mini|Alexei Alexandrowitsch Romanow Großfürst Alexei Alexandrowitsch (; * in Sankt Petersburg; † in Paris) war ein Mitglied des Hauses Romanow-Holstein-Gottorp und Generaladmiral der Kaiserlich Russischen Marine.
Leben mini|Palast des Großfürsten Alexei Alexandrowitsch Alexei war der vierte Sohn des russischen Zaren Alexander II. (1818–1881) und seiner Frau Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt (Maria Alexandrowna, 1824–1880), einer Tochter des Großherzogs Ludwig II. von Hessen-Darmstadt. Er war ein jüngerer Bruder des Zaren Alexander III. (1845–1894) und ein Onkel des 1918 ermordeten Zaren Nikolaus II. (1868–1918).
Für ihn wurde der Alexei-Alexandrowitsch-Palast am Moika-Ufer in Sankt Petersburg durch den Architekten Maximilian Messmacher (1842–1906) erbaut.
mini|Graf Alexei Alexeiwitsch Belewsky, der uneheliche Sohn des Großfürsten
In den Jahren 1869/1870 hatte Großfürst Alexei eine Liebesbeziehung zur Hofdame Alexandra Wassiljewna Schukowskaja (1842–1899), die acht Jahre älter als er war. Aus dieser Beziehung ging ein Sohn, Alexei (* 26. November 1871 in Salzburg) hervor. Der Vater des Großfürsten, Zar Alexander II., missbilligte die Beziehung seines Sohnes. Alexandra Schukowskaja heiratete als „Baroness Seggiano“ (einem in San Marino vielleicht durch den Großfürsten gekauften Titel) am 14. Dezember 1875 den sächsischen Oberst Baron Christian-Henrich von WöhrmannBaron Christian-Henrich von Wöhrmann, Sohn des Christian Heinrich von Wöhrmann in München und starb 1899 in Wendischbora/Sachsen.
Erst der Bruder des Großfürsten, Zar Alexander III., verlieh 1884 dem unehelichen Sohn seines Bruders den Titel eines Grafen Belewsky, nach dem Geburtsort seines Großvaters. 1913 erhielt er die Erlaubnis den Familiennamen seiner Mutter (Schukowski) hinzuzufügen. Graf Alexei Alexejewitsch Belewsky heiratete 1894 in Iljinskoje die Prinzessin Marija Petrowna Trubezkaja (1872–1954). Iljinskoje war ein Besitz des Großfürsten Sergei Alexandrowitsch, des Gouverneurs von Moskau, dem er ab 1904 als Adjutant diente. Dies spricht für seine Anerkennung in der kaiserlichen Familie.
Großfürst Alexei Alexandrowitsch war nie verheiratet. Ende der 1880er-Jahre begann er eine Beziehung mit der Herzogin von Leuchtenberg, der morganatischen Ehefrau seines Cousins Eugène von Leuchtenberg, Fürst Romanowski, (1847–1901)Eugène von Leuchtenberg (1847–1901), russ. General der Infanterie, seit 1891 5. Herzog von Leuchtenberg, zweiter Sohn des Maximilian de Beauharnais (1817–1852), 3. Herzog von Leuchtenberg (1835), 1839 Fürst Romanowski und der Großfürstin Maria Nikolajewna Romanowa (1819–1876), älteste Tochter des russischen Zaren Nikolaus I.. Dieser hatte 1870 „Sina“ Sinaida Skobelewa in zweiter Ehe geheiratet, die als Schönheit galt und eine Tochter des Generals Michail Dmitrijewitsch Skobelew war. Zar Alexander II. gab ihr den Titel einer Gräfin de Beauharnais und sein Sohn Alexander III. erhob sie zur Herzogin von Leuchtenberg. Der Großfürst betrieb die Affäre offen und im Haus des Ehemanns. Als Eugène von Leuchtenberg sein Erbe durchgebracht hatte, lebten er und seine Frau beim Großfürsten und als Sinaida 1899 starb, lebte Eugène weiterhin bei Alexei.
Der Großfürst galt als Frauenheld, seine Urlaube verbrachte er in Paris oder Biarritz und meist in Begleitung einer neuen Geliebten. Seine Kritiker warfen ihm seine Liebe zu „schnellen Frauen und langsamen Schiffen“ vor. Dies bezog sich auf die Niederlage der russischen Flotte im Russisch-Japanischen Krieg für die der Großfürst mit verantwortlich gemacht wurde. Seit 1883 Generaladmiral der Kaiserlich Russischen Flotte, hatte er in dieser Funktion die Planungen und Beschaffungen der Marine zum Teil entscheidend beeinflusst. Auch hatte er erheblichen Einfluss auf den Zaren und dessen politische und strategische Entscheidungen.
Ausbildung in der Marine Der Großfürst Alexei Alexandrowitsch war seit seiner Kindheit für den Dienst in der Marine vorgesehen. Mit sieben wurde er zum Kadetten ernannt. Ab 1858 wurde der Marineoffizier Konstantin Nikolajewitsch Posjet (1819–1899) Leiter seiner Ausbildung. Der Winter war der wissenschaftlichen und theoretischen Ausbildung vorbehalten, während im Sommer die Ausbildung auf russischen Kriegsschiffen durchgeführt wurde. So machte Alexei Alexandrowitsch 1860 eine Fahrt auf der Yacht Schtandart von Peterhof an der Ostsee bis nach Livada am Schwarzen Meer bei Burgas, Bulgarien, mit. 1861 bis 1863 folgten Fahrten auf der Yacht Sabawa unter der Flagge seines Ausbilders Konteradmiral Posjet in den Finnischen und Bottnischen Meerbusen der Ostsee, 1864 eine weitere Fahrt in der Ostsee auf der Fregatte Swetlana und 1866 eine Fahrt auf der Fregatte Osljabja bis zu den Azoren. Am 18. September 1866 wurde der 16-jährige Großfürst zum Leutnant ernannt. Er diente jetzt als Offizier auf der Fregatte Alexander Newski auf einer Fahrt durch das Mittelmeer bis Piräus, von wo aus er die Heirat seiner Cousine Olga Konstantinowna mit dem griechischen König Georg I. besuchte.
Im Jahr 1868 führte die sommerliche Bildungsreise mit dem Zug von Sankt Petersburg durch Südrussland nach Nikolajewsk an der Wolga. Auf der Wolga ging es weiter bis nach Astrachan. Von dort fuhr er auf einem Kriegsschiff über das Kaspische Meer nach Baku, Petrowsk (heute Machatschkala) und in den Iran. Auf dem Landweg kreuzte er dann den Kaukasus nach Poti am Schwarzen Meer, wo ihn wieder die Alexander Newski erwartete. Auf ihr segelte er dann über Konstantinopel, Athen wieder bis zu den Azoren. Auf der Rückfahrt in die Ostsee erlitt die Fregatte Schiffbruch an der jütischen Küste während eines Nordseesturms. Das Schiff ging verloren, aber bis auf fünf Mann gelangte die Besatzung einschließlich des Großfürsten und seiner Ausbilder mit Hilfe dänischer Fischer an die Küste. Kommandant und Admiral Posjet hatten den Schiffsstandort falsch bestimmt.
Im Januar 1870 wurde der Großfürst nach russischem Recht volljährig und ab Juni folgte der letzte Ausbildungsabschnitt. Mit einem Kutter mit Dampfmaschine fuhr er von Sankt Petersburg durch das Kanalsystem von Mariinsk und die Nördliche Dwina bis nach Archangelsk. Dort begann ein Navigationstraining unter arktischen Bedingungen auf der Korvette Warjag, das zu den Solowezki-Inseln führte und durch das Weiße Meer und die Barentssee bis Nowaja Semlja. Die Rückreise ging über die Kolabucht, das heutige Murmansk und Häfen in Nordnorwegen und Island. Im September kehrte Alexei Alexandrowitsch nach Kronstadt zurück.
Nordamerikabesuch Mit einem russischen Geschwader in die Vereinigten Staaten Als Antwort auf den Besuch eines US-Geschwaders in Sankt Petersburg 1867 unter dem Kommando von Admiral David Farragut, beschloss die russische Regierung die Entsendung einer russischen Delegation unter dem Großfürsten Alexei Alexandrowitsch. Der russische Marineminister, Admiral Nikolai Karlowitsch Krabbe (1814–1876), verkündete dies am 29. Juni 1871.Bestätigung des Besuches des Großfürsten. In: New York Times, 30. Juni 1871. mini|Die Fregatte Swetlana Entsandt wurde ein Geschwader unter Admiral Posjet, dem Erzieher des Großfürsten, mit den Fregatten Bogalje, Swetlana – auf der der Großfürst als Leutnant und Wachoffizier diente – und General-Admiral, der Korvette Ignatijew und dem Kanonenboot Abrek. Obwohl alle Schiffe Dampfmaschinen hatten, segelte das Geschwader den größten Teil der Strecke, um keine Kohlen aufnehmen zu müssen. Dem Geschwader gehörten neben dem persönlichen Stab des Großfürsten 200 Offiziere und über 3.000 Matrosen an, die am 20. August 1871 Kronstadt verließen.Großfürst Alexis verlässt Kronstadt. In: New York Times, 21. August 1871 Das Geschwader lief zuerst Kopenhagen an, wo Alexei Alexandrowitsch den dänischen König Christian IX. besuchte. Im Ärmelkanal begleitete ein Geschwader der Royal Navy die russischen Schiffe und geleitete sie nach Plymouth, wo sich der Großfürst mit Prinz Alfred, dem Herzog von Edinburgh, traf. Dieser hatte 1876 die einzige überlebende Schwester des Großfürsten, Marija Alexandrowna, geheiratet. Ein geplanter Besuch in Balmoral Castle fiel wegen einer schweren Krankheit des britischen Kronprinzen Edward aus.Beeindruckender Empfang des Großfürsten in Plymouth. In: New York Times, 18. September 1871 Am 26. September verließ das russische Geschwader Plymouth Richtung New York, stoppte allerdings noch einige Tage in Madeira.New York Times, 29. Oktober 1871 Bevor das Geschwader die USA erreichte, stieß die Fregatte Wsadnik des pazifischen Geschwaders zum Verband. Das Russische Geschwader wurde von einem US-amerikanischen Geschwader unter Vizeadmiral Stephen Clegg Rowan (1808–1890), dem Hafenadmiral von New York auf der Fregatte Congress vor Staten Island empfangen, dem noch das Flaggschiff der North Atlantic Squadron der United States Navy, die Severn mit Admiral Samuel Phillips Lee, die Iroquois sowie die Kansas und etliche Schleppdampfer angehörten.Empfang des Großfürsten. In: New York Times, 4. Oktober 1871 Am 21. November 1871 ging das Geschwader in New York vor Anker.Empfang des Großfürsten. In: New York Times, 22. November 1871
Besuche an der Ostküste Schon am 22. November fuhr der Großfürst mit der Eisenbahn nach Washington, um den US-Präsidenten Ulysses S. Grant zu besuchen. Am Empfang am folgenden Tag nahmen die Familie des Präsidenten und fast das gesamte Kabinett, zum Teil mit Ehefrauen, teil. Dennoch gab es nur ein sehr kurzes Zusammentreffen, ohne ein Essen oder ähnliches. Der Präsident hatte bislang vergeblich den Abzug des russischen Botschafters Katakasi gefordert, der den Großfürsten zusammen mit dessen Ausbilder, Admiral Posjet, und einigen Mitgliedern dessen Stabes begleitete. Der Großfürst hatte den Wunsch geäußert, an einer Sitzung des Kongresses teilzunehmen, was auch wegen der Verstimmung über den Verbleib des Botschafters Katakasi scheiterte. Entgegen den Erwartungen kam es auch zu keinem Abschluss eines Bündnisses oder anderen Verträgen.Besuch des Großfürsten beim Präsidenten. In: New York Times, 24. November 1871
So verließ Alexei Alexandrowitsch schon am folgenden Tag die Hauptstadt und besuchte auf dem Rückweg nach New York die United States Naval Academy in Annapolis. In und um New York besichtigte er dann militärische, soziale und Gemeindeeinrichtungen, wobei die New York Times über seine Besuche fortlaufend berichtete.The Grand Duke. His Movements Yesterday. In: New York Times Am 3. Dezember 1871 reiste der Großfürst weiter nach Philadelphia, dann war er vom 7. bis 14. Dezember in Boston. Sein Interesse galt militärischen Kontakten, Industrieanlagen und Bildungseinrichtungen.
Ausflug nach Kanada Der Großfürst reiste dann mit dem Zug weiter nach Kanada, wo er zuerst Montreal besuchte.Frühstück mit dem Bürgermeister von Montrea. In: New York Times, 16. Dezember 1871 Nach weiteren Besuchen, unter anderem von Ottawa und Toronto, besichtigte er von Clifton Hill aus kurz vor Weihnachten mit dem Schlitten und zu Fuß die Niagarafälle, wo er auch wieder in die USA zurückkehrte. Weihnachten verbrachte er in Buffalo und über Cleveland und Detroit erreichte er zum Jahreswechsel Chicago, wo er die durch das Feuer zerstörten Stadtteile besuchte und einen größeren Betrag für den Wiederaufbau spendete. Im neuen Jahr reiste er dann über Milwaukee weiter nach St. Louis, wo er eine Woche verblieb. Am 12. Januar 1872 erreichte er dann Omaha,The Grand Duke Alexis arrived at Omaha. In: New York Times, 13. Januar 1872 dem Ausgangspunkt für einen Jagdausflug.
Jagdausflug im Wilden Westen Dieser Ausflug war von US-amerikanischer Seite umfangreich vorbereitet worden. Unter dem Kommando von General Joel Palmer waren zwei Kompanien Infanterie in Wagen, zwei Kompanien Kavallerie, eine Militärkapelle und eine Vielzahl von sonstigen Hilfskräften bereitgestellt worden.