Die Pfarrkirche St. Peter, auch Peterskirche, ist die älteste Pfarrkirche Münchens. Der früheste Bau entstand wohl im 12. Jahrhundert, der gotische Neubau wurde 1294 geweiht. Ihr 91 Meter hoher Turm wird im Volksmund Alter Peter genannt und gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Die reiche Ausstattung der dreischiffigen Basilika, darunter den barocke Hochaltar in Anlehnung an Berninis Cathedra Petri, schufen bedeutende Künstler wie Egid Quirin Asam und Johann Baptist Zimmermann.

Lage St. Peter (Petersplatz 1) steht auf dem Petersbergl, der einzigen nennenswerten Erhebung innerhalb der historischen Altstadt Münchens. Unterhalb des Petersbergls in nordwestlicher Richtung liegt der Marienplatz, in südöstlicher Richtung der Viktualienmarkt, in südwestlicher Richtung der Rindermarkt.

Geschichte Romanischer Vorgängerbau Auf dem Petersbergl gab es ursprünglich eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit zwei eingebundenen Westtürmen. Ob diese Kirche der Gründungsbau war, lässt sich jedoch nicht nachweisen. Urkundlich erwähnt ist die Peterskirche erstmals in einem Dokument von 1225 oder 1226, anlässlich eines Besuchs des Herzogs Ludwig der Kelheimer, als ecclesia sancti Petri Muonichen.

Ein unter dem nördlichen Teil des Chors gefundener viereckiger Raum, im Allgemeinen als „Alter Raum“ bezeichnet, wurde zeitweise vor die Stadtgründung Münchens datiert. Nach neuerer Erkenntnis handelt es sich dabei jedoch eher um Überreste einer um 1158 erbauten herzoglichen Zollstation.Altmann: Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter, München. S. 4.

Bau der gotischen Kirche mini|hochkant|Das Petersbergl im 16. Jahrhundert. Zeichnung Gustav Steinleins nach dem Sandtnerschen Modell

Ab 1278 wurde die romanische durch eine prunkvollere gotische Basilika ersetzt. Eine größere Kirche wäre eigentlich nicht erforderlich gewesen, da der Pfarrbezirk von St. Peter auf die südliche Hälfte der Stadt geschrumpft war, als am 24. November 1271 die zweite Münchner Pfarrei aus der Marienkapelle gegründet worden war. Vielmehr sollte mit dem am 17. Mai 1294 von Bischof Emicho von Freising geweihten Neubau einem möglichen Bedeutungsverlust entgegengewirkt werden. Das dreischiffige Langhaus, das noch keine Seitenkapellen hatte, war durch außenliegende Strebepfeiler gegliedert.Anne Wermescher: Der Schrenkaltar in St. Peter in München – Aufbau, Material und historische Überarbeitung (= Aus dem Pfarrarchiv von St. Peter in München, Heft 10). München 2005, S. 7.

Am 14. Februar 1327 fiel fast ein Drittel Münchens einer Brandkatastrophe zum Opfer. Der Ostchor von St. Peter brannte bis auf die Außenmauer nieder, das Kirchenschiff konnte gerettet werden, die Türme brannten aus. Wahrscheinlich wurde dann am Ende des Kirchenschiffes eine Mauer eingezogen, um weiterhin Gottesdienste feiern zu können. Beim Wiederaufbau wurde die Kirche um zwei Joche verlängert. Die Wände des Langhauses wurden nach außen verlegt, sodass zwischen den ins Kircheninnere einbezogenen Strebepfeilern Seitenkapellen angelegt werden konnten. Diese Kapellen wurden meist von Patriziern gestiftet, verfügten über eigene Geistliche und dienten der Stifterfamilie auch als Grablege.Altmann: Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter, München. S. 6. 1365Altmann: Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter, München. S. 5. Vgl. auch Wermescher, München 2005, Anmerkung 5 zu S. 7. oder 1368 weihte der Freisinger Fürstbischof Paul den neuen gotischen Hochchor. 1378/1379 erhielt er noch zwei gotische Gewölbeeindeckungen. Von 1379 bis 1386Josef H. Biller, Hans-Peter Rasp: München Kunst & Kultur. München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 351. wurde das Westwerk umgestaltet, wobei man sich von der gotischen Zweiturmanlage löste. Die beiden ausgebrannten Türme wurden abgeschrägt und zwischen den beiden Stümpfen ein einzelner Turm errichtet, der heute mit seiner offenen, rundumlaufenden Aussichtsgalerie ein beliebter Aussichtspunkt ist. Um 1407 wurden die beiden vorgelagerten Treppentürmchen am Westportal angesetzt.

Im 15. Jahrhundert (1487) sind für St. Peter auch ein eigener Friedhof („gotzacker“) und ein Armenhaus – „daz pruderhaws sant Peters den armen läwtten“ – urkundlich bezeugt.

Hochbarocker Um- und Ausbau mini|Kupferstich von Michael Wening, 1701

Seine neue Turmbekrönung (mit offenem Tempietto, wahrscheinlich nach Plänen von Heinrich Schön d. Ä.) erhielt der „Alte Peter“, nachdem am 24. Juli 1607 ein Blitz die beiden Spitzhelme des Westwerks zerstört hatte.Nach Altmann war die Neugestaltung des Turms bereits 1614, nach Biller/Rasp erst 1621 abgeschlossen. Vgl. Altmann. Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter, München. S. 6, bzw. Biller und Rasp, München 2003, S. 351.

Um die Raumnot zu mildern, entschloss man sich noch vor dem Dreißigjährigen Krieg zu einer Erweiterung nach Osten, die wahrscheinlich Isaak Bader plante. 1630 begann der Abbruch des gotischen Ostchores, um die Erweiterung durch einen barocken DreikonchenchorJosef H. Biller, Hans-Peter Rasp: München Kunst & Kultur. München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 352. zu ermöglichen. Durch die Kriegswirren konnte dieser erst 1636 eingewölbt werden. Danach wurde die Umgestaltung des Langhauses durch Hans Heiß in Angriff genommen, die 1654 abgeschlossen war (Ummantelung der bisherigen Achteckpfeiler, Neueinwölbung, Einbau der Orgelempore, Einbau der Oratorien über den Seitenschiffen, Seitenportale anstelle des gotischen Westportals).

Spätbarocke Umgestaltung Im 18. Jahrhundert wurde zunächst der Chor einschließlich Hochaltar (ab 1730) und später das Langhaus (1752–1756) im spätbarocken Stil umgestaltet. Nikolaus Gottfried Stuber entwarf den neuen Hochaltar inspiriert von Berninis Cathedra Petri im römischen Petersdom und realisierte ihn mit Egid Quirin Asam.Daniela Crescenzio: Italienische Spaziergänge in München, Band I – Florenz Venedig Rom, 2. Aufl., IT-INERARIO, Unterhaching 2009, ISBN 978-3-9813046-0-2, S. 76–81. Der Chor wurde durch Ignaz Anton Gunetzrhainer neu eingewölbt. Johann Baptist Zimmermann übernahm die kunstvolle Stuckierung und Nikolaus Gottfried Stuber die Ausmalung des Chores. Im Langhaus stammen von Zimmermann sowohl die Stuckierung als auch die Fresken in den rundbogigen Blendfenstern und an der Decke, die Szenen aus dem Leben des Apostels Petrus zeigen.

Restaurierungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es drei Restaurierungen: „Grüne Renovierung“ 1844: Entdeckung des spätgotischen Schrenck-Altares, einziger erhaltener Sandsteinaltar der Gotik in München „Gelbe Renovierung“ 1882 „Graue Renovierung“ 1911/1912

Kriegszerstörung und Wiederaufbau mini|Luftaufnahme der Peterskirche 1945

Bei Bombenangriffen auf München 1944/1945 wurde St. Peter weitgehend zerstört.Peter Pfister (Hrsg.): (= Ausstellungen im Archiv des Erzbistums München und Freising. Band 11). Archiv des Erzbistums München und Freising, München 2012, S. 21–23.Peter B. Steiner: Zerstörung und Wiederaufbau der Kirchen Münchens. In: Münchener Theologische Zeitschrift. 57 (2006), S. 291–304, hier: S. 296–298. Nachdem der emblematische Turmaufbau bereits am 15. April 1944 getroffen worden und am 17. Dezember 1944 eine Chorwand eingestürzt war, führten Volltreffer zweier Sprengbomben beim Fliegerangriff am 25. Februar 1945 im Bereich des Corpus-Christi-Altars zum Einbruch des gesamten Schiffsgewölbes und richteten schlimme Schäden an: Faktisch standen nur noch der ausgebrannte Turmstumpf sowie die Außenmauern des Hochchores. Ein Wiederaufbau schien unmöglich.

Das Baubüro des erzbischöflichen Ordinariats und das Landesamt für Denkmalpflege sahen zunächst – auch aus finanziellen Gründen – nur einen Erhalt des Chores und des wahrzeichenhaften Turmes vor. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Kirchenruine daher bereits zum Abriss freigegeben und die Sprenglöcher dazu bereits gebohrt. Auf Initiative der beiden Stadtpfarrer von St. Peter, Max Stritter (1937–1949) und Max Zistl (1949–1983), rettete Michael Kardinal Faulhaber die Kirche.

Der Wiederaufbau begann 1946. Durch die Spendenbereitschaft der Münchner Bürger aus allen Konfessionen und politischen Richtungen, den 1950 gegründeten „Wiederaufbauverein St. Peter“, aber auch Finanzhilfen aus aller Welt, z. B. aus Cincinnati/USA, konnte schon 1946 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Am 8. September 1951 wurde das Kreuz auf dem Turmhelm angebracht und am 28. Oktober ein erster feierlicher Abschluss des Wiederaufbaus, an den eine Gedenktafel in der Turmstube erinnert, begangen. Drei Jahre später, am 27. Juni 1954, weihte Joseph Kardinal Wendel den Hochaltar. Zu diesem Zeitpunkt war der Wiederaufbau der ältesten Kirche Münchens in seiner äußeren Form abgeschlossen.

Die Rekonstruktion des Inneren, um die sich besonders Rudolf Esterer und Erwin Schleich verdient machten, wurde erst mit der Rekonstruktion der Deckenfresken im Langhaus durch den Freskanten Hermenegild Peiker im Jahr 2000 abgeschlossen. Für die Fresken in der Chorkuppel wurde 2023 aufgrund von Salzeinlagerungen eine Restaurierung notwendig.

Architektur Äußeres mini|hochkant|Kirchendach vom Glockenturm

Die Peterskirche ist eine dreischiffige Basilika, bei der beidseitig an den Seitenschiffen Kapellen zwischen den eingezogenen Strebepfeilern angefügt sind. Im Erdgeschoss ist der Sakralbau durch Rundbogenfenster erhellt, in den Seitenschiffen und den Hochschiffwänden durch Rundfenster. Während alle Wände und der Turm verputzt sind, ist die mächtige Dreikonchenchoranlage ein Blankziegelmauerwerksbau. Auch hier sind die Wände von Rundbogen- sowie Rundfenstern durchbrochen. In den beiden östlichen Winkeln der Konchen erhebt sich jeweils ein runder Treppenturm mit welscher Haube. Die Mittelkonche umgibt ein eingeschossiger Sakristeianbau. Der Turm mit 92 m Gesamthöhe ist von zwei frühgotischen Turmstümpfen der ursprünglichen Zweiturmfassade flankiert. Zwei polygonale Ecktürmchen begleiten das Mittelportal des Turmes. Bogenfriese und Zahnschnitt schmücken die Turmfassade. Die Turmuhr der Peterskirche wurde im Jahr 1371 erstmals schriftlich erwähnt. Über dem Glockengeschoss mit seinen spitzbogigen Schallfenstern befindet sich eine umlaufende Turmgalerie in 57 m Höhe. Die Galerie umläuft die ehemalige Türmerstube für den Feuerwächter der Stadt München, der hier bis zum Jahr 1936 seinen Dienst tat.

Inneres mini|Kircheninneres Zwischen den gotischen Turmstümpfen befindet sich ein Vorjoch, über dem sich die Doppelempore erhebt. Das Gewölbe der Empore ist 8,70 m hoch. Die dreischiffige Pfeilerbasilika gliedert sich in neun Joche. Das 22 m hohe und 9,22 m breite Mittelschiff ist durch Pilaster in zwei Geschosse gegliedert. Die Erdgeschosszone ist durch Arkaden mit einem Interkolumnium von 4 m geöffnet. Über einem gekröpften, umlaufenden Gesims erheben sich Obergaden mit Blendarkaden und Rundfenstern. Das als Holzkonstruktion rekonstruierte Tonnengewölbe mit Stichkappen ist seit dem Jahr 2000 wieder mit einem Deckengemälde geschmückt. Der zugehörige Stuck wurde dabei illusionistisch gemalt.