mini|hochkant|Die evangelisch-lutherische Kirche

Wieseth () ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Lage Durch das Gemeindegebiet fließt die Wieseth.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Herrieden, Bechhofen, Burk, Dentlein am Forst, Feuchtwangen

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Außerdem gibt es noch fünf Einöden, die allesamt keine amtlich benannten Gemeindeteile sind: Pfeifhaus Pflattermühle Schnepfenmühle Steigmühle Urbansmühle

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Aichau (Gemarkungsteil 2), Deffersdorf und Wieseth. Die Gemarkung Wieseth hat eine Fläche von 10,556 km². Sie ist in 2057 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5131,52 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Forndorf, Höfstetten, Untermosbach und Zimmersdorf und die Orte Pflattermühle, Schnepfenmühle und Steigmühle.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde in einer Urkunde, die zwischen 1183 und 1195 zu datieren ist, als „Wisente“ erstmals erwähnt. Der Ortsname leitet sich von einem gleichlautenden Gewässernamen ab, das seinem Namen den Wisenten verdankt, die wohl den Fluss als Tränke benutzt haben.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 242 f.

Der Ort ist entstanden an der Furt über den Fluss Wieseth, dort stand eine Wallfahrtskapelle (Veitskapelle). Es ist eine Gründungslegende überliefert: Ein Priester verliert beim Übergang über den Fluss eine geweihte Hostie. Diese wird von einem Fisch verschluckt. Als dieser gefangen wird, findet man die unversehrte Hostie im Fisch.

In Wieseth gab es ursprünglich sechs Grundherren: Das Kloster Heilsbronn, Bürger der Reichsstadt Dinkelsbühl, die Herren von Thann, die Herren von Künsberg, die Herren von Seckendorff und das Kollegiatstift Herrieden. Diese befanden sich wegen verschiedener Ansprüche in einem fortwährenden Streit.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 522 f. Die Fraisch übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Feuchtwangen aus.G. Stieber: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach, S. 953.

Im Jahre 1732 gab es in Wieseth 59 Anwesen mit 60 Mannschaften. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Verwalteramt Forndorf inne. Grundherren waren das Oberamt Feuchtwangen: Verwalteramt Forndorf (2 Anwesen mit Wirtschaft, 2 Anwesen mit Schmiede, 3 Anwesen mit Backrecht, 1 Anwesen mit Hafnerei, 1 Anwesen mit Badstube, 32 Anwesen), das Verwalteramt Waizendorf (1 Anwesen mit Wirtschaft, 1 Hof mit doppelter Mannschaft, 1 Hof, 1 Gut mit Hafnerei, 4 Güter); das Hochstift Eichstätt (1 Anwesen mit Wirtshaus, 1 Anwesen mit Backrecht und Schmiede, 4 Gütlein); 5 Anwesen unterstanden dem Stiftskapitel Herrieden, 1 Anwesen dem Kastenamt Arberg-Ornbau; das Rittergut Thann (1 Anwesen mit Wirtschaft); Freieigen waren 1 Schlösslein und 1 Anwesen mit Schmiede. Außerdem gab es noch 1 Kirche, 1 Kapelle, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus und 1 Hirtenhaus.Nach der Vetterischen Beschreibung des Oberamtes Feuchtwangen von 1732 (s. a. Wieseth auf der Website geschichte-feuchtwangen.de). Gegen Ende des Alten Reiches gab 54 Anwesen, von denen 47 dem Oberamt Feuchtwangen, 6 dem Hochstift Eichstätt und 1 dem Rittergut Thann unterstand.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 228. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Feuchtwangen.

1806 kam Wieseth an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Wieseth gebildet. Zu diesem gehörten Fetschendorf, Forndorf, Höfstetten, Obermosbach, Pflattermühle, Schnepfenmühle, Steigmühle, Untermosbach und Zimmersdorf. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Wieseth, die mit Ausnahme von Fetschendorf und Obermosbach deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Feuchtwangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Feuchtwangen zugeordnet (1919 in Finanzamt Feuchtwangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Wieseth zum Bezirksamt Feuchtwangen (1939 in Landkreis Feuchtwangen umbenannt) und von 1943 bis 1973 zum Finanzamt Dinkelsbühl, seit 1973 zum Finanzamt Ansbach. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 10,574 km².

Religion Die Gemeinde ist seit 1559 überwiegend evangelisch-lutherisch.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 Gebietsteile der Gemeinden Aichau und Oberschönbronn nach Wieseth eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1294 auf 1332 um 38 Einwohner bzw. um 2,9 %.

Gemeinde Wieseth Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2005 2011 2015Einwohner 762 800 746 838 836 831 789 788 801 794 761 764 759 778 765 804 824 824 1195 1066 891 931 1285 1442 1377 1347HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 124 136 163 166 167 167 174 176 199 357 413 421Quelle Für die Gemeinde Wieseth zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Forndorf (S. 26), Höfstetten (S. 42), Pflattermühle (S. 71), Schnepfenmühle (S. 82), Steigmühle (S. 88), Untermosbach (S. 95) und Zimmersdorf (S. 107). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis 1953 hatte die Gemeinde 798 Einwohner.

Ort Wieseth Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 411 439 490 465 458 451 452 661 570 606 625Häuser 72 76 94 96 101 104 123 183Quelle

Politik Wieseth ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Dentlein am Forst zusammen mit der Gemeinde Burk und dem Markt Dentlein am Forst.

Gemeinderat Der Gemeinderat hat zwölf Mitglieder und als Vorsitzenden den Bürgermeister. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014%SitzeSitzeBürgerliste51,8365Fortschrittlich Unabhängige Wählergemeinschaft34,8144CSU13,362 3

Bürgermeister Bürgermeister ist Walter Kollmar (Bürgerliste), der 2014 mit 55 % der Stimmen gewählt und 2020 mit 91,15 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-blau.

Baudenkmäler

Die evangelische Kirche ist im Baustil des Wilhelminischen Historismus gestaltet. Ihre Fertigstellung erfolgte 1914. Die Ursprünge der Kirche gehen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Im Kirchenraum ist die Glaubensgeschichte der christlichen Gemeinde wahrzunehmen. Bauteile und Einrichtungsgegenstände von Vorgängerkirchen wurden bewusst in das Bauwerk eingearbeitet. Im Gemeindeteil Untermosbach steht die Wallfahrtskirche St. Bernhardskapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Bodendenkmäler

Bildungseinrichtungen In Wieseth gibt es einen Kindergarten und eine kleine Grundschule.

Verkehr Die Staatsstraße 2222 verläuft über Thürnhofen nach Feuchtwangen zur Bundesstraße 25 (11,3 km westlich) bzw. über Forndorf nach Bechhofen (4,8 km östlich). Die Staatsstraße 2248 führt nach Herrieden (8 km nördlich) bzw. nach Burk (3,3 km südlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Mittelschönbronn (1,7 km nordwestlich), nach Untermosbach (1,3 km südwestlich) und nach Zimmersdorf (0,7 km südöstlich).

Persönlichkeiten Adeline Elisabeth Rohn (1868–1945), Schriftstellerin, Rohn floh in den letzten Kriegstagen nach Wieseth und starb im Ort

Literatur

Klaus Raschzok/Hermann Rummel: Die Kirche Wieseth – Die Evangelisch-Lutherische Pfarrkirche St. Wenzeslaus und St. Sebastian. Eine Anleitung zum Betrachten eines außergewöhnlichen fränkischen Kirchenraumes, Bayreuth 1997 (zu beziehen über Evang. Luth. Pfarramt Hauptstr. 57, 91632 Wieseth).

Weblinks

Gemeinde Wieseth

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1183 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach