Līgatne () ist eine Kleinstadt in Lettland am Ufer des Flüsschens Līgatne (auch Ligate oder Līgate) vor dessen Einmündung in die Gauja im Gauja-Nationalpark. Im Jahr zählte Līgatne Einwohner. Die gleichnamige Gemeinde (Līgatnes pagasts) hatte 2021 2243 Einwohner.

Geschichte Die Ortschaft entstand um eine Papierfabrik, die 1815 von Justus Storch gegründet worden war. 1864 kaufte die AG Rigaer Papierfabriken die Papierfabrik Ligat. 1889 erhielt Līgatne Anschluss an das Eisenbahnnetz und einen Bahnhof auf der Strecke Riga–Valka Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden um die Fabrik Arbeitersiedlungen, ein Krankenhaus, ein Kulturhaus, Kindergarten und andere Einrichtungen. In einem damals einzigartigen sozialen Modell wurde den Arbeitern freie Wohnung, Heizung, Strom, Kindererziehung, Altersversorgung usw. gewährt.

Ein oberer Ortsteil entwickelte sich an der Straße Riga-Pleskau.

2009 vereinigte sich die Stadt mit ihrer Landgemeinde zum Bezirk Līgatne, der 2021 im Bezirk Cēsis aufging.

Sehenswürdigkeiten Touristische Anziehungspunkte sind ein Naturpark mit Freigehegen für einheimische Wildtiere, ein für die Regierung der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik gebauter sowjetischer Bunker für den Fall eines nuklearen Krieges,Art. Īpatnējs. In: Filips Birzulis, Kristīne Komarovska: The Latvian ABC. Latvijas institūts, Riga 2020, S. 31–32, hier S. 32. die ehemalige Papierfabrik, eine hölzerne Autofähre über die Gauja und der Gūdu-Felsen. Gegenüber dem Kulturhaus befinden sich in den weichen Sandstein gehauene ehemalige Eiskeller. Rund um den unteren Ortsteil gibt es viele weitere künstliche Höhlen.

mini|Eisenbahnstation Ligatne

Verkehr Die Station Līgatne in der Siedlung Augšlīgatne liegt Bahnstrecke Riga–Valga und weiter nach Tartu. Südlich führt die Straße Autoceļš A2 am Ort vorbei.

Geschichte der Papierfabrik Die Ortschaft ist mit der dort befindlichen Papierfabrik eng verbunden.

Ein Zeitzeugenbericht beschreibt die Arbeitervergünstigungen Anfang des 20. Jahrhunderts:

mini|Kulturzentrum und Bibliothek Līgatne Juni 2015

Die Papierproduktion wurde während des Ersten Weltkriegs in Līgatne gestoppt, die Papiermaschinen wurden demontiert und nach Russland gebracht.

1920 stellte die neue Regierung der Republik Lettland 20 Mio. Lettische Rubel bereit, um die Fabrik wieder aufzubauen und mit der Papierproduktion wieder zu beginnen. In den 1920er und 1930er Jahren hatte die Papierfabrik Līgatne die modernsten Anlagen zur Papierproduktion in Europa und war eine der besten Fein- und Spezialpapierfabriken.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion erneut gestoppt, im Februar 1945 auf drei Papiermaschinen wieder aufgenommen.

Während eines Brandes 1993 brannte die Fabrik teilweise ab und wurde durch Spenden wieder aufgebaut. Im Jahr 2000 wurde sie unter dem Namen SIA „Papīrfabrika Līgatne“ als GmbH eingetragen.Video der Papierherstellung in Līgatne aus Recyclingmaterial (Minute 1:40 bis 5:00) auf YouTube (lettisch). 2014 musste Insolvenz angemeldet werden. mini|Lutherische Kirche Kempji

Lutherische Kirche Kempji Die im Ortsteil Kempji der Gemeinde Līgatne gelegene Lutherische Kirche wurde 1882 im neugotischen Stil errichtet.https://timenote.info/lv/Kempju-baznica-Ligatne-Kempji Lutherische Kirche Kempji

Töchter und Söhne des Ortes Pauls Bankovskis (1973–2020), SchriftstellerIn seinem schriftstellerischen Werk thematisiert Bankovskis immer wieder seine ersten vier Lebensjahre, die er in Līgatne verbrachte. Insbesondere zu Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn gab er mehrmals Līgatne als seinen Geburtsort an (tatsächlich wurde er im nächstgelegenen Krankenhaus von Cēsis entbunden), beispielsweise in der Einleitung seines Debüts in der Literatur-Monatsschrift Karogs. Wilhelm Knorin (1890–1939), sowjetischer Revolutionär, Politiker und Historiker lettischer Abstammung Asja Lācis (1891–1979), Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin

Siehe auch Liste deutscher Bezeichnungen lettischer Orte Verwaltungsgliederung Lettlands

Literatur

Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Lettland