Der Pampazaunkönig oder auch Seggenzaunkönig (Cistothorus platensis) ist ein kleiner Singvogel aus der Familie der Zaunkönige. Die Verbreitung reicht vom größten Teilareal in den gemäßigten Breiten Nordamerikas über zahlreiche zerstreute Vorkommen in Mittel- und Südamerika südwärts bis nach Feuerland. Zudem kommt die Art auf den Falkland-Inseln vor.

Im Dezember 2014 ergab eine genetische Untersuchung, dass die Art in ihrer derzeitigen Zusammensetzung paraphyletisch ist. Sie müsste auch den Méridazaunkönig (Cistothorus meridae) und den Apolinarzaunkönig (Cistothorus apolinari) einschließen. Die Autoren der Studie schlagen die Aufteilung des gesamten Komplexes aus bisher drei in elf Arten vor. Die nordamerikanischen Populationen würden dann beispielsweise als Cistothorus stellaris (, 1823) als „Pampazaunkönig“ („Sedge Wren“) bezeichnet werden, die Nominatform Cistothorus platensis mit der Unterart polyglottos eine weitere Art („Pampas Wren“) bilden.Mark B. Robbins, Árpás S. Nyári: Canada to Tierra del Fuego: Species Limits and Historical Biogeography of the Sedge Wren (Cistothorus platensis), The Wilson Journal of Ornithology 126/4, S. 649–662, 2014, doi:10.1676/13-162.1

Beschreibung Der Pampazaunkönig zählt mit 9–12 cm Körperlänge und 7–10 g zu den kleinen Arten der Familie und ist geringfügig größer als ein Zaunkönig. Ein Sexualdimorphismus besteht nicht. Der recht kurze Schnabel ist oberseits braun, unterseits heller gelblichbraun mit aufgehellter Spitze. Die Iris ist braun. Beine und Füße sind fleischfarben.

Bei adulten Vögeln ist die Oberseite auf beigebraunem Grund schwarz und weiß gestrichelt. Die Strichelung entsteht durch weißliche Schaftstriche und/oder Spitzen sowie schwarze Zentren und/oder Säume.Traylor (1988), S. 8f, siehe Literatur Auf dem Scheitel ist die Streifung feiner und auf dem Rücken sehr viel breiter. Die Streifung kann sich auf Bürzel und Oberschwanzdecken fortsetzen, bei manchen Populationen und Unterarten kann sie, ebenso wie auf dem Scheitel fehlen, nur teilweise oder schwach ausgeprägt sein. Der Überaugenstreif ist beige und von dunkler braunen Ohrdecken begrenzt. Kinn, Kehle und vordere Brust sind weißlich, die übrige Unterseite ist vor allem zu den Flanken und den Unterschwanzdecken hin sandbeige bis zimtfarben getönt. Diese Tönung kann sich auf der Brust zu einem angedeuteten Band verdichten.Traylor (1988), S. 13f sowie Dickerman (1975), siehe Literatur Die Steuerfedern sind auf hellbraunem Grund dunkel gestreift, bei einigen Populationen sind die Innenfahnen der mittleren Steuerfedern komplett schwarz.Traylor (1988), S. 13f, siehe Literatur Die Flügel sind auf dunklem Grund breit hellbraun bis hellbeige gebändert, die Bänderung wird zu den inneren Armschwingen und Armdecken hin heller.Herkert et al. (2001), Birds of North America Online, Abschnitte Distinguishing Characteristics und Appearance

Stimme Der GesangGesang des Pampazaunkönigs Hörbeispiel; MP3 wird ausschließlich von Männchen vorgetragen. Er erinnert ein wenig an den der Grauammer und besteht aus Strophen von 1,5 bis 2 Sekunden Länge, die in Abständen ähnlich oder in gleicher Form wiederholt werden. Diese werden mit drei bis vier kurzen, stakkatoartigen Silben eingeleitet und enden in recht variablen, klirrenden Trillern.Herkert et al. (2001), Birds of North America Online, Abschnitt Sounds

Männchen und Weibchen äußern eine Reihe von verschiedenen Rufen, unter anderem ein hohes, kurzes tschidKurzruf (tschid) des Pampazaunkönigs Hörbeispiel; MP3; 390 kB, das den ersten Silben des Gesangs ähneln kann.

Verbreitung und Bestand Die Brutverbreitung des Pampazaunkönigs reicht in zahlreichen disjunkten Teilarealen vom gemäßigten Nordamerika durch Mittel- und Südamerika bis nach Feuerland. Sie umfasst zudem die Falkland-Inseln.

Das nordamerikanische Verbreitungsgebiet reicht in Kanada von der östlichen Mitte Albertas und der südlichen Hälfte Saskatchewans, dem Südteil Manitobas und Ontarios bis in den äußersten Süden Québecs. In den USA verläuft die Westgrenze des Areals etwa durch die Mitte der Staaten North und South Dakota sowie Nebraska, die Südgrenze durch den äußersten Nordosten von Kansas, das mittlere Missouri, den Süden von Illinois und den äußersten Norden Kentuckys. Ostwärts kommt die Art noch in ganz Ohio, bis in den äußersten Nordwesten Pennsylvanias, in der Mitte und dem Norden New Yorks und im äußersten Nordwesten Vermonts vor. Zerstreute Vorkommen gibt es zudem ostwärts bis New Brunswick und südlich der geschlossenen Verbreitung in einem Bereich auf Höhe der Chesapeake Bay.Herkert et al. (2001), Birds of North America Online, Abschnitt Distribution

In Mittelamerika kommt die Art lokal vom mittleren Mexiko bis Costa Rica vor. Vorkommen, die bis ins westliche Panama reichten, sind Anfang des 20. Jahrhunderts erloschen. In Mexiko erstreckt sich das Areal über das südöstliche San Luis Potosí und das südliche Nayarit ostwärts durchs südliche Michoacán bis nach Puebla und in die westliche Mitte von Veracruz sowie vom Süden desselben Bundesstaats bis ins westliche Campeche und den Südosten von Chiapas. Weiterhin kommt die Art im südlichen Guatemala, im nordöstlichen El Salvador, im westlichen Honduras und in der östlichen Mitte von Costa Rica vor.

In Südamerika sind die Vorkommen sehr zerstreut. In Kolumbien und Venezuela findet man die Art in mehreren Regionen entlang der Anden. Zudem kommt sie lokal in den kolumbianischen Llanos, der Sierra Nevada de Santa Marta, in der Sierra de Perijá und am Roraima-Tepui an der Grenze zu Guyana vor. Weitere große Teilareale in den Anden gibt es in Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien südwärts bis Feuerland. Ferner erstreckt sich ein großes Teilareal in den Ebenen des mittleren Argentiniens ostwärts bis in die Provinz Buenos Aires, im südöstlichen Brasilien vom südlichen Goiás und Minas Gerais südwärts bis Paraná sowie ein weiteres über den äußersten Süden Paraguays und einen Teil Argentiniens bis Rio Grande do Sul.Traylor (1988), siehe Literatur

Die Art ist nicht gefährdet und der Bestandstrend ist überwiegend positiv.

Geografische Variation Die geografische Variation ist recht ausgeprägt und kompliziert. Sie bezieht sich auf Körpermaße und Proportionen, Streifung der Oberseite und Färbung der Unterseite. Es werden bis zu 20 Unterarten unterschieden, die in drei Gruppen unterteilt werden können. Zwei davon sind in Südamerika verbreitet, wobei die eine hauptsächlich im Bereich der Anden, die andere in subtropischen Bergregionen und im Tiefland in östlicher gelegenen Regionen vorkommt. Im Norden Argentiniens und im Südosten Brasiliens gibt es intermediäre Populationen, so dass anzunehmen ist, dass sich die beiden Gruppen in diesen Bereichen mischen. Traylor (1988) vermutet, dass die erste Gruppe sich in Südamerika entlang der Anden vor sehr langer Zeit ausgebreitet hat, da heute innerhalb der Gruppe eine auffällige geografische Variation mit teils klinaler Ausprägung besteht. Die andere hat Südamerika erst in jüngerer Zeit besiedelt und weist noch recht konstante Merkmale auf. In dieses Entwicklungsszenario würden sich auch die nahe verwandten Arten Méridazaunkönig (Cistothorus meridae) und Apolinarzaunkönig (Cistothorus apolinari) eingliedern lassen.Traylor (1988), siehe Literatur

Stellaris-Gruppe

Die Verbreitung dieser Gruppe reicht von Nord- bis Mittelamerika. Sie zeichnet sich durch eine fehlende oder nur andeutungsweise vorhandene Streifung auf Bürzel und Unterschwanzdecken aus. Diese Gefiederpartie ist bei C. p. stellaris rötlich zimtfarben. Vögel dieser Unterart sind Zugvögel und weisen durchschnittlich recht lange Flügel auf.

C. p. stellaris (, 1823)Johann Friedrich Naumann (1823), S. 724. – Brütet in Südkanada bis Nordkentucky, Ostpennsylvania und New York in den USA, nicht brütend von Virginia bis südlich an die Küsten von Texas und Nordostmexiko. C. p. tinnulus , 1941Robert Thomas Moore (1941), S. 40. – Michoacán, Zentralmexiko, nur vom Typusexemplar bekannt. C. p. elegans , 1859Philip Lutley Sclater u. a. (1859), S. 8 – Hochland Südostmexikos, Guatemala und westliches Belize. C. p. lucidus , 1903Robert Ridgway (1903), S. 169. – Zentral-Costa Rica südwärts bis Westpanama. C. p. potosinus , 1975Robert William Dickerman (1975), S. 4. – Nord- und Zentralmexiko. C. p. jalapensis , 1975 – Ostmexiko. C. p. warneri , 1975Robert William Dickerman (1975), S. 6. – Ostmexikanisches Tiefland. C. p. russelli , 1975 – Belize. C. p. graberi , 1975Robert William Dickerman (1975), S. 7. – Inneres und östliches Honduras sowie Nordostnicaragua.

Platensis-Gruppe

Diese südamerikanische Unterartengruppe unterscheidet sich von der Polyglottus-Gruppe durch den durchgehend streifigen Schwanz und eine durchschnittlich längere Flügellänge. Sie ist recht variabel in Körpermaßen und Gefiederfärbung mit mehreren klinal ausgeprägten Untergruppen und einigen deutlichen Brüchen. Traylor (1988) hält die Abgliederung der Unterarten tolimae und tamae für nicht gerechtfertigt. Er hält sie für klinale Ausprägungen von aeqatorialis.Traylor (1988), S. 27f, siehe Literatur

C. p. aequatorialis , 1871George Newbold Lawrence (1874), S. 3. – Südliches Ende der Anden in Kolumbien bis südlich nach Zentralperu. C. p. tolimae , 1946Rodolphe Meyer de Schauensee (1946), S. 2. – Nördlicher Teil der Anden in Kolumbien. C. p. tamae Charles Barney Cory (1916), S. 344. – Südwestvenezuela und Ostkolumbien. C. p. graminicola Władysław Taczanowski (1874), S. 130. – Süd- und Zentralperu. C. p. tucumanus Ernst Hartert (1909), S. 163. – Nordwestargentinien. C. p. platensis (, 1790)John Latham (1790), S. 548. – Ostargentinien. C. p. hornensis (, 1834)René Primevère Lesson (1834), S. 316. – Zentralchile und Südargentinien bis Kap Hoorn. C. p. falklandicus , 1934Frank Michler Chapman (1934), S. 7. – Falklandinseln.

Polyglottus-Gruppe

Im Unterschied zur Platensis-Gruppe zeigen diese Unterarten untereinander eine recht geringe Variation. Der Bürzel ist meist ungestreift, die Flügellänge relativ gering und die mittleren Steuerfedern weisen komplett schwarze Innenfahnen auf.

C. p. polyglottus (, 1819)Louis Pierre Vieillot (1819), S. 59. – Paraguay und Südostbrasilien. C. p. alticola , 1883Osbert Salvin u. a. (1883), S. 204 – Berge Nordkolumbiens, West-, Nord- und Ostvenezuela sowie Westguyana. C. p. minimus , 1935Melbourne Armstrong Carriker, Jr (1935), S. 354. – Südperu bis Südbolivien.

Wanderungen Die nördliche Unterart C. p. stellaris ist ein Kurzstreckenzieher, der entlang der südlichen Atlantikküste Nordamerikas und am Golf von Mexiko in den USA und im nordöstlichen Mexiko überwintert. Die Überwinterungsgebiete erstrecken sich dort sehr weit ins Binnenland. Der Frühjahrszug findet ab Ende April bis Juni statt, der Herbstzug zwischen Anfang August und Ende Oktober. Alle anderen Populationen sind Standvögel.

Lebensraum Der Pampazaunkönig brütet in Seggenrieden und anderen hohen Grasbeständen in Feucht- und Mähwiesen, Nassbrachen, Röhrichtflächen an Gewässern, Salzwiesen und Hochmooren. Er meidet kurzgrasige, offene, überschwemmte oder von Rohrkolben dominierte Habitate. Optimale Habitate sind in nicht zu hohem Maße von Gebüschen und Hochstauden durchsetzt und weisen eine durchschnittliche Wuchshöhe von 1,1 m auf.Herkert et al. (2001), Birds of North America Online, Abschnitt Habitat

Fortpflanzung mini|Paar des Pampazaunkönigs am Nest, Stich nach John James Audubon Neben monogamen Brutehen kommt beim Pampazaunkönig häufig Bigynie vor. Obwohl das Geschlechterverhältnis meist annähernd gleich ist, brüten nicht selten zwei Weibchen im Territorium eines Männchens mit einem erfolgversprechenden Revier, so dass andere Männchen – oft solche mit randständigen oder weniger geeigneten Revieren – unverpaart bleiben.Crawford (1977), siehe Literatur sowie Jared Verner: Evolution of Polygamy in the Long-Billed Marsh Wren, Evolution Bd. 18, Nr. 2 (1964), S. 252–261 Der Anteil an Polygynie kann zwischen 30 und 50 % betragen.