mini|Karlsruher Fächer von Süden aus der Luft gesehen Die Geschichte Karlsruhes beginnt mit der Grundsteinlegung des Schlossturms am 17. Juni 1715 durch Markgraf Karl Wilhelm von Baden. Die Stadt entstand als barocke Planstadt auf dem strahlenförmigen Grundriss einer Jagdanlage im Hardtwald. Sie nahm ursprünglich nur das südliche, fächerförmige Viertel der 32 ringsum vom Schloss ausgehenden Alleen ein, weshalb sie auch Fächerstadt genannt wird. Karlsruhe wurde 1718 Residenz der kleinen Markgrafschaft Baden-Durlach und gewann mit deren Aufstieg zum Großherzogtum Baden im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Die Hauptstadtfunktion ging nach dem Zweiten Weltkrieg verloren, die Stadt wurde jedoch unter anderem durch die Ansiedlung der obersten deutschen Bundesgerichte entschädigt.

Vor der Stadtgründung Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Karlsruhe sind Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit (2200–1500 v. Chr.) zu finden. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entdeckte man ein Waffendepot, in dem Bronzebarren und zwei Randleistenbeile lagerten. Später entdeckte man noch ein weiteres Beil. Insgesamt sind mehrere Funde unter anderem aus Knielingen, Rüppurr und Durlach belegt. 1868 wurden in Knielingen ein altes Eisenschwert und bald darauf ein offener Bronzehalsring gefunden. 1911 fand man ein Gräberfeld mit zehn Bestattungen aus der jüngeren Eisenzeit.Bürgerverein Grünwinkel: Grünwinkel. Info Verlag, 2009, ISBN 978-3-88190-539-8.

In Knielingen wurde ein römischer Bronzeeimer aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt, bald darauf ein Gräberfeld mit 44 Bestattungen. Viele weitere Spuren wie einzelne Gräber, Ziegelbrennereien, Münzen etc. weisen auf eine römische Besiedlung hin. 1927 wurde ein römischer Steinkeller ausgegraben, was ein eindeutiges Indiz für eine frühere Siedlung ist. Wo sich Gräber fanden, konnte man die Grenzen der Siedlung feststellen, da es im römischen Reich verboten war, innerhalb einer Siedlung Bestattungen vorzunehmen. Durch die Lage der Funde geht man davon aus, dass sich am Fluss Alb eine römische Siedlung befand. Nördlich von Karlsruhe bei Friedrichstal kann man noch heute die Reste einer alten Römerstraße erkennen.

Im Jahr 1110 stiftete Graf Berthold von Hohenberg das Kloster Gottesaue, was am 16. August von König Heinrich V. bestätigt wurde. Auf dem Gelände des damaligen Klosters befindet sich heute das Schloss Gottesaue. Ursprünglich kamen 13 Mönche aus dem Kloster Hirsau in das Kloster auf das heutige Gebiet der Stadt Karlsruhe und fingen an, Wald zu roden und Landwirtschaft zu betreiben. Durch das Kloster begannen nahegelegene Siedlungen wie Mühlburg, Knielingen oder Neureut zu wachsen.

1565 verlegte Markgraf Karl II. seine Residenz von Pforzheim nach Durlach. Die Stadt erlebte daraufhin einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Durlach sowie Rintheim, Hagsfeld und Mühlburg zerstört. 1670 erhob Markgraf Friedrich VII. Magnus Mühlburg zur Stadt, der erhoffte Aufschwung blieb jedoch aus. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs zerstörten französische Truppen 1689 Durlach, Schloss Gottesaue, Rintheim, Mühlburg, Knielingen und Daxlanden, nicht zerstört wurde dagegen Rüppurr. Der bis 1714 andauernde Spanische Erbfolgekrieg verzögerte den Wiederaufbau der zerstörten Residenz in Durlach. Der großzügig angelegte Neubau des dortigen Schlosses Karlsburg blieb unvollendet.

Anfänge der Stadt

mini|Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach Nach dem Vorbild von Versailles und dem Zeitgeschmack entsprechend, hatten zu Beginn des 18. Jahrhunderts bereits die Baden-Durlach benachbarten und verwandten Fürsten Baden-Badens und Württembergs neue Residenzen in der freien Landschaft errichtet. Ludwig Wilhelm von Baden-Baden verlegte 1705 seine Residenz aus dem zerstörten Baden-Baden ins Schloss Rastatt, das Dorf Rastatt wurde zur dem Schloss vorgelagerten, barocken Planstadt umgebaut. Eberhard Ludwig von Württemberg, der Schwager des Karlsruher Stadtgründers Karl Wilhelm von Baden-Durlach, ließ das Residenzschloss Ludwigsburg errichten, in dessen Nachbarschaft ab 1709 Ludwigsburg als planmäßig angelegte Siedlung entstand. Karlsruhe wurde die letzte der Stadtgründungen am Oberrhein. Die genauen Absichten, die hinter der Gründung und dem gewählten Grundriss stecken, sind nicht dokumentiert und bieten Raum für Spekulationen und Legendenbildung.

Die grundsätzlich räumlich beengten Verhältnisse in Durlach veranlassten den Markgraf Karl Wilhelm bereits am 12. Januar 1711, Planungen für eine neue Hofstadt bei seinen Hof- und Bauräten in Auftrag zu geben. In der Nähe von Durlach im Hardtwald befand sich ein Jagdgebiet des Markgrafen. Eine Legende erzählt, dass der Markgraf bei einem Ausritt eingeschlafen sei und ihm im Traum eine Stadt erschien, die an diesem Platz gegründet werden sollte. Eine andere Deutung des Grundrisses sieht die „Fächerstadt“, deren Straßen wie Sonnenstrahlen vom zentralen Schloss ausgehen, als Verkörperung der absolutistischen Vorstellung, dass der Herrscher wie eine Sonne im Zentrum des Gemeinwesens stehe.

Nachdem bereits seit dem 28. Januar 1715 Rodungsarbeiten für eine Jagdanlage im Hardtwald vorgenommen worden waren, legte am 17. Juni 1715 der Markgraf persönlich den Grundstein für ein neues Jagd- und Lustschloss. Am gleichen Tag hatte er dort bereits den Hausorden der Treue gestiftet, dessen Motto Fidelitas bald Teil des Karlsruher Wappens wurde.Lars Adler: . In: Blick in die Geschichte, Nr. 93, 23. Dezember 2011: Stadtgründung und Ordensstiftung

Die Radialstraßen waren ursprünglich nach den Fidelitasrittern benannt: westlich der zentralen Carlsgasse lagen Günzerische Gasse, Alt-Draisen-Gasse, Löwenkranzsche Gasse und Rotbergische Gasse, östlich die Erbprinzische Gasse, Löwencronische Straße, Plantaische Gasse und Jung-Draisen-Gasse. Da diese Namen jedoch keinen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Bürger aufwiesen und bei jeder Änderung der Ordensmitgliedschaft die jeweilige Straße umbenannt werden musste, trugen sie ab 1732 die Namen von Wirtshäusern.

Die Bauleitung des Schlosses, das bis auf den steinernen Turm zunächst aus Holz gebaut war, wurde von Friedrich von Batzendorf und Hans Schwartz übernommen. Aufgrund der einsamen Lage, der schlechten Infrastruktur und der Tatsache, dass sich die Regierungsämter immer noch in Durlach befanden, beschloss der Markgraf, beim Schloss eine neue Residenzstadt zu gründen. Am 24. September 1715 erließ er einen Privilegienbrief, in dem er jedem, der sich in der neuen Stadt niederließ, Steuerbegünstigungen und Freiheiten zusicherte. Er sicherte den künftigen Einwohnern Religionsfreiheit, ein eigenes Untergericht, kostenloses Bauland und Bauholz, Steuerfreiheit für 20 Jahre, Handelsfreiheit und Zollfreiheit zu, sofern sie nach den Vorschriften der Planstadt bauten und über genügend Geldmittel verfügten. Daneben versprach er, dass es keine Leibeigenschaft und keine Frondienste für die Bürger der Stadt geben sollte und dass jeder Bürger ein Anhörungsrecht haben sollte.Der Privilegienbrief von 1715 für die Siedler in Karlsruhe. Originaltext auf der Website der Stadt Karlsruhe, Stand 3. Februar 2005, abgerufen am 23. Januar 2011. Der Privilegienbrief trägt bereits erste Merkmale moderner Verfassungen: Die persönlichen und wirtschaftlichen Freiheiten sind für diese Zeit bemerkenswert und zeugen von der Vorreiterrolle des Badischen Liberalismus. Bereits am 12. September 1718 baten die Bürger der Stadt um die Gründung eines Stadtrates, was vom Markgrafen genehmigt wurde. Am 24. November 1718 fand die erste Sitzung des Rates statt. mini|Karlsruher Stadtansicht 1721

1719 hatte die neugegründete Fächerstadt bereits fast 2000 Einwohner. Sie stammten nicht nur aus dem Umland, sondern fast jeder fünfte kam auch aus Ländern außerhalb des Reichs,. Website der Stadt Karlsruhe, abgerufen am 31. Juli 2012. vor allem aus Frankreich und Polen. Der erste Bürgermeister der Stadt Karlsruhe 1718, Johannes Sembach, wurde in Straßburg geboren. Die Bürger mussten beim Bau ihrer Häuser einstöckig mit Mansarddächern bauen, um ein einheitliches Stadtbild zu gewährleisten. Für Arme gab es Steuererleichterungen; sie wurden vorwiegend am südöstlichen Ende der Stadt angesiedelt (Klein-Karlsruhe oder „Dörfle“), wo sich ein soziales Problemviertel entwickelte. Die Menschen, die sich dort ansiedelten und provisorische Gebäude errichteten, waren fronpflichtig (ab 1752 als Ersatz steuerpflichtig) und waren keine gleichgestellten Bürger Karlsruhes.Manfred Koch: . Website der Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv & Historische Museen, Stand 23. März 2010, abgerufen am 23. Januar 2011. Die Stadt florierte indessen: 1721 wurde in der Kreuzstraße die erste Kirche errichtet sowie in der Lammstraße ein Wasserturm. 1722 wurde auch das Gymnasium von Durlach nach Karlsruhe verlegt. 1725 wurde der Bau eines eigenen Rathauses diskutiert und 1728 neben der geplanten Stadtkirche fertiggestellt, nachdem es Diskussionen über den Ort der Gebäude gegeben hatte.

1733 floh der Markgraf nach Basel, als im Verlauf des Polnischen Thronfolgekrieges französische Truppen rechtsrheinisches Gebiet betraten. Er kehrte erst im September 1736 zurück, nachdem Karlsruhe nur knapp der Zerstörung entkommen war. Zu dieser Zeit gab es Probleme in der Stadt, da der Privilegienbrief von 1715 unterschiedlich ausgelegt wurde. Deshalb gab der Markgraf 1722 einen neuen Privilegienbrief heraus, der den alten bestätigte und Details regelte. Unter anderem wurde genau definiert, wie viel Geld vorhanden sein musste, um sich in der Stadt niederzulassen (200 Gulden bzw. bei Juden 500 Gulden) und dass bei Ausländern, die sich in der Stadt ansiedelten, Leibesfreiheit nachgewiesen werden musste. Außerdem sicherte der Markgraf zu, dass die Stadt Bürgermeister, Baumeister, Gericht und Stadtrat selber wählen konnte.

mini|Karl Friedrich von Baden 1746 übernahm Karl Friedrich von Baden die Regierung. Er sorgte 1750 dafür, dass auf dem alten Fundament des Holzschlosses ein neues Schloss aus Stein gebaut wurde. Da es in der Stadt in dieser Zeit zu Problemen kam und am 2. Dezember 1751 erneut eine Bittschrift vom Stadtrat eingereicht wurde, weil die alten Privilegien im nächsten Jahr auslaufen würden und es Konflikte mit den „Schutzbürgern“, also vorwiegend der armen Bevölkerung Kleinkarlsruhes, gab, entwarf der Markgraf einen neuen Privilegienbrief. Dort sicherte er erneut Religionsfreiheit, die freie Wahl von Bürgermeister, Baumeister, Stadtrat und Polizeibeamten sowie kostenloses Bauholz zu, sofern der Wald nicht geschädigt wurde. Die Befreiung von Steuern und Zöllen wurde allerdings nicht verlängert.

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt. Am 21. Januar 1756 erließ Karl Friedrich eine Verordnung, die Zuschüsse für denjenigen vorsah, der ein Steinhaus baute. Das Baumaterial für die Häuser stammte aus Steinbrüchen aus Grötzingen und dem Pfinztal. Daneben wurde 1750 ein Steinschiffkanal von Durlach nach Karlsruhe gegraben und 1767 entlang des Kanals eine gerade, gut ausgebaute Straße angelegt. Nach dem Zusammenschluss der Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden 1771 wurde die Stadt Sitz der Markgrafschaft Baden und blühte auf. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen gebaut; 1789 wurde auf Staatskosten ein Hospital gestiftet, 1786 folgte nach dem Vorbild der 1785 eingerichteten „Witwenkasse“ eine Art Krankenversicherung für die Bürger Karlsruhes. Bereits 1763 siedelte sich in Karlsruhe eine Buchdruckerei an; zwei Jahre später wurde auch die fürstliche Bibliothek von Durlach nach Karlsruhe gebracht.Eugen H. Th Huhn: Karlsruhe und seine Umgebungen: Geschichte und Beschreibung. Mit Plan und Karte. C. Macklot, 1843.