Die Zillertaler Alpen sind eine Gebirgsgruppe der Zentralen Ostalpen. Der größte Teil der Zillertaler Alpen befindet sich im österreichischen Bundesland Tirol, gefolgt von der italienischen Provinz Südtirol und einem kleinen Teil im österreichischen Bundesland Salzburg. Die Zillertaler Alpen erreichen auf ihrem Hauptkamm Berghöhen von über 3500 Metern, ihr höchster Berg ist der Hochfeiler.
Benachbarte Gebirgsgruppen mini|Schlegeisspeicher Die Zillertaler Alpen grenzen an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:
Tuxer Alpen (im Norden) Kitzbüheler Alpen (im Nordosten) Venedigergruppe (im Osten) Rieserfernergruppe (im Südosten) Dolomiten (im Süden) Sarntaler Alpen (im Südwesten) Stubaier Alpen (im Westen)
Lage und Beschreibung Die Grenze im Norden verläuft von St. Jodok am Brenner entlang des Schmirntals und des Kaserer Winkls zum Tuxer Joch. Von dort geht es entlang des Tuxertals bis Mayrhofen und entlang des Zillertals flussabwärts bis Zell am Ziller. Anschließend verläuft die Grenze entlang des Gerlostals über den Gerlospass und entlang der Salzach bis zur Einmündung der Krimmler Ache. Im Osten bildet das Krimmler Achental die Grenze von Krimml bis zur Birnlücke. Im Südosten verläuft die Grenze von der Birnlücke entlang des Tauferer Ahrntals bis Bruneck im Pustertal. Die Grenze im Süden wird vom Pustertal gebildet von Bruneck entlang der Rienz flussabwärts bis zur Einmündung in den Eisack. Im Westen verläuft die Grenze durch das Wipptal zunächst dem Eisack entlang talaufwärts zum Brennerpass und anschließend der Sill entlang abwärts bis zur Einmündung des Schmirnbachs.
Die Birnlücke, , verbindet die Zillertaler Alpen mit der Venedigergruppe. Der Brennerpass, , stellt die Verbindung mit den Stubaier Alpen her. Das Tuxer Joch, , verbindet die Zillertaler Alpen mit den Tuxer Alpen und der Gerlospass, , mit den Kitzbühler Alpen.
Der Hauptkamm mit den höchsten Gipfeln der Zillertaler Alpen verläuft in ost-westlicher Richtung. Er trägt seit dem Inkrafttreten des Friedensvertrags von Saint-Germain 1920 die Staatsgrenze zwischen Italien und Österreich.
Geologie Die Zillertaler Alpen liegen vor allem im penninischen Tauernfenster und bestehen hauptsächlich aus Granitgneis (Zentralgneis des Zillertaler Kerns) und Gesteinen der Oberen Schieferhülle. Die Hochtäler, bezeichnet als Gründe, werden mit Stauseen zur Erzeugung von Elektrizität per Wasserkraft genutzt. Das Gebiet der Zillertaler Alpen ist als Naturpark unter Schutz gestellt, da hier bedrohte Tier- und Pflanzenarten noch heimisch sind.
Gletscher Zahlreiche Gletscher bedecken ab einer Höhe von etwa besonders die nördlichen Bereiche, sind aber durch die globale Erwärmung stark im Schwinden begriffen. Im Südtiroler Teil der Zillertaler Alpen liegen die Gletscher höher und sind kleiner. Einige der höchsten Dreitausender im Hauptkamm können daher von Süden her „eisfrei“ begangen werden.
Für die Zillertaler Alpen werden nach unterschiedlichen Erhebungsmethoden folgende Gletscherflächen angegeben: österreichischer Anteil: 116,6 km² für 1850 und 61,2 km² für 1969Günter Groß: Der Flächenverlust der Gletscher in Österreich 1850–1920–1969. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. 23, 2, 1987, S. 131–141. bzw. 66 km² für 1969 und 51 km² für 1999Michael Kuhn, Astrid Lambrecht, Jakob Abermann, Gernot Patzelt, Günter Groß: Die österreichischen Gletscher 1998 und 1969. Flächen- und Volumenänderungen. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2008. italienischer Anteil: 37,2 km² für 1850 und 14,6 km² für 1997C. Knoll, H. Kerschner, Jakob Abermann: Development of South Tyrolean glaciers since the Little Ice Age maximum. In: Zeitschrift Für Gletscherkunde und Glazialgeologie. 42/1, 2009, 19–36.
Jahr Österreichischer Anteil [km²] Italienischer Anteil [km²] Zillertaler Alpen gesamt [km²] 1850 116,6 37,2 153,8 1999 (A) bzw. 1997 (I) 51,0 14,6 65,6
Im 150-jährigen Beobachtungszeitraum zw. 1850 und 2000 hat sich die Gletscherfläche in den Zillertaler Alpen um rund 60 % verringert.
Die Tabelle zeigt die größten Gletscher nördlich des Alpenhauptkammes:
Name Fläche 1999 [km²] Fläche 1969 [km²]Fläche 1850 [km²] Schlegeiskees 4,61 5,296,64 Floitenkees 4,24 4,886,82 Schwarzensteinkees 4,17 4,697,95 Gefrorene-Wand-Kees (Tuxer Ferner) 3,84 4,176,63 Waxeggkees 3,39 3,905,05 Hornkees 2,69 3,065,69 Wildgerloskees 1,98 2,103,96 Stampflkees 1,60 1,743,10 Großes Riepenkees 1,01 1,222,02 Furtschaglkees 0,99 1,141,84 Schönachkees 0,99 1,082,86 Löfflerkees 0,86 1,141,64 Federbettkees 0,66 1,002,13
Untergruppen
Die Zillertaler Alpen werden in die folgenden Untergruppen unterteilt: Tuxer Hauptkamm Zillertaler Hauptkamm und SeitenkämmeEine weitere Unterteilung erfolgt in: Hauptkamm, Hochstellerkamm, Greinerkamm, Mörchner- und Ingentkamm, Floitenkamm, Ahornkamm, Riblerkamm, Magnerkamm, Mühlwalder Kamm. Reichenspitzgruppe und östliche ZillerkämmeEine weitere Unterteilung erfolgt in: Reichenspitzkamm, Gerloskamm, Schönachkamm, Wimmerkamm, Schwarzachkamm, Zillerkamm. Pfunderer BergeEine weitere Unterteilung erfolgt in: Kreuzspitzkamm, Plattspitzkamm, Wurmaulkamm, Grubbachkamm.
Bedeutende Gipfel mini|Der Große Löffler () gesehen vom Gigalitz Hochfeiler, Großer Möseler, Olperer, Hochfernerspitze, Turnerkamp, Schrammacher, Fußstein, Großer Löffler, Hoher Weißzint, Schwarzenstein, Reichenspitze, Gefrorene-Wand-Spitzen, III. Hornspitze (Berliner Spitze), Rauchkofel, Hoher Riffler, Wilde Kreuzspitze, Zsigmondyspitze (Feldkopf),
mini|Historische Karte der zentralen Zillertaler Alpen mit Besteigungsrouten, 1880er Jahre
Geschichte Urgeschichte Bereits Jäger, Sammler und Hirten der Steinzeit nutzten den hochalpinen Raum der Zillertaler Alpen für die sommerliche Jagd, aber auch als Abbaurevier für Bergkristall, der als hochwertiges Tauschgut gehandelt wurde. Allerdings sind nur wenige Spuren und Artefakte prähistorischer Kulturen für den Nordtiroler Teil der Zillertaler Alpen bekannt:
Aus der Mittelsteinzeit stammen Funde von Hornstein und Flint am Tuxer Joch, 2338 mBundesdenkmalamt (Hrsg.): Fundberichte aus Österreich, 17 (1988). Wien 1989.. Im Bereich Pfitscherjoch, 2270 m, wurden mehrere Fundstellen mit Spuren (Bergkristall und Feuerstein, später aber auch Speckstein) von Jägern und Hirten entdeckt. Diese belegen die Begehung dieses hochalpinen Übergangs durch den Menschen in der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit und in der EisenzeitThomas Bachnetzer, Walter Leitner: Der Vergangenheit auf der Spur. Archäologische Untersuchungen am Pfitscherjoch. Pfitscherjoch Grenzenlos. In: Das Buch von jahrtausendalten Wegen und Begegnungen am Alpenhauptkamm. Ginzling, Pfitsch/Val di Vizze, Vals 2014, S. 46–59 (ginzling.net, PDF).. Am Tuxer Joch wurde ein bronzezeitlicher Gebrauchsgegenstand entdecktOtto Stolz: Die Zillertaler Gründe, geschichtlich betrachtet. In: Zeitschrift des DAV 72, 1941, S. 106–115., im Zemmgrund eine bronzezeitliche Feuerstelle mit Bergkristallobjekten im Bereich der Schwarzensteinalm auf 2185 m. Durch diese Feuerstelle wird der pollenanalytisch festgestellte massive Eingriff des Menschen in die subalpine Waldstufe des oberen Zemmgrunds während der Bronzezeit archäologisch bestätigtP. Pindur, D. Schäfer, R. Luzian: Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle bei der Schwarzensteinalm im Oberen Zemmgrund, Zillertaler Alpen. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. 2007, S. 181–198..
Kupferbergbau ist auf der Kelchalm in den Kitzbüheler Alpen nachgewiesen. Im vorderen Zillertal fanden sich bisher nur erheblich spätere Artefakte. Sie gehören der Urnenfelderkultur an und stammen aus der Zeit zwischen 1200 und 800 v. Chr., damit aus der späten Bronzezeit. So fand man bei Strass am Steilhang unterhalb der Wallfahrtskirche von Maria Brettfall und nördlich der Wiese ein bronzenes Schwert und einen Angelhaken.Hans Appler: Ein spätbronzezeitliches Depot mit Schwert und Angelhaken aus Strass im Zillertal. in: Archäologie in Österreich 15 (2004), S. 29–33. In der Eisenzeit erstreckte sich das Gebiet der Fritzens-Sanzeno-Kultur, die mit den Rätern assoziiert wird, zum einen über Nordtirol. Diese Kultur löste um 600 v. Chr. dort die Inntalkultur ab. Zum anderen lässt sie sich für Südtirol belegen, wo sie auf die Laugen-Melaun-Kultur folgte.Paul Gleirscher: Die Räter. Chur 1991, S. 12–15.
Römer, Bajuwaren Bis zur Donau im Norden und zum Zillertal im Westen reichte das Königreich Norikum. Drusus zog 15 v. Chr. mit einem Heer über den Brennerpass in das Gebiet nördlich der Alpen. Mit der Eroberung des Raumes südlich der Donau richteten die Römer dort Provinzen ein. Dabei bildete das Zillertal die Grenze zwischen Raetia und Noricum.
Um 560, als der oströmische Feldherr Narses Italien zurückeroberte, lebten im Tal Bajuwaren.
Christianisierung, Bistümer Säben und Salzburg, Bergbau Die Grenze zwischen den Bistümern Säben-Brixen (heute Innsbruck) im Westen und Salzburg im Osten verlief durch das Zillertal. Eisenlagerstätten waren im Bereich des Zillertals zwar abbauwürdig,Maximilian Ciresa: Raetia Romanica. Das alpine Osträtien - Alttirol - im ersten Jahrtausend n. Chr. Norderstedt 2010, S. 16. doch blieb das innere Zillertal noch unbesiedelt.Maximilian Ciresa: Raetia Romanica. Das alpine Osträtien - Alttirol - im ersten Jahrtausend n. Chr. Norderstedt 2010, S. 42.
Die Privilegien Karls des Großen für das Erzstift Salzburg fanden auch im Zillertal Anwendung. Das Zillertal („pagus qui dicitur Cilarestale“) erhielten die Salzburger 889 durch Schenkung.Max Spindler: Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 1, C.H. Beck, 1981, S. 443. Einer der Vögte dieser Besitzungen war Hugo von Taufers, der 1232 auf die Vogtei zugunsten des Erzstiftes verzichtete.Eduard Widmoser: Tirol A bis Z. Südtirol-Verlag, 1970, S. 1112. Im Spätmittelalter veränderte der Silber- und Kupferbergbau im Schwazer Revier die regionalen Lebensverhältnisse. Schwaz, das 1312 vielleicht 200 Einwohner hatte, wies gegen Ende des 15. Jahrhunderts 15.000 bis 20.000 Einwohner auf.Thomas Sokoll: Bergbau im Übergang zur Neuzeit. Idstein 1994, S. 35. Im Bergrevier Ringenwechsel, mit Teilrevieren wie Burgstall, Rotenstein oder Trogbach, das sich vom Bucherbach bis zum Zillertal erstreckte, wurde der Bergbau 1435 begonnen. 1526 gab es 26 Stollen mit ca. 1900 Mann Belegschaft. Dennoch war das Falkensteiner Revier das bedeutendste in den Alpen.
Pest (1611/12), Niedergang des Bergbaus, Verarmung Doch 1611 bis 1612 traf Tirol die Pest. Im Juni 1611 erreichte Erzherzog Maximilian III. ein Brief, in dem die Forderung aufgestellt wurde, es sollte eine Wache an der Zillerbrücke aufgestellt werden, damit niemand mehr aus dem Zillertal herauskommen könnte. Jakob Wippershauser, dem Salzburger Propst im Zillertal, sollte nahegelegt werden, seinen Untertanen das Verlassen des Tals zu untersagen, das sowieso abgesperrt war. Viele der Arbeiter im Zillertal arbeiteten jedoch im Schwazer Bergbau, so dass sich dieser nur schwer von diesem Rückschlag erholen konnte.Bernhard Schretter: Die Pest in Tirol 1611–1612. Innsbruck 1982, S. 432. Die Region insgesamt litt unter dem Rückgang des Bergbaus. 1645 kam es zu einem Aufstand der Zillertaler Bauern gegen zu hohen Steuern, vier Jahre später kam es zum großen Knappenaufstand im Schwazer Revier.
Spätestens im 17. Jahrhundert begannen als „Ölträger“ bezeichnete Händler, Kräuter und Salben in die Nachbargebiete auszuführen. Dabei war um 1700 der Theriak des Bartholomäus Hauser aus Stumm als Universalheilmittel berühmt.Christian Probst: Fahrende Heiler und Heilmittelhändler. Rosenheimer Verlagshaus, 1992, S. 82.
Die Aufteilung zwischen den Bistümern hatte zur Folge, dass die Bedeckung der Dächer im Westen durch rote Ziegel erfolgte, im Osten durch Kupfer, das sich grün verfärbte. Das Erzbistum Salzburg verfügte über deutlich größere materielle Ressourcen als sein Nachbar.
Gegenreformation, Vertreibung der Protestanten (1731, 1837)