. 11 Bis zur Renovierung 1975 waren diese Fenster im Altarraum

Im Untergeschoss des Turmes, (siehe Abb. oben) zugänglich vom Kirchenraum aus, befindet sich eine Kapelle, die der Namenspatronin der Kirche St. Hedwig geweiht ist. Süßmuth schuf ein beeindruckendes Rundbogenfenster, das dem Raum eine ganz besondere Stimmung gibt. Hedwig, die Schutzpatronin der Schlesier, wird überdimensional im Rundbogenfenster dargestellt. Das Fenster ist halbrund. Es ist 3,40 m breit und hat im Scheitelpunkt eine Höhe von 2,10 m. Von außen ist das Fenster mit einem Schutzgitter gesichert, hat aber keine Schutzverglasung. Das eintretende Licht aus dem Süden hebt die Farben besonders hervor. Das Glasbild der Heiligen Hedwig wirkt sehr lebendig.

Die 6 Fenster im Altarraum mit der Darstellung der Sakramente wurden bei der Kirchenrenovierung 1975 entfernt und befinden sich jetzt als Dauerleihgabe im Süßmuth-Museum in Immenhausen.

Alle 9 Kirchenfenster im Kirchenschiff haben den gleichen künstlerischen Aufbau, Ornamentverglasung in Bleieinfassung. Die Außenmaße der Fenster betragen in der Höhe 3 Meter und der Breite 90 cm. Eine Strebe aus Flachstahl in der Breite von 40 mm unterteilt die Fenster dreimal. Jedes Fenster ist durch zwei Glasbordüren eingefasst. Die äußere ist sehr schmal und aus weißem Ornamentglas, die innere hat mehrere schwache Rottöne im Glas (pastellfarbig Hellrot, Hellgelborange und Hellviolettmagenta). Die Verglasung, die die Heiligenfigur einschließt, hat die Größe 11 cm × 19 cm. Die Scheiben sind pastellfarbig hellviolett in verschiedener Farbintensität. Dadurch bekommen die Heiligenfiguren durch ihre kräftigen Farben noch mehr Ausstrahlung. Die Heiligen haben eine Höhe von 190 cm und eine Breite von 50 cm. Im unteren Bereich der Fenster findet sich überall der Name des Heiligen.

Beschreibung des linken Bildes: Die Muttergottes Maria ist als Schutzmantelmadonna dargestellt. Sie trägt ein rotes Gewand und darüber einen blauen Umhang, der als Schutzmantel ausgebildet ist. Unter ihrem Mantel beschützt sie ein Elternpaar mit ihrem Kind. Maria hat den Kopf seitlich nach links gewandt und schaut auf die vor ihr stehenden Kinder. Ihre Hände liegen beruhigend auf den Köpfen der Eltern. Die Familie wird schützend umhüllt vom blauen Mantel. Die Mutter und das Kind sind innig im Gebet versunken. Hilfe suchend und bittend mit ausgestreckten Armen hebt der Vater die Arme um Trost zu empfangen.

Inneneinrichtung Taufbecken mini|hochkant=0.5|Taufbecken Pater Theodor Bogler O.S.B. aus Maria Laach hat den Altar, den Ambo sowie das Taufbecken aus einem rötlichen Sandstein von der Kyll geschaffen. Auf dem Taufbecken ist unten die Schlange eingemeißelt: Sie ist das Sinnbild des Bösen, des Unheils und der Falschheit. Darüber schwebt die Taube, die den Heiligen Geist versinnbildlicht. Sie soll an die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes erinnern. Matthäus schreibt dazu: „Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser. Da tat sich der Himmel auf; er sah den Geist Gottes wie eine Taube niederschweben und über ihn kommen und eine Stimme rief: Dies ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“ (3.16 17)

Die Taube ist, wie nach der Sintflut, der Bote des Gottesfriedens für die aus dem Verderben errettete Menschheit. Über allem steht das Weihegebet des Taufwassers in der Osternacht: Es steige herab in dieses Brunnenquells Fülle die Kraft des Heiligen Geistes Der bronzene Deckel wird gekrönt durch das alte Sinnbild Christi: Chi Rho, die griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Christi, in denen in unserer Darstellung auch das Kreuz angedeutet ist.

Altarkreuz hochkant=0.5|mini|Triumphkreuz Das über dem Tabernakel hängende Altarkreuz stammt aus der Ars Liturgica der Benediktiner aus Maria Laach. Christus ist hier nicht mit der Dornenkrone dargestellt, sondern erscheint hier als verklärter Herr. Deshalb nennt man es auch das Triumphkreuz.